Seneca zur Sklavenhaltung - Die Entwicklung der Sklaverei von der Antike bis heute


Facharbeit (Schule), 2011

19 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Seneca Epistel
2.1 Originaltextauszüge
2.2 Übersetzung
2.3 Zusammenfassung
2.4 Interpretation

3 Historische Hintergrundinformationen
3.1 Biografisches zu Seneca
3.2 Die Lebensbedingungen von Sklaven in Rom
3.3 Die Stoa
3.4 Die Geschichte der Sklaverei

4 Menschenrechte
4.1 Das römische Recht zur Sklaverei
4.2 Heutige Menschenrechte im Hinblick auf die Sklaverei

5 Seneca – heutige Situation
5.1 Vergleichende Zusammenfassung
5.2 Schluss

6 Anlagen
6.1 Bild Sklavenschiff
6.2 Die vollständige Epistel 47
6.3 Bild von Seneca
6.4 Bild von einem Kindersoldaten

7 Literaturverzeichnis
7.1 Bücher
7.1.1 Bücher zur Texterschließung
7.1.2 Bücher bzw. Lexika zur Übersetzung
7.1.3 Bücher als geschichtliche Hintergrundinformation
7.2 Internet-Quellen
7.2.1 Internet-Quellen zur Texterschließung
7.2.2 Internet-Quellen als Online-Wörterbücher
7.2.3 Internet-Quellen als geschichtliche Hintergrundinformation

1 Einleitung

Seneca, ein Stoiker des antiken Roms, hat über die philosophische Grundlage der Stoa hinaus, die die Gleichheit aller Menschen als Träger des göttlichen Geistes annehmen,[1] eine besonders humane Einstellung. 'Der Mensch sollte dem Mensch heilig sein.'[2] Eine Aussage Senecas im Bezug auf die Gladiatorenkämpfe, durch die klar wird, dass Seneca Gladiatoren, Sklaven und Freie ohne Ausnahme als Menschen ansieht und für die Humanität auch ihnen gegenüber plädiert.

In der Epistel 47 wird besonders sein Wohlwollen den Sklaven gegenüber und seine Kritik an zu harter Behandlung durch ihre Herren hervorgehoben. Denn in seiner Zeit war Sklaverei ein selbstverständlicher Teil der römischen Gesellschaft und Wirtschaft, ohne die das römische System nicht derartig hätte aufblühen können.[3]

Doch wie stark war Senecas Einfluss auf die Einstellung der Herrschenden und wie entwickelte sich die Sklaverei bis zu den heutigen Menschenrechten?

Gab Seneca den Anstoß zu einem grundlegendem Umdenken oder war er nur einer von vielen, der jedoch aussprach, dass Missstände aufgearbeitet werden müssen und das System überdacht werden muss?

In den folgenden Ausführungen möchte ich versuchen, intensiv auf die Hintergründe dieser Thematik einzugehen und nach Antworten auf diese Fragen zu suchen.

2 Seneca Epistel 47

Da die Epistel 47 im Original eine gewisse Komplexität besitzt, habe ich nur die für meine Ausführugen bedeutsamen Textstellen ausgewählt, um sie anschließend zu übersetzen.

2.1 Original-Textauszüge

[1] „Libenter ex his, qui a te veniunt, cognovi familiariter te cum servis tuis vivere: hoc prudentiam tuam, hoc eruditionem decet. 'Servi sunt.' Immo homines. 'Servi sunt.' Immo contubernales. 'Servi sunt.' Immo humiles amici. 'Servi sunt.' Immo conservi, si cogitaveris tantundem in utrosque licere fortunae.”

[3] „At infelicibus servis movere labra ne in hoc quidem, ut loquantur, licet. Virga murmur omne compescitur[...]“

[5] „[...] sed tamquam iumentis abutimur [...]“

[9] „[...] primam decuriam; [...] ipse non iudicavit domo sua dignum. [...]“

[10] „[...] ex isdem seminibus ortum [...]“

[11] „[...] in quos superbissimi, crudelissimi, contumeliosissimi sumus. [...] Sic cum inferiore vivas, quemadmodum tecum superiorem velis vivere. Quotiens in mentem venerit quantum tibi in servum <tuum> liceat, veniat in mentem tantundem in te domino tuo licere. [...]”

[13] „Vive cum servo clementer, comiter quoque, et in sermonem illum admitte et in consilium et in convictum. [...]“

[15] „[...] non ministeriis illos aestimabo, sed moribus. [...]“

[17] “ 'Servus est.' Sed fortasse liber animo. 'Servus est.' Hoc illi nocebit? Ostende quis non sit: alius libidini servit, alius avaritiae, alius ambitioni, <omnes spei>, omnes timori. [...] nulla servitus turpior est quam voluntaria.[...]“

[19] „Rectissime ergo facere te iudico, quod timeri a servis tuis non vis, quod verborum castigatione uteris: verberibus muta admonentur. [...]“

[20] „Regum nobis induimus animos [...]“

2.2 Übersetzung

[1] Ich habe gern von diesen, die von dir kommen, erfahren, dass du mit deinen Sklaven freundlich zusammenlebst: Diese, deine Klugheit, diese Bildung kommt hier zur Geltung. 'Es sind Sklaven.' Im Gegenteil, Menschen. 'Es sind Sklaven.' Ja, sogar Kameraden. 'Es sind Sklaven.' Nein, vielmehr niedere Freunde. 'Es sind Sklaven.' Nein, Mitsklaven, wenn du bedenkst, dass eben soviel gegenüber dem einen wie dem anderen frei dem Schicksal erlaubt ist.

[3] Jedoch den unglücklichen Sklaven ist es nicht wenigstens in diesem Fall erlaubt,die Lippen zu bewegen, wie sie sprechen.

[5] Aber wir missbrauchen sie wie Lasttiere.

[9] erste Dekurie; Er selbst hat sie nicht für sein Haus würdig erklärt.

[10] aus denselben Samen entstanden

[11] Gegenüber diesen sind wir sehr überheblich, sehr grausam und sehr demütigend ; Du lebst so mit einem unterlegenen, wie du wünschst, dass ein überlegener mit dir lebt.

[13] Lebe mild mit deinem Sklaven und auch freundlich, und ziehe jenen zum Gespräch hinzu und zur Beratung und zur Tischgesellschaft.

[15] Bewerte jene nicht nach den Diensten, sondern nach den Sitten.

[17] 'Er ist ein Sklave.' Aber vielleicht mit einem freien Geist. 'Er ist ein Sklave.' Wird dies jenem schaden? Zeige, wer es nicht sein würde: Einer dient seiner Genusssucht, ein anderer dient seiner Habgier, wieder ein anderer dient seinem Ehrgeiz, alle sind Sklaven der Hoffnung und alle Sklaven der Furcht. ; Keine Knechtschaft ist schändlicher als die freiwillige.

[19] Sehr richtig handelst du also, meiner Meinung nach, weil du nicht von deinen Sklaven gefürchtet werden willst, da du zur Züchtigung nur Worte gebrauchst.

[20] Wir haben die Einstellung von Herrschern angenommen.

2.3 Zusammenfassung

Seneca ist den Sklaven gegenüber milde gestimmt und fordert dies auch von seinem Freund Lucilius im Umgang mit diesen. Er sieht die Sklaven nicht nur als Diener, sondern auch als Menschen, denn sie haben den gleichen Ursprung wie ihre Herren.

Er sieht sie als potentielle Freunde, denn es kann sein, dass sie trotz ihres Standes einen freien Geist haben und zu Beratungsgesprächen oder zur Teilnahme an der Tischgesellschaft geeignet sind. Laut Seneca soll man den Mensch nicht nach seinem Dienst, sondern nach seinem Charakter beurteilen. Das Schicksal unterscheidet seiner Meinung nach nicht zwischen Sklaven und Herren. Und er bezeichnet die Sklaven sogar als Mitsklaven, weil er jeden Mensch für den Sklaven seiner Schwächen hält. Und zwar gilt für ihn diese selbstgewählte Knechtschaft als die schändlichste.

Da Seneca den Sklaven recht positiv gegenübersteht, kritisiert er die Missstände, die sie betreffen. Darunter fallen ein strenges Sprechverbot, harte Strafen, Einteilung in Klassen zum Verkauf und allgemein die Tyrannei ihrer Herren.

Senecas Empfehlung an Lucilius ist folglich, von seinen Sklaven nicht Furcht, sondern Verehrung zu erwarten und sich freundlich ihnen gegenüber zu verhalten. Er solle sie gegebenenfalls zur Beratung oder zum Mahl hinzuziehen.

2.4 Interpretation

Seneca teilt seinem Freund Lucilius in den „Epistulae Morales“ seine Auffassung zu den Grundregeln der Stoa und der Lebensführung mit, indem er sie ihm erklärt und mit eigenen Erfahrungen belegt.

Im Epistel 47 zeigt Seneca seine für antike Verhältnisse gewagte Einstellung zu den Sklaven, denn – wie er selbst beschreibt – haben die Herren seiner Zeit die Sklaven eher wie Lastvieh behandelt, als wie Menschen (5) und er dagegen plädiert für eine bessere Behandlung der Sklaven. An dieser Stelle ist gleichzeitig zu erkennen, dass Seneca durchaus auch sein eigenes Verhalten in Frage stellt, denn er spricht hier von „wir“ (abutimur, 5), zählt sich also zu den Herrschenden dazu. Er geht sogar so weit, dass er Lucilius schreibt, sie – hiermit sind unter anderen Seneca und Lucilius gemeint – haben die Haltung von Tyrannen eingenommen (20).

Die Kritik an den schlechten Lebensbedingungen der Sklaven, wie schwerer Strafe: „nocte tota ieiuni mutique perstant“ (3), unterstützt seine Empörung über den Umgang der Herren mit ihren Sklaven, die in einem Klimax gipfelt: „gegenüber diesen sind wir sehr überheblich, sehr grausam und sehr demütigend“ (11).

Doch Seneca beurteilt das Verhalten der Herren nicht nur im direkten Bezug auf die Slaven. Er beschreibt mit einem verdeutlichend wirkenden Parallelismus, dass die einflussreichen Männer, Sklaven ihrer Untugenden seien: “Einer dient seiner Genusssucht, ein anderer dient seiner Habgier, wieder ein anderer dient seinem Ehrgeiz” (17). Da Seneca diese selbstgewählten Sklavereien als besonders schändlich ansieht, stellt er die Klasse der Herrschaft in diesem Punkt sogar unter die der Sklaven.

Im Gegensatz zu der eher negativen Einstellung gegenüber den Herren, verfasst Seneca sehr positive Gedanken zu den Sklaven selbst: Er hält sie für Menschen mit demselben Ursprung wie ihre Herren (10), für mögliche Freunde (1) und Berater. Die Aufzählung der vielen Rollen, in denen ein Sklave seiner Meinung nach über seinen Dienst hinaus leben kann und soll, verstärkt seine Ansicht im Gegensatz zu der verbreiteten Meinung “Servi sunt.” Die Wiederholung dieser beiden Worte deutet die Abfälligkeit an, mit der die herrschende Schicht auf die Sklaven herabsieht. Doch Seneca wiederholt diese Struktur des Lobes der Sklaven in Verbindung mit dem wiederkehrenden Einschub “Servi est.” noch einmal im Verlauf des Briefes und wird nun deutlicher, was seine Sicht auf die Sklaven betrifft.

[...]


[1] vgl. Frau Dr. Busch 2010 Lateinunterricht 12.1

[2] vgl. L. P. Wilkinson 1979, S. 266

[3] vgl. Information zu Sklaverei und Menschenrechten

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Seneca zur Sklavenhaltung - Die Entwicklung der Sklaverei von der Antike bis heute
Hochschule
Dietrich Bonhoeffer Gymnasium, Bergisch Gladbach
Note
1
Autor
Jahr
2011
Seiten
19
Katalognummer
V170044
ISBN (eBook)
9783640887217
ISBN (Buch)
9783640886975
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
seneca, sklavenhaltung, entwicklung, sklaverei, antike
Arbeit zitieren
Jacqueline Schäfer (Autor), 2011, Seneca zur Sklavenhaltung - Die Entwicklung der Sklaverei von der Antike bis heute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170044

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