Das öffentliche Interesse an einigen geschichtlichen Ereignissen scheint in Wellen zu kommen und auch wieder zu gehen. Auslöser für einen solchen Boom können gerne Jahrestage, politische Ereignisse aber auch populäre Kinofilme und Dokumentationen sein. Ein skandinavisches Beispiel für ein Thema, das immer wieder punktuell in den Aufmerksamkeitsfokus rückt, ist die norwegische Auswanderungswelle im 19. Jahrhundert nach Amerika. Diese Epoche scheint besonders in den 1980er Jahren sowohl bei Wissenschaftlern als auch in der Öffentlichkeit besonders präsent gewesen zu sein, wie sich an einem Blick auf die Literaturliste erkennen lässt. In den folgenden 20 Jahren wurde es dann relativ ruhig um das Thema, bis im Jahr 2000 das öffentliche Interesse bedingt durch das 175-jährige Jubiläum der ersten Ankunft von norwegischen Siedlern in den USA erneut ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt wurde. Seit dieser Zeit ist das Interesse an diesem Thema in Norwegen kontinuierlich gewachsen. Vorläufiger Höhepunkt war die Kielsetzung der Schaluppe Restauration, dem originalgetreuen Nachbau des Schiffes, mit dem die ersten Norweger 1825 ihr Land verließen. Betrachtet man dieses Schiff, so sieht man, dass es wohl auch einer großen Portion Glück bedurfte, in dieser "Nussschale" heil über den Atlantik zu gelangen . Wer aber waren die 52 Männer und Frauen, die am 4. Juli 1825 die gefährliche Reise ans andere Ende der Welt antraten? In der folgenden Arbeit wollen wir uns näher mit den Gründen der ersten Auswanderung beschäftigen. Was waren es für Menschen und warum verließen sie ihr Land?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Literaturlage
2. Historischer Hintergrund
2.1 Haugianer und Quäker
2.2 Haugianer und Quäker als homogene Gruppe ?
2.3 Die ersten norwegischen Emigranten
2.4 Religiöse und ökonomische Motive?
3. Schlussfolgerung / Zusammenfassung
4. Quellen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe der ersten norwegischen Auswanderungswelle im Jahr 1825 und analysiert kritisch die historisch verbreitete These, dass es sich dabei um eine Gemeinschaftsaktion von Quäkern und Haugianern handelte. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wer die 52 Passagiere der "Restauration" tatsächlich waren und welche primären Motive – insbesondere im Kontext religiöser Verfolgung – sie zur Flucht aus ihrer Heimat bewegten.
- Analyse der religiösen Erweckungsbewegungen (Haugianismus und Quäkertum)
- Kritische Auseinandersetzung mit der bestehenden Forschungsliteratur
- Untersuchung der norwegischen Religionsgesetzgebung und deren Auswirkungen
- Bewertung von ökonomischen versus religiösen Emigrationsmotiven
- Identifikation der Akteure hinter der frühen Auswanderungsinitiative
Auszug aus dem Buch
2.4 Religiöse und ökonomische Motive?
Im kommenden Abschnitt wollen wir uns die Frage stellen, ob neben den oben herausgearbeiteten religiösen Gründen auch ökonomische Motive bei der Auswanderung eine Rolle spielten. Blegen und Semmingsen stimmen überein, dass sowohl religiöse als auch wirtschaftliche Interessen zur ersten Auswanderung führten. Doch während Blegen die Hauptursache mehr auf der ökonomischen Seite sieht, hält Semmingsen religiöse Motive für ausschlaggebend.35 Bei Beantwortung dieser Frage hilft es, sich klarzumachen, dass die Emigranten von 1824 es ungleich schwerer hatten als nachfolgenden Generationen von Auswanderern. Für die Überfahrt musste eigens ein Schiff mit Mannschaft beschafft und finanziert werden, da es noch keine festen Emigrationsrouten zwischen Norwegen und Amerika gab. Auch Land in den USA musste besorgt und bezahlt werden, ohne es zuvor jemals gesehen zu haben. Die Fahrt über den Atlantik war also im wahrsten Sinne eine Reise ins Unbekannte. Informationen über das Leben in den USA waren sehr spärlich. Auch gab es natürlich noch keine Erfahrungsberichte, Briefe oder ‚Amerikabücher‘ anderer norwegischer Auswanderer, die etwas über die Zustände in den Staaten verraten hätten. Spätere Auswanderergenerationen konnten darauf vertrauen, in Amerika auf bereits etablierte norwegische Gemeinden zu treffen, die Hilfe bei der Emigration und der Eingewöhnung in eine neues Lebensumfeld geben konnten. Als dies war für die ersten Siedler von 1825 jedoch nicht der Fall. Daher scheint es unter diesen Umständen wahrscheinlicher, die Hauptgründe der Emigration tatsächlich in religiösen Motiven zu suchen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der norwegischen Auswanderung im 19. Jahrhundert ein und stellt die wissenschaftliche Kontroverse um die religiöse Zusammensetzung der ersten Siedlergruppe dar.
1.1 Literaturlage: Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über die relevanten norwegischen und englischsprachigen Quellen und Forschungswerke zum Thema.
2. Historischer Hintergrund: Hier wird der historische Kontext der ersten amerikanischen Erkundungsmission unter Cleng Peerson sowie die Entstehung der Auswanderungswelle skizziert.
2.1 Haugianer und Quäker: Dieses Kapitel erläutert die ideologischen Grundlagen der beiden christlichen Erweckungsbewegungen und deren jeweiliges Verhältnis zur norwegischen Staatskirche.
2.2 Haugianer und Quäker als homogene Gruppe ?: Der Autor hinterfragt hier die These einer gemeinsamen Opposition gegen die Staatskirche und zeigt signifikante Unterschiede in den Lebensweisen und Glaubensauffassungen auf.
2.3 Die ersten norwegischen Emigranten: Dieser Teil befasst sich mit der Rolle der Quäker als treibende Kraft hinter der Auswanderung und analysiert die restriktive norwegische Religionsgesetzgebung.
2.4 Religiöse und ökonomische Motive?: Hier wird erörtert, ob wirtschaftliche oder religiöse Faktoren den Ausschlag für die riskante Reise der Siedler gaben, wobei der Fokus auf den religiösen Zwängen liegt.
3. Schlussfolgerung / Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass die Auswanderung primär durch religiöse Verfolgung der Quäker motiviert war und eine breite Beteiligung von Haugianern wissenschaftlich kaum belegbar ist.
4. Quellen: Auflistung der im Text verwendeten Online-Ressourcen und der Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Norwegen, Auswanderung, 1825, Quäker, Haugianer, Restauration, Religionsgeschichte, Hans Nielsen Hauge, Erweckungsbewegung, Cleng Peerson, Staatskirche, Auswanderungsmotive, USA, Religionsgesetzgebung, Religionsfreiheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Seminararbeit befasst sich mit der Identität der ersten norwegischen Auswanderer, die im Jahr 1825 mit dem Schiff "Restauration" in die USA reisten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Geschichte der Haugianer und Quäker, deren Verhältnis zur norwegischen Staatskirche und die sozioreligiösen Bedingungen im Norwegen des frühen 19. Jahrhunderts.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt kritisch nach, ob die erste Auswanderung tatsächlich ein gemeinschaftliches Unternehmen von Haugianern und Quäkern war oder ob die Gruppe primär aus religiös verfolgten Quäkern bestand.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine literaturgestützte, vergleichende Analyse historischer Quellen durch, um bestehende Thesen der Geschichtsforschung zu verifizieren oder zu widerlegen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die ideologischen Unterschiede der beiden Glaubensgruppen, die norwegische Religionsgesetzgebung sowie die Motive für die riskante Überfahrt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Norwegen, Auswanderung, Quäker, Haugianer, Restauration, Religionsgeschichte und religiöse Verfolgung.
Welche Rolle spielte der norwegische Grundsatz "cuius regio, eius religio" für die Auswanderer?
Dieser Grundsatz zementierte die Vormachtstellung der lutherischen Staatskirche und entzog Minderheiten wie den Quäkern die rechtliche Grundlage für ein freies religiöses Leben, was sie massiv zur Auswanderung drängte.
Warum bezweifelt der Autor die Beteiligung einer großen Gruppe Haugianer?
Im Gegensatz zu den Quäkern waren die Haugianer gesellschaftlich besser integriert und hielten an vielen Traditionen der Staatskirche fest, was einen gemeinsamen Fluchtgrund weniger plausibel erscheinen lässt.
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- Jan Patrick Faatz (Author), 2011, Aufbruch ins gelobte Land, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169850