In dieser Seminararbeit wird in Anlehnung an Cremerius, Rezeption als die Aufnahme, kritische Verarbeitung und Einarbeitung des Stoffes
eines fremden oder neuen Sachgebietes in die eigene Disziplin gesehen (Cremerius 1981, 137).
Da es noch sehr wenig wissenschaftliche Literatur zu dem Thema: Die Rezeption der Psychoanalyse in der Pädagogik im Zeitraum von 1900 bis 1945, gibt, diese Untersuchung jedoch den Rahmen der Seminararbeit sprengen würde, konzentriert diese sich auf einen Aspekt dieser Thematik, indem sie folgender Fragestellung nachgeht:
"Inwieweit kommt es zu einer Rezeption der Psychoanalyse in der Person des Prof.Dr. Richard Meister in den Jahren 1906 bis 1945?"
Hieraus ergeben sich zwei weitere Subfragestellungen:
1. Kam es zu einer Rezeption der Psychoanalyse in den Schriften von Richard Meister?
2. Hatte Richard Meister in seinem Umfeld mit Personen zu tun, die psychoanalytisch interessiert waren, woraus geschlossen werden kann, dass er vermutlich in Berührung mit dieser Thematik gekommen ist?
Vorgehen:
In einem ersten Kapitel wird auf die dieser Seminararbeit zugrunde liegende Methode näher eingegangen, um dem Leser die Ergebnisse besser verständlich zu machen und um überdies den Geltungsanspruch dieser Arbeit zu bestimmen und seine Grenzen sichtbar zu machen. Daran anschließend wird die Person des Univ.-Prof. Hofrat Dr. Richard Meister vorgestellt, um einen kleinen Einblick in ihr Leben und Schaffen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu erhalten. Kapitel 3 beschäftigt sich mit den Ergebnissen, folglich der Rezeption der Psychoanalyse, wobei hier unterteilt wird in einerseits eine Rezeption in Schriften von Richard Meister und andererseits in eine Beschäftigung mit Menschen aus seinem Umfeld, um herauszufinden, inwieweit es zu einer Beeinflussung von psychoanalytischem Gedankengut kam. In einem letzten Abschnitt werden die Ergebnisse der Arbeit noch einmal bündig zusammengefasst und die Forschungsfrage insgesamt beantwortet.
Inhaltsverzeichnis
0. EINLEITUNG
0.1 BEGRIFFSDEFINITIONEN
0.2 VORGEHEN
1. METHODE
2. UNIV.-PROF. HOFRAT DR. RICHARD MEISTER
2.1 BIOGRAPHIE
2.2 FORSCHUNGSARBEITEN/INTERESSEN
3. REZEPTIONEN VON PSYCHOANALYSE - ERGEBNISSE
3.1 REZEPTION VON PSYCHOANALYSE IN SELBSTPUBLIZIERTEN SCHRIFTEN
3.2 REZEPTION VON PSYCHOANALYSE IN SONSTIGEN SCHRIFTEN
3.2.1 Das Gef
3.2.2 Einf
3.2.3 Die Apperzeption als Grundbegriff der p
3.2.4 Krieg und Seelenfrieden von Dr. Wilhelm Stekel
3.3 SONSTIGE HINWEISE AUF EINE REZEPTION VON PSYCHOANALYSE
4. R
5. LITERATURVERZEICHNIS
5.1 ONLINE-LITERATURVERZEICHNIS
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rezeption der Psychoanalyse durch den Pädagogen Univ.-Prof. Dr. Richard Meister im Zeitraum von 1906 bis 1945. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwieweit sich psychoanalytisches Gedankengut in seinem Werk oder seinem unmittelbaren akademischen Umfeld nachweisen lässt.
- Biografische Einordnung von Richard Meister und seine Rolle in der Wiener Pädagogik.
- Analyse selbstpublizierter Schriften auf Bezüge zur Psychoanalyse.
- Untersuchung von Buchrezensionen Meisters im Hinblick auf tiefenpsychologische Theorien.
- Betrachtung des akademischen Umfelds, insbesondere der Dissertationen unter seiner Betreuung.
Auszug aus dem Buch
3.2.4 Krieg und Seelenfrieden von Dr. Wilhelm Stekel
Richard Meisters Rezension zu diesem Buch von Wilhelm Stekel, lässt sich eindeutig als Beweis dafür heranziehen, dass er sich mit dem Thema Psychoanalyse im Zeitraum bis 1945 auseinandergesetzt hat, da Wilhelm Stekel einerseits ein zu dieser Zeit bekannter Psychiater und Nervenarzt war und andererseits sein Buch viel an psychoanalytischen Ideengehalt aufweist. Nun ist es in wissenschaftlichen Kreisen äußerst unwahrscheinlich, dass jemand eine Buchkritik ein ihm fremdes Thema schreibt.
Dr. Wilhelm Stekels Werk handelt von den Veränderungen, die die Seele des Menschen in Kriegszeiten erfahren muss. In vierzehn voneinander unabhängigen Geschichten, gibt er seine Gedanken und Erfahrungen wieder, die er als Arzt im Spital während des ersten Weltkrieges, erlebt, und weist in der Einleitung darauf hin, dass sein Buch als Anregung zu sehen ist, das wenn es auf „fruchtbares Erdreich“ stößt, seinen Zweck erfüllt hat (Stekel 1916). In seinem ersten Kapitel, das eher allgemein gehalten ist, gibt Stekel einen kurzen Überblick über die Gründe, warum sich die Seele des Menschen in Kriegszeiten verändern kann. Er ist der Ansicht, dass alle sich infolge einer ängstlichen Erwartung in einem labilen geistigen Gleichgewicht befinden, das dem eines Neurotikers gleicht (Stekel 1916, 3).
Zusammenfassung der Kapitel
0. EINLEITUNG: Hier wird die Forschungsfrage definiert, die sich mit der Rezeption der Psychoanalyse durch Richard Meister zwischen 1906 und 1945 befasst.
1. METHODE: Es wird dargelegt, wie durch die Analyse von Bibliographien, Rezensionen und dem akademischen Umfeld Beweise für eine mögliche Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse gesucht wurden.
2. UNIV.-PROF. HOFRAT DR. RICHARD MEISTER: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über die Biografie sowie die wissenschaftlichen Arbeitsschwerpunkte des Pädagogen.
3. REZEPTIONEN VON PSYCHOANALYSE - ERGEBNISSE: Der Hauptteil untersucht sowohl eigene Schriften als auch Buchrezensionen Meisters und dessen akademisches Umfeld auf psychoanalytische Einflüsse.
4. R: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass trotz mangelnder expliziter Erwähnung in eigenen Werken, ein indirekter Kontakt und eine Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse wahrscheinlich sind.
5. LITERATURVERZEICHNIS: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Richard Meister, Psychoanalyse, Pädagogik, Rezeption, Tiefenpsychologie, Sigmund Freud, Wilhelm Stekel, Ferdinand Birnbaum, Individualpsychologie, Rezensionen, Erziehungswissenschaft, Wiener Universität, Pädagogische Psychologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretische und praktische Auseinandersetzung des Pädagogen Richard Meister mit der Psychoanalyse in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Geschichte der Pädagogik, die Schnittstellen zur Psychologie und die Verbreitung psychoanalytischen Gedankenguts in akademischen Kreisen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob und wie Meister, trotz fehlender expliziter Bekenntnisse zur Psychoanalyse in seinen Hauptwerken, mit dieser Disziplin in Berührung kam.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine Literaturanalyse seiner Schriften, Rezensionen und eine Untersuchung seines Umfelds (betreute Dissertationen) vorgenommen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Rezensionen von Meister zu fachfremden, aber psychoanalytisch relevanten Werken sowie den Einfluss seiner Schüler.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Richard Meister, Psychoanalyse, Pädagogik, Rezensionen und Individualpsychologie.
Wie bewertet Meister die Arbeit von Dr. Wilhelm Stekel?
Meister nimmt eine überwiegend kritische Haltung ein, besonders bezüglich der Ausdehnung des Neurose-Begriffs, erkennt jedoch das Werk als Beleg für eine Auseinandersetzung mit der Materie an.
Welche Bedeutung hat Ferdinand Birnbaum für die Fragestellung?
Als Dissertant unter Meister integrierte Birnbaum individualpsychologisches Vokabular und psychoanalytische Konzepte, was darauf hindeutet, dass Meister mit diesen Inhalten vertraut war.
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- Kristina Kokta (Autor:in), 2008, Die Rezeption der Psychoanalyse in der Person des Univ.-Prof. Dr. Richard Meister, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169916