Franziskanische Wissenschaft: Bonaventura


Seminararbeit, 1996

25 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1 Das Leben Bonaventuras

2 Die Franziskanerschule
2.1 Geschichte
2.2 Franziskus von Assisi
2.3 Augustinismus

3 Die Denkrichtung Bonaventuras
3.1 Geistige Wurzeln
3.2 Bonaventura und Franziskus
3.3 Die Heilige Schrift
3.4 Einstellung zur Philosophie
3.5 Bonaventura und die Theologie

4 Bonaventuras Werk

5 Die heutige Bedeutung Bonaventuras

6 Literaturverzeichnis

Einleitung

Der vom heiligen Franziskus von Assisi (1181/82-1226) gegründete Franziskanerorden hat immer wieder großen Einfluß auf Theologie und Philosophie gehabt. Dies geschah durch die Ideale und die Spiritualität des Franziskus. Es entstand eine eigene Art von franziskanischer Wissenschaft, die sogenannte Franziskanerschule, die im Laufe der Zeit verschiedene Phasen durchlief und eine Reihe großer Theologen und Philosophen hervorbrachte. Zu ihnen gehört auch der heilige Bonaventura, welcher der bedeutendste Vertreter der ältesten Franziskanerschule ist. Seine Denkweisen sind bis in die heutige Zeit hinein relevant.

Zunächst soll nun das Leben Bonaventuras grob dargestellt werden, woran sich eine Erläuterung der Franziskanerschule anschließt. Danach sollen seine Theologie und Philosophie beschrieben werden. Es folgt ein Überblick über sein Werk, worauf abschließend zusammengefaßt und kurz die heutige Bedeutung des heiligen Bonaventura aufgezeigt werden soll.

1. Das Leben Bonaventuras

Der heilige Bonaventura teilt das Schicksal, das auch anderen christlichen Persönlichkeiten widerfahren ist: es ist keine Biographie eines Zeitgenossen vorhanden, die aus seinem Leben berichtet. So weiß man über dieses nur in groben Umrissen Bescheid.

Der heilige Bonaventura wurde um 1217 in Bagnoreggio bei Viterbo geboren. Sein Taufname war Johannes Fidanza di Castello. Den Namen „Bonaventura“, der im Lateinischen „gute Zukunft“ bedeutet, soll er von Franziskus selbst erhalten haben. Als er nämlich als kleines Kind schwer krank war, trug ihn seine Mutter zu dem „Poverello“ und bat ihn, er möge Gott bitten, daß ihr Sohn wieder gesund werde. Der Gründer des Franziskanerordens betete für ihn, und bald darauf war er geheilt. Als Franziskus im Sterben lag, wurde der Junge nochmals von seiner Mutter zu ihm gebracht, denn er hatte das Kind liebgewonnen. Da rief er aus: „O buono ventura !“. Von da an nannte man den Jungen „Bonaventura“.[1]

Später siedelte Bonaventura nach Paris über, um dort von 1236-1242 das Studium der Artes zu betreiben. Seine Heilung nach der Fürbitte des Franziskus von Assisi in der Kindheit mag mit zu seiner großen Verehrung des Heiligen beigetragen und ihn schließlich auch dazu bewogen haben, dort im Jahre 1243 selbst in den Franziskanerorden einzutreten. Sein Leben und Wirken innerhalb des Ordens gehörte zunächst weiter der Wissenschaft. Im selben Jahr begann Bonaventura unter Alexander von Hales OFM das Theologiestudium, das er 1254 mit dem Lizentiat beendete. Mit ca. 35 Jahren wurde er zum Doktor der Theologie promoviert und schließlich am 12. August 1257 zusammen mit dem heiligen Dominikaner Thomas von Aquin (um 1224-1274), der ein enger Freund von ihm war, Magister regens, was dem heutigen ordentlichen Professor bzw. Lehrstuhlinhaber entspricht, an der Universität Paris.

Einige Monate vorher - am 2. Februar 1257 - erfolgte seine Wahl zum siebten Ordensgeneral. Bis 1274 leitete Bonaventura den Franziskanerorden und führte ihn in kluger Weise durch große Schwierigkeiten glücklich hindurch. Er vollendete die Verfassung und baute die Organisation seines Ordens aus. Weil er auch eine besondere Liebe zu Maria hatte, stellte er ihn unter ihren besonderen Schutz. Seine Lehrtätigkeit hatte Bonaventura als Ordensoberer niedergelegt.

Am 28. Mai 1273 ernannte ihn Papst Gregor X. zum Kardinalbischof von Albano bei Rom und berief ihn an die Kurie, wo ihn der Papst mit der Vorbereitung sowie der Leitung des 2. Konzils von Lyon (1274) betraute. Auf dem Konzil war er die herausragende Persönlichkeit und sehr erfolgreich. So verwirklichte er u. a. eine neue Union der griechischen mit der katholischen Kirche, die jedoch in Byzanz keinen Widerhall fand.

Noch vor dem Ende des Konzils erkrankte Bonaventura und starb am 15. Juli 1274 in Lyon. 1482 wurde er von Sixtus IV., der selber Franziskaner war, heiliggesprochen. Sein Fest wurde auf den 15. Juli festgesetzt. Ebenfalls ein Franziskaner, nämlich Sixtus V., ernannte ihn 1588 zum Kirchenlehrer. Er bekam den Ehrennamen „Doctor seraphicus“. Bonaventura ist Patron der Franziskaner, Arbeiter, Kinder und Lastträger.

2. Die Franziskanerschule

2.1 Geschichte

Bereits der heilige Franziskus hatte die Notwendigkeit einer guten Ausbildung seiner Brüder für die Predigttätigkeit erkannt. Bonaventura schließlich sicherte den Studien im OFM einen dauerhaften Platz. Die Bildung der Franziskanerschule wurde dadurch unterstützt, daß der Orden sehr bald feste Lehrstühle an den Universitäten in Paris und Oxford bekam. Man unterscheidet heute drei Phasen dieser franziskanischen Schule.

Die erste wird als die ältere Franziskanerschule bezeichnet. Die Franziskanerschule von Oxford erhielt ihre erste Prägung durch Robert Grosseteste (1175-1253), der am Oxforder Studium des Ordens lehrte und Augustinus, aber auch Aristoteles und den arabischen Neuplatonismus vermittelte. In Paris wurde die Franziskanerschule zu Beginn durch Alexander von Hales (1185-1245) bestimmt. Dieser trat als Magister in den OFM ein und brachte seinen Lehrstuhl mit. Obwohl er ein großer Kenner des Aristoteles war, blieb auch er Platoniker und Augustinist. Nach ihm hatte sein Schüler Johannes de Rupella (um 1200-1245) diesen Lehrstuhl inne. Der bedeutendste Schüler Alexanders war allerdings Bonaventura, der auch der wichtigste Vertreter der älteren Franziskanerschule war. Zu dessen Zeit lehrte in Oxford Adam von Marsh (gestorben 1259), der wie Alexander von Hales als Magister in den Orden eingetreten war. Sein begabtester Schüler und dritter Nachfolger war Thomas von York (gestorben 1260). Desweiteren sind als Repräsentanten dieser Phase der Franziskanerschule Odo Rigaldus (gestorben 1275), Wilhelm von Melitona (gestorben um 1260) und Richardus Rufus (gestorben nach 1259) zu erwähnen.

Charakteristische Thesen der älteren Franziskanerschule sind die Lehren von der materia spiritualis, den rationes seminales, der pluralitas formarum, der Erkenntnis in den ewigen Regeln, der unmittelbaren Erkenntnis des einzelnen durch den Intellekt, der unmittelbaren Erkenntnis der Seele durch ihre Wesenheit und der nicht akzidentelle Charakter der Seelenkräfte.[2]

Auf die ältere folgte die mittlere Franziskanerschule. Mit ihr bezeichnet man die Theologen des OFM zwischen Bonaventura und Duns Scotus. Die bedeutendsten unter den unmittelbaren Schülern des heiligen Bonaventura waren Matthäus von Acquasparta (1235/40-1302) und Johannes Peckham (um 1240-1292), die beide polemische Augustinisten waren. Peckham war zudem ein besonders scharfer Gegner Thomas´ von Aquin. Weitere Vertreter der mittleren Franziskanerschule sind beispielsweise Wilhelm de la Mare (gestorben um 1300), der in Paris und Oxford lehrte, Wilhelm von Falgar (gestorben 1297/98) und Walter von Brügge (um 1225-1307).

Die letzte Phase der Franziskanerschule ist die jüngere Franziskanerschule, die nach ihrem Haupt Johannes Duns Scotus (1265-1308) auch Scotusschule genannt wird. Dieser blieb in der Hauptorientierung Augustinist, schätzte jedoch auch Aristoteles und Avicenna sehr hoch und entwickelte von ihrer Philosophie aus ein System, das im Franziskanerorden vorherrschend wurde und blieb. Seine Kritik, die er an Thomas von Aquin übte, ergab sich notwendig aus seiner heilsgeschichtlich theologischen Konzeption.

Unter den Lehrern des OFM im Mittelalter nehmen Petrus Aureoli und Wilhelm von Ockham eine gewisse Sonderstellung ein. Hierauf kann an dieser Stelle allerdings nicht näher eingegangen werden.

2.2 Franziskus von Assisi

Das die Geistigkeit der Franziskanerschule Kennzeichnende liegt nicht so sehr in bestimmten Thesen, die vertreten werden, sondern in einer bestimmten Art zu denken und bestimmte Anliegen zu akzentuieren. So war die Franziskanerschule besonders von zwei Faktoren bestimmt: vom heiligen Franziskus und vom Augustinismus.[3] Unter den die Theologie des OFM prägenden Grundanliegen des heiligen Franziskus von Assisi sind vor allem die nun folgenden bedeutsam.

1.) Das biblische Denken

Franziskus von Assisi hatte sich die Schrift förmlich „einverleibt“[4], so daß er sie nicht eigentlich „zitiert“, sondern oft, wie später auch Bonaventura, in ihrer Sprache redet. Außerdem haben die biblischen Denkformen sein Denken geprägt. Genau wie die Heilige Schrift denkt und redet er weniger in Begriffen als in heilsgeschichtlichen Bildern und Fakten. Vom biblischen Denken ist auch sein Verhältnis zur Schöpfung geprägt. Bei ihm liegt schon jener genuin christliche Symbolismus vor, der durch Bonaventura (und seine Zusammenschau von göttlicher Werk- und Wortoffenbarung) seine theologische Entfaltung fand.

Auch die biblische Einstellung des Franziskus zur weltlichen Weisheit und Wissenschaft ist bei franziskanischen Theologen zu finden, so z.B. auch bei Bonaventura, der die Philosophie zwar kennt und sie als solche schätzt, doch für ihn im Hinblick auf das Heil keine Bedeutung hat. Ähnliches ist in abgewandelter Form bei Duns Scotus vorhanden. Genau wie der heilige Bonaventura betreibt er die Philosophie nicht eigentlich um ihrer selbst willen, sondern insofern sie ihm als Theologen dienen kann.

Als weiteres Merkmal des biblischen Denkens des heiligen Franziskus ist schließlich die Einheit von Denken und Tun zu nennen, die er gewollt hat und die Theologen des OFM erstrebt und gelehrt haben.

[...]


[1] Vgl. Melchers, Erna / Melchers, Hans: Das große Buch der Heiligen. Geschichte und Legende im Jahreslauf, München 1991, 435.

[2] Vgl. Dettloff, Werner: Franziskanerschule, in: 3LThK 3, 41f.

[3] Vgl. Dettloff, Werner: Franziskanerschule, in: 3LThK 3, 42.

[4] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Franziskanische Wissenschaft: Bonaventura
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Katholisch-theologische Fakultät)
Veranstaltung
Proseminar: Franziskus und sein Orden
Note
2
Autor
Jahr
1996
Seiten
25
Katalognummer
V16967
ISBN (eBook)
9783638216609
ISBN (Buch)
9783638644839
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Hausarbeit über den Franziskanertheologen Bonaventura.
Schlagworte
Franziskanische, Wissenschaft, Bonaventura, Franziskus, Orden, assisi
Arbeit zitieren
Markus Tiefensee (Autor), 1996, Franziskanische Wissenschaft: Bonaventura, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16967

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