Der Deutsche Derivate Verband (DDV) und die Anforderungen an das Rating von Knock-Out Zertifikaten


Seminararbeit, 2010

26 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Die Einleitung

2 Eigenschaften des Knock-Out Zertifikats
2.1 Knock-Out Zertifikat als eine Form der Barrier-Option
2.2 Das Angebot an Knock-Out Varianten am Markt

3 Das Rating eines Down-and-Out Calls
3.1 Einblick in die Stufen des Ratingverfahrens
3.2 Durchfuhrung der Qualitatsbewertung
3.2.1 Informationsbereitstellung
3.2.2 Bonitat
3.2.3 Kosten
3.2.4 Handel
3.3 Risiko-Fit: Die Risiko/Nutzen Einstufung

4. Gesamturteil des Ratingverfahrens und kritische Wurdigung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Typisierung der Barrier-Option (Quelle: In Anlehnung an Weyand (2007): 70)

Abbildung 2: Das Ratingkonzept gemaB European Derivatives Group (Quelle: EDG (2010): EDG Rating: Kurzuberblick: 1)

Abbildung 3: Punkteskala und Gesamturteil des Ratings (Eigene Darstellung)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Punktevergabe zur Informationsbereitstellung (Eigene Darstellung)

Tabelle 2: Punktevergabe zur Komponente Bonitat (Eigene Darstellung)

Tabelle 3: Punktevergabe fur die Kostenkomponente (Eigene Darstellung)

Tabelle 4: Punktevergabe fur die Handelskomponente (Eigene Darstellung)

Tabelle 5: Punktevergabe pro Qualitatskomponente an die Emittenten (Eigene Darstellung)

1 Die Einleitung

Das Bedurfnis eines Anlegers ist es eine maximale Rendite durch einen minima- len Einsatz zu erlangen. Die Borse ist der Schauplatz an dem tagtaglich versucht wird dieses Bedurfnis zu stillen. Zur Erzielung solch hoher Renditen waren Knock-Out Zertifikate bis vor der Bankenkrise insbesondere bei spekulativen In- vestoren sehr beliebt. Von 2007 bis 2009 brach der Borsenumsatz jedoch um 72% ein.1 Nun befindet sich der Handel von Knock-Out Zertifikaten in der Erholungs- phase. Die Krise hat jedoch gezeigt, dass sowohl dem Nachfrager, als auch dem Anbieter von Zertifikaten an Wissen fehlte, um dieses Ereignis zu verhindern. Der Anleger muss sich beim Kauf eines Knock-Out Zertifikats uber dessen Eigen- schaften bewusst sein. Der Informationsstand uber deren Funktion, den Markt und die Risiken sind von produktexistenzieller Bedeutung. Jedoch ist der Markt auf- grund steigender Produktvielfalt und -komplexitat nicht mehr uberschaubar. Mit hoherer Komplexitat werden auch umfassendere Kenntnisse gefordert und mehr Informationen bereitgestellt. Im Wesentlichen kommt es aber nicht auf die Quan- titat, sondern auf die Qualitat der Information an. Der eigentliche Prozess beim Kauf eines Produktes ist die Selektion der wichtigen von der unwichtigen Infor­mation und dessen Gewichtung und Vergleich mit anderen Produkten. Da dieses Verfahren mit steigender Anzahl an vielfaltigen Zertifikateangeboten einen un- fassbaren Aufwand fur den Anleger darstellt, ist der Einsatz von Ratingverfahren erforderlich. Der im Jahr 2008 gegrundete Deutsche Derivate Verband (DDV) hat demnach den in Deutschland bekannten drei Ratingagenturen Anforderungen fur ein modernes Rating formuliert. Doch in wie weit sind diese Ratingverfahren schon herangereift? Und in wie fern lassen sich die Ratings fur Knock-Out Zerti­fikate effizient durchfuhren?

Die vorliegende Seminararbeit ist in vier Hauptkapitel unterteilt. In Kapitel zwei wird das Knock-Out Zertifikat als eine Form der Barrier-Optionen vorgestellt. Das Verstandnis uber das zu ratende Produkt liefert die Grundlage fur das Rating eines Down-and-Out Calls. Im Kapitel drei wird der Ratingprozess in den zwei Stufen Qualitatsbewertung und Risiko/Nutzen-Einstufung durchgefuhrt. An- schlieBend widmet sich das vierte Kapitel der Kritik und Begutachtung der Er- gebnisse.

2 Eigenschaften des Knock-Out Zertifikats

2.1 Knock-Out Zertifikat als eine Form der Barrier-Option

Ein Knock-Out Zertifikat entspricht einer Plain Vanilla-Option mit einer zusatz- lichen Knock-Out Bedingung. Ein Kaufer der Plain Vanilla-Option2 hat das Recht einen Basiswert (Underlying) fur einen festgelegten Basispreis (Strike) zu einem vereinbarten Termin (europaisch) oder bis zu diesem Termin (amerikanisch) zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put)3. Die zusatzliche Knock-Out Bedingung ordnet das Zertifikat der Gruppe der Barrier-Optionsscheine zu. Das Produktde- sign dieser Barrier-Optionen ist durch das Verhaltnis von Kursschranke und Ba­siswert gekennzeichnet.4 Anhand der Abbildung 1 werden wir an das zu untersu- chende und zu ratende Knock-Out Produkt herangefuhrt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Typisierung der Barrier-Option (Quelle: In Anlehnung an Weyand (2007): 70)

Die Pyramide verdeutlicht die verschiedenen Formen der Barrier-Option, die durch die Variation der Bedingung, der Lage und der Art der Schranke entstehen. Die erste Ebene Schrankenbedingung unterscheidet die Option in ein Kauf- oder Verkaufsrecht. Wahrend die zweite Ebene die Lage der Schranke im Verhaltnis zum ursprunglichen Kurs des Basiswertes lokalisiert. Die Barriere kann entweder uber (up) oder unter (down) dem Basispreis platziert werden. In der letzten Ebene definiert die Art der Schranke die Auswirkungen beim Uber- bzw. Unterschreiten dieser Barriere. Das Optionsrecht wird aktiviert (Knock-In) oder deaktiviert (Knock-Out), wenn der Pfad des Basiswertes die festgelegte Barriere erreicht. Insgesamt sind acht verschiedene Formen von Barrier-Optionen moglich, wovon vier Knock-Out Produkte darstellen. Diese unterteilen sich noch einmal in einfa- che und in sogenannte Reverse Knock-Outs. Bei den einfachen Knock-Outs liegt die Barriere „aus dem Geld“, sodass das Knock-Out Produkt keinen inneren Wert besitzt, wenn es erlischt. Stattdessen sind die Reverse Knock-Outs „im Geld“, wenn sie wertlos verfallen, da die Barriere im Geld platziert ist.5 Im Verlauf dieser wissenschaftlichen Arbeit wird der Fokus auf das Rating eines Down-and-Out Calls gelegt. Ein Down-and-Out Call ist eine Kaufoption, welche wertlos verfallt, wenn der Basiswert eine Barriere H wahrend der Optionslaufzeit auch nur ein einziges Mal unterschreitet. Die festgelegte Schwelle liegt unterhalb des Basis- preises, sodass der Kaufer eines Down-and-Out Calls auf steigende Kurse speku- liert. Bei einem Up-and-Out Put verfallt die Verkaufsoption indessen, wenn der Basiswert eine obere Barriere H uberschreitet.

Die Auszahlungsfunktionen des Down-and-Out Calls Cdo und des Up-and-Out Puts Puo bei Falligkeit tN mit Strike K und Barriere B auf ein Underlying mit Spotkurs S(t) ermitteln sich folgendermaBen6:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Barrier-Option besitzt die Eigenschaft der In-Out Paritat. Unter der Annahme einer identischen Laufzeit, einem identischen Strike und einer identischen Barrie- re besitzt das Portfolio aus einem Down-and-Out Call und einem Down-and-In Call das gleiche Auszahlungsprofil wie eine entsprechende Standardoption. Wenn das Down-and-Out Call aufgrund der Barriere „ausgeknockt“ wird, aktiviert sich demzufolge das Down-and-In Call mit den Eigenschaften einer Standardoption.7

Die Knock-Out Produkte gehoren zur Klasse der Hebelprodukte, die aufgrund ihrer Hebelwirkung dem Anleger uberproportionale Partizipation an steigenden (Long-/Bull-Position) oder an fallenden Kursen (Short-/Bear-Position) eines Ba- siswertes ermoglichen8. Der Hebel, der auch Omega oder Leverage bezeichnet wird, ergibt sich aus dem geringen Kapitaleinsatz im relativen Verhaltnis zum hohen Gewinn, der erzielt werden konnte. Der Kapitaleinsatz fur ein Knock-Out Zertifikat ist immer geringer als der Einsatz fur eine Plain Vanilla-Option, da sich der Preis fur das Knock-Out Zertifikat aus der Plain Vanilla-Option abzuglich der Unsicherheit der Knock-Out Barriere ergibt.9 Der Hebel kann nicht nur die Kapi- talvermehrung, sondern auch die Kapitalvernichtung und letztendlich den Total- verlust beschleunigen, da es sich in beide Richtungen auswirkt.10 Dementspre- chend zahlen die Hebelprodukte zu den am Markt existierenden risikoreichsten Anlagen. Es ist festzuhalten, dass je naher sich der Kurs des Basiswertes bei der Barriere befindet, desto hoher ist die Wahrscheinlichkeit „ausgeknockt“ zu wer­den und desto hoher ist infolgedessen der Hebel.11 RuckschlieBend kann der He­bel als Indikator implizit hinweisen, wie hoch die Gefahr des Totalverlustes des Knock-Out Zertifikats ist.

2.2 Das Angebot an Knock-Out Varianten am Markt

Die Emittenten bieten eine breite Produktvielfalt an Knock-Out Zertifikaten an. Die unterschiedlichen Knock-Out Produktformen entstehen nicht nur durch die beschriebene Variation der Schranken-Bedingungen, sondern konnen sich zusatz- lich hinsichtlich folgender Komponenten unterscheiden:

- Laufzeit: Die Produkte werden von den Emittenten nach unbegrenzter und begrenzter Laufzeit unterschieden.12

- Wahl der Ruckvergutung: Anstatt einer Knock-Out Schwelle kann eine Stopp-Loss Schwelle vereinbart werden, sodass im Fall des Erreichens der Schranke das Produkt erlischt und man einen Restwert erhalt.13

-Underlying: Als Basiswert hat man die Auswahl zwischen Aktien, Indizes, Wahrungen, Zinstitel, Fonds oder Rohstoff-Futures.

- Abgeld/Aufgeld14: Diese Finanzierungskosten entstehen aufgrund der Diffe- renz zwischen dem aufgewendeten geringen Kapitaleinsatz des Anlegers und dem Direktkauf eines Basiswertes durch den Emittenten. Die vollstandige Fi- nanzierung des Basiswertes ist notwendig, damit der Anleger vollstandig von den Kursbewegungen profitieren kann.15

Hinsichtlich der vielfaltigen Produktvariationen und aufgrund von Marketing- Strategien sind die Namensgebungen von Emittent zu Emittent verschieden. Knock-Out Produkte werden auch Turbo-Optionsscheine, Turbo-Zertifikate, Wa­ve, Bull-/Bear-Zertifikat oder Mini Future bezeichnet.16 Aufgrund der undurch- sichtigen Namensvielfalt und des diesbezuglich zusatzlichen groBen Informati- onsgehalts uber die verschiedenen Produktvarianten ist der Markt fur Hebelpro- dukte mit Knock-Out undurchschaubar und wenig transparent. Fur den Anleger stellt es einen Konflikt dar, ein auf seine individuellen Bedurfnissen und seinem Risikoprofil entsprechende, Knock-Out Zertifikat zu finden. Die folgende unzu- reichende Verstandlichkeit der Teilnehmer erschwert ihr Auswahlprozess. Um Transparenz und Anlegerschutz auf dem Markt zu schaffen, wird seitens der drei Ratingagenturen European Derivatives Group (EDG), Institut fur Zertifikate- Analyse (IZA) und Scope ein Zertifikate-Rating durchgefuhrt, indem die wich- tigsten Produktmerkmale eines Derivats gebundelt und nach objektiv ermittelbaren Kriterien bewertet werden. Im folgenden Kapitel wird das Rating- verfahren anhand der Down-and-Out Calls auf den DAX mit begrenzter Laufzeit von der Bank BNP Paribas, der Commerzbank und der CitiGroup untersucht und verglichen.17

[...]


1 Eigene Berechnung. Die Daten basieren auf Deutsche Derivate Verband (2010a) und Deutsche Derivate Verband (2010b).

2 Eine Plain Vanilla-Option wird auch als Standardoption bezeichnet.

3 Vgl. Deutsch (2008): 335.

4 Vgl. Mahayni/Suchanecki (2005): 1.

5 Vgl. Finance Trainer International GmbH (2010).

6 Vgl. Rudolph und Schafer (2010): 357.

7 Vgl. Deutsch (2008): 343 und Rudolph und Schafer (2010): 367.

8 Vgl. Deutsche Derivate Verband (2010c): 2.

9 Vgl. Rudolph/Schafer (2010): 355.

10 Vgl. Beike/Schlutz (2005): 487.

11 Vgl. Scholz/Ammann /Baule (2003): 38.

12 Vgl. Stuttgarter Borse (2010): Knock-Out Produkte - Basiswissen.

13 Vgl. Scoach (2010).

14 Das Aufgeld entspricht im Wesentlichen dem „Cost of Carry“. Vgl. Weyand (2010): 89.

15 Vgl. Commerzbank(2010): 10 ;Weyand (2010): 89; Beike/Schlutz (2005): 468.

16 Eine umfangreichere Produkt-Ubersicht mit unterschiedlicher Namensgebung ist unter der Borse Stuttgart (2010) auffindbar.

17 Die strukturierten Produkte wurden nach dem Zufallsprinzip ausgewahlt.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Der Deutsche Derivate Verband (DDV) und die Anforderungen an das Rating von Knock-Out Zertifikaten
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
26
Katalognummer
V169815
ISBN (eBook)
9783668805651
ISBN (Buch)
9783668805668
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Versicherung, Knock out Zertifikate, Barrier Option, Rating, Zertifikate, Ratingagenturen, Hebelprodukte, Down-and-Out Call, Up-and-Out Call, Down-and-Out Put, Ratingverfahren
Arbeit zitieren
Aylin Dogan (Autor:in), 2010, Der Deutsche Derivate Verband (DDV) und die Anforderungen an das Rating von Knock-Out Zertifikaten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169815

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