Kurt Tucholsky "Sie, zu ihm" - eine Interpretation


Referat / Aufsatz (Schule), 2009

3 Seiten


Leseprobe

Das Gedicht ǷSie, zu ihm“ von Kurt Tucholsky entstand im Jahre 1931. Thematisch behandelt es das Zusammenleben von Mann und Frau mit den dabei auftretenden Problemen beziehungsweise - allgemein gesagt - die Liebe.

Das Gedicht besteht aus drei Strophen. Die ersten beiden enthalten acht Verse, die letzte neun. Auffällig ist, dass die jeweils vier letzten Verse einer Strophe eingerückt sind. Da- bei liegen zwei Ausnahmen vor: Vers drei und vier sind ebenfalls eingerückt und Vers 18 ebenso. Das Reimschema ist ein Kreuzreim, der durchgehen vorliegt. Einzige Ausnahme ist der 17. Vers, dieser reimt sich nicht. Versmaß ist ein vierhebiger Jambus, einige Aus- nahmen davon gibt es jedoch auch: in Vers zwei, 16 und 17 beispielsweise. Die Versen- den sind im Wechsel weiblich klingend und männlich stumpf. Alle Strophen enden mit den Worten Ƿzärtlich bist du nicht“.

Das lyrische Ich, eine Frau, beschreibt in diesem Gedicht das Verhältnis zum Adressaten, einem Mann. Das lyrische Ich beginnt jede Strophe mit einer Beschreibung über die guten Seiten des Adressaten, am Ende jeder Strophe jedoch sagt sie, dass der Adressat nicht zärtlich ist. Man kann also feststellen, dass das Verhältnis zwischen beiden gut und innig ist, die Frau sich jedoch vom Mann deutlich mehr Zärtlichkeit wünscht.

Das lyrische Ich verfolgt einen klaren Gedankengang: Dabei erläutert sie zuerst, was sie alles für den Mann getan hat, bzwǤ ihm gegeben hat: Ƿmich, meine Seele, Zeit und GeldǤ“ (Vers 2). Dieser Vers weicht vom durchgängigen Jambus ab, da das lyrische Ich diese Gaben besonders betonen will. Das lyrische Ich weiß, dass dieser Mann ihr Leben ist, doch gleichzeitig bezeichnet sie ihn als Ƿmeine kleine Unterwelt“ (Vers 4). Diese Me- tapher zeugt davon, dass sich die Frau im Gegensatz zum Mann klein fühlt. Sie lebt nur noch in einem kleinen Teil seiner großen Welt. Nach dieser Aussage sagt sie wiederum, dass sie in ihm ihr Glück gefunden hätt (Vers 5). Sie schließt die Strophe mit dem Satz Ƿnein, zärtlich bist du nichtǤ“ (Vers 8) ab. Dieser letzte Vers stellt einen Gegensatz zu den vorher genannten, überwiegend positiven Eigenschaften dar. Obwohl die Frau mit dem Mann glücklich ist, klagt sie, dass er nicht zärtlich ist.

In der zweiten Strophe zählt die Frau wieder zuerst positives am Verhältnis zum Mann auf: Er küsst gut und kann ihr zeigen, was Genuss ist (Verse 9 f.) und sagt ihr, wann sie Ƿdie Lippen nachziehn muss“ (Vers 12). Doch dann kritisiert sie ihn wieder: Man könne ihm nur manchmal trauen. Schließlich wird die Strophe durch den Vers Ƿaber zärtlich bist du nicht“ (Vers 16) beendet. Dieser Vers weicht auch vom üblichen Versmaß ab.

Die dritte Strophe beginnt mit einer expliziten Klage des lyrischen Ichs, die ebenso vom Vers-maß abweicht. Diese Abweichung wird nötig, um den Ausruf ǷO wärst du zärt- lich!“ (Vers 17) möglich zu machen. Dieser Ausruf der Frau zeugt von ihrer Verzweiflung. Wahrscheinlich hat sie dem Mann schon gesagt, dass die dich mehr Zärtlichkeit von ihm wünscht, doch er hat dies nicht erwidert. Die folgenden zwei Verse 18 und 10 verstärken diese Verzweiflung noch einmal. Doch Frau möchte nicht nur mehr Zärtlichkeit, sondern verlangt mit ihrem Ausspruch ǷMeinetwegen // kannst du sogar gefühlvoll sein“ (Verse 18 f.) auch, dass der Mann gefühlvoll ist. Sie gibt an, dass nicht der Mann sondern sie die Weiche von beiden ist (Verse 22 f.)Ǥ Durch den vorletzten Vers ǷDenn wer mehr liebt, der muss mehr leidenǤ“ (Vers 24) wird deutlich, dass die Freu die Person in der Beziehung ist, die mehr liebt, denn sie ist die, die mehr leiden muss. Das Gedicht wird beendet mit ǷNein, zärtlich bist du nichtǤ“ (Vers 25). Dieser letzte Vers ist dabei ‚der krönende b- schluss‘, der erneut die Klage der Frau betont.

Wie man also erkennen kann, ist die Beziehung nur auf den ersten Blick harmonisch. Der Mann ist wahrscheinlich der Ansicht, alles laufe bestens, doch die Frau - die übrigens wirklich verliebt ist - weiß, dass es an Zärtlichkeit fehlt. Das Gedicht kann man dabei als Klagerede der Frau gegen den Mann verstehen.

Die Frau sagt in dem Gedicht, dass der Mann der Starke ist - dies geht aus den Versen 22 und 23 hervor. Diese Ansicht spiegelt die typische Geschlechteransicht wieder: Der Mann ist der Starke, die Frau das weiche und zärtliche Wesen. Deshalb könnte man da- rauf schließen, dass sich im Gedicht bestehende Vorurteile über die Unterschiede zwi- schen den Geschlechtern widerspiegeln. Meiner Meinung nach ist dies der Fall, denn einige Textstellen beschreiben solche Unterschiede.

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Ende der Leseprobe aus 3 Seiten

Details

Titel
Kurt Tucholsky "Sie, zu ihm" - eine Interpretation
Autor
Jahr
2009
Seiten
3
Katalognummer
V169901
ISBN (eBook)
9783640883851
Dateigröße
773 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kurt, tucholsky, interpretation
Arbeit zitieren
Tim Blume (Autor), 2009, Kurt Tucholsky "Sie, zu ihm" - eine Interpretation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169901

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