Da Lebensversicherungsverträge im Gegensatz zur Sachversicherung in der Regel sehr lange Laufzeiten haben und die Entwicklung von Sterblichkeit und Zins nicht für die gesamte Laufzeit verlässlich vorhergesagt werden kann, ist es vonnöten genügend Sicherheiten bei der Berechnung der Prämien einzuplanen. Dadurch entstehen in der Regel recht hohe Gewinne, die jedoch großteils in Form von Gewinnbeteiligung an die Versicherungsnehmer ausgeschüttet werden müssen. Diese Arbeit handelt von Gewinnermittlung, Gewinnzerlegung und Gewinnverteilung. Auch auf die Verwendung des Gewinns und Methoden der Gewinnkarenz wird eingegangen. Es wird eine Kontributionsformel angegeben und die Möglichkeit eines Finanzierbarkeitsnachweises aufgezeigt. Zusätzlich zur Lebensversicherungssparte wird in den letzten beiden Kapiteln noch auf Formen der Gewinnbeteiligung in der Pensionsversicherung und in der Krankenversicherung eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1 Gewinn
2 Gewinnbeteiligung bei Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit
3 Gewinnbeteiligung bei Lebensversicherungsunternehmen
3.1 Gewinnermittlung
3.2 Gewinnzerlegung
3.2.1 Zerlegung des Gewinns nach Teilbeständen
3.2.2 Zerlegung des Gewinns nach Ergebnisquellen
3.3 Der technische Gewinn
3.4 Die Kontributionsformel
3.4.1 Zinsformel von Hardy
3.5 Uberschuss zum Bilanztermin
3.6 Methoden der Gewinnverteilung
3.7 Gewinnverwendung
3.8 Gewinnkarenz
3.9 Finanzierbarkeit
3.10 Finanzierbarkeitsnachweis
3.10.1 Sollzinsmethode fur Einzelverträge
3.10.2 Sollzinsmethode fur Gesamtbestand
3.11 Rentabilität eines Lebensversicherungsvertrages
3.12 Beispiel zur Gewinnermittlung
4 Gewinnbeteiligung bei Pensionsversicherungsunternehmen
4.1 Kontributionsformel
4.1.1 Versicherung im Rentenbezug
4.1.2 Invalidenversicherung im Aktivitätsstadium
5 Gewinnbeteiligung bei Krankenversicherungsunternehmen
5.1 Erfolgsunabhängige Prämienrückerstattung
5.1.1 Prämienberechnung
5.2 Erfolgsabhängige Prämienrückerstattung
5.2.1 Gewinnquellen
5.2.2 Gewinnverwendung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die mathematischen Grundlagen und praktischen Verfahren der Gewinnbeteiligungssysteme in verschiedenen Versicherungssparten. Ziel ist es, die Mechanismen hinter der Gewinnermittlung, -zerlegung und -verteilung transparent zu machen und aufzuzeigen, wie Versicherungsunternehmen Überschüsse verursachungsgerecht an Versicherungsnehmer weitergeben.
- Mathematische Herleitung von Gewinnquellen (Risiko-, Zins-, Kostenergebnis).
- Anwendung der Kontributionsformel in Lebens-, Pensions- und Krankenversicherungen.
- Methoden der Finanzierbarkeitsnachweise für Versicherungsbestände.
- Analyse der Gewinnverwendung und unterschiedlicher Ausschüttungsformen.
- Praktische Fallbeispiele zur Gewinnermittlung bei gemischten Versicherungen.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Zerlegung des Gewinns nach Teilbeständen
Die Idee hinter dieser Zerlegung ist, dass man gewisse Vertragsgruppen voneinander trennt. Wenn zum Beispiel in einem Jahr die reinen Ablebensversicherungen hohen Gewinn abwerfen, wird dies für die reinen Erlebensversicherungen normalerweise nicht der Fall sein. Daher wird der gesamte Bestand an Versicherungsverträgen in Abrechnungsverbände geteilt. Als Kriterien für die Bildung der Abrechnungsverbände werden dabei im Wesentlichen die jeweils zugrunde liegenden Rechnungsgrundlagen erster Ordnung verwendet. Üblich sind z.B. folgende Abrechnungsverbände:
1. Versicherungen mit Todesfallcharakter: • konventionelle Kapitalversicherungen nach Einzeltarifen • konventionelle Kapitalversicherungen nach Gruppentarifen • Vermögensbildungsversicherungen
2. Fondsgebundene Kapitalversicherungen
3. Versicherungen mit Erlebensfallcharakter: • Rentenversicherungen nach Einzeltarifen • Rentenversicherungen nach Gruppentarifen
4. Versicherungen mit speziellen Risiken: • Selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherungen • Pflegerentenversicherungen • Restschuldversicherungen • Versicherungen mit Dread-Disease-Deckungen
Jeder Verband wird wie ein eigenes Versicherungsunternehmen behandelt, und es werden Gewinn- und Verlustrechnungen getrennt erstellt. Natürlich muss die Summe der Gewinne der einzelnen Verbände gleich dem Gesamtgewinn des Versicherungsunternehmens sein. Innerhalb der Abrechnungsverbände erfolgt eine Untergliederung in Gewinnverbände (auch „Überschussverbände“ genannt).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Gewinn: Definiert den Gewinn als Differenz aus Erträgen und Aufwendungen und führt das Konzept der Gewinnbeteiligung im Kontext der Versicherungsaufsicht ein.
2 Gewinnbeteiligung bei Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit: Beschreibt die satzungsgemäße Gewinnverwendung bei Versicherungsvereinen, bei denen Versicherungsnehmer meist auch Mitglieder sind.
3 Gewinnbeteiligung bei Lebensversicherungsunternehmen: Erläutert detailliert die Gewinnermittlung, Zerlegung, Methoden der Verteilung, Finanzierbarkeitsnachweise und die Rentabilitätsbetrachtung von Lebensversicherungsverträgen.
4 Gewinnbeteiligung bei Pensionsversicherungsunternehmen: Untersucht die Besonderheiten bei Pensionsversicherungen, insbesondere im Hinblick auf Todesfall- und Invaliditätsrisiken.
5 Gewinnbeteiligung bei Krankenversicherungsunternehmen: Analysiert die erfolgsunabhängige und erfolgsabhängige Prämienrückerstattung sowie spezielle Gewinnquellen in der Krankenversicherung.
Schlüsselwörter
Gewinnbeteiligung, Versicherungsmathematik, Kontributionsformel, Gewinnzerlegung, Lebensversicherung, Pensionsversicherung, Krankenversicherung, Prämienrückerstattung, Finanzierbarkeit, Sollzinsmethode, Äquivalenzprinzip, Deckungsrückstellung, Risikogewinn, Zinsgewinn, Kostenergebnis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den versicherungsmathematischen Systemen, durch die Versicherungsnehmer an den Gewinnen eines Versicherungsunternehmens beteiligt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Gewinnermittlung nach der Kontributionsformel, die Zerlegung von Gewinnen nach Ursachen sowie die verschiedenen Methoden zur Gewinnverteilung und -verwendung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erläuterung der versicherungsmathematischen Methoden, mit denen Überschüsse verursachungsgerecht auf einzelne Versicherungsverträge oder Bestände aufgeteilt werden.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es werden mathematische Modelle wie die Kontributionsformel, rekursive Deckungskapitalberechnungen und Polynom-Nullstellenbestimmungen für Finanzierbarkeitsnachweise eingesetzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die drei großen Sparten Lebens-, Pensions- und Krankenversicherung und erläutert für jede Sparte die spezifische Gewinnzerlegung und -verteilung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Gewinnbeteiligung, Kontributionsformel, Deckungsrückstellung, Zinsgewinn, Risikogewinn und Kostengewinn.
Wie unterscheidet sich die Gewinnzerlegung in Lebensversicherungen von der in Krankenversicherungen?
In der Krankenversicherung kommen neue Gewinnquellen hinzu, wie etwa die Überrechnung von Zinserträgen auf die Alterungsrückstellung und die Besonderheit der "Vererbung" bei Ausscheidenden.
Was besagt die Zinsformel von Hardy?
Sie ermöglicht die Berechnung eines Zinssatzes aus den Bilanzwerten des Kapitals am Jahresanfang, am Jahresende sowie dem Zinsertrag unter der Annahme linearer Verzinsung.
Warum ist ein Finanzierbarkeitsnachweis für Versicherer wichtig?
Er stellt sicher, dass das gewählte Gewinnbeteiligungssystem langfristig mit den deklarierten Sätzen bei gegebener Überschusslage finanzierbar bleibt.
- Arbeit zitieren
- Florian Mair (Autor:in), 2010, Gewinnbeteiligungssysteme in Versicherungsunternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170036