Diese Arbeit befasst sich mit dem Phänomen der sozialen Ausgrenzung in Schulklassen. Gemeint sind damit hauptsächlich Kontexte innerhalb der Schülerschaft.Auf einen Ausschluss durch andere Personengruppen, z.B. durch Lehrer, soll an dieser Stelle nicht ausführlich eingegangen werden.
Das zentrale Erkenntnisinteresse der Arbeit liegt zum Einen darin, zu erfahren, wie weit verbreitet Ausgrenzung und im Speziellen Mobbing an Schulen ist, welche Auswirkungen die Handlungen auf die beteiligten Personen haben und welche Faktoren das Auftreten verstärken. Darüber hinaus soll erarbeitet werden, welche Möglichkeiten es für Pädagogen (insbesondere Lehrkräfte und Schulleitung) gibt, Ausgrenzung und Mobbing vorzubeugen, in konkreten Situationen zu intervenieren und ausgegrenzte Schüler in die Klassengemeinschaft zu reintegrieren.
Ein besonderes Augenmerk soll dabei auf Kinder aus der Primarstufe gerichtet werden. Dazu habe ich eine Felderkundung an zwei Grundschulen durchgeführt und Lehrkräfte zur Situation in ihren Klassen befragt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Begrifflichkeiten, Formen und Verbreitung sozialer Ausgrenzung
1.1 Begriffsklärungen
1.2 Praktiken der Ausgrenzung
1.3 Auftretenshäufigkeit
1.3.1 Ausgrenzung
1.3.2 Mobbing
1.4 Merkmale der beteiligten Personen
1.4.1 Sozial anerkannte Schüler
1.4.2 Sozial ausgegrenzte Schüler/ passive Mobbingopfer
1.4.3 Täter-Opfer
1.4.4 Ausgrenzende Schüler/ Mobbingtäter
1.5 Risikoerhöhende Bedingungen
2 Eigene Felderkundung zur sozialen Ausgrenzung und Anerkennung in Bremer Grundschulklassen
2.1 Methode
2.2 Ergebnisse
2.3 Diskussion
3 Pädagogische Handlungsmöglichkeiten
3.1 Maßnahmen auf Schulebene
3.2 Maßnahmen auf Klassenebene
3.3 Maßnahmen auf persönlicher Ebene
3.4 Kognitiv-behaviorale und soziale Fertigkeitstrainings
3.5 Faktoren, die die Wirksamkeit beeinflussen
Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht das Phänomen der sozialen Ausgrenzung und des Mobbings in Schulklassen mit Fokus auf die Primarstufe. Ziel ist es, die Verbreitung, die Auswirkungen auf die Beteiligten sowie die Einflussfaktoren zu analysieren, um daraus pädagogische Interventions- und Präventionsstrategien für Lehrkräfte abzuleiten.
- Phänomenologische Analyse von Ausgrenzung und Mobbing
- Eigene empirische Felderkundung an Grundschulen
- Identifikation von Risiko- und Schutzfaktoren
- Entwicklung multimodaler pädagogischer Handlungskonzepte
Auszug aus dem Buch
1.2 Praktiken der Ausgrenzung
Mehmet ist 14 Jahre alt und in Deutschland geboren, seine Eltern kommen aus der Türkei. Auffällig an ihm ist, dass er sehr weiblich wirkt, eher schmal gebaut ist und auch seine Bewegungen „total schwul ’rüberkommen“ – so die anderen Jungen. So fing es an, dass ihn die anderen Jungen auf dem Schulhof beschimpften, als „schwuler Türkenarsch“ oder „Türken-Homo-Tucke“. Erst dachte er sich nicht viel dabei, aber die Sprüche wurden immer massiver, zudem schnitten ihn die anderen immer mehr, wollten ihn nicht dabei haben. Sie stachelten auch noch die Mädchen auf, redeten so über ihn in deren Gegenwart. Beim Sportunterricht, in der Umkleidekabine, wollte niemand mehr neben ihm sitzen und sich umziehen: „Ey, der guckt mir sonst noch alles weg… Vorsicht, nicht bücken!“ Zudem schubsten sie ihn oder versteckten seine Sachen, sodass er einmal im Winter fast schon in kurzer Turnhose nach Hause gehen wollte – der Lehrer schritt dann ein und forderte, dass die anderen seine Sachen wieder zurückgeben sollten, aber gab auch den Spruch ab: „Kannst du nicht besser darauf aufpassen?“ Zu Hause traute er sich nicht, es seinem Vater oder seiner Mutter zu erzählen. Natürlich hat er verschiedene Versuche unternommen, Freunde zu gewinnen – aber was er auch unternahm, es klappte nicht.
Fallbeispiel, verändert nach SCHEITHAUER u.a. 2003, S. 25
Zusammenfassung der Kapitel
1 Begrifflichkeiten, Formen und Verbreitung sozialer Ausgrenzung: Dieses Kapitel definiert soziale Ausgrenzung und Mobbing, erläutert deren Erscheinungsformen und analysiert Merkmale der beteiligten Personen sowie risikoeinflussende Bedingungen.
2 Eigene Felderkundung zur sozialen Ausgrenzung und Anerkennung in Bremer Grundschulklassen: Hier wird die durchgeführte empirische Untersuchung an Bremer Grundschulen beschrieben, die Gruppenstrukturen analysiert und die Ergebnisse der Lehrerinterviews diskutiert.
3 Pädagogische Handlungsmöglichkeiten: Dieses Kapitel stellt verschiedene Interventions- und Präventionsmaßnahmen auf unterschiedlichen Ebenen vor, um Mobbing entgegenzuwirken und ein positives Schulklima zu fördern.
Schlüsselwörter
Soziale Ausgrenzung, Mobbing, Primarstufe, Schulklasse, Gewaltprävention, Interventionsmaßnahmen, soziale Kompetenz, Schulklima, Lehrerverhalten, Sozialstatus, Selbstwertgefühl, Bullying, Grundschule, Pädagogik, soziale Kontakte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Ausgrenzungsprozessen und Mobbing innerhalb der Schülerschaft, mit besonderem Fokus auf die Situation in Grundschulklassen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die theoretische Einordnung von Ausgrenzungsphänomenen, die empirische Erkundung der Situation in Grundschulen sowie die Ausarbeitung pädagogischer Präventions- und Interventionsmöglichkeiten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, aufzuzeigen, wie Pädagogen durch gezielte Maßnahmen Ausgrenzung vorbeugen, in Akutfällen intervenieren und betroffene Schüler effektiv in die Klassengemeinschaft reintegrieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse sowie einer eigenen qualitativen Felderkundung mittels Interviews mit vier Grundschullehrkräften in Bremen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, die Darstellung der eigenen empirischen Ergebnisse und eine detaillierte Ausarbeitung pädagogischer Handlungsfelder auf Schul-, Klassen- und persönlicher Ebene.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie soziale Ausgrenzung, Mobbing, Grundschule, Gewaltprävention, soziale Kompetenz und Schulklima charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Lehrkraft bei der Ausgrenzung laut der Autorin/dem Autor?
Die Lehrkraft ist eine Schlüsselfigur; ihr Verhalten kann durch eine "Kultur des Hinschauens" Mobbing entgegenwirken oder durch Passivität beziehungsweise soziale Etikettierung ungewollt zu einer Verfestigung des Opferstatus beitragen.
Warum ist die Grundschule ein besonderer Fokuspunkt?
Die Grundschule ist der erste zentrale Lern- und Sozialisationsort außerhalb der Familie. Hier werden grundlegende soziale Verhaltensweisen erlernt, weshalb eine frühzeitige Prävention besonders nachhaltig für die weitere Schullaufbahn ist.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Ausgegrenzten und Außenseitern?
Ausgegrenzte sind das Ziel aktiver, negativer Angriffe, während Außenseiter sich zwar am Rande befinden, aber emotional oft neutral oder positiv bewertet werden und sich teils freiwillig zurückziehen.
- Arbeit zitieren
- Sören Kirsch (Autor:in), 2009, Ausgrenzung in Schulklassen unter besonderer Berücksichtigung der Primarstufe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170072