Das angestrebte Ziel dieser Arbeit soll es sein, den Begriff der Freundschaft und deren Bedeutung in Aristoteles Nikomachische Ethik zu klären und genauer zu betrachten. Wenn nun alles Handeln und Streben ein Gut verfolgt und dieses als Ziel hat, so ergibt sich die Frage, inwiefern die Freundschaft dazu beiträgt, ein Ziel zu erreichen? Freundschaft bedeutet Handeln und Streben. Was hat also eine Freundschaft zum Ziel? Welche menschlichen Beziehungen werden dem Freundschaftsbegriff des Aristoteles zugeordnet? Welche Bedeutsamkeit hat die Freundschaft für das Leben und somit auch für das Streben innerhalb eines Menschenlebens? Welche Gründe bestehen im Speziellen für eine Befreundnung und welche unterschiedlichen Befreundnungsverhältnisse gibt es? Ist jeder Mensch dazu in der Lage, eine Freundschaft zu führen und sind Freundschaften ein menschliches Grundbedürfnis?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das höchste Gut, das Glück
3. Die Freundschaft
3.1 Die Nutzfreundschaft
3.2 Die Lustfreundschaft
3.3 Die vollkommene Freundschaft
3.4 Die Freundschaft der Überlegenheit
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Freundschaftsbegriff im Werk „Nikomachische Ethik“ von Aristoteles, um dessen Bedeutung für das menschliche Streben nach dem höchsten Gut, dem Glück, zu klären und die verschiedenen Formen der Freundschaft in ein systematisches Verhältnis zu setzen.
- Analyse des aristotelischen Begriffs der Glückseligkeit als höchstes Endziel menschlichen Handelns.
- Untersuchung der allgemeinen Voraussetzungen und notwendigen Bedingungen für Freundschaft.
- Differenzierung der Freundschaftsformen nach den Kriterien Nutzen, Lust und vollkommene Tugend.
- Diskussion von Sonderformen wie der familiären Bindung und der Freundschaft der Überlegenheit.
- Einordnung der Freundschaft als unverzichtbare Prämisse für ein gelingendes Leben.
Auszug aus dem Buch
3.3 Die vollkommene Freundschaft
„Vollkommene Freundschaft ist die der trefflichen Charaktere und an Trefflichkeit einander Gleichen. Denn bei dieser Freundschaft wünschen sie einer dem andern in gleicher Weise das Gute, aus keinem anderen Grunde als weil sie eben trefflich sind, und trefflich sind sie >>an sich<<, wesensmäßig. Nun sind aber Menschen, die dem Freunde um des Freundes willen das Gute wünschen, die echtesten Freunde: [...] weil jeder des anderen Wesenheit liebt.“ Diese Freundschaft besteht also zwischen wesensgleichen Menschen, welche gut >>an sich<< und auch >>für sich<< sind. Damit übersteigt diese Form der Freundschaft die Nutz- und Lustfreundschaft. Denn meist sind minderwertige Menschen mit einander befreundet „um der Lust oder des Nutzens willen, da sie in dieser Hinsicht einander gleichen, die Guten aber sind Freunde um ihres eigenen Wesens willen, eben weil sie gut sind.“ Man liebt den anderen, weil er es ist und weil er ist wie er ist, ohne offenkundige oder versteckte Forderungen und bedingungslos. Die vollkommene Freundschaft birgt sowohl Nutzen, als auch Lust in sich. Doch ist man nicht um dieser beiden Güter wegen befreundet, sondern dies ist gewissermaßen ein wunderbarer Nebeneffekt des Liebens um des Freundes Wesen willen. Denn „was wertvoll an sich ist, ist auch lustvoll an sich. Dies aber ist in der höchsten Form liebens-wert und so ist denn Liebe und Freundschaft unter diesen Menschen in der höchsten und edelsten Form zu treffen.“
Diese Beziehung aufzubauen braucht jedoch auch einige Zeit und gegenseitiges Vertraut werden. Laut Aristoteles kann man vom Zeitpunkt des Anfreundens und Vertrautwerdens, bis hin zur vollkommenen Freundschaft, „von einer passiven Freundschaft sprechen.“ Sie wird somit nicht so schnell geschlossen, wie eine Lust- oder Nutzfreundschaft. Wenn sie denn aber besteht, dann ist sie „ein Wert der dauert, denn in ihr treffen alle Grundvoraussetzungen der Freundschaft zusammen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, inwiefern Freundschaft ein wesentlicher Bestandteil menschlichen Strebens nach dem höchsten Gut, dem Glück, ist.
2. Das höchste Gut, das Glück: Dieses Kapitel erläutert den aristotelischen Glücksbegriff als oberstes Endziel und stellt den Bezug zur Bedeutung von sozialen Bindungen und äußeren Gütern her.
3. Die Freundschaft: Es wird der griechische Begriff der „philia“ eingegrenzt und die notwendige Bedingung des gegenseitigen Wohlwollens für Freundschaft definiert.
3.1 Die Nutzfreundschaft: Das Kapitel beschreibt eine Freundschaftsform, die lediglich auf wechselseitigem Vorteil beruht und endet, sobald der Nutzen entfällt.
3.2 Die Lustfreundschaft: Hier wird die auf unmittelbare Annehmlichkeit ausgerichtete Bindung behandelt, die insbesondere unter Jünglingen verbreitet ist.
3.3 Die vollkommene Freundschaft: Es wird die höchste Form der Freundschaft analysiert, die zwischen tugendhaften und wesensgleichen Charakteren besteht.
3.4 Die Freundschaft der Überlegenheit: Diese Sonderform betrachtet Beziehungen, in denen Partner aufgrund ungleicher Voraussetzungen wie in der Familie in einem spezifischen Stufenverhältnis zueinander stehen.
4. Fazit: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die vollkommene Freundschaft eine Prämisse für ein wahrhaft glückliches Leben darstellt.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Nikomachische Ethik, Freundschaft, Glückseligkeit, Tugend, Nutzfreundschaft, Lustfreundschaft, vollkommene Freundschaft, Wohlwollen, Philosophie, Eintracht, Familienbeziehungen, Gemeinschaft, Ethik, Überlegenheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Freundschaftsbegriff in Aristoteles' Werk „Nikomachische Ethik“ und beleuchtet dessen Rolle für ein glückliches Leben.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit behandelt?
Die zentralen Themen sind das höchste Gut (Glück), die verschiedenen Arten der Freundschaft (Nutzen, Lust, Tugend) sowie die Bedeutung von Gemeinschaft und familiären Bindungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Untersuchung?
Ziel ist es, den Begriff der Freundschaft bei Aristoteles zu klären und aufzuzeigen, wie sie zum Erreichen des menschlichen Endziels, dem Glück, beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse der „Nikomachischen Ethik“, ergänzt durch fachwissenschaftliche Sekundärliteratur.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil der Publikation im Fokus?
Der Hauptteil differenziert zwischen Nutz-, Lust- und vollkommener Freundschaft und diskutiert zudem die Sonderform der Freundschaft der Überlegenheit, etwa innerhalb der Familie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Aristoteles, Freundschaft, Glückseligkeit, Tugend und das Verhältnis von Nutz- und Lustfreundschaft zur vollkommenen Freundschaft.
Warum ist laut Aristoteles die Nutzfreundschaft keine dauerhafte Bindung?
Da sie lediglich auf einem wandelbaren Vorteil basiert, löst sie sich auf, sobald dieser Nutzen für die Beteiligten nicht mehr gegeben ist.
Worin liegt der wesentliche Unterschied zwischen der vollkommenen Freundschaft und anderen Formen?
Die vollkommene Freundschaft basiert auf der Liebe zum Wesen des anderen und seiner Tugendhaftigkeit, während die anderen Formen nur auf äußeren Gütern oder kurzfristigen Gefühlen gründen.
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- Anonym (Autor:in), 2008, Begriff und Einteilung der Freundschaft in der Nikomachischen Ethik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169731