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Britische Presse und Dekolonisation. Daily Mirror und Daily Express zum Mau Mau-Aufstand in Kenia Anfang der 1950er Jahre

Title: Britische Presse und Dekolonisation. Daily Mirror und Daily Express zum Mau Mau-Aufstand in Kenia Anfang der 1950er Jahre

Thesis (M.A.) , 2001 , 108 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Rohland Schuknecht (Author)

History of Europe - European Postwar Period
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Summary Excerpt Details

Die Arbeit untersucht Berichterstattung und Kommentar des Daily Express und des Daily Mirror zum Mau Mau-Aufstand in der britischen Kolonie Kenia im Zeitraum Oktober 1952 bis April 1954. In beiden Zeitungen war der Aufstand ein wichtiges Thema, was vor allem auf die Eskalation der Gewalt nach der Ausrufung des Notstandes in Kenia im Oktober 1952 zurückzuführen ist. Aus der politischen Ausrichtung der Blätter ergaben sich jedoch unterschiedliche Herangehensweisen an das Problem. Der konservative Daily Express konzentrierte sich vor allem auf die Darstellung britischer Siedler als Opfer bzw. heldenhafte Kämpfer gegen die entfesselte afrikanische „Barbarei“. Der linksliberale Daily Mirror hingegen verurteilte die repressive Politik der Kolonialregierung und die fragwürdigen Methoden der britischen Sicherheitskräfte. Der Diskurs in beiden Zeitungen ist von einer oberflächlichen Sicht auf die Ereignisse in Kenia geprägt. Die Ursachen des Aufstandes und die Verhältnisse in Kenia bleiben weitgehend im Dunkeln. Beide Blätter akzeptierten die von der Regierung verbreitete, vereinfachende und mit fragwürdigen Stereotypen durchsetzte Deutung der Mau Mau-Bewegung als terroristisches, atavistisches und irrationales Gebilde und stellten die britische Kolonialherrschaft in Kenia an sich nicht in Frage. Während der Daily Express jedoch von einer Beibehaltung des Status quo ausging, unterstützte der Daily Mirror die Forderung der britischen Opposition nach Reformen in Kenia und warnte vor der moralischen Diskreditierung Großbritanniens als Kolonialmacht. Beide Zeitungen setzten die Ereignisse in Kenia in Beziehung zu ihrem Idealbild des British Empire. Der Daily Express beschwor das Empire der kühnen weißen Pioniere, die als Speerspitze britischer Zivilisation in Afrika wirkten und in einer Mischung aus Fürsorge und – notfalls unter Zwang durchgesetzter – Autorität die Geschicke des politisch unmündigen Afrikaners lenkten. Der Daily Mirror hing der vagen Vision eines reformierten oder „aufgeklärten“ Kolonialismus an, wie sie die Labour-Partei vertrat. Wichtigstes Fazit der Arbeit ist, dass die Wahrnehmung des Geschehens innerhalb des Kolonialreiches durch die britische Medienöffentlichkeit (wie auch durch die politischen Eliten) von einer vereinfachenden und auf starre Konzepte ausgerichteten Denkweise geprägt war, die den komplexen Realitäten kaum gerecht wurde.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Kreuzritter – Daily Express und Daily Mirror in den 1950er Jahren

I. Der Daily Express: Lord Beaverbrooks „Propaganda-Maschine“

II. Der Daily Mirror: Anwalt und Sprachrohr des „kleinen Mannes“

III. Mau Mau – Ein Topthema der britischen Presse

I. Daily Express

II. Daily Mirror

IV. Vom Notstand zum Krieg: Die Genese des Aufstandes im Daily Express und Daily Mirror

I. Daily Express

II. Daily Mirror

V. Wer oder was ist Mau Mau? Die Sicht auf den Gegner

I. Daily Express

II. Daily Mirror

VI. Opfer, Helden oder Rassisten? Die Sicht auf die weißen Siedler

I. Daily Express

II. Daily Mirror

VII. “Wilde” oder afrikanische Märtyrer? Die Sicht auf die Kikuyu

VIII. Der Fall Kenyatta und die Sicht auf den afrikanischen Nationalismus

I. Daily Express

II. Daily Mirror

IX. Repression oder Notwendigkeit? Die Sicht auf die Politik der Regierung

I. Daily Express

II. Daily Mirror

X. “What is going on in our Colonies?” Der Fall Griffiths und die Folgen

I. Daily Express

II. Daily Mirror

XI. Rassentrennung, Entwicklung und Treuhandprinzip – Die Debatte um Reformen in Kenia

I. Daily Express

II. Daily Mirror

XII. Schlussbemerkungen

XIII. Bibliographie

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht die mediale Wahrnehmung des Mau Mau-Aufstandes in Kenia (1952–1959) in den zwei auflagenstärksten britischen Zeitungen der Zeit, dem konservativen Daily Express und dem linksprogressiven Daily Mirror, um die Wechselwirkung zwischen kolonialen Ereignissen und der öffentlichen Meinung in der Metropole zu analysieren.

  • Vergleich der Berichterstattung und Kommentierung in zwei politisch entgegengesetzten Medien.
  • Analyse der Wahrnehmungsmuster und Sprachbilder bezüglich des Mau Mau-Aufstandes.
  • Untersuchung der Rolle der Presse als Akteur im politischen Prozess der Dekolonisation.
  • Haltung der Zeitungen zu den Themen Rassentrennung, Siedlerpolitik und Reformforderungen.
  • Dokumentation der medialen Aufbereitung von Brutalität, Foltervorwürfen und staatlicher Repression.

Auszug aus dem Buch

Die Rolle der britischen Massenpresse

In der sogenannten Massendemokratie kommt den Medien dabei eine Doppelfunktion zu: Einerseits sind sie die Bühne, auf der das Stück „öffentliche Meinung“ ausgetragen wird, andererseits aber auch Akteure in diesem Stück. Sie sehen sich als Anwälte und Vertreter der Öffentlichkeit und beeinflussen insbesondere mittels der Selektion von Themen aber auch durch aktive „Manipulation“ den Gang der öffentlichen Diskussion. Es soll im Folgenden nicht versucht werden, den medialen Kommunikationsprozess etwa im Hinblick auf den Mau Mau-Aufstand detailliert zu untersuchen. Dennoch werden sich im Verlauf der Analyse charakteristische Wahrnehmungs- und Kommunikationsmuster abzeichnen, die am Konstrukt öffentliche Meinung mitwirkten.

Die Frage, inwieweit das beschriebene Konstrukt die Handlungen der politisch Verantwortlichen beeinflusste, führt zum zweiten Punkt, der öffentlichen Meinung als Phantom. Die öffentliche Meinung ist ein Phantom, weil sie nicht objektiv und absolut erfasst werden kann. Dies gilt für den Zeitraum dieser Untersuchung, die frühen 1950er Jahre, in noch höherem Maße als für das beginnende 21. Jahrhundert, in dem eine perfektionierte Meinungsforschungsindustrie zumindest die Illusion nährt, öffentliche Meinung lasse sich „messen“.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Einführung in das Thema der Dekolonisation und die Rolle der britischen Massenpresse während des Mau Mau-Aufstandes.

II. Die Kreuzritter – Daily Express und Daily Mirror in den 1950er Jahren: Vorstellung der beiden untersuchten Zeitungen, ihrer politischen Ausrichtung und ihres Selbstverständnisses als Akteure der öffentlichen Meinung.

III. Mau Mau – Ein Topthema der britischen Presse: Analyse der Frequenz und Bedeutung des Aufstandes als mediales Großereignis in den beiden Zeitungen.

IV. Vom Notstand zum Krieg: Die Genese des Aufstandes im Daily Express und Daily Mirror: Untersuchung der anfänglichen Berichterstattung nach der Ausrufung des Notstandes 1952.

V. Wer oder was ist Mau Mau? Die Sicht auf den Gegner: Analyse der medialen Konstruktion und Verteufelung der Mau Mau-Bewegung.

VI. Opfer, Helden oder Rassisten? Die Sicht auf die weißen Siedler: Darstellung der britischen Siedler als Pioniere oder umstrittene Akteure in der Berichterstattung.

VII. “Wilde” oder afrikanische Märtyrer? Die Sicht auf die Kikuyu: Auseinandersetzung mit der medialen Einteilung der afrikanischen Bevölkerung in Loyalisten und "Wilde".

VIII. Der Fall Kenyatta und die Sicht auf den afrikanischen Nationalismus: Analyse der Berichterstattung über Jomo Kenyatta und die KAU.

IX. Repression oder Notwendigkeit? Die Sicht auf die Politik der Regierung: Untersuchung der medialen Positionierung zur Politik des Kolonialministeriums.

X. “What is going on in our Colonies?” Der Fall Griffiths und die Folgen: Analyse der Reaktionen auf die Enthüllungen über Polizeibrutalität und Folter.

XI. Rassentrennung, Entwicklung und Treuhandprinzip – Die Debatte um Reformen in Kenia: Darstellung der Diskussion um politische und soziale Reformen in der Kolonie.

XII. Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Reflexion über die Diskrepanz zwischen zeitgenössischer medialer Wahrnehmung und heutiger historiographischer Analyse.

Schlüsselwörter

Mau Mau, Dekolonisation, Britische Presse, Daily Express, Daily Mirror, Kenia, Jomo Kenyatta, Öffentliche Meinung, Propaganda, Kolonialkrieg, Rassentrennung, Empire, Commonwealth, Sicherheitskräfte, Reformdebatte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie zwei einflussreiche britische Zeitungen, der Daily Express und der Daily Mirror, den Mau Mau-Aufstand in Kenia in den frühen 1950er Jahren wahrgenommen und dargestellt haben.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den Schwerpunkten gehören das Bild des Gegners, die Darstellung der weißen Siedler, der Prozess gegen Jomo Kenyatta, die Rolle der Regierungspolitik und die Debatte über Reformen und Rassentrennung.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist es, die Wechselwirkung zwischen dem kolonialen Geschehen in Kenia und der medialen Konstruktion der öffentlichen Meinung in Großbritannien während der Dekolonisationsphase zu analysieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine inhaltsanalytische Untersuchung der Berichterstattung und Kommentierung in beiden Zeitungen über den Zeitraum von September 1952 bis April 1954.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Untersuchung einzelner Aspekte wie die Genese des Aufstandes, die Rolle der Akteure (Siedler, KAU, Regierung) und die mediale Reaktion auf militärische oder polizeiliche Gewalt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe wie Mau Mau, Dekolonisation, Britische Presse, Propaganda und Rassentrennung stehen im Zentrum.

Wie unterscheidet sich die Berichterstattung zwischen Daily Express und Daily Mirror?

Der Daily Express vertrat eine imperial-loyale, konservative Linie, während der Daily Mirror als linksprogressive Zeitung zwar den Aufstand ablehnte, aber öfter die sozialen Hintergründe und die Brutalität der Sicherheitskräfte kritisierte.

Wie reagierten die Zeitungen auf die Foltervorwürfe gegen Sicherheitskräfte?

Der Daily Mirror thematisierte die Folter und Polizeibrutalität scharf als moralisches Problem, während der Daily Express versuchte, diese Fälle als Einzelfälle herunterzuspielen, um die militärische Initiative nicht zu gefährden.

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Details

Title
Britische Presse und Dekolonisation. Daily Mirror und Daily Express zum Mau Mau-Aufstand in Kenia Anfang der 1950er Jahre
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Grade
sehr gut
Author
Rohland Schuknecht (Author)
Publication Year
2001
Pages
108
Catalog Number
V16986
ISBN (eBook)
9783638216739
ISBN (Book)
9783638847988
Language
German
Tags
Britische Presse Dekolonisation Daily Mirror Daily Express Mau-Aufstand Kenia Anfang Jahre
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Rohland Schuknecht (Author), 2001, Britische Presse und Dekolonisation. Daily Mirror und Daily Express zum Mau Mau-Aufstand in Kenia Anfang der 1950er Jahre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16986
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