Die Tobin-Steuer

Eine kritische Überprüfung von Zielen und Wirkung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
23 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Gliederung

1.FINLFITUNG

2. DIF TORIN STFUFR
2.1. TORINS PRORLFMANALYSF
2.1.1. DFR ZUSAMMFNRRUCH DFS RRFTTON-WOODS-SYSTFMS
2.1.2. AUSRRUCH AUS DFN FIXFN WFCHSFLKURSFN
2.2. AUSGESTALTUNG NACH IAMFS TORIN
2.3. MITTFLZUFIJHRUNG UND VFRWFNDUNG
2.4. ZIFLF

3. KRITISCHF RFTRACHTUNG
3.1. POLITISCHF DURCHSFTZRARKFIT
3.2. AUSWFICHRFAKTIONFN
3.3. UNGFWOLLTF NFRFNFFFFKTF
3.4. FMPIRISCHF UNTFRSUCHUNGFN

4. FIN WFITFRFNTWICKLUNG - DIF SPAHN STFUFR

5. FAZIT

6. LITFRATURVFRZFICHNIS

1. Einleitung

1997 griff der Redakteur der französischen Le Monde diplomatique Ignacio Ramonet in einem äußerst plastisch-emotionalen Artikel[1] ein fast 20 Jahre zuvor erdachtes Konzept wieder auf: die Besteuerung von Devisentransaktionen. Der spätere Nobelpreisträger James Tobin hatte ein solches Modell bereits kurz nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems erdacht, stieß aber in einem Klima des im Steigflug befindlichen Neoliberalismus’ größtenteils auf taube Ohren.[2] Nachdem jedoch mehrere Währungskrisen in den 90’er Jahren das Vertrauen in ein liberal ausgestaltetes Wirtschaftssystem zumindest teilweise erschütterten hatten fand Tobins Idee neuen, von Globalisierungskritikern getragenen Nährboden. Organisationen wie „attac“ setzen sich seither für die Einführung dieser Art der Besteuerung von Devisentransaktionen ein, zielen dabei jedoch vermehrt auf deren Verwendung als auf die eigentliche, von Tobin intendierte ordinative Wirkung ab. In vorliegender Arbeit soll nun das Konzept der Tobin Steuer einer genauen Prüfung im Bezug auf Konzeption und Wirkung unterzogen werden

2. Die Tobin Steuer

Im folgenden Teil der Arbeit soll eine genaue Beschreibung des von Tobin vorgeschlagenen Konzepts einer Devisentransaktionssteuer erfolgen. Dabei empfiehlt sich eine Aufteilung beginnend mit einer von Tobin als problematisch erkannten, von der Realökonomie entrückten Finanzwirtschaft, um im Anschluss die Ansatzpunkte und Wirkungsweisen des zu untersuchenden Steuerkonzepts besser nachvollziehen zu können. Dabei sollen ebenfalls die eigentlichen, von Tobin verfolgten Ziele festgehalten werden, da diese in der heutigen Auseinandersetzung zwischen Neoliberalismus und Antiglobalisierung oft in nicht intendierten Kontext gesetzt werden.

2.1. Tobins Problemanalyse

Möglicherweise initialisierend für Tobins Modell war der 1973 erfolgte Übergang vom Bretton-Woods-Abkommen zu einem System freier Wechselkurse, welches erstmals seit Kriegsende wieder Spekulationen und Arbitragegeschäfte im großen Stil zuließ.

2.1.1. Der Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems

James Tobin befasste sich schon 1974[3] mit dem bereits von John Maynard Keynes angedachten Konzept einer Devisentransaktionssteuer[4] ehe er vier Jahre später eine erste, umfassende Arbeit hierzu vorlegte. Dem vorausgegangen war 1971 die Ankündigung der USA, den Dollar nicht mehr uneingeschränkt in Gold zu konvertieren, was faktisch dem Zusammenbruch des 1944 installierten Bretton-Woods-System gleichkam. Dieses System der festen Wechselkurse basierte auf dem US-Dollars als Leitwährung und sorgte durch die selbstauferlegte Verpflichtung der USA, jederzeit zu einem fixen Kurs Dollar in Gold zu konvertieren für ein hohes Maß an Stabilität globaler Finanzgeschäfte. Um trotz starrer Wechselkurse weiterhin diese weiterhin an die Realwirtschaft zu koppeln zu bleiben verpflichteten sich die nationalen Notenbanken bei zu starken Schwankungen der eigenen Währung diese durch Stützkäufe bzw.[5] Verkäufe wieder „auf Kurs“ zu bringen; nur in seltenen Fällen kam es zu tatsächlichen Auf- bzw. Abwertungen von Währungen. Treibende Kraft der Konferenz von Bretton Woods war die Erfahrung der Weltwirtschaftskrise von 1923 in Folge deren es zu einer bisher nie dagewesene Hyperinflation sowie Massenarbeitslosigkeit kam und die einer der entscheidenden Faktoren für den Aufstieg des Faschismus’[6] in Europa war. Als sich jedoch abzeichnete, dass der Dollar gegenüber den starken europäischen Währungen, allen voran der Deutschen Mark, zunehmend überbewertet war und die USA aufgrund des anhaltenden Vietnamkriegs starke ökonomische Einbußen hinnehmen mussten wurde 1969 der Antrag Frankreichs, seine kompletten Dollarreserven in Gold zu konvertieren abgelehnt: längst reichten die US-Reserven nicht mehr zur Deckung der im Umlauf befindlichen Geldmenge aus. Nachdem US Präsident Nixon das Abkommen einseitig aufgekündigt hatte erfolgte 1973 der endgültige Übergangen zum System freier Wechselkurse, generiert aus globalem Angebot und Nachfrage. [7]

2.1.2. Ausbruch aus den fixen Wechselkursen

Anfangs wurden große Hoffnungen in das neue System von Wechselkursen gesetzt; so sollte deren freies „Floaten“ auf fundamentalen Wirtschaftsdaten beruhen und somit zu einer exakteren Darstellung der realen Kaufkraft als zu Zeiten von Bretton Woods führen[8]. Jedoch ließ sich schnell ein kontinuierlich ansteigende

Variabilität der Wechselkurse (die so genannte „Volatilität“) beobachten.[9] Tobin führte dies auf eine Zunahme von kurzfristigen Spekulationen sowie Zins- und Wechselkursarbitragegeschäften zurück. Dabei problematisiert er im Zusammenhang mit Letztgenannten die Unmöglichkeit der Herausbildung signifikanter Zinsunterschiede verschiedener Regionen, woraus ein Kontrollverlust für Zentralbank und Politik folgt, sodass eine an die ökonomische Situation des Landes angepasst Wirtschaftspolitik unmöglich gemacht wird. Kurzfristigen Spekulationen attestiert Tobin dabei eine marktdestabilisierende Wirkung, da diese prozyklisch wirkten und gegebenenfalls sogar als „self-fulfilling prophecy“ auftreten können, wenn nur mit ausreichend hohen Summen gegen eine Währung spekuliert wird. Diese Beobachtung Tobins setzte sich in nächsten Jahrzehnte fort; so wächst seit Beginn der 80er Jahre der Grad an internationaler Kapitalmobilität stetig[10]. Nach Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich umfassten 1998 Devisentagestransaktionen ein Volumen von 1,5 Billionen US Dollar. Bei ca. 80% dieser Transaktionen handelt es sich um so genannte „short trips“, deren Kapital nur maximal sieben Tage an einem Ort investiert bleibt woraus sich ein Jahresdevisenumschlagvolumen von 300 Billionen US Dollar ergibt. Dieser Wert übersteigt den internationalen Güterhandel gar um 40-faches![11] Hieraus lässt sich ableiten, dass nur jede fünfte Transaktion realwirtschaftlichen Ursprungs ist und erst nach fünfmaligen Verschieben längerfristig (> 7 Tage) gebunden bleibt.[12]

Dieser Trend setzte sich auch im neuen Jahrtausend fort: wie nachfolgender Grafik zu entnehmen ist bewegen sich das Volumen von Devisentransaktionen bereits im Billiardenbereich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung i: eigene Darstellung nach Spratt 2005, S. 17-[13].

2.2. Ausgestaltung nach James Tobin

Als Ausweg aus diesem Dilemma schlug Tobin zwei Möglichkeiten vor. Erstere, von ihm selbst nur als theoretisch eingestufte besteht in der Schaffung einer einheitlichen Weltwährung einhergehend mit einem starken Ausbau internationaler Kooperation in Sachen Wirtschafts­und Fiskalpolitik. Der zweite, bis heute diskutierte Vorschlag besteht in der nach Möglichkeit globalen Einführung einer Devisentransaktionssteuer. Grundgedanke ist der, dass bei jeder Konvertierung einer Währung in eine andere ein kleiner Prozentsatz[14] des Umsatzes als Abgabe zu entrichten sei. Zuständig für die Erhebung einer solchen Steuer sollen dabei die Nationalstaaten, auf deren Gebiet

die Transaktion geschieht selbst sein. Durch eine solche Erhöhung der Transaktionskosten von Investitionen sollen kurzfristige Spekulationen und Zinsarbitragegeschäfte eingedämmt und eine Präferenz für längerfristige Kapitalanlagen geschaffen werden, was wiederum die Volatilität der Wechselkurse minimieren soll. Die Funktion der Tobin-Steuer als „sand in the wheels of our excessively efficent international money markets“[15] soll anhand zweier Beispiele veranschaulicht werden:

Beispiel 1: Währungskursspekulation Euro gegen US Dollar

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Äbbildung2: eigene Darstellung nach Wahl, Peter & Waldow, Peter, 2002, S. 43/.

Unter Berücksichtigung einer Transaktionssteuer von 0,6% würden hierbei 60.000 € für die erste bzw. 60.674 € für die zweite Konvertierung als Kosten anfallen und somit zu einem Verlust von 8.315 € führen. [16]

Die Mehrbelastung kurzfristiger Finanzgeschäfte wird dabei in zweitem Beispiel verdeutlicht:

Beispiel 2: kurzfristige Geldanlage im Ausland

Unter Annahme einer Tobin-Steuer (k) in Höhe von 1% und einem gegebenen Zinssatz im Inland von 10% lässt sich anhand folgender Gleichung die Höhe des Kapitalertrags im Ausland R(f) berechnen, den man bei gegebener Anlagedauer Д t mindestens erzielen muss, um zumindest die Kapitalrendite der Inlandsinvestition R(d) zu erreichen.

[...]


[1] Ramonet. Ignacio: Die Märkte entschärfen, 1997 - http://www.monde- diplomatique.de/pm/1997/12/12/a0363.text.name.askTNIKjh.n.l63. 14.03.2009.

[2] Tobin,James:A proposalforinternational monetary reform, Eastern Economicjournal, 4,153-159, 1978.

[3] Tobin,James: The new economics one decade older; Princeton University Press, 1974.

[4] Keynes,John M.: The general theory ofemployment, interest and money; London; Macmillan, 1936.

[5] König, Ingo: Devisenumsatzsteuer und Wechselkursverlauf, Berlin: Verlagfür Wissenschaft und Forschung, 1997,S.lf.

[6] Siebert, Horst: Weltwirtschaft, Stuttgart: Lucius&Lucius, 1997, S.62ff

[7] Wahl, Peter& Waldow, Peter: Tobin Steuer: Kapital brauchtKontrolle, Hamburg: VSA-Verlag Hamburg, 2002, S.20ff.

[8] König, 1997, S.lf.

[9] Aschinger, Gerhard: Die Tobin Steuer: eine MöglichkeitzurEindämmung der destablisierenden Spekulation?, Hamburgerjahrbuchfür Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik, 43.jahrgang, 1998, S. 268-288.

[10] Buch, Clauudia et al: Globalisierung der Finanzmärkte: Freier Kapitalverkrehr oder Tobin Steuer?, Kiel: Instutzt für Weltwirtschaft, 2001, S.7.

[11] Härtel, Hans-Hagen: Irrlicht Tobin Steuer, Wirtschaftsdienst Baden-Baden: Zeitschrift für Wirtschaftspolitik 9, 2001 S.492.

[12] Aschinger, Gerhard, 1998, S.274.

[13] Spratt, Stephen:ASterling Solution - Implementing a stamp duty on sterling tofinance international development. A reportforStamp OutPoverty, London, 2005, S.1725.

[14] Anfangs 1%, heute eher 0,25% -0,1%, siehe: Tobin,James: Prolog zu: Haq, Mahbub Ul: The Tobin tax, Coping withfinancial volatility, New York: Oxford University Press, 1996.

[15] Tobin, 1978, S. 154.

[16] Wahl, Peter& Waldow Peter, 2002, S. 43f.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Tobin-Steuer
Untertitel
Eine kritische Überprüfung von Zielen und Wirkung
Hochschule
Universität Passau
Veranstaltung
HS Internationale Politische Ökonomie
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
23
Katalognummer
V170007
ISBN (eBook)
9783640885848
ISBN (Buch)
9783640885466
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ökonomie, Tobin, Tobin-Steuer, Tobinsteuer, Keynes, Keynesianismus, Spahn, Spahn-Steuer
Arbeit zitieren
Julian Knab (Autor), 2009, Die Tobin-Steuer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170007

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