Befindet sich die Familie in einer Krise? Steht uns gar ihr Ende bevor? Eine These,
die im Laufe der Zeit oftmals von Geisteswissenschaftlern, im besonderen sicherlich
auch von Soziologen, aufgestellt wurde. Bis ins neue Jahrtausend hinein gibt es
Vertreter, die ihr Ende, ihr Zerbrechen voraussagen. Welche Thesen diesen
Verdacht bedingen, welche Positionen die Kritiker einnehmen, welche Argumente sie
aufführen, welche Gegenargumente aufgestellt werden und wie schwierig es ist,
einen so komplexen und wandelbaren Begriff wie den der Familie fassbar zu
machen, dies alles wird Thema der folgenden Arbeit sein.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Definitionen
1.1 Rahmen und Komplexität des Problems
1.2 Annahme: Familie als Konstrukt
2. Die Auflösungsthese
2.1 Eventuelle Ursachen der Auflösungsthese
2.2 Die Kritik
2.3 Pro und Kontra
3. Der Wertewandel zwischen 1950 und 2000
3.1 Die Kulturrevolution
3.2 Die Folgen der Kulturrevolution
4. Die Familie im 21. Jahrhundert
4.1 Zunehmende Kinderlosigkeit
4.2 Verlust der Solidarität
4.3 Familie als Konstrukt
5. Zusammenfassung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die soziologische These vom drohenden Ende der Familie. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob aktuelle gesellschaftliche Phänomene und ein verändertes Familienverhalten tatsächlich als Zerfallsprozess der Institution Familie zu werten sind oder ob sie lediglich einen sozialen Wandel innerhalb eines dynamischen Konstrukts widerspiegeln.
- Historische und soziologische Definitionen von Familie
- Die Auflösungsthese der Familie im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen
- Einfluss des Wertewandels zwischen 1950 und 2000
- Analyse von Kinderlosigkeit, Solidaritätsverlust und Individualisierung
- Die Rolle von Sozialisationsprozessen bei der Entstehung moderner Familienmodelle
Auszug aus dem Buch
1.2 Annahme: Familie als Konstrukt
Daraus lässt sich ableiten, dass eine Familie in der Regel als Teil der aktuellen Gesellschaft, in Abhängigkeit zum bestehenden Normen- und Wertesystem, zu betrachten ist. Dies erinnert an den Gedanken von Berger und Luckmann: „Das Paradoxon, dass der Mensch fähig ist, eine Welt zu produzieren, die er dann anders denn als menschliches Produkt erlebt [...]“.(1999, 65) Die in ihrer Arbeit beschriebene dialektische Wechselwirkung zwischen „Externalisierung und Objektivation“ führt zu dem Gedanken, dass Gesellschaft ein „menschliches Produkt“ ist, Gesellschaft eine „objektive Wirklichkeit“, der Mensch als „gesellschaftliches Produkt“ gilt und weiter, dass die „Übernahme der gesellschaftlichen Welt durch eine neue Generation – durch Internalisierung also, die sich als Sozialisation auswirkt – die fundamen-tale gesellschaftliche Dialektik in ihrer Totalität sichtbar [werden lässt]“.
Kurz, nehmen wir an, die Familie ist ein Konstrukt der Menschen, wird aber als solches von ihnen (meist) nicht wahrgenommen, oft stattdessen als naturgegeben, göttlich etc. erachtet, und die jeweilige Idee kann über Internalisierungsprozesse durch Sozialisation in die nächste Generation weitergegeben werden, dann könnte unterstellt werden, das sich aktuelle Phänomene der heutigen Zeit mit Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte in Verbindung bringen lassen. Um den Gedanken vollständig der Ausgangsthese vom Ende der Familie zugrunde zu legen: Wurden innerhalb der Sozialisation der heutigen, familiengründungsfähigen Generationen Prozesse bewirkt, die die Familie quasi zum Auslaufmodell werden lässt?
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die soziologische Fragestellung ein, ob sich die Familie in einer existenziellen Krise befindet und ob ihr Zerfall bevorsteht.
1. Definitionen: In diesem Kapitel werden verschiedene historische und soziologische Begriffsbestimmungen von Familie untersucht, um deren Komplexität und Abhängigkeit vom jeweiligen gesellschaftlichen Kontext zu verdeutlichen.
2. Die Auflösungsthese: Es werden die verschiedenen Strömungen und Kritiker vorgestellt, die den Zerfall der Familie prophezeien, sowie die Gegenargumente, die diese Position in Frage stellen.
3. Der Wertewandel zwischen 1950 und 2000: Dieses Kapitel analysiert den sozialen Wertewandel und die Auswirkungen der Kulturrevolution auf das Verständnis und die Stabilität von Familienmodellen.
4. Die Familie im 21. Jahrhundert: Es werden aktuelle Trends wie zunehmende Kinderlosigkeit und der Wandel der elterlichen Solidarität im Kontext der modernen Individualisierung diskutiert.
5. Zusammenfassung: Die zentralen Argumente und Analysen werden zusammengefasst, wobei die These vom Ende der Familie als nicht bestätigt zurückgewiesen wird.
6. Fazit: Das Fazit schließt mit der Feststellung, dass kein direkter Zusammenhang zwischen Individualisierung und dem Ende der Familie besteht und Fortschritt nicht mit dem Aussterben der Gesellschaft gleichzusetzen ist.
Schlüsselwörter
Familie, Soziologie, Sozialstruktur, Auflösungsthese, Wertewandel, Individualisierung, Moderne, Kinderlosigkeit, Sozialisation, Gesellschaftskonstrukt, Familienmodell, Bevölkerungsentwicklung, Emanzipation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Diskussion um die vermeintliche Auflösung der Familie als gesellschaftliche Institution.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind der historische Wandel des Familienbegriffs, die Analyse von Auflösungsthesen, der Einfluss der Kulturrevolution sowie aktuelle Entwicklungen wie Kinderlosigkeit und veränderte Rollenbilder.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu hinterfragen, ob die häufig proklamierte „Auflösungsthese“ wissenschaftlich haltbar ist oder ob sie lediglich ein Wunschdenken konservativer Kreise widerspiegelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literatur- und Diskursanalyse, um die Thesen namhafter Soziologen wie Nave-Herz, Burkart, Meyer, Beck und Berger/Luckmann kritisch miteinander zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition des Begriffs, die Darstellung der Auflösungsthesen und deren Kritik, die Analyse des Wertewandels seit 1950 sowie eine Untersuchung der Situation der Familie im 21. Jahrhundert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Familie, Sozialstruktur, Wertewandel, Individualisierung, Kinderlosigkeit und gesellschaftliche Modernisierung.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Kulturrevolution?
Die Kulturrevolution der 60er Jahre wird als Katalysator für den Prozess des Wertewandels gesehen, der zu einer höheren Flexibilität und Individualisierung, aber nicht zwangsläufig zum Ende der familiären Bindungen führte.
Welches Fazit zieht die Arbeit in Bezug auf moderne Lebensformen?
Das Fazit betont, dass Individualisierung und nicht-traditionelle Lebensmodelle keine mangelnde Solidarität bedeuten, sondern vielmehr Ausdruck eines Fortschritts sind, bei dem die Ansprüche an Partnerschaft und Erziehung gestiegen sind.
- Quote paper
- Ellen Hoffmann (Author), 2003, Das Ende der Familie?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16988