Seychellen: Ein Konzept zur Förderung eines nachhaltigen Tourismus

Verknüpfung theoretischer Erläuterungen und Vorstellung einer Fallstudie mit deutschen Seychellentouristen


Bachelorarbeit, 2010

84 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

I nhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung

2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Tourismus und seine Folgen
2.2 Nachhaltiger Tourismus
2.2.1 Leistungskette Ferienerlebnis
2.2.1.1 Informationen vor der Anreise
2.2.1.2 Anreise und Abreise
2.2.1.3 Information vor Ort
2.2.1.4 Verpflegung
2.2.1.5 Beherbergung
2.2.1.6 Transport
2.2.1.7 Aktivitäten
2.2.1.8 Unterhaltung
2.2.1.9 Nachbetreuung
2.2.2 Öko-Strategien

3 Methodisches Vorgehen
3.1 Untersuchungsumgebung: Seychellen
3.1.1 Beschreibung der geografischen Lage im Indik und des schützenswerten Naturraums
3.1.2 Tourismus auf den Seychellen
3.2 Untersuchungsobjekt: Deutsche Seychellen-Touristen
3.2.1 Datenerhebung
3.2.1.1 Darstellung der soziodemografischen Merkmale der Seychellenbesucher im Vergleich zur deutschen Gesamtbevölkerung
3.2.1.2 Reiseverhalten der Befragten
3.2.1.3 Umweltansichten der Touristen
3.2.1.4 Nachhaltiges Reisen
3.2.2 Erkenntnisse inkl. operativer Empfehlungen

4 Fazit

5 Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

Anhang

Abschlusserklärung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Beau Vallon

Abbildung 2: Philodendron erstickt Vegetation

Abbildung 3: Lateritboden

Abbildung 4: Magische Fünfeck-Pyramide einer nachhaltigen touristischen Entwicklung

Abbildung 5: Positive Wirkungen des Tourismus

Abbildung 6: Negative Eigenschaften des Tourismus

Abbildung 7: Leistungskette Ferienerlebnis

Abbildung 8: UNWTO Prognose: Touristenzahlen bis

Abbildung 9: Vier-Säulen-Modell der Lufthansa

Abbildung 10: Aktive Schallminderung an Turbomaschinen

Abbildung 11: Pool des Lémuria Resorts (Praslin) direkt am Meer

Abbildung 12: Bauphase des Raffles-Hotels

Abbildung 13: Klimadaten der Seychellen

Abbildung 14: Public Utilities Corporation: Belle-Vue Lower Treated Water Reservoire

Abbildung 15: Bootsführer fängt Schildkröte auf Korallenriff

Abbildung 16: Öko-Strategien

Abbildung 17: Republik Seychellen

Abbildung 18: Anzahl der Seychellenbesucher 1976 bis

Abbildung 19: Aufteilung der Hotelkategorie [absolut; prozentual]

Abbildung 20: Prozentualer Anteil der Zimmer nach Hotelkategorie

Abbildung 21: Hotelpositionierung auf Mahé

Abbildung 22: Hotelpositionierung auf Praslin

Abbildung 23: Hotelpositionierung auf La Digue

Abbildung 24: Hauptquellmärkte der Seychellenbesucher 2005 bis

Abbildung 25: Altersgruppen der Touristen

Abbildung 26: Gebuchte Hotelkategorie

Abbildung 27: Aufenthaltsdauer

Abbildung 28: Art der Reise

Abbildung 29: Spendenbeträge pro Tag

Abbildung 30: Porters Wettbewerbsmatrix für den Seychellen-Tourismus

Abbildung 31: Flugemissionsrechner im Vergleich

Abbildung 32: Fragebogen zu Tourismus auf den Seychellen

Abbildung 33: Hotel-/ Gästehausliste von Mahé, Praslin und La Digue

Abbildung 34: Neue Hotels auf Mahé und Praslin bis

Abbildung 35: Boat Moorings – Schwimmende Anlegestellen

1 Einleitung

Es stellt sich die für diese Arbeit relevante Frage, ob nachhaltiges Reisen auf den Seychellen vorhanden ist bzw. wie es implementiert werden kann und wel- che Voraussetzungen hierfür notwendig sind. Der Aufbau der Arbeit sieht fol- gendermaßen aus: Nachdem die Probleme der Seychellen aufgezeigt wurden, werden im zweiten Kapitel primär für Reiseveranstalter und Hotelmanager, aber auch für die Reisenden selber, Lösungsvorschläge angeboten, wie der Tourismus umwelt- und sozialverträglicher gestaltet werden kann. Auf der Plattform literaturbasierter Äußerungen zum Thema nachhaltiger Tourismus hat die Verfasserin im dritten Kapitel Primärforschung betrieben, indem sie eine Befragung deutscher Touristen initiiert hat. Die Auswertung des Fragebo- gens soll zeigen, ob nachhaltiger Tourismus schon in der Bevölkerung etabliert ist, oder ob es sich noch immer um ein Nischenprodukt handelt. In Kapitel vier wird reflektiert, welche Schlussfolgerungen aus dem Gesagten zu ziehen sind.

1.1 Problemstellung

„Sie träumen von einem exklusiven Pauschalurlaub ins Paradies?“[13] – so oder in einer ähnlichen Form wirbt fast jeder Veranstalter für die Seychellen. Viel- fach sind Touristen fasziniert von der naturräumlichen Attraktivität, der sie vor Ort begegnen (vgl. Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Beau Vallon

Quelle: Eigene Aufnahme, 24.06.2010, Beau Vallon, Mahé

Doch Sachkundige haben ein anderes Bild:

Das, was besonders exotisch und üppig aussieht, ist auf den Seychellen in Wirklichkeit eine Umweltplage: Unter der Last des eingeschleppten

und äußerst aggressiven Philodendrons erstickt die heimische Vegetati- on.“ [14]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Philodendron erstickt Vegetation

Quelle: Eigene Aufnahme, 15.06.2010, Veuve Reser- vat, La Digue

Laut dem EMPS werden zwar u. a. auf Mahé Um- weltschutzmaßnahmen ergriffen, um die einge- schleppten Pflanzen zu vernichten, doch es muss

akzentuiert werden, dass dem Umweltministerium nicht ausreichend Mitarbei- ter bereitstehen, um eine derartige Plage endgültig von den Inseln zu verdrän- gen.[15]

Das ist nicht das einzige Problem: Die Küstenlandschaften wurden durch Ein- griffe vom Menschen stark verändert. Ausgedehnte Wälder und Mangroven- sümpfe mussten Siedlungen und Plantagen weichen.[16] Außerdem wurden mehr als 600 Pflanzenarten durch den Menschen eingeführt, sodass heute eine große Fläche mit Sekundärvegetation bewachsen ist.[17] Der Wissenschaftler Vesey- Fitz-Gerald[18] stellte schon Ende der 1930er-Jahre fest, dass es vor allem drei

Faktoren gibt, die der ursprünglichen Fauna der Seychellen großen Schaden zugefügt haben:

Lebensräume wurden direkt zerstört (z. B. durch Holzeinschlag für den Schiffbau),

fremde Fressfeinde wie Ratten, Katzen, Tenreks[19] und verschiedene

Vogelarten wurden eingeschleppt,

Konkurrenz stieg, durch eingeschleppte exotische Arten.[20]

Nach der Besiedelung 1770 setzte schnell ein Teufelskreis ökologischer Wech- selwirkungen und Folgeprozesse mit negativen Auswirkungen ein, denn auf- grund von Rodungen wurde die dünne, fruchtbare Bodenschicht, die nun den massiven tropischen Niederschlägen ausgesetzt war, weggewaschen. Folglich wuchsen die Pflanzen noch langsamer und niedriger und wurden abermals ab- gebrannt, was zur weiteren Erosion führte. Letztlich bleibt nur der rötliche Lateritboden, der kein Nachwachsen eines ursprünglichen „Urwaldes“ mehr

ermöglicht.[21] Abbildung 3 verdeutlicht dies.

Abbildung 3: Lateritboden

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Aufnahme, 11.06.2010, Zim- babwe, Praslin

Genau hier muss der nachhaltige Tourismus ansetzen: Flora und Fauna dürfen nicht weiter zerstört werden. Hierdurch werden Ruhe- und Nistzonen sowie Brutplätze sämtlicher Arten von Tieren zerstört. 2009 waren 5080 Hotelbetten auf allen Inseln der Seychellen verfügbar, wobei durchschnittlich 54 Prozent der Betten belegt waren.[22] Es besteht zurzeit nicht die Notwendigkeit, weitere Hotels zu bauen. Dennoch hat die Regierung der Seychellen den Plan, bis 2017 mit attraktiven internationalen Marketingkampagnen die jährlichen Besucher-

zahlen von circa 157.500 im Jahr 2009 auf 300.000 auszuweiten, sodass zu-

nehmend Hotels entstehen – vornehmlich von großen, internationalen Hotel- ketten, die einen luxuriösen Standard bieten.[23]

1.2 Zielsetzung

MÜLLER und AMMER et al. stellen die Hauptziele einer umweltschonenden Tourismusentwicklung wie folgt dar – wie diese Ziele in Zusammenhang ste- hen, verdeutlicht Abbildung 4.[24]

Natur- und Ressourcenschutz: Es dürfen nur geringe Eingriffe in den Natur- haushalt stattfinden, das Landschaftsbild darf nur geringfügig verändert wer- den, naturnahe Kulturlandschaften sollen erhalten werden, Biodiversität und Ressourcenschutz müssen gefördert werden und dabei darf nur ein geringer Landschaftsverbrauch stattfinden.

Subjektives Wohlbefinden: Die einheimische Bevölkerung soll ihre Selbstbe- stimmung, Eigenständigkeit, Freiheit, Selbstverwirklichung und kulturelle Identität wahren, während eine „sanfte“ Weiterentwicklung der soziokulturel- len Verhältnisse stattfindet, dabei die Lebensqualität erhöht wird und die psy- chologischer Belastungen durch den Tourismus begrenzt werden.

Gästezufriedenheit: Die vielfältigen Gästeerwartungen sollen optimal erfüllt werden ‒ Erholung der Gäste, soziale Kontakte und naturbezogene Erholungs- angebote sollen ermöglicht und gefördert werden. Die Touristen sollen vor Ausbeutung besser geschützt werden.

Wirtschaftlicher Wohlstand: Für Einheimische muss Tourismus einen wirt- schaftlichen Nutzen haben – wobei dieser breit gestreut sein soll. Zudem muss langfristig wirtschaftlich gedacht werden und eine Strategie des qualitativen

Wirtschaftswachstums geplant werden. Disparitäten müssen abgebaut werden.

Kulturelle Vielfalt: Die einheimische Kultur muss geschützt werden, das be- deutet auch, dass Kulturgüter unter Schutz gestellt werden müssen. Das kultu- relle Schaffen muss gefördert und Gastfreundlichkeit gelebt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Magische Fünfeck-Pyramide einer nachhaltigen touristischen Entwick- lung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Müller (1993), S. 13 entnommen aus Müller (2007), S. 29

Langfristig sollen zukünftige Generationen mehr Gestaltungsrechte erhalten und den Generationenvertrag erfüllen können.

2 Theoretischer Hintergrund

2.1 Tourismus und seine Folgen

Die United Nations World Tourism Organization (UNWTO) hat Tourismus folgendermaßen definiert:

The activities of persons traveling to and staying in places outside their usual environment for not more than one consecutive year for leisure, business, and other purposes not related to the exercise of an activity re- munerated from within the place visited.“[25]

Abbildung 5 verdeutlicht die positiven Auswirkungen des Tourismus, die in unterschiedlichen Sektoren vorzufinden sind.

Abbildung 5: Positive Wirkungen des Tourismus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Ammer (1998), S. 4, Müller (2007), S. 93, Vorlaufer (2005), S. 18 und 46, Kirstges (2003), S. 18 und Petermann (1998), S. 60, Hörstmeier (2005), S. 79-94 mit eigenen Ergänzungen und eigener Darstellung

Während der Tourist reist, belastet er die Umwelt, mit dem Unterschied, dass er die Belastungen in die Zielregionen exportiert.[26] Das bedeutet, dass insbe- sondere dann eine negative Wirkung vom Tourismus ausgeht, wenn er als Massenerscheinung auftritt oder ökologisch empfindliche Regionen berührt.[27]

Tourismus belastet die Umwelt, trägt zu sozio-kulturellen Spannungen bei und besitzt negative wirtschaftliche Wirkungen (vgl. Abbildung 6). Die Effekte des Tourismus reichen vom Offensichtlichen, wie Verunreinigung von Wasser oder Zersiedelung der Landschaft, bis zu Verhaltensänderungen der Einheimi- schen, die z. B. beginnen, Verhaltensmuster der Gäste unkritisch zu überneh- men.[28]

Die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. (FUR) gab 2009 bekannt, dass 2008 etwa 76 Prozent der Deutschen eine Urlaubsreise von mindestens fünf Tagen unternommen haben. Das entspricht ungefähr 64 Mio. deutschen Bundesbürgern. Im Vergleich dazu waren es 1975 weniger als die Hälfte.[29] Das Reiseverhalten hat sich folglich in den vergangenen drei Jahrzehnten grundle- gend verändert.[30]

Abbildung 6: Negative Eigenschaften des Tourismus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Ammer (1998), S. 4, Müller (2007), S. 93, Vorlaufer (2005), S. 18 und 46, Kirstges (2003), S. 18 und Petermann (1998), S. 60, mit eigenen Ergänzungen und eigener Darstellung

2.2 Nachhaltiger Tourismus

1996 wurde von der UNWTO der “Nachhaltigen Tourismus” wie folgt defi- niert:

„ Sustainable Tourism development meets the needs of present tourists and host regions while protecting and enhancing opportunities for the fu- ture. It is envisaged as leading to management of all resources in such a way that economic, social and aesthetic needs can be fulfilled while maintaining cultural integrity, essential ecological processes, biological

diversity and life support systems.” [31]

2.2.1 Leistungskette Ferienerlebnis

Reisen haben zur Folge, dass vor, während und nach ihnen erhebliche Mengen an Abfall, Abwasser, Abgas und Lärm produziert werden. Dies wird in Abbildung 7 anhand von jedem einzelnen Urlaubsschritt verdeutlicht.

Abbildung 7: Leistungskette Ferienerlebnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Müller (2007), S. 6, mit eigenen Ergänzungen

Daher muss in jedem einzelnen Schritt versucht werden, den Ressourcenver- brauch so gering wie möglich zu halten und ihn einzudämmen. Im Folgenden werden für jeden Reiseschritt Adaptionsstrategien für Reiseveranstalter, Rei- sende und Hotelmanager vorgestellt, um dem Ziel nachzukommen, nachhalti-

gere Reisen anzubieten bzw. nachhaltiger zu reisen.

2.2.1.1 Informationen vor der Anreise

Bei Reiseveranstaltern

entsteht ein großer Anteil der vorhandenen Abfälle

durch die Katalogproduktion. Der Ressourcenverbrauch kann gesenkt werden, indem kleinere Auflagen gedruckt und Schutzgebühren auf Kataloge erhoben

werden[32] oder Konsumenten gut erhaltene Kataloge zu Reisebüros zurückbrin- gen, wenn sie nicht mehr benötigt werden. Eine andere Möglichkeit wäre, Ka- taloge zu verschlanken, d. h., alle Informationen, die Schwankungen unterlie- gen, nur im Internet anzugeben und somit den Katalogumfang zu verringern. Man könnte Reiseangebote auch als App anbieten oder den Interessenten per PDF zustellen. Die Firma My-seychelles.net Innovative Technology GmbH ist letzteren Schritt gegangen. Per E-Mail werden Interessenten nach deren Wün- schen ausgearbeitete Reisevorschläge zugesendet, wobei sich die Kunden auf der Internetseite von My-seychelles.net über die verschiedenen Hotels umfang- reich informieren können.

Zudem wäre es wünschenswert, bei Flugreisen Angaben zum Energiever- brauch bzw. zu den Treibhausgasemissionen der Gesamtreise abzudrucken,[33] damit hierfür in der Bevölkerung mehr Sensibilität aufgebaut wird. Eine drasti- sche Forderung wäre, Kataloge komplett abzuschaffen, doch ist dies wiederum nicht darstellbar, da viele – vor allem ältere Menschen – nicht das Internet für Reisebuchungen nutzen.[34]

Reisebüros sollten für die Administration beim Einkauf von Papier darauf ach- ten, dass es chlorfrei gebleicht ist und einen hohen Anteil von Altpapier auf- weist. Generell könnte man die Ausdrucke von Internetbuchungen derart ge- stalten, dass weniger Werbung auf dem Ausdruck enthalten ist und die Bu- chung auf einer Seite ausgedruckt wird.[35]

2.2.1.2 Anreise und Abreise

Flugzeuge geben Luftschadstoffe und Treibhausgase in allen Luftschichten, vom Boden bis in die obere Troposphäre, ab. Hier wirken Kohlendioxidemissi- onen, Stickoxide und Kondensstreifen (Wasserdampf) gebündelt auf das Kli- ma.[36] Die UNWTO hat, siehe Abbildung 8, für 2020 prognostiziert, dass 1,6 Mrd. Touristen weltweit verreisen werden.

Abbildung 8: UNWTO Prognose: Touristenzahlen bis 2020

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: United Nations World Tourism Organization (2010)

Dieser starke Zuwachs bedeutet, dass gerade die Auswahl der Flotten für die Reiseveranstalter mehr Bedeutung erhält, da, durch den hohen CO2-Ausstoß die größten Umweltbelastungen stattfinden.

GÖSSLING et al. zeigen in der Studie Ecological footprint analysis as a tool to assess tourism sustainability (2002), dass mehr als 97 Prozent des ökologischen

Fußabdrucks[37] von Reisen zu den Seychellen auf den Flug zurückzuführen

sind.[38] Die effektivsten Erneuerungen müssen folglich in der Luftfahrt gemacht werden, um diese 97 Prozent zu schmälern und den Fußabdruck an sich zu ver- kleinern. Die EU-Kommission stellte fest, dass sich der CO2-Ausstoss der Luft- fahrt in 15 Jahren (1990 bis 2005) um 87 Prozent erhöht hat und erwartet ohne Gegenmaßnahmen nochmals eine Verdoppelung bis 2020.[39] Air Seychelles, die

60 Prozent der Seychellen-Besucher transportiert, hat zwei Boeing 787 bestellt, die von Boeing 2013 ausgeliefert werden.[40] Es wurde ferner eine Zusammen- arbeit mit einer Organisation zur Überwachung, Messung und Analyse der Emissionen vereinbart um ab 2012 am Emissionshandelsprogramm teilzuneh- men.[41]

Die Lufthansa übernimmt für die Fluggesellschaften eine Vorbildfunktion: Die CO2-Emissionen pro Passagierkilometer wurden seit den 1970er-Jahren bei Lufthansa um etwa 70 Prozent gesenkt, bei Langstreckenflügen liegt der Kerosinverbrauch derzeit bei 3,7 Litern pro Passagierkilometer.[42] Lufthansa hat, siehe Abbildung 9, ein Vier-Säulen-Modell vorgestellt, um zu verdeutli-

chen, wie die hohen Ziele erreicht werden sollen:

Abbildung 9: Vier-Säulen-Modell der Lufthansa

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Lufthansa (2010), S. 47 mit eigener Darstellung

Ökologische und wirtschaftliche Gründe zwingen die Luftfahrt die Triebwerke und Motoren zu verbessern, die Aerodynamik zu optimieren und leichtere Werkstoffe einzusetzen. Dies ist notwendig, da die Passagierzahlen weiter wachsen, Veranstalter kürzere Reisezeiten verkaufen wollen, bei gleichzeitig größerer Entfernung und die Flugzeuge demzufolge stets größer und schneller werden.[43]

Die DLR[44] forscht seit 1907 nach immer besseren Bauweisen für Flugzeuge, um Kerosin- oder Lärmeinsparungen zu erhalten: Gegenwärtig befasst sich die

DLR mit dem Projekt

iGREEN.[45] Bereits 2006 wurde das Active Noise

Control Verfahren vorgestellt.[46] Abbildung 10 verdeutlicht dieses Prinzip.

Abbildung 10: Aktive Schallminderung an Turbomaschinen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: DLR (2006)

Beim An- und Abflug könnten dergestalt Flora und Fauna, aber auch die Be- wohner erheblich vor Lärm geschützt werden. Alternativ hierzu wäre zu über- legen, ob man mittels Lärmbestimmungen Strafen für landende Flugzeuge ein- führt, die überdurchschnittlich Lärm erzeugen. Mit diesen Erträgen könnte man dann z. B. einen Lärmwall um den Flughafen bauen. Nachtflüge sollten gene- rell – zum Schutz der Umwelt und der Bevölkerung – vermieden werden.

Eine weitere Maßnahme könnte der Brennstoffzellenantrieb sein: Dieser ist bei Start, Flug und Landung völlig CO2-frei.[47] Ein neu entwickelter Bugradantrieb soll am Boden desgleichen Lärm und Schadstoffemissionen mindern.[48] Die synthetische GtL- (Gas to Liquid) Treibstoffbeimischung zum Kerosin ist

ebenfalls umweltschonend, da sie weniger Rußpartikel bildet, aber dennoch zuverlässig ist.[49] Sämtliche Maßnahmen sind langfristig orientiert, können aber

bei konstanter Umsetzung erhebliche Erfolge erzielen.

2.2.1.3 Information vor Ort

Touristen werden am Urlaubsort mit einer Vielzahl Flyern und Broschüren konfrontiert. Es wäre sinnvoller, in den Hotelzimmern Mappen anzulegen, in denen ebendiese, das Verkehrs- und Einkaufsangebot, ein landeskundlicher Reiseführer mit Wander- und Fahrradwegen und Informationen über Veranstal- tungen gesammelt sind. Demzufolge ist der Gast über das Angebot informiert, wirft aber das Material nicht direkt wieder weg. Folglich können Flyer in klei- neren Auflagen produziert werden, da sie nicht für jeden Touristen, sondern pro Hotelzimmer und mehrere Saisons hinweg erstellt werden und dort dauer- haft liegen. Auf den Seychellen haben viele Hotels und Gästehäuser solche Mappen auf jedem Zimmer um über Attraktionen, das Hotel und das Land zu informieren. Dieses Konzept sollte in allen Unterkünften implementiert wer- den.

Für den Einkauf müssen Plastiktüten generell verboten werden. Diese stellen für die Natur einen großen Gefahrenfaktor da und verschmutzen unnötig die Umwelt. In Geschäften soll daher entweder ein Entgelt bezahlt werden, damit der Tütenverbrauch reduziert wird ‒ alternativ sollen Jutetaschen und Papiertü- ten ausgegeben werden.[50]

2.2.1.4 Verpflegung

Noch immer werden auf den Seychellen in großen Hotelketten wie z. B. Hilton täglich Salate und Tomaten aus Paris eingeflogen, da man dies zollfrei impor- tieren darf.[51] Es müssen zukünftig lokale Nahrungsmittel vermarktet werden,[52] damit auf der einen Seite die CO2-Emissionen für den Import der Waren entfal- len und auf der anderen Seite die lokale Wirtschaft gefördert wird. Die Ein- heimischen müssen noch konsequenter zum Selbstanbau übergehen[53] – viele

Bewohner bauen Bananen, Brotfrucht und Papaya bereits selbst im Garten an,

doch naturräumliche Restriktionen, wie Inselgröße, Bodenqualität und Steil- hänge, schränken diese Vorhaben erheblich ein. Man könnte sogar noch weiter gehen, indem man Produkte, die im eigenen Land selbst produziert werden können, wie Tomaten im Süden von Mahé, mit Einfuhrzöllen belegt.

In den Hotels sollten Mahlzeiten in Buffetform angeboten werden, da so auf abgepackte Kleinportionierungen verzichtet werden kann und somit erheblich Müll eingespart wird.[54] Nach den Mahlzeiten sollten die Essensreste an lokale Landwirte gegeben werden, damit diese ihre Tiere damit füttern können.[55]

Es ist unbedingt darauf zu achten, kein Einweggeschirr mehr zu verwenden[56]– weder in Hotels noch in Gaststätten oder auf Bootsausflügen – und auch Alt- glas sollte möglichst vermieden werden, da das Recycling des Glases noch nicht verbreitet ist. Allerdings erhebt Seybrew[57] auf seine Flaschen ein Pfand, sodass diese Flaschen wiederverwertet werden können. Problematisch sind die Getränkeeinwegpackungen wie Tetra-Pak, doch befindet sich ein Projekt der Mülltrennung bereits in der Versuchsphase.[58] Die Abfallentsorgung stellt auf allen Inseln der Erde ein Problem dar. Die Grundsatzregel: „Vermeiden vor Vermindern vor Verwerten vor Entsorgen“ sollte als tragfähiger Lösungsansatz gelten.[59] Die Mülltrennung und das Recycling sollten noch weiter ausgebaut werden und evtl. sollte über den Export von Müll nachgedacht werden (wobei dies sehr teuer ist). Die Seychellen sind sehr bemüht, auch dieses Problem zu bewältigen und so veranstalten sie jedes Jahr „clean up campaigns“, um die Inseln von Grund auf aufzuräumen und auch sperrigen Schrott wie Autos zu exportieren.[60]

[...]


[13] Vgl. Expedia Pauschalreise (2010).

[14] Hofrichter (2000), S. 25.

[15] Vgl. Republic of Seychelles (2000), S. 59.

[16] Vgl. Hofrichter (2000), S. 24.

[17] Vgl. Ebenda, S. 79.

[18] Der Wissenschaftler studierte die Seychellen von 1936 bis 1939.

[19] Igel- bzw. spitzmausähnliche, insektenfressende Tiere, die zur Familie der Säugetiere gehö- ren.

[20] Vgl. Hofrichter (2000), S. 103.

[21] Vgl. Ebenda, S. 114.

[22] Vgl. NSB Migration and Tourism (2009), S. 2.

[23] Vgl. Anhang IV: E-Mail-Verkehr mit dem Seychelles Tourism Board vom 20.04.2010 (Nathali Pillay, Assistant Coordinator – Marketing). Angaben werden in Geo Saison (Dezem- ber 2009), S. 33 bestätigt.

[24] Ausführlichere Informationen unter: Müller (1993), S. 13, zitiert bei Müller (2007), S. 28 f. und Ammer et al. (1998), S. 19 f.

[25] Die UNWTO gibt folgende Definitionen (UNWTO [1999], S. 4-8): Visitor: “Any person travelling to a place other than his/her usual environment for less than 12 consecutive months and whose main purpose of travel is not to work for pay in the place vi- sited Tourist: “Visitor staying at least one night in a collective or private accommodation in the place visited”. Hörstmeier (2007), S. 94 gibt zu bedenken, dass es bei der Untersuchung über den Tourismus auf den Seychellen keine Unterscheidung zwischen Besuchern und Touristen gibt, vermutlich, weil der überwiegende Teil der Besucher Touristen sind. In der vorliegenden Arbeit werden daher auch beide Begriffe parallel verwendet.

[26] Vgl. Kirstges (2003), S. 20. In Deutschland verursacht jeder Bundesbürger im Mittel 448 kg Abfall im Jahr (vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland [2010c], S. 3), doch im Urlaub lie- gen der Konsum und damit auch die Abfallmenge deutlich höher.

[27] Vgl. Schmied et al. (2002), S. 1.

[28] Vgl. Hörstmeier (2007), S. 59.

[29] Vgl. FUR (2009a), S. 1.

[30] Da in Kap. 3.2 über deutsche Seychellen-Urlauber berichtet wird, sollen an dieser Stelle kurz die charakteristischen Merkmale des aktuellen Reiseverhaltens Deutscher geschildert werden. Zu diesem Zweck werden die Ergebnisse der Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) verwendet, die als wichtigste deutsche Untersuchung zu diesem Thema gilt. Über 31 Prozent bleiben in Deutschland, folglich reisen ca. 69 Prozent ins Ausland. Fast 35 Prozent der Reisen führen ans Mittelmeer und über sechs Prozent gelten als Fernreise. Die Kunden werden immer anspruchsvoller und nächtigen lieber in modernen Hotels als in Pensio- nen oder auf Campingplätzen. Mit 13,5 Tagen sind Auslandsreisen im Mittel drei Tage länger als Inlandsreisen. Bei Erstgenannten wird deutlich mehr Geld ausgegeben als bei Letztgenann- ten (974 vs. 525 Euro) (vgl. FUR [2009b]).

[31] United Nations World Tourism Organization (1996), S. 30. Es existieren viele Begriffe, die synonym hierfür verwendet werden (Ökotourismus, Sanftes Reisen, Umweltfreundlicher Fremdenverkehr u. v. a.), jedoch möchte ich nachfolgend lediglich den erläuterten Begriff verwenden, da hier die Definition am umfangreichsten und eindeutigsten ist.

[32] Dies schlägt Müller (2007), S. 169 vor, um das Kauf- und Konsumverhalten zu beeinflussen.

[33] Vgl. hierzu Schmied et al. (2002), S. 132.

[34] Laut der ARD/ZDF-Onlinestudie „Zunehmender Medienkonsum im Internet“ von 2008 sind 65,8 Prozent der Deutschen online. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass etwa 35 Prozent noch keinen Zugang zum Internet haben und es alleine deshalb schon ausgeschlossen ist, Rei- sekataloge abzuschaffen. Zudem sind Internetnutzer und Onlinereisebucher nicht als Äquiva- lent zu verstehen, sodass es auch in der Gruppe der Internetuser sicherlich Urlauber gibt, die den Reisekatalog dem Internet vorziehen. Vgl. hierzu die Onlinestudie von ARD (2008).

[35] Zurzeit sind es bei einer Flugbuchung bei Expedia immerhin drei Seiten.

[36] Vgl. Schmied et al. (2002), S. 43.

37 Der ökologische Fußabdruck steht als Bild für unseren Ressourcenverbrauch und bezieht sich auf die Leistungsfähigkeit des Systems Erde. Er sagt aus, wie viel Biokapazität, gemessen in Hektar, bereitgestellt werden muss, um die Ressourcen für eine Nation, eine Region, einen Haushalt, eine Person bereitzustellen und ihre Abfälle aufzunehmen. Der ökologische Fußab- druck fungiert als Indikator der Nachhaltigkeit, oder Nicht-Nachhaltigkeit im Falle ökologi- scher Defizite (vgl. Lexikon der Nachhaltigkeit [2010], zitiert nach Wackernagel/Rees [1994]).

[38] Vgl. Gössling et al. (2002), S. 208.

[39] Vgl. Müller (2007), S. 126 f.

[40] Vgl. Air Seychelles (2010a).

[41] Vgl. Air Seychelles (2010b) sowie Seychelles Nation (2010b).

[42] Vgl. Lufthansa Balance (2010), S. 46. Trotz der aktuellen weltweiten Finanzkrise, die des- gleichen die Luftfahrt einschließt, setzen die in der IATA (International Air Transport Association) zusammengeschlossenen Unternehmen weiter auf Nachhaltigkeit: Im Juni 2009 wurde ein Grundsatzpapier für eine deutliche Reduzierung der CO2-Emissionen verabschiedet. (Alle Fluggesellschaften, die zurzeit von Deutschland auf die Seychellen fliegen [non-stop oder mit Zwischenlandung], sind in der IATA gelistet: Condor, Emirates, Kenya Airways, Qatar Airways, Air France und Air Seychelles). Deswegen soll bis 2020 jährlich die Treib- stoffeffizienz im Mittel um 1,5 Prozent verbessert werden, wobei das weitere Wachstum da- nach neutral erfolgen soll und was noch viel wichtiger, weil langfristiger, ist, dass der CO2- Ausstoß aus fossilen Kraftstoffen bis zum Jahr 2050 um 50 Prozent im Vergleich zu den Emis- sionen des Jahres 2005 reduziert werden soll (vgl. IATA [2009], S. 2).

[43] Vgl. Petermann (1998), S. 14.

[44] Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

[45] Neu designte Flugzeuge mit größeren Triebwerken, schlankeren

Flügeln mit

Laminarprofilen und neuen

Steuerflächen sollen zu weniger Luftwiderstand beitragen und

somit Treibstoff einsparen. Vgl. DLR (2010b).

[46] DLR (2006): „Einsatz der aktiven Lärmminderung, bei der Aktuatoren (Lautsprecher) so angeordnet und gesteuert werden, dass der von der Turbomaschine emittierte Schall durch Überlagerung eines gegenphasigen Signals teilweise oder vollständig ausgelöscht wird.“ Ziel ist die Verminderung der stromauf abgestrahlten Schallleistung, zumindest der Töne bei den Schaufelfolgefrequenzen der beiden Rotoren.

[47] DLR (2010a), im Artikel „Brennstoffzelle und alternative Treibstoffe in der Luftfahrt“: „Als Kraftstoff kommt Wasserstoff zum Einsatz, der in einer direkten elektrochemischen Reaktion mit dem Sauerstoff der Luft ohne Verbrennung in elektrische Energie umgewandelt wird. Wäh- rend dieser partikelfreien Reaktion entsteht als Reaktionsprodukt ausschließlich Wasser.“

[48] Ebenda.

[49] Vgl. DLR (2010c)

[50] Vgl. Hasse (1992), S. 172.

[51] Vgl. Anhang VI: E-Mail mit Tawakol vom 20.09.2009.

[52] Vgl. Seychelles Nation (2010d) sowie Zimmermann (2005), S. 204 f.

[53] Dies wurde bereits von Kölsch/Veit (1981), S. 212, gefordert.

[54] Siehe hierzu erneut Hasse (1992), S. 172.

[55] Dies bestätigt Zimmermann (2005), S. 204 f.

[56] Ebenda.

[57] Seychellische Bierbrauerei und Abfüllanlage für Softdrinks.

[58] Vgl. Seychelles Nation (2009a).

[59] Vgl. Müller (2007), S. 145.

[60] Vgl. Seychelles Nation (2008).

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Details

Titel
Seychellen: Ein Konzept zur Förderung eines nachhaltigen Tourismus
Untertitel
Verknüpfung theoretischer Erläuterungen und Vorstellung einer Fallstudie mit deutschen Seychellentouristen
Hochschule
Europäische Fernhochschule Hamburg
Note
1,5
Autor
Jahr
2010
Seiten
84
Katalognummer
V169976
ISBN (eBook)
9783640885138
ISBN (Buch)
9783640885275
Dateigröße
16434 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tourismus, Seychellen, nachhaltig, ökologisch, Reisen
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Sonja Göppert (Autor), 2010, Seychellen: Ein Konzept zur Förderung eines nachhaltigen Tourismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169976

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