In meiner Arbeit geht es darum, die Charaktere des Theaterstücks Rhinocéros näher zu analysieren, die gerade in diesem Stück Ionescos eine besondere Rolle spielen, da sie den Durchschnitt einer normalen Bevölkerung vertreten. Denn hier sollen besonders diejenigen Charaktermerkmale aufgezeigt werden, die für die Anfälligkeit der Personen für die „Rhinozeritis“, ausschlaggebend sind und die Gründe dafür liefern, warum es zu überhaupt zu einer Entwicklung eines totalitaristischen Systems kommen kann. Einer der Schwerpunkte ist auch die Rolle des Helden Bérengers, der als einziger versucht, sich dem Einfluß der Masse entgegenzustellen und anders als seine Bekannten zu handeln, obwohl auch er Schwächen zeigt. Wichtig war es mir, die Cha-raktereigenschaften mit möglichst vielen Zitaten aus dem Text zu belegen, da viele Aussagen mit ähnlichem Wortlaut in tatsächlich existierenden unterdrückenden Systemen des 20. Jh. von Leuten geäußert worden sind.
Im zweiten Teil zielt die Untersuchung darauf ab, zu zeigen, daß der Autor keine be-stimmte Ideologie kritisiert und keine andere dafür entgegensetzt. Er kann nur jedem empfehlen, darauf zu achten, sich seine Persönlichkeit und seine Menschlichkeit nicht nehmen zu lassen, was ebenso auf die heutige Zeit übertragbar ist. Daher habe ich versucht, diese in den Aussagen Bérengers und im Negativbild der anderen Charaktere versteckten wichtigsten Ratschläge Ionescos herauszufiltern.
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung
1. Das Thema des Stückes
1.1. Das Geschehen
2. Charakterisierung der Hauptcharaktere
2.1. Jean
2.2. Bérenger
2.3. Dudard
2.4. Botard
2.5. Daisy
2.6. Der Logiker
2.7. Nebenakteure:
3. Rhinocéros als politisches Theaterstück
3.1. Die Charaktereigenschaften im Hinblick auf die Gesamtaussage des Stückes
3.2. Die Allgemeingültigkeit und Aktualität des Stückes
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Charaktere in Eugène Ionescos Theaterstück "Rhinocéros", um zu untersuchen, wie individuelle Wesenszüge die Anfälligkeit für totalitäres Gedankengut und Vermassung begünstigen. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie Ionesco durch die Darstellung der Figuren eine Warnung vor dem Verlust der Menschlichkeit und dem konformistischen Herdentrieb formuliert.
- Charakteranalyse der zentralen Figuren wie Bérenger, Jean und Dudard
- Untersuchung der psychologischen Anfälligkeit für die "Rhinozeritis"
- Interpretation des Stückes als politisches Lehrstück gegen Totalitarismus
- Die Rolle des Helden Bérenger als Symbol individuellen Widerstands
- Aktualität des Werkes in Bezug auf Massengesellschaft und Ideologien
Auszug aus dem Buch
2.1. Jean
Die Eingangsszene beschreibt sein Äußeres hinreichend: Jean ist „soigneusement vêtu“ (S.14), das heißt er tritt sehr geschniegelt und korrekt mit Anzug und Krawatte gekleidet auf. Denn er ist ein sehr eitler Mensch; seine Charaktereigenschaften werden dem Zuschauer besonders durch die Dialoge mit Bérenger deutlich. Er ist ziemlich arrogant, besonders seinem Freund gegenüber, den er wegen seiner Lebenseinstellung und seinem Erscheinungsbild kritisiert: “C´est lamentable, lametable! J´ai honte d´être votre ami.“(S.19).
Denn Jean vertritt die Meinung, daß ein ordentlicher Mensch sich der Gesellschaft anpassen muß. Das fängt schon mit dem Einhalten von Pünktlichkeit an, denn Jean beschwert sich, er müsse immer auf Bérenger warten. Letzterer befinde sich in einem „triste état“ (S.16), da er trinkt und nicht so gepflegt herumläuft. Jean behandelt ihn wie ein Kind und verlangt streng, er solle sich rasieren, die Krawatte und den Kamm nehmen, die er als guter Bürger stets in Reserve bei sich hat, was auch zeigt, daß er diese Dinge wohl für unerläßlich hält; er macht ihn spitz auf sein schmutziges Hemd und die ungewachsten Schuhe aufmerksam (S.16-19).
Des weiteren soll Bérenger gebildeter, ein „homme cultivé“ (S.54), werden, sich um seine Angebetete Daisy bemühen, seine gleichgültige Einstellung zum Leben bzw. seine Moral ändern: er soll sich mit dem täglichen Leben und der Arbeit abfinden, mehr Entschlossenheit und Selbstbewußtsein zeigen, wobei der Zuschauer den Eindruck gewinnen muß, daß Jean die Freundschaft mit Bérenger nur pflegt, um seine eigene Überlegenheit ihm gegenüber zu demonstrieren. Schon wenn er ihn wegen seiner Kleidung kritisiert, zeigt seine Gestik, daß seine eigene Erscheinung tadellos ist, eben wie es sein muß. Er ist sehr überzeugt von sich und eingebildet: „Bérenger, regardez-moi. Je pèse plus que vous.“.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorbemerkung: Einführung in die Zielsetzung, die Figuren des Stückes als Durchschnittsbevölkerung zu analysieren und die Motive für deren Anfälligkeit gegenüber totalitären Systemen darzulegen.
1. Das Thema des Stückes: Einordnung des Werkes als nicht abstraktes, sondern realistisch interpretierbares Stück über die Ausbreitung von Totalitarismus und Vermassung.
2. Charakterisierung der Hauptcharaktere: Detaillierte Betrachtung der einzelnen Figuren, deren individuelle Schwächen und Charaktereigenschaften den schleichenden Prozess der Entmenschlichung motivieren.
3. Rhinocéros als politisches Theaterstück: Reflexion über den politischen Gehalt des Werkes, das vor der Unterwerfung unter fanatische Ideologien warnt und zur Verteidigung des eigenen Menschseins aufruft.
Schlüsselwörter
Eugène Ionesco, Rhinocéros, Charakteranalyse, Bérenger, Totalitarismus, Ideologiekritik, Vermassung, Entmenschlichung, Konformismus, Individuum, Widerstand, Rhinozeritis, Menschlichkeit, Theater des Absurden, Faschismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Charaktere in Ionescos "Rhinocéros" und analysiert, warum sie sich in einem Prozess der Vermassung in Nashörner verwandeln, während der Protagonist Bérenger versucht, seine Menschlichkeit zu bewahren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der psychologischen Analyse der Figuren, der Untersuchung von Konformismus versus Individualismus sowie der Kritik an totalitären Ideologien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie unterschiedliche Charaktereigenschaften zur Anfälligkeit gegenüber dem "totalitären Gedankengut" führen und welche Ratschläge der Autor für die Verteidigung der eigenen Persönlichkeit gibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse der Charaktere unter Einbeziehung von Sekundärliteratur und Zitaten aus dem Originaltext sowie historischen Kontextualisierungen zum Totalitarismus des 20. Jahrhunderts.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die einzelnen Figuren (Jean, Bérenger, Dudard, Botard, Daisy, Logiker und Nebenakteure) detailliert porträtiert und anschließend auf ihre politische Bedeutung in Bezug auf die Kernaussage des Stückes hin untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Totalitarismus, Entmenschlichung, individueller Widerstand, Konformismus, Rhinozeritis und die Verteidigung der Humanität.
Wie unterscheidet sich Bérenger von den anderen Charakteren?
Bérenger ist der einzige, der sich dem Druck der Masse widersetzt. Trotz anfänglicher Schwächen und Zweifel bleibt er standhaft und entscheidet sich bewusst gegen die "Rhinozeritis", womit er zum moralischen Gegenpol der restlichen Charaktere wird.
Warum lässt sich Jean so leicht in ein Nashorn verwandeln?
Jeans Anpassungsfähigkeit, sein Streben nach konformistischem Verhalten, seine Intoleranz gegenüber anderen Ansichten und seine autoritätsbezogene Haltung machen ihn besonders anfällig für den totalitären Herdentrieb der Nashörner.
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- Eva Neuhaus (Author), 1998, Charakterisierung der Figuren in Ionescos "Rhinocéros" im Hinblick auf seine Totalitarismus- und Ideologiekritik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17004