Die Prototypentheorie Eleanor Roschs


Seminararbeit, 2001

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Notwendigkeit der Linguistik und der kognitiven Psychologie für die KI-Forschung

2. Die Ausgangsbasis für die Prototypentheorie
2.1. Das klassische Modell
2.1.1. Die Gliederung der Umwelt in Kategorien
2.1.2. Das Aristotelische Modell der Kategorisierung - Komponentenanalyse
2.1.3. Kritik am Aristotelischen Modell
2.2. Wittgensteins Gedanken der „Familienähnlichkeit“ und der offenen Grenzen von Kategorien
2.3. Unscharfe Grenzen von Kategorien
2.4. Grad der Zugehörigkeit zur Kategorie
2.5. Hyponymie und „basic level categories“
2.6. Das Ziel einer einheitlichen Theorie

3. Die Prototypentheorie Eleanor Roschs
3.1. Übernahme der Theorie aus der Psychologie
3.2. Grundzüge der Prototypentheorie
3.3. Die innere und äußere Struktur der Kategorien
3.4. Die Zugehörigkeit zur Kategorie

4. Prototypensemantik und Verben
4.1. Was die Prototypensemantik im Bereich der Verben leisten kann
4.2. Die Kategorie „to kill“
4.3. Die Verbkategorie „to cook“
4.4. Schlußfolgerung

5. Rivalität zwischen Komponentenanalyse und Prototypensemantik

1. Notwendigkeit der Linguistik und der kognitiven Psychologie für die KI Forschung

Solange der Mensch denken kann, ist er bestrebt, die ihn umgebende Welt zu verstehen und zum Teil sogar nachzubilden. Daher führten zum Beispiel physikalische Experimente und Studien Anfang des 20. Jahrhunderts dazu, dass er sich den lang gehegten Traum vom Fliegen erfüllen konnte. Ebenso bietet heute, am Anfang des 21. Jahrhunderts, die nun offen gelegte DNA- Struktur verschiedener Lebewesen dem Menschen die Möglichkeit, diese genetisch zu verändern und somit vom erschafften Wesen zum Erschaffenden selbst zu werden. Im Zuge dieser Geschichte ist auch die so genannte KI- Forschung zu sehen, also die Entwicklung künstlicher Intelligenz. Die ständige Verbesserung der Leistungsfähigkeit von Computern scheint derartige Vorhaben in absehbarer Zeit möglich zu machen, dennoch darf nicht vergessen werden, dass es sich hierbei lediglich um eine Erweiterung des Arbeitsspeichers, bzw. eine Verringerung der Arbeitszeit, von Computern handelt. Viel wichtiger jedoch erscheint ein Verständnis dafür, was letztendlich „Intelligenz“ bedeutet. Das Lexikon beschreibt sie zum Beispiel als Fähigkeit, anschauliche und abstrakte Beziehungen herzustellen und diese zur Bewältigung neuer Situationen und Probleme einzusetzen.1 Diese in sich ebenfalls abstrakte Definition stellt allerdings keine Grundlage für die Programmierung einer derartigen Fähigkeit dar. Deshalb bedarf es der wissenschaftlichen Arbeit der Psychologie, der Linguistik und anderer Disziplinen, um die Denkweise des Menschen zu entschlüsseln und um sie anhand dieser konkreten Ergebnisse nachzubilden.

Im folgenden soll nun dargelegt werden, inwiefern das in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts von der Psychologin Eleanor Rosch entwickelte Modell der Prototypensemantik menschliches Denken beschreiben kann und welchen Stellenwert es in der Linguistik gegenüber der von Aristoteles beeinflussten Komponentenanalyse einnimmt. Da sich bei beiden Modellen die Beispiele häufig auf Substantive beschränken, wird sich die folgende Arbeit auch damit beschäftigen, ob eventuell im Bereich der Verben eine prototypische Struktur nachzuweisen ist.

2. Die Ausgangsbasis für die Prototypentheorie

2.1. Das klassische Modell

2.1.1. Die Gliederung der Umwelt in Kategorien

Der Mensch steht täglich einer Vielzahl von Reizen und Informationen aus seiner Umwelt gegenüber. Wenn diese völlig ungeordnet im Gehirn gespeichert werden würden, wäre es ihm wohl kaum möglich eine derartige Informationsflut zu bewältigen. Man geht daher davon aus, dass das menschliche Gehirn Reize aus der Umwelt nach bestimmten Gesichtspunkten in Gruppen, so genannten Kategorien, zusammenfasst.2

Da unter den Sprechern einer Sprache Kommunikation möglich ist, müssen die Begriffssysteme verschiedener Menschen eine gleiche oder zumindest ähnliche Struktur aufweisen.3 Daher stellt sich die Frage nach welchen Aspekten Kategorien gebildet werden.

2.1.2. Das Aristotelische Modell der Kategorisierung - Komponentenanalyse

Aristoteles ging davon aus, dass Kategorien scharfe Grenzen besitzen, daher ist ein Element entweder Mitglied einer Kategorie oder nicht. Innerhalb der Kategorie gibt es keine Rangunterschiede zwischen den einzelnen Elementen, jedes ist gleichwertig. Über die Frage der Zugehörigkeit zur Kategorie wird mittels eines Kataloges von Merkmalen entschieden, die jedes Element der Kategorie teilen muss (Kleiber, 1993, 12). Diese Merkmale, so genannte Seme, sind paarweise angeordnet, um die Einteilung so einfach wie möglich zu halten. Insgesamt gibt es weniger Seme als Lexeme, die durch sie zu klassifizieren sind. Dies bedeutet zum Beispiel für die Lexeme „man“, „woman“ und „child“, dass die ersten beiden sich in der Opposition #male# - #female# unterscheiden, während beide zusammen gegenüber dem dritten den Gegensatz #adult# - #non adult# ausdrücken.4

2.1.3. Kritik am Aristotelischen Modell

Der Vorteil des Aristotelischen Ansatzes basiert auf seiner Einfachheit. Doch genau dieser Aspekt, der ihn so verlockend erscheinen lässt, macht ihn auch suspekt. Allein durch die Erweiterung des obigen Beispiels durch das Lexem „adolescent“ treten Probleme auf. Ist ein Heranwachsender nicht auch entweder #male# oder #female#? Außerdem ist er weder #adult# noch #non adult# zuzuordnen. Da sich also selbst beim prominentesten Beispiel der Komponentenanalyse Schwierigkeiten ergeben, wenn man verwandte Beispiele untersucht, scheint diese Theorie kaum leistungsfähig genug, um den gesamten Wortschatz zu beschreiben. Doch welche Alternativen zu dieser Theorie gibt es?

2.2. Wittgensteins Gedanken der „Familienähnlichkeit“ und der offenen Grenzen von Kategorien

Der Philosoph Ludwig Wittgenstein setzte 1953 der gleichrangigen, absoluten Struktur von Kategorien, die mit der Komponentenanalyse einherging, den Gedanken der so genannten Familienähnlichkeit entgegen. Anhand von verschiedenen Spielen zeigte er auf, dass Elemente einer Kategorie durchaus nicht alle über denselben vollständigen Merkmalskatalog verfügen müssen. Er belegte, dass es vielmehr ein Geflecht von Merkmalen gibt, die für Spiele charakteristisch sind, aber dass es scheinbar kein Spiel gibt, das sämtliche Merkmale auf sich vereint.5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten6

Die einzelnen Elemente der Kategorie sind also über eine Kette oder ein Netz von Merkmalen verbunden, wobei - ähnlich einer Familie - zwei Elemente auch nur über ein drittes eindeutig miteinander verwandt sein können.

[...]


1 Meyers Großes Taschenlexikon, Bd. 10. 4., vollst. überarb. Aufl. Mannheim, 1992, „Intelligenz“, 212.

2 Rosch, Eleanor (Hrsg.). Cognition and Categorization. Hillsdale, 1978, 1.

3 Kleiber, George. Prototypensemantik: Eine Einführung. Tübingen, 1993, 3-4.

4 Schneider, Edgar W. Variabilität, Polysemie und Unschärfe der Wortbedeutung. Tübingen, 1988, 40.

5 Aitchison, Jean. Words in the Mind: an introduction to the mental lexicon. Oxford, 1994, 39-50.

6 Vgl. auch Zitzen, Michaela. On the efficiency of prototype theoretical semantics. In: http://ang3-11.phil- fak.uni-düsseldorf.de/ang3/LANA/Zitzen.html. O. J.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Prototypentheorie Eleanor Roschs
Hochschule
Universität Augsburg  (Philologie II)
Veranstaltung
Semantik & Pragmatik
Note
1,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
14
Katalognummer
V169863
ISBN (eBook)
9783640883172
ISBN (Buch)
9783640883318
Dateigröße
947 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Vollständige Zitierung über Fußnoten, daher kein Literaturverzeichnis.
Schlagworte
prototypentheorie, eleanor, roschs
Arbeit zitieren
Tina Puscher (Autor), 2001, Die Prototypentheorie Eleanor Roschs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169863

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