Die Hausarbeit untersucht den sogenannten „Tochnit Dalet“ (Plan Dalet), der am 10. März 1948 vom Generalstab der Haganah verabschiedet wurde, im Kontext der Staatsgründung Israels. Im Zentrum steht die Frage, ob es sich bei diesem Plan um eine militärische Selbstschutzmaßnahme angesichts des britischen Mandatsendes und drohender arabischer Interventionen handelte, oder um einen strategischen Besatzungs- bzw. Vertreibungsplan mit dem Ziel einer ethnischen Neuordnung Palästinas.
Auf Grundlage einer Quellenanalyse des Plans sowie unter Einbeziehung der Debatte zwischen den „neuen israelischen Historikern“ wie Ilan Pappé und Benny Morris wird argumentiert, dass Plan Dalet über rein defensive Zielsetzungen hinausging. Die Arbeit ordnet den Plan in die längerfristige Entwicklung des zionistischen Siedlungsprojekts seit der zweiten Alija ein und diskutiert ihn im Rahmen postkolonialer Interpretationen als möglichen Bestandteil eines systematischen Verdrängungsprozesses der arabisch-palästinensischen Bevölkerung.
Damit leistet die Untersuchung einen Beitrag zur historiographischen Kontroverse über die Ereignisse von 1947/48 und hinterfragt kritisch das traditionelle israelische Selbstverteidigungsnarrativ im Lichte der Quellenlage.
Inhaltsverzeichnis
2 Einleitung
2.1 Thematische Problemstellung
2.2 Ziel der Arbeit
3 Quellenanalyse
3.1 Vorstellung der Quellengrundlage
3.2 Nähere Kontextualisierung der Quelle
3.2.1 Warum wurde der Plan Dalet entwickelt?
3.3 Inhalt der vorliegenden Textstellen des Plans
3.4 Interpretation
4 Kritische Reflexion
5 Literaturverzeichnis:
6 Quellenverzeichnis:
2 Einleitung
2.1 Thematische Problemstellung
Der 15. Mai 1948 ist ein Datum, dessen nicht unterschiedlicher gedacht werden könnte. Für die einen bedeutet es die Staatsgründung Israels, für die anderen handelt es sich um den Startschuss für die palästinensische Diaspora. Die Ursprünge des Konflikts zwischen Juden und Arabern haben ihren Anfang im britischen Mandat. Bei der Balfour-Deklaration wurde das Land einer Bevölkerungsgruppe versprochen, welche in dem Gebiet als ethno-religiöse Minderheit lebte. Der Unmut über den zunehmende Landerwerb und der von zionistischen Siedlern propagierten Trennung in „hebräische Arbeit“ und „arabischer Arbeit“ führte zu einer für die Araber fühlbaren Einschränkung und führte bis zur Staatsgründung immer wieder zu Konflikten und auch zu Gegenmaßnahmen welche nach heutigen Maßstäben ebenfalls als „terroristisch“ gebrandmarkt worden wären.1 Der für das arabische Narrativ der „Katastrophe“ (arabisch: m&J' / an-Nakba) wohl bekannteste und am häufigsten in der Historiographie rezipierte Schlag, ist das „Massaker von Deir Jassin“, welches als prominenter Ausgangspunkt der Vertreibung der Palästinenserinnen und Palästinenser vom Mandatsgebiet gilt und für viele den Beweis eines „Siedler Kolonialismus“ Israels, in welchen die verbliebenen, in die Diaspora getriebenen Araber als „Terroristen“ und „Antisemiten“ diskriminiert, geächtet und verallgemeinert werden. Auch heute noch ist das Gebiet um Israel und Palästina zentrales Kampffeld im Nahen Osten, auch auf ideologischer Ebene. Es handelt sich um einen immer noch andauernden Konflikt, welcher sehr stark anhand ideologischer Gesichtspunkte geführt wird und es schwierig macht Literatur zu finden, welche nicht als tendenziös zu werten ist. Am aussichtsreichsten scheint wohl die Auseinandersetzung mit der israelischen Historiographie ab den 1980er Jahren, da die israelische Staatsgründung erstmals nicht mehr von der „Sieger- oder Verlierergeschichte“ dominiert wurde sondern ein aufgearbeitetes und auch kritisch beleuchtetes Feld ist.2 Zuvor wurde die arabische Fluchtwelle damit erklärt, dass die arabischen PalästinenserInnen auf Anweisung der arabischen Führung die Dörfer verlassen haben, man solle die Dörfer leeren, um Raum für die einmarschierende arabische Armee zu schaffen.3 Die ethnischen Säuberungen des Gründungsprozesses wurden vorerst von den sogenannten „neuen israelischen Historikern“ aufgearbeitet, als die israelischen Staatsarchive geöffnet wurden. Die „neuen israelischen Historiker“, welcher sich mit der Vertreibung der Palästinenserinnen und Palästinenser auseinandergesetzt haben, gelten teilweise noch heute als Tabu-Brecher, weil sie als israelische Historiker palästinensische Narrative anhand der Quellen der Staatsarchive unter die Lupe genommen haben, auffrischten und somit die bisherige israelische Historiographie in Frage stellten.4 Auch unter ihnen gibt es jedoch unterschiedliche Wertungen des Konflikts. So handelt es sich bei einer der bekannteren Stimmen um Ilan Pappe, ein jüdisch-israelischer Antizionist, welcher die These aufstellte, dass die ethnische Säuberung über Jahre in einem Transferkomitee geplant worden wäre.5 Auf der anderen Seite behauptet Benny Morris aus einer jüdisch-israelisch zionistischen Sicht, es habe den Plan Dalet für die Sicherung der Yishuw6 -Gebiete gegeben, er sei aber kein langfristig angelegter politischer Plan zur Vertreibung der PalästinenserInnen gewesen. Dass ein Massaker wie in Deir Yassin stattgefunden hat, sei Schuld der leitenden Offiziere gewesen. Nur durch das Handeln dieser Offiziere sei es schließlich doch zur ethnischen Säuberung in der Endphase der israelischen Staatsgründung gekommen.7 Aber auch Tom Segev, ein weiterer post-Zionistischer Historiker dieser Schule, stellte die damals kontroverse These auf, dass der Yishuw Führung mehr an der Errichtung eines eigenen Staates Interesse gehabt habe, als an der Rettung europäischer Juden, und dabei gezielt eine arabische Tragödie ausgeblendet worden ist, welche er auf parteiinterne Reden innerhalb der sozialdemokratischen Mapai vom ersten Präsidenten Israels zurückführt.8
Diese Arbeit soll eine Auseinandersetzung mit den Narrationen über die Staatsgründung sein. Für eine Wertung dieser Ansätze wird eine Quellenanalyse des „Plan Dalet“ (hebräisch: 7 n’imn' / Tochnit Dalet) gemacht, seine historischen Hintergründe geklärt und schließlich aus der hinzugezogenen Quelle und der sich mit ihrer befassenden Literatur ein Fazit gezogen.
2.2 Ziel der Arbeit
Anhand des „Plan Dalets“ und seiner Hintergründe soll deutlich gemacht werden, dass die Staatsgründung Israels als Teil eines länger geplanten Kolonisierungs- und Vertreibungsprozesses gestellt werden kann, welcher die Grundidee der Ethnischen Säuberung der Araber vorgesehen bzw. geduldet hat, um einen eigenen jüdischen Staat zu gründen. Kritisch wird dabei das klassische israelische Narrativ diskutiert, dass bei der Staatsgründung nur auf den Abzug der Briten gewartet wurde und der Plan Dalet nur eine Sicherung der Yishuw vor einer Invasion von außen in einer Phase des Machtvakuums war. Diese Frage ist gerade heute wichtig, da in dem postkolonialen Diskurs in Bezug auf Israel meist von einem „Siedler Kolonialismus“ gesprochen wird, während auf der Gegenseite das Narrativ des aus defensiven Gründen hochgerüsteten Staats, welcher von allen Seiten bedroht werde im Raum steht. Die Beleuchtung des Gründungsprozesses ist somit in einer Wertung zu dieser Frage essentiell und muss gerade bei diesem sensiblen Thema einen hohen Stellenwert einnehmen.
3 Quellenanalyse
3.1 Vorstellung der Quellengrundlage
Im Folgenden wird die Hauptquelle dieser Arbeit vorgestellt, der „Tochnit Dalet“. Die Quelle ist ein beständiger roter Faden jeglicher Literatur, welche sich mit der Vertreibung der Palästinenser aus ihren Dörfern & der Staatsgründung Israels auseinandersetzt und auch Teil einer Kontroverse zwischen Historikern. Es handelt sich um einen Militärischen Plan des Generalstabs der Haganah, der an die Haganah Truppen gerichtet ist. Dies erschließt sich aus den Anweisungen welche Haganah Truppen betreffen. Da es nicht möglich ist den Urtext zu bekommen ist die Grundlage der Quellenanalyse eine englische Übersetzung aus dem „Journal of Palestine Studies“, welches aus dem dritten Band von Yehuda Slutskys „Geschichte der Haganah“ aus dem Hebräischen übersetzt wurde.9 Das Originaldokument liegt in den Beständen des Archivs des Israeli Defense Force und ist nicht zugänglich. Zudem sei gesagt, dass nicht der gesamte Plan in Augenschein genommen wurde, da das gesamte Dokument um die 75 Seiten umfasst und davon nur Fragmente auffindbar sind. Die genutzte Übersetzung beinhaltet jedoch die für die Fragestellung relevanten Abschnitte.
Der Entstehungsort des Plans war das „Rote Haus“, welches das inzwischen nicht mehr existierende Hauptquartier der Haganah in Tel-Aviv war.10 Der vorliegende Textabschnitt selbst gibt kein Entstehungsdatum an, aus weiterführender Literatur geht jedoch hervor, dass der Plan zum 10. März 1948 fertig gestellt wurde.11
Um den Quellenursprung überhaupt erklären zu können, ist es notwendig zumindest zu skizzieren was die Hintergründe dieses komplexen Konfliktes sind. Am einfachsten lässt sich dies aus meiner Sicht anhand der ökonomischen Hintergründe, welche vorherrschten, ohne Anspruch auf Vollständigkeit anreißen. Eine bloße Reduzierung auf eine religiöse Feindschaft zwischen Juden und Arabern würde einer an die Wurzel greifenden Auseinandersetzung mit dem Konfliktherd nicht gerecht werden.12 Wenn man die jüdi- sehen Einwanderungswellen (hebräisch: H''W Alija) in das Gebiet Palästinas genauer unter die Lupe nimmt, wird ein deutlicher Bruch der Produktionsweise zwischen der ersten Alija in den 1880er Jahren und der zweiten Alija zwischen 1900 und 1910 deutlich. Die Hintergründe der ersten Alija sind eindeutig mit den Pogromen in Europa vor allem aus dem zaristischen Russland verknüpft und hatten kaum einen ideologischen Hinter- grund.13 Araber und Juden arbeiteten gemeinsam auf denselben Feldern und denselben Fabriken. Ab 1901 wurde bei dem 5. Zionistenkongress beschlossen den „jüdischen Nationalfonds“ einzurichten14, welcher letztendlich ab 1910 ein Hauptinstrument wurde, um Land auf dem Gebiet zu erwerben. Ziel dahinter war eine nationale Heimstätte für Juden in Palästina zu errichten.15 Die Idee des Zionismus, welche ihren programmatischen Ursprung bei Theodor Herzl hat, ist deutlich geprägt von dem europäischen Diskurs über Nation und Kolonialismus, aber auch von der Problematik der Judenverfolgung in Eu- ropa.16 Im Unterschied zu anderen Nationalismen konnte der Zionismus sich nicht auf ein Territorium beziehen und somit war er zwangsläufig darauf angewiesen sich eigener Kolonien zu bedienen.17 Ziel der mit der zweiten Alija kommenden, zionistischen Siedler war es, mit Hilfe des ab 1901 gegründeten jüdischen Nationalfonds möglichst viel Land zu erwerben und europäische Juden in das Mandatsgebiet zu bringen.18 Mit der zweiten Alija wurde zusätzlich von den zionistischen Siedlern immer stärker propagiert, die Araber aus der Produktion und dem von jüdischen Siedlern erworbenen Land auszuschließen, was in der Praxis anfangs eher schwieriger war. Denn vor allem bereits länger in dem Gebiet ansässige Juden waren keine Anhänger des Zionismus und sahen Araber immer noch eine günstige Arbeitskraft. Ab 1920 war die Idee der ökonomischen Trennung der Araber jedoch immer stärker von „Erfolgen“ gekrönt.19 Diese unter dem Titel „Hebräi- sehe Arbeit“ (hebräisch/ n'"Qy mwZ Avoda Ivrit ) laufende Idee nimmt im weiteren geschichtlichen Verlauf, aufgrund seines diskriminierenden Charakters, einen wichtigen Startpunkt für Unruhen im Land ein. Eine weitere ökonomische Entwicklung entstand daraus, dass den arabischen Bauern durch die Einwanderung ebenfalls ihre Existenzgrundlage genommen wurde. Zum einen wegen der Gefahr, dass Araber bei Streiks am Arbeitsplatz durch Siedler ersetzt worden wären, zum anderen weil die Siedler häufig beim Landkauf dazu angestachelt wurden, die zuvor auf dem Grund arbeitenden Bauern zu vertreiben, was zuvor auch beim Landkauf weiterhin geduldet wurde.20 Die Abneigung gegen den zunehmenden Landerwerb und den propagierten Ausschluss der Araber von der Produktion führte bis zur Staatsgründung immer wieder zu Aufständen und Pogromen.
Dieser Punkt ist für eine Wertung des Konflikts unabdinglich, denn es scheint sich hier weniger um einen Konflikt zu handeln, dessen Ursprung in einem inhärenten religiösen Antisemitismus liegt, sondern vielmehr in einem ökonomischen Bedrohungsszena- rio.21 Dazu angemerkt sei, dass es bis zu diesem Zeitpunkt bisher keine ausgeprägten Fremden- oder Judenfeindliche Angriffe von Arabern gab.22 Da im weiteren historischen Verlauf natürlich ein Nährboden für Antisemitismus entstand, sollte dieser dennoch nicht geleugnet werden. Durch die Situation der systematischen Ungleichbehandlung waren zunehmend auch jüdische Siedlungen von verärgerten Arabern angegriffen worden. Aus diesem Grund entschied sich die jüdische Gemeinde in Palästina (hebräisch: m^' /Y- ishuw) eine Verteidigungseinheit für die Siedlungen aufzustellen, aus welcher schließlich die „Verteidigungs Einheit“ (hebräisch: nimn/ Haganah) entstanden ist.23 Der britische Offizier Charles Wingate, ebenfalls Unterstützer des Zionistischen Projekts, half den Y- ishuw Streitkräften bei der Militärischen Schulung von Vergeltungsmaßnahmen zur Einschüchterung von palästinensischen Gemeinden in der Nähe israelischer Siedlungen, um vor Angriffen abzuschrecken.24 Erwähnenswert sind vor allem im Kontext des Plan Dalets auch militärische Übungsaktionen, wie die Besetzung eines arabischen Dorfes an der libanesischen Grenze.[25] Im Vergleich zur arabischen Gesellschaft wird schnell die damalige Überlegenheit der Yishuw deutlich. Sie besaß eine starke Wirtschaft, hatte ein bessere Bewaffnung, ein zentralisiertes, gut organisiertes, geschultes Militär und sie war motiviert einen Staat aufzubauen. All das wäre aber wohl kaum möglich gewesen, ohne Unterstützung durch die ab 1917 herrschende Mandatsmacht Großbritannien und der Zusicherung der Unterstützung eines jüdischen Staates auf dem palästinensischen Gebiet in Form der Balfour-Deklaration. Das Handeln der britischen Mandatsmacht war nun darauf25 zugeschnitten, israelische Staatlichkeit zu fördern. Jedoch sah sich Großbritannien in einer „doppelten Verpflichtung“ gegenüber der arabischen Bevölkerung.26 Um einer Eskalation des Konflikts zu vermeiden wurde zunehmend jüdische Einwanderung in das Mandatsgebiet begrenzt, welche jedoch von der Jewish-Agency aktiv versucht wurde zu fördern und zum Teil sogar zu forcieren.27 Dieses doppelte Spiel der Briten und das Verbot des Einsatzes von Haganah-Einheiten zum Schutze jüdischer Einrichtung wurde zunehmend von der Yishuw als „Verrat“ angesehen und sorgte auch für Feindschaft einzelner zionistischer Gruppierungen zur Mandatsmacht.28 Für das Leben der Araber spielten die Herrschaftsverhältnisse kaum eine Rolle. Es sollte jedoch angemerkt werden, dass die kommunalen Organe des arabischen Hochkomitees Kontakt zur Partei des Al-Husseini Clans hatten, welcher die politische Ebene der arabischen Bevölkerung zu diesem Zeitpunkt dominierte. Diese Vorgeschichte sollte das Spannungsfeld darstellen innerhalb dessen sich die Araber bewegten und die von ihnen ausgehenden Handlungen außerhalb des im Kern falschen Deutungsrahmens des religiösen Antisemitismus zu stellen. Die arabische Bevölkerung lehnte zwar die zionistische Einwanderung aufgrund der ökonomischen Bedrohung ab, sah aber in Palästina lebende Juden weiterhin als gleichberechtigte Bürger an.29
3.2 Nähere Kontextualisierung der Quelle
3.2.1 Warum wurde der Plan Dalet entwickelt?
Die Erstellung der Pläne „Gimmel“ und „Dalet“ sind stark mit der Verkündung des Rückzugs der Briten aus dem Mandatsgebiet verknüpft, welcher im Februar 1947 bekannt gegeben wurde. Eine Lösungssuche für den immer wieder hochkochenden Konflikt, auch zwischen Yishuw und Briten, wurde an die neu gegründeten Vereinten Nationen weitergegeben. In einem achtmonatigen Beratungsprozess wurde im September 1947 der Teilungsplan veröffentlicht, welcher die Beendigung des britischen Mandats und die Aufteilung des Landes in einen israelischen und einen palästinensischen Staat beschloss. Dieser Plan fiel zugunsten der jüdischen Siedler aus und sicherte ihnen den größeren Teil des britischen Mandatsgebiets für einen eigenen Staat zu.30 Vorerst war eine Landaufteilung in 62% jüdisches Gebiet und 38% arabisches Gebiet vorgesehen.31 In der finalen Fassung des UN-Teilungsplans vom 29. November 1947 sicherte man schließlich dem jüdischen Staat 55% des Landes und den Arabern 45% des Landes zu. Das Problem hinter einer Vergabe der größeren Landfläche an die Yishuw war, dass sowohl die Bevölkerungszahl, als auch der Landbesitz in keinem Verhältnis zu der geplanten Aufteilung standen. Gemessen an dem Ausmaß der Yishuw Siedlungsgebiete, hätte das jüdische Staatsgebiet höchstens 10% des Landes entsprechen müssen, nun aber wurde über die Hälfte Palästinas dem zionistischen Projekt zugesprochen.32 Das wohl größere Problem für die Yishuw war aber vor allem, dass sich viele palästinensische Dörfer auf wichtigen Transport- und Kommunikationswegen befanden. Dies führte zu einem Lieferengpass an Gütern aus anderen Yishuw Siedlungen.33 Eigentlich sollte man annehmen, dass dieser Beschluss vor dem Hintergrund der andauernden Spannung gut überlegt und ausgewogen sei, jedoch wurde die Aufteilung trotz Ablehnung der arabischen Population über den Köpfen der arabischen Mehrheit beschlossen. Eine Teilung war schon seit der Balfour-Deklaration in dem Gebiet diskutiert und von der Arabischen Führung, auch im Sinne der arabischen Bevölkerung, abgelehnt worden. Ein Dialog war aber auch unter der Bedingung der Teilung des Landes nicht gewünscht, so boykottierte die arabische Führung auch 1947 die Beratungen über eine Umsetzung des Planes, was zu einem einseitigen Dialog zwischen UNSCOP und der Yishuw-Führung führte.34 Es brach eine Welle der Gewalt am Folgetag der Verkündung des UN-Beschlusses und der Ausrufung eines Generalstreiks durch das arabische Hochkomitee aus.35 Innerhalb des israelischen Narratives fing es mit einem Gewaltsamen Angriff nationalistischer Araber auf einen Bus an. Nach Ilan Pappe handele es sich dabei jedoch um einen Angriff von Anhängern der Abu-Qishq Bande, welcher eher kriminell als nationalistisch motiviert war.36
Um auf diese neue Situation zu reagieren wurde schließlich der Plan Gimmel aufgestellt. Walid Khalidi geht sogar davon aus, dass der Plan Dalet wahrscheinlich gar nicht erst für die Yishuw-Führung notwendig gewesen wäre, wenn das Hauptziel dieses Vorgängers Erfolg gehabt hätte.37 Er beinhaltete die Besetzung von strategisch wichtigen Punkten, die von Briten geräumt wurden, arabische Dörfer sollten bedroht werden, um den Widerstandswillen der PalästinenserInnen zu untergraben.38 Dörfer welche Widerständler beherbergten, sollten zerstört werden und Transport- und Kommunikationslinien sollten geschützt und erobert werden. Hauptsächlich wurde der Plan aber auch dazu genutzt, um sich durch Zeitgewinnung genügend Streitkräfte für eine neue Eskalationsstufe oder einen Krieg vorzubereiten.39 Opfer von Vergeltungsschlägen, welche der
Plan vorsah, sollten nicht nur aktive Teile des Widerstands sein, sondern auch die Dörfer, welche Widerständler beherbergten.40 Die Folge dieser Offensive war eine gegenseitige Belagerung jüdischer und arabischer Dörfer. Weil der Widerstand der Araber nicht eingebrochen ist, wie es geplant war und die Yishuw-Führung damit rechnete, dass bei Abzug der Briten eine Invasion der umliegenden Staaten stattfinden würde, wurde eine schnelle Sicherung der zugesprochenen Gebiete als zunehmend wichtiger angesehen. Um zumindest das Ziel der eigenen Staatlichkeit vollenden zu können, wurde ein noch wesentlich offensiverer Plan erstellt. Das Hauptziel war, alle Städte und Dörfer Palästinas bis April besetzt und unter Kontrolle gebracht zu haben, um die zugesprochenen Gebiete vor potentiellen Angriffen der umliegenden Staaten zu schützen. Bereits im Dezember 1947 begannen erste Fluchtwellen in Folge von Vergeltungsakten auf Palästinensische Dörfer und Stadtviertel für zuvor stattgefundene Angriffe Arabischer Clans und Banden.41
3.3 Inhalt der vorliegenden Textstellen des Plans
Der Textabschnitt des Plan Dalets richtet sich an die offiziellen Streitkräfte der zionistischen Führung, also der verschiedenen Haganah Einheiten. Zunächst muss das Grundgerüst des Plans kurz skizziert werden.
Die Quellen-Grundlage gliedert sich in vier Abschnitte mit jeweils länger ausgeführten Unterpunkten. Diese behandeln vor allem in der Einleitung die Gründe für die Erstellung dieses Plans. Der zweite Abschnitt handelt von Grundannahmen, von denen der Generalstab ausgeht. Auch hier werden wieder Unterpunkte aufgemacht. Es folgt ein Abschnitt über Annahmen über den „Feind“, damit ist die „ Arabische Befreiungsarmee “ gemeint. Hier wird angenommen, in welcher Weise die arabischen Streitkräfte auf den Abzug der Briten reagieren würden.42 Des Weiteren wird nochmal auf die Grundannahme des Haganah Generalstabs eingegangen, dass die Briten komplett aus dem Mandatsgebiet abziehen werden.43 Dies stellt die Grundvoraussetzung für eine Durchführung des Plans dar.44 Die Erfüllung der Annahme bzgl. des Abzugs der Briten, auf dessen Grundlage der strategische Wandel zum Plan Dalet vollzogen werden soll, war für das weitere Vorgehen notwendig, da ansonsten ein anderer Plan ausformuliert werden müsste.45 Es folgen die Operationsziele, welche alle im Sinne der Selbstverteidigung gegen die arabischen Truppen sind.46 Eines dieser Ziele sieht vor, das jüdische Gebiet des UN-Teilungsplans, sowie jüdische Dörfer innerhalb dieses Gebietes, durch militärische Handlungen zu kontrollie- ren.47 Die Ausübung von Ökonomischen Druck auf den Feind und Verhinderung von Angriffen innerhalb des eigenen Territoriums werden ebenfalls beschrieben.48 Kernziel sei der Aufbau und die Sicherung eines Verteidigungsapparates. Operationen gegen feindlich gesinnte, arabische Dörfer in der Nähe oder innerhalb des Verteidigungssystems sollten verhindern, dass diese von den Arabern als Basis verwendet werden können. Diese Operationen sollten nach dem Plan darin bestehen, unter Anderem Dörfer durch Brandanschläge oder Sprengstoff zu zerstören und die Trümmer mit Minen zu versehen. Besonders schwer kontrollierbare Dörfer sollten so in das Verteidigungssystem integriert wer- den.49 Andere Dörfer sollten belagert und durchsucht werden. Wenn Widerstand geleistet würde, müssten die Widerständler „ausgelöscht“ („wiped out“)50 werden und die Bevölkerung aus dem Gebiet vertrieben werden.51 Dörfer, die auf diese Weise geleert werden, müssten in das Verteidigungssystem integriert und gegebenenfalls gesichert werden.52 Die Dörfer, in denen kein Widerstand geleistet wird, sollten besetzt werden und die Bevölkerung wird kontrolliert und verdächtige Personen festgehalten und durch die Truppen entwaffnet.53 Beim Einsatz in Großstädten sollten dieselben Prinzipien wie in den Dörfern gelten. Die Großstädte sollten ebenfalls belagert und ihre Zufahrtsstraßen, sowie wesentliche Dienstleistungen (Wasser, Strom, Treibstoff usw.) so gut wie möglich unter Kontrolle gebracht werden.54 Es wird folgend im Detail beschrieben, wie die "Besetzung und Kontrolle von Feindpositionen"55 aussehen soll. Besatzungsoperationen in arabischen Dörfern außerhalb der Teilungsplan-Grenzen sollten nicht stattfinden. Feindliche Basen in Nähe des „Verteidigungssystems“ sollten nur vorübergehend besetzt und darin integriert werden. Der darauffolgende Punkt "Pflichten der Streitkräfte" erklärt die Rolle der verschiedenen Strukturen der Haganah. Die wichtigen Akteure für den Plan Dalet waren die Khisch, also die Feldarmee und die Palmach, eine Art Sturm-Bataillon. Beide wurden ab Mai 1947 in Streitkräfte für Kriegszwecke umgestaltet.56 Bestandteil der Operationsanweisungen des Plan Dalets war, dass ergänzend zu den drei mobilen Palmach Brigaden, aus der Khish Sechs weitere Brigaden gebildet werden sollten.57 Diese hatten unterschiedliche, später in den Operationsanweisungen stehende Einsatz-Zielen und sollten in die verschiedenen Landesgebiete geschickt werden.58 Die Khim, eine kleinere mobile Garnison der Haganah, sollte für die Verteidigung der Gebiete verantwortlich sein.59 Die Khish, sollte innerhalb des jüdischen Verteidigungssystems die Kommunikation der Araber blockieren. In Sonderfällen sollte die Khish auch die Palmach Brigaden in der Verteidigung unterstützen.60 Lokale Vergeltungsangriffe durften von ihr auch mit anderen kleineren Einheiten organisiert werden, somit hatte auch sie eine offensive Rolle. Zusammenfassend war Aufgabe der Palmach größer angelegte Gegenangriffe zu koordinieren. Die Khish sollte hauptsächlich regionale Gegenangriffe koordinieren.
3.4 Interpretation
Die entscheidenden Punkte im Plan Dalet, die den strategischen Wandel der Haganah ausmachen, werden auf dem ersten Blick nicht besonders deutlich. Wenn man sich jedoch einzelne Punkte näher anschaut, zeigt sich doch die neue Stufe, welche mit dem Plan Dalet eingeleitet wurde und wie weit er sich vom vorangegangenen Plan Gimmel unterscheidet. Die im Plan Gimmel ausbleibende Demoralisierung der Araber, welche durch Einschüchterungs- und Vergeltungsakte hervorgerufen werden sollte wurden ergänzt durch Vertreibung und Zerstörung der Dörfer, wo sich auch vereinzelte Widerständler aufhielten.61 Anhand der im Plan Dalet vorgeschlagenen Methodiken zur Eroberung vermeintlicher arabischer Stützpunkte lässt sich deutlich erkennen, dass eine ethnische Säuberung unter den Umstand des Widerstands Teil des Plans gewesen war.62 So kam es zu kollektiven Bestrafungen ganzer Dörfer, um Vergeltung an vereinzelten, widerständigen Arabern zu üben.
Das Vorgehen der Haganah wird im Plan durch die Verfasser zwar als rein defensiv definiert, jedoch ist fraglich, inwiefern die dort aufgeführten Praktiken als defensiv zu klassifizieren sind. Die wohl fraglichste Methode ist wohl die Zerstörung der Dörfer mit dem Ziel der Vertreibung der arabischen Zivilbevölkerung.63 An diesem Punkt scheint es als sei jedes Mittel recht gewesen, um einen jüdischen Staat im Mandatsgebiet Palästina durchzusetzen. Natürlich ist es schwierig innerhalb einer Kriegssituation einen Handlungsplan zu finden. Wenn die zionistische Führung jedoch wirklich an einem defensiven
Verhalten in der gegebenen Situation interessiert gewesen wäre, hätten sie das Angebot einer Treuhandverwaltung seitens der USA angenommen. Dies wurde von den Vereinigten Staaten angesichts der Ausschreitungen im Mandatsgebiet angeboten und von der Y- ishuw Führung abgelehnt64. Mit einer Annahme hätten die Gewaltmaßnahmen des Plan Dalets verhindert werden können.
Die Befürchtung der Yishuw-Führung, dass die umliegenden arabischen Länder einmarschieren würden, war zwar in der retrospektive betrachtet richtig, jedoch könnte man an dieser Stelle auch behaupten, dass dies nur die Reaktion auf die ethnischen Säuberungen Arabischer Dörfer gewesen war.65 Die dezentral und von unterschiedlichen Machtinteressen gelenkte Intervention war entgegen der militärischen Übermacht der Yishuw- Truppen ohnehin wirkungslos. In Angesicht dessen, scheinen die im Plan Dalet gebotenen Handlungsoptionen der Haganah Einheiten überzogen und verallgemeinernd gegenüber der Zivilbevölkerung. Es scheint als sei in erster Linie wichtig gewesen den jüdischen Staat entgegen jeglichen Widerstandes im Land zu etablieren und dabei waren auch ethnische Säuberungen, welche im Plan deutlich beschrieben werden, wichtiger Bestandteil für einen Erfolg.
4 Kritische Reflexion
Aufgrund der vorangegangenen Untersuchung ist offenbar geworden, dass die Systematische Planung von militärischen Schlägen gemäß des Plan Dalets nur mit einer gewissen Vorarbeit zu bewerkstelligen gewesen ist. Eine Gruppe, die den Anspruch stellt, defensiv zu reagieren, würde eigentlich den Weg der Diplomatie bevorzugen, der ja in der gegebenen Situation gangbar gewesen wäre. Aber auch anhand der Hintergründe des Konflikts wird klar, dass schon mit Einzug der zionistischen Idee und den damit propagierten Ideen der Ausgrenzung das Mittel der Eskalation gewählt wurde.
Somit beinhaltet Ilan Pappe‘s These richtige Punkte, wenn er von einer langfristig geplanten ethnischen Säuberung von einheimischen Arabern ausgeht. Dass die Idee des jüdischen Staates bloß auf eine Gelegenheit gewartet hat, um in einer „ad hoc“ Reaktion zu reagieren, scheint angesichts der angeführten Untersuchung realistisch. Pappe‘s Werk „Die ethnische Säuberung Palästinas“, stellt dabei die Rolle der vom jüdischen National Fonds zuvor angelegten Dorfregister wohl in nachvollziehbarer Weise in den Kontext des Plan Dalets. Nach Pappe hätte die Anfertigung eines Registers arabischer Dörfer kein anderes Ziel gehabt, als eine länger geplante gewaltsame Landnahme. Die arabische Bevölkerung wurde innerhalb dieser Register gemäß ihrer Abneigung zum Zionismus oder Aktivität in der palästinensischen Nationalbewegung kategorisiert sowie gemäß ihrer Verbindung zum Mufti Amin Al-Husseini[66], dessen Partei aufgrund ihrer dominanten Stellung quasi unumgehbar war.67 Weil diese Kriterien ganze Dorfgemeinschaften umfassen konnten, scheint die Räumungspraxis in Anbetracht der 700 000 geflüchteten arabischen Palästinenser, genau auf eine solch vage Kategorisierung aufzubauen, welche möglichst viele Palästinenser des Landes verweist, um einen ethnisch möglichst „reinen“ Staat aufzubauen. Die Briten waren vor ihrem Abzug für die Yishuw Führung ein Faktor, der eine direkte Umsetzung einer ethnischen Säuberung hätte verhindern können, weswegen die Gelegenheit des britischen Abzugs auch als praktischer Umstand für ein solches Projekt angesehen werden kann. Auch, wenn man betrachtet, dass ethnische Säuberungen von Mitgliedern des bis August 1948 noch inoffiziell agierenden und doch sehr einflussreichen „Transfer-Komitees“ schon länger befürwortet wurden, scheint der Umstand richtig gelegen. Die Mitglieder dieses Komitees68 stellten sich auch später gegen eine Wiederansiedlung von arabischen Palästinensern. Sie stellten die Sorge, die Rückkehrer würde subversiv die Opposition zum jüdischen Staat stärken als Begründung auf.69 Aber auch ihre theoretischen Einflüsse, welche von Joseph Schechtmann[70] übernommen wurden, sind nicht zu leugnen. Schechtman war Befürworter von Zwangsmigration in Europa und sah diese als denkbare Lösung von Minderheitenproblemen an. Diese Position wurde auch immer wieder von David Ben Gurion[71] angenommen, welcher sich ebenfalls für ein von Arabern freies Land aussprach.72 Charakteristisch für seine Politik war vor allem die Anpassung seiner Strategie an die politische Lage.73 Aus diesen Umständen lässt sich schließen, dass die oben erläuterten Vorbereitungsmaßnahmen bereits als Teil des Planungsprozesses ethnischer Säuberungen gesehen werden können. Dennoch war der euphemistisch genutzte begriff „Transfer“ nicht offizieller Teil der zionistischen Politik, wurde aber gerade von der Beratergruppe des „Transfer-Komitees“ bis zur Yishuw-Führung von vielen vorangetrieben und schon in den 1930ern als Lösungsweg genannt.74 Als symptomatisch für die breite Zustimmung in der zionistischen Führung kann man unter anderem die Äußerung des ersten Präsidenten Israels, Chaim Weizmann[75], sehen, welcher im Gespräch mit dem sowjetischen Botschafter 1941 verlautbarte, dass sobald eine Million Araber in die umliegenden Länder „transferiert“ werden, zwei Millionen Juden ihren Platz einnehmen könnten.76 So kann man auch davon ausgehen, dass unter anderem auch der UN-Teilungsplan als „glücklicher Treffer“ von der Yishuw Führung angenommen und als Chance genutzt wurde, den jüdischen Staat zu realisieren. Diese Realisation des Staates geschah aber dennoch ohne Achtung der UN-Grenzen, wie sich im Verlauf des Konfliktes zeigte.77 Denn nach dem Waffenstillstand 1949 waren zirka 80% des ehemaligen Mandatsgebiets Teil des Staates Israel.78
Zu einer vollständigen Auseinandersetzung mit den ethnischen Säuberungen gehört aber auch, dass Aktionen wie das Massaker von Deir Yassin innerhalb von Knesset-Debatten, in fast dem ganzen Parteienspektrum, außer der rechts-konservativen Cherut, nicht befürwortet wurden und auch kritisch diskutiert wurden. Jedoch waren die meisten Kritiker, welche diesen Säuberungsakt verurteilten und eine Aufklärung forderten, auch Befürworter dafür gewesen die Aufklärung unter Verschluss zu halten um den Staat nicht zu gefährden.
Aus dem Plan erschließt sich nicht nachvollziehbar, warum die arabische Zivilbevölkerung, deren Häuser nach Plan „in Brand gesteckt, gesprengt und deren Trümmer mit Minen versehen“ werden sollten, eine so große Gefahr für einen aufbegehrenden Staat darstellten. Es wirkt als würde überhaupt nicht die Idee aufgeworfen, für eine gleichberechtigte Politik in dem angestrebten Staat zu werben. Dadurch, dass eher in Erwägung gezogen wurde, die AraberInnen zu vertreiben, anstatt gemeinsam auf demselben Gebiet zu leben, finde ich die Zuschreibung des Begriffs „Siedler-Kolonialismus“ als passend. Wenn man weitere Historische Hintergründe wie die ökonomische Exklusion in die Wertung mit einbezieht, passt das Gesamtbild in ein langfristig geplantes koloniales Verdrängungs-Konzept. Aus der bestrebten Unabhängigkeit von den Briten, welcher durch Angriffe der rechtsgerichteten Irgun und Lehi deutlich wird, muss aber geschlossen werden, dass es sich nicht um eine „klassische“ Kolonie einer europäischen Nation handelt, sondern um eine sehr diverse Gruppe, deren gemeinsames Ziel auf eigenständige Staatlichkeit ausgerichtet war und in welcher sich auch Gruppen tummeln, welche sich selbst als antikolonialen Widerstand verstanden haben. Da diese sich aber ebenfalls an Vertreibung von Arabern und der Besiedlung palästinensischer Gebiete beteiligten, können auch diese als Teil des Kolonialisierungsprozesses gewertet werden.
Schließlich ist es bei Betrachtung jeglicher Literatur schwer zu glauben, dass e sich allein um einen Plan zum Selbstschutz gehandelt habe. Von Beginn der zweiten Alija scheint es so, als habe die zionistische Bewegung eine Eskalationspraxis gefahren und sich auf eine Übernahme des Landes vorbereitet.
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6 Quellenverzeichnis:
Khalidi, Walid, Plan Dalet. Text of Plan Gimmel (Plan C), May 1946: Section on Countermeasures. In: Journal of Palestine Studies Bd. 18. (1988), S. 20-23.
Khalidi, Walid, Text of Plan Dalet (Plan D), 10 March 1948: General Section. In: Journal of Palestine Studies Bd. 18. (1988), S. 24-33.
Khalidi, Walid, Text of Plan Dalet: Operational Orders to the Brigades. In: Journal of Palestine Studies Bd. 18. (1988), S. 34-37
[...]
1 Krämer, Geschichte Palästinas. Von der osmanischen Eroberung bis zur Gründung des Staates Israel, München 2002. S. 135.
2 Lentin, Ronit, Co-memory and melancholia. Israelis memorialising the Palestinian Nak-ba, Manchester University Press, Manchester/New York 2010. S. 106.
3 Ebenda. S.108.
4 Lentin, Co-memory and melancholia. Israelis memorialising the Palestinian Nakba, Manchester/New York 2010. S. 108.
5 Ebenda. S. 109.
6 „Yishuw“ (deutsch: „Siedlung“)- bezeichnet die Jüdische Bevölkerung in Palästina.
7 Ebenda.
8 Segev, Tom, Die ersten Israelis. Die Anfänge des jüdischen Staates. 1. Aufl., Berlin 2008. S. 62.
9 Khalidi, Walid, Plan Dalet. Master Plan for the Conquest of Palestine. In: Journal of Palestine Studies Bd. 18. (1988). S. 20.
10 Pappé, The Ethnic Cleansing of Palestine. 3. Aufl., Oxford 2007. S. xi.
11 Pappé, Die ethnische Säuberung Palästinas. 3. Aufl., Frankfurt am Main 2007. S.68.
12 Krämer, Geschichte Palästinas. Von der osmanischen Eroberung bis zur Gründung des Staates Israel, München 2002. S. 313.
13 Ebenda. S. 125f.
14 Ebenda. S. 137.
15 Ebenda. S. 32.
16 Ebenda. S. 130.
17 Khalidi, Plan Dalet. Master Plan for the Conquest of Palestine. In: Journal of Palestine Studies Bd. 18. (1988). S. 9.
18 Khalidi, Das Palästinaproblem. Rastatt 1972. S. 102f.
19 Krämer, Geschichte Palästinas. Von der osmanischen Eroberung bis zur Gründung des Staates Israel, München 2002. S. 140
20 Pappe, Die ethnische Säuberung Palästinas. 3. Aufl., Frankfurt am Main 2007. S. 39.
21 Krämer, Geschichte Palästinas. Von der osmanischen Eroberung bis zur Gründung des Staates Israel, München 2002. S. 313.
22 Achcar, Gilbert, Die Araber und der Holocaust. Der arabisch-israelische Krieg der Geschichtsschreibungen, 1. Aufl., Hamburg 2012. S. 17.
23 Pappe, Die ethnische Säuberung Palästinas. 3. Aufl., Frankfurt am Main 2007. S. 37.
24 Ebenda. S. 38.
25 Ebenda.
26 Krämer, Geschichte Palästinas. Von der osmanischen Eroberung bis zur Gründung des Staates Israel, München 2002. S. 202.
27 Ebenda. S. 356.
28 Ebenda. S. 188.
29 Ebenda. S. 192.
30 Segev, Tom, Die ersten Israelis. Die Anfänge des jüdischen Staates. 1. Aufl., Berlin 2008. S.54.
31 Ebenda.
32 Pappe, Die ethnische Säuberung Palästinas. 3. Aufl., Frankfurt am Main 2007. S. 60 ff.
33 Khalidi, Das Palästinaproblem. Rastatt 1972. S. 104.
34 Pappe, Die ethnische Säuberung Palästinas. 3. Aufl., Frankfurt am Main 2007. S. 59 f.
35 Ebenda. S. 80.
36 Ebenda. S. 81
37 Khalidi, Das Palästinaproblem. Rastatt 1972. S. 109.
38 Ebenda.
39 Khalidi, Das Palästinaproblem. Rastatt 1972. S. 108.
40 Text of Plan Gimmel (Plan C), May 1946: Section on Countermeasures. In: Journal of Palestine Studies Bd. 18. (1988). S.20.
41 Pappe, Die ethnische Säuberung Palästinas. 3. Aufl., Frankfurt am Main 2007. S. 68.
42 Text of Plan Dalet (Plan D), 10 March 1948: General Section. In: Journal of Palestine Studies Bd. 18. (1988). S. 25.
43 Ebenda. S.26
44 Ebenda.
45 Ebenda.
46 Text of Plan Dalet (Plan D), 10 March 1948: General Section. In: Journal of Palestine Studies Bd. 18. (1988). S. 26.
47 Ebenda. S. 27
48 Ebenda. S. 26.
49 Ebenda. S. 29.
50 Ebenda.
51 Ebenda.
52 Ebenda.
53 Ebenda.
54 Ebenda. S.29f
55 Ebenda. S. 30
56 Khalidi, Das Palästinaproblem. Rastatt 1972. S. 106.
57 Text of Plan Dalet (Plan D), 10 March 1948: General Section. In: Journal of Palestine Studies Bd. 18. (1988). S. 34.
58 Vgl. Text of Plan Dalet (Plan D), 10 March 1948: General Section. In: Journal of Palestine Studies Bd. 18. (1988). S. 35.
59 Ebenda. S. 32.
60 Ebenda.
61 Vgl. Ebenda. S. 29
62 Vgl. Ebenda.
63 Ebenda.
64 Pappe, Die ethnische Säuberung Palästinas. 3. Aufl., Frankfurt am Main 2007. S. 69.
65 Khalidi, Das Palästinaproblem. Rastatt 1972. S. 114.
66 Muhammad Amin al-Husaini war der Großmufti von Jersualem.
67 Pappe, Die ethnische Säuberung Palästinas. 3. Aufl., Frankfurt am Main 2007. S.44f.
68 Mitglieder des Komitees waren: Esra Danin, geheimer Berater des späteren Ministerpräsidenten Israel David Ben Gurion; Yosef Weitz, Chef des jüdischen Nationalfonds; Salman Lifshitz (Ab August 1948), Landvermesser und Kartograph.
69 Segev, Tom, Die ersten Israelis. Die Anfänge des jüdischen Staates. 1. Aufl., Berlin 2008. S. 63.
70 Joseph Boris Schechtman war russischer Sozialwissenschaftler
71 David Ben Gurion war der erste israelische Ministerpräsident.
72 Ebenda. S. 62
73 Ebenda. S. 52
74 Morris, 1948. A history of the First Arab-Israeli war, Yale University Press, New Haven 2009. S. 18.
75 Chaim Weizmann war der erste israelische Staatspräsident.
76 Ebenda.
77 Pappe, Die ethnische Säuberung Palästinas. 3. Aufl., Frankfurt am Main 2007. S. 63.
78 Ebenda.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2019, Der „Tochnit Dalet“. Besatzungsplan oder Selbstschutz?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1700048