Den meisten Lesern ist Umberto Eco lediglich als Romancier bekannt. Der 1932 in Piemont geborene Literat verfasste jedoch schon vor der Erscheinung seines ersten Prosawerkes zahlreiche Schriften zur Theorie und Praxis der Zeichen, der Kunst, der Literatur und nicht zuletzt der Ästhetik des Mittelalters. Seit dem Erfolg seines Romandebüts Der Name der Rose gilt er als einer der meistgelesenen Romanautoren der Gegenwart.
Unter dem Originaltitel Il nome della Rosa erschien 1980 sein erster Roman in Italien und wurde zwei Jahre später von Burkhart Kroeber ins Deutsche übersetzt. Anstelle der erwarteten 30 000 Exemplare stiegen die Verkaufszahlen bis auf neun Millionen. 1986 verfilmte der französische Regisseur Jean-Jaques Annaud das Buch unter Mitwirkung Sean Connerys und Christian Slaters.
Die Geschichte handelt von dem Franziskaner William von Baskerville und seinem Novizen Adson von Melk, die sich im Jahre 1327 auf den Weg in ein Benediktinerkloster in Oberitalien machen, um an einem politisch-theologischem Kongress teilzunehmen. Während ihres Aufenthaltes ereignen sich mysteriöse Todesfälle, deren Aufklärung sich William und Adson annehmen. Die Spuren führen die beiden in die als Labyrinth angelegte Klosterbibliothek. Dort versteckt der blinde Bibliothekar Jorge von Burgos den verloren geglaubten zweiten Teil der Poetik des Aristotelis über die Komödie. Jorge sieht in der Legitimation des Lachens durch Aristotelis eine Bedrohung für die Kirche. Um zu verhindern, dass William an das zuvor vergiftete Buch gelangt, isst Jorge es schließlich auf und begeht damit Selbstmord. Die Bibliothek geht in Flammen auf und die Abtei verbrennt.
Der Name der Rose gilt als Schwellentext zwischen der Moderne und Postmoderne. Welche Eigenheiten des Romans ihn auf die Schwelle zur Postmoderne befördern, wird in der folgenden Arbeit beleuchtet. Dazu soll zunächst der Begriff der (Epochen-)Schwelle geklärt und die Merkmale eines solchen Textes herausgearbeitet werden. Das anschließende Untersuchungsgebiet umfasst die Eigenschaften der Schwellensituation zwischen der Moderne und Postmoderne, diese sollen an Umberto Ecos Der Name der Rose nachgewiesen werden. Dazu soll auch der Autor selbst zu Wort kommen mithilfe seiner Nachschrift zum ›Namen der Rose‹.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die (Epochen-)Schwelle
- Von der Moderne zur Postmoderne
- Der Name der Rose – Ein postmoderner Schwellentext
- Veränderung der Literatur
- Fakt oder Fiktion?
- Innovation des Erzählmodells
- Die Intertextualität
- Autorität und Rezeption von Literatur
- Der Idealleser
- Die Doppelkodierung
- Die ironische Verdoppelung
- Wechsel im Erkenntnisparadigma
- Zwerge auf den Schultern von Riesen
- Das Lachen und die Pluralität
- Veränderung der Literatur
- Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit analysiert Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“ als einen Schwellentext zwischen Moderne und Postmoderne. Sie untersucht, wie der Roman die literarische Landschaft verändert, die Autorität und Rezeption von Literatur neu gestaltet und zu einem Wandel im Erkenntnisparadigma beiträgt.
- Veränderung der literarischen Landschaft: Der Roman integriert historische Fakten in eine fiktive Erzählung und entwickelt ein innovatives Erzählmodell, das sich durch Intertextualität auszeichnet.
- Autorität und Rezeption: „Der Name der Rose“ verspricht sowohl intellektuelle als auch unterhaltende Lektüre und fordert den Leser dazu auf, den Text auf verschiedenen Ebenen zu lesen und zu interpretieren.
- Wechsel im Erkenntnisparadigma: Der Roman reflektiert die Beziehung zwischen Wissen und Fortschritt und beleuchtet den Einfluss des Lachens auf gesellschaftliche Strukturen.
- Semiotik: Das Buch zeigt die Bedeutung von Zeichen und Zeichensystemen, die in einer komplexen und mehrdeutigen Wirklichkeit miteinander vernetzt sind.
- Mittelalter: Eco setzt den Roman in das mittelalterliche Kontext und verwendet die historische Epoche, um die gesellschaftlichen und kulturellen Probleme der Gegenwart zu reflektieren.
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Einleitung führt in das Leben und Werk von Umberto Eco ein und stellt die Bedeutung von „Der Name der Rose“ als Schwellentext zwischen Moderne und Postmoderne dar.
- Die (Epochen-)Schwelle: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Schwelle als Übergangsraum zwischen zwei Bereichen und unterscheidet sie von der Grenze. Schwellentexte werden als Kennzeichen für den Wandel von Epochen beschrieben.
- Von der Moderne zur Postmoderne: Dieses Kapitel analysiert die Wesensmerkmale der Moderne und Postmoderne und zeigt die Entwicklung der Literatur in diesen Epochen auf.
- Der Name der Rose – Ein postmoderner Schwellentext (4.1): Die Veränderung der Literaturlandschaft im Roman wird dargestellt. Eco verwendet fiktive und reale Elemente, entwickelt ein neues Erzählmodell und beruft sich auf Intertextualität.
- Der Name der Rose – Ein postmoderner Schwellentext (4.2): Die Autorität und Rezeption des Romans werden untersucht. Eco entwickelt einen idealen Leser und setzt auf Doppelkodierung und Ironie als Stilmittel.
- Der Name der Rose – Ein postmoderner Schwellentext (4.3): Der Wechsel im Erkenntnisparadigma wird im Roman auf der Grundlage des Riesengleichnisses und des Streits über das Lachen zwischen Jorge und William analysiert.
Schlüsselwörter
Schwellentext, Moderne, Postmoderne, Intertextualität, Doppelkodierung, Ironie, Erkenntnisparadigma, Zeichen, Semiotik, Mittelalter, Karnevalismus, Lachen, Pluralität der Wahrheiten.
Häufig gestellte Fragen
Warum gilt „Der Name der Rose“ als postmodernes Werk?
Der Roman nutzt Merkmale wie Intertextualität, die Vermischung von Fakten und Fiktion sowie eine ironische Distanz zu historischen und literarischen Vorbildern.
Was bedeutet Intertextualität in Ecos Roman?
Eco verwebt zahlreiche Zitate und Anspielungen auf andere literarische und philosophische Werke (z.B. Aristoteles, Sherlock Holmes), wodurch ein Netz aus Verweisen entsteht.
Welche Rolle spielt das Lachen im Konflikt zwischen William und Jorge?
Jorge sieht im Lachen eine Gefahr für die Autorität der Kirche, während William das Lachen als menschliches Instrument zur Erkenntnis und zum Hinterfragen von Wahrheiten verteidigt.
Was versteht Eco unter „Doppelkodierung“?
Das Werk ist so gestaltet, dass es sowohl als spannender Krimi für den Unterhaltungsleser als auch als tiefgründiges philosophisches Werk für den „Idealleser“ funktioniert.
Ist William von Baskerville eine Anspielung auf Sherlock Holmes?
Ja, der Name Baskerville und Williams deduktive Methode sind klare intertextuelle Verweise auf Arthur Conan Doyles berühmten Detektiv.
- Arbeit zitieren
- Christin Lübke (Autor:in), 2010, Umberto Eco "Der Name der Rose" - Ein Roman auf der Schwelle zur Postmoderne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169951