Das Konzept der Adressatenrollen

Anhand der Rede von Dr. Edmund Stoiber am 55. Politischen Aschermittwoch in Passau (21. Februar 2007)


Seminararbeit, 2008
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Das Konzept der Adressatenrollen
2.1.1 Die Adressierten als Träger von Bewusstseinsinhalten
2.1.2 Die Adressierten als Handelnde
2.2 Kategorisierung von Reden in drei verschiedene Redesphären
2.2.1 Erste Redesphäre
2.2.2 Zweite Redesphäre
2.2.3 Dritte Redesphäre
2.2.4 Rede Edmund Stoibers beim Politischen Aschermittwoch am 21. Februar 2007 als Beispiel für eine Rede der ersten Redesphäre

3 Fazit

4 Literaturverzeichnis
4.1 Bücher
4.2 Aufsätze und Artikel
4.3 Internetquellen

1 Einleitung

Zwischen Sprache und Politik herrscht eine Symbiose - das Eine kann nicht ohne das Andere. Vor allem die Politik ist an die Sprache gebunden, weil sich Politik in Sprache vollzieht. „Politische Tätigkeit ist sprachliche Tätigkeit.“1 HANS HERINGER sieht mit der Formulierung „Politik in Sprache“ ein Ideal verbunden. „Es ist ein Appell, Politik in Sprache auszutragen und im selben Zug auf gewaltsame Auseinandersetzungen zu verzichten.“2 Etwas anders betrachtet es HERMANN LÜBBE: für ihn ist Politik als Kunst zu verstehen, „im Medium der Öffentlichkeit Zustimmungsbereitschaften zu erzeugen. Dabei muß man sich der Worte bedienen, die den Angesprochene vertrauterweise verbal repräsentieren, was ihnen teuer ist.“3 Diese Worte nicht zu verwenden, „hieße den verwirrenden Anschein zu erzeugen, man habe diesem Gegner einen Alleinvertretungsanspruch bezüglich der hohen Zwecke eingeräumt, die jenen Worten Parole sind.“4 Diese zwar etwas veraltete Sichtweise von LÜBBE, ist dennoch in die heutige Zeit zu übertragen. Politiker wiederholen sich in ihren Reden oftmals und nur selten weichen sie in ihren Thesen voneinander ab. Um es mit LÜBBES Worten zu sagen: Politiker wollen es nicht zulassen, dass andere den „Alleinvertretungsanspruch“ für sich beanspruchen. „So gehorcht es also zwingender politischer Logik, daß man sich, auf weltpolitischer Bühne, wechselseitig die Legitimität des Anspruchs auf den Gebrauch zentraler politischer Vokabeln streitig macht.“5

Das Erzeugen von Zustimmungsbereitschaft ist ein weiterer wichtiger Aspekt in LÜBBES Definition von Politik. „Denn die Erzeugung von Zustimmungsbereitschaften in der Öffentlichkeit verweist auf jene Darstellungs- und Selbstdarstellungsmethoden der handelnden Politik, unter denen Sprache die wichtigste […]“6 ist.

Politiker müssen viele verschiedene Sprechsituationen bewältigen. „In jeder [Sprechsituation] sind unterschiedliche Übersetzungsleistungen der Insider- Kommunikation in die Darstellungskommunikation sowie unterschiedliche Optimierungsleistungen des Kommunikationsangebotes zu erbringen.“7 Dabei lassen sich fünf Gattungen von Sprechsituationen unterscheiden: das Grußwort, die Festzeltrede, der Fachvortrag, die Plenarrede und das Fernsehinterview.

Für diese verschiedenen Anlässe müssen Politiker verschiedene Aspekte bei der Textproduktion beachten. So ist „Textproduktion […] eine bewußte, schöpferische Tätigkeit, die die Entwicklung konkreter Handlungsstrategien und die Auswahl geeigneter Mittel zur Zielrealisierung einschließt.“8 Die Politiker sollten ihre Reden auf das jeweilige zu erwartende Publikum abstimmen und dabei verschiedene Strategien verwenden, um ihre Handlungsziele zu erreichen. Nach einer kurzen Erläuterung der verschiedenen Sprechsituationen, soll im Folgenden die Adressatenorientierung und die Einteilung verschiedener Reden in Redesphären näher erläutert werden.

Grußworte stellen eine häufige und wichtige Gattung öffentlicher Politikerrede dar. Sie erlauben es einem Politiker, seine Person und seine politischen Positionen vor großen Versammlungen zu repräsentieren. Des Weiteren wird dem Politiker bei diesen die Möglichkeit gegeben, einen Personenkreis anzusprechen, der außerhalb seiner politischen Reichweite liegt. Daher ist es hier besonders wichtig für den Politiker den richtigen Ton zu treffen.

Reden im Festzelt, oder unter entsprechenden Rahmenbedingungen sind als weitere Gattung zu nennen. Für den Politiker besteht hier die Möglichkeit, „vor Personen reden zu können, die […] [er] über politische Veranstaltungen kaum einmal erreicht, die aber sehr wohl als Wähler wichtig sind.“9 Dabei ist es für den Politiker wichtig sich auf die besondere Volksfeststimmung, die bei solchen Veranstaltungen herrscht, einzulassen. Wenn es ihm hier nicht gelingt den richtigen Ton zu treffen, kann sein Auftritt in einem Desaster enden. Bei Fachvorträgen kommuniziert der Politiker über seine Arbeitsgebiete mit einer Fachöffentlichkeit oder mit Personen auf seinem Wahlkreis. Dabei sind die Anforderungen an den Politiker different, im Vergleich zu denen bei Reden im Festzelt oder Grußworten. Dies wirkt sich besonders auf den Vortragsstil und das verwendete Vokabular aus.

Die wohl bekannteste Form einer politischen Rede ist die Plenarrede im Deutschen Bundestag. Diese stellt dennoch für die meisten Politiker keine alltägliche Sprechsituation dar. „Letztlich zwei Schwierigkeiten sind bei ihr zu bewältigen: einerseits handelt es sich bei Plenarreden meist um „Auftragskommunikation“ im Dienst der Fraktion oder eines Ausschusses, und andererseits exponiert sie den Durchschnittsabgeordneten und macht politisches Vorwärtskommen von einer hier und jetzt zu erbringenden Leistung abhängig.

[...]


1 Heringer, Hans Jürgen (1990):Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort. München: C.H. Beck Verlag, S 9.

2 Ebd., S. 10.

3 Lübbe, Hermann (1975): Der Streit um Worte. Sprache und Politik. In: Kaltenbrunner, Gerd-Klaus (Hrsg.): Sprache und Herrschaft - die umfunktionierten Wörter. Basel, Wien: Herder Verlag, S. 107.

4 Lübbe, Hermann (1982): Der Streit um Worte. Sprache und Politik. In: Heringer, Hans Jürgen: Holzfeuer am hölzernen Ofen. Tübingen: Gunter Narr Verlag, S. 66.

5 Lübbe a.a.O. 1982, S. 66.

6 Bergsdorf, Wolfgang (1988): Entwicklungslinien der politischen Terminologie in der Bundesrepublik Deutschland. In: Goppel, Thomas (1989): Wirkung und Wandlung der Sprache der Politik. Passau: Eigendruck, S. 21.

7 Patzelt, Werner J. (1995): Politiker und ihre Sprache. In: Dörner, Andreas/ Vogt, Ludgera (Hrsg.): Sprache des Parlaments und Semiotik der Demokratie. Berlin, New York: Walter de Gruyter, S. 26.

8 Heinemann Wolfgang/ Viehweger Dieter (1991): Textlinguistik. Eine Einführung. Tübingen: Max Niemeyer Verlag, S. 89.

9 Ebd., S. 27.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Das Konzept der Adressatenrollen
Untertitel
Anhand der Rede von Dr. Edmund Stoiber am 55. Politischen Aschermittwoch in Passau (21. Februar 2007)
Hochschule
Universität Passau  (Lehrstuhl für Deutsche Sprachwissenschaft)
Veranstaltung
PS Werbesprache
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
20
Katalognummer
V169912
ISBN (eBook)
9783640883905
ISBN (Buch)
9783640883943
Dateigröße
1077 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politische Rede, Politischer Aschermittwoch;, Edmund Stoiber;, Rhetorische Mittel;, Adressaten;, Konzept der Adressatenrolle
Arbeit zitieren
B.A. Michaela Buchner (Autor), 2008, Das Konzept der Adressatenrollen , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169912

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