Beim Beobachten der Hip-Hop-Videos der letzten Jahre fällt dem Rezipienten immer wieder eine bestimmte Art der Geschlechterpräsentation auf. Es ist eine archaische Rollenverteilung, die tagtäglich auf den Musikkanälen und im Internet gezeigt wird. Besonders im so genannten Gangsta-Rap stellen sich die Männer meist mit viel Geld, Macht und schönen Frauen dar, während die Frauen eigentlich nur ein Sexsymbol darstellen, mit dem sich die Männer möglichst in großer Zahl schmücken.
Auch beim Beobachten der heutigen Jugendlichen findet
man auf den ersten Blick genau dies wieder. Viele männliche Jugendliche passen sich mit ihrer Kleidung, ihrem Schmuck und
ihrer Sprache scheinbar ihren Rap-Idolen an, während die Mädchen schon injungen Jahren sehr sexy und leicht bekleidet an die Frauen aus solchen Musikvideos erinnern. Ist diese Anpassung nur äußerlich zu erkennen oder hinterlassen die Geschlechterdarstellungen und somit auch Rollenverteilungen in den Musikvideos und Texten des Gangsta-Rap auch innerlich Spuren bei den Jugendlichen, die dieses Genre hören? Wird die heutige Jugend mit diesen Geschlechterdarstellungen sozialisiert undübernimmt diese Rollen gar?
Diese Arbeit befasst sich mit der Frage, welche Wechselwirkungen zwischen den in Hip-Hop-Videos präsentierten Geschlechterdarstellungen und dem
Rollenverständnis der rezipierenden Jugendlichen in Deutschland bestehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Jugend im Blickpunkt
2.1 Der Jugendbegriff
2.2 Die Einteilung in Jugendszenen
2.3 Die Hip-Hop-Szene
3. Jugendliche im Medienzeitalter
3.1 Zahlen und Fakten aus der JIM-Studie
3.2 Mediensozialisation
4. Die Entwicklung des Musikvideos
4.1 Die Entstehung des heutigen Musikvideos
4.2 Die Entwicklung des Hip-Hop
5. Geschlechterrollen im Gangsta-Rap
5.1 Der Mann im Gangsta-Rap
5.1.1 Der Mann im Ghetto
5.2 Frauen und Sexismus im Gngsta-Rap
6. Rezeption und Adaption von Musikvideos und deren Texten
6.1 Möglichkeiten einer Adation von Videoinhalten
6.2 Umfrage
6.2.1 Der Fragebogen
6.2.2 Ergebnisse der Umfrage
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, welche Wechselwirkungen zwischen den in Hip-Hop-Videos präsentierten Geschlechterdarstellungen und dem Rollenverständnis der rezipierenden Jugendlichen in Deutschland bestehen. Ziel ist es zu analysieren, ob und inwiefern Jugendliche durch diese spezifischen Rollenbilder sozialisiert werden und ob sie diese in ihr eigenes Weltbild internalisieren.
- Jugend als Lebensphase und die Bedeutung von Jugendszenen
- Der Einfluss von Medien auf die Sozialisation Jugendlicher
- Die historische und thematische Entwicklung von Hip-Hop-Videos
- Die Konstruktion von Geschlechterrollen (Mann und Frau) im Gangsta-Rap
- Empirische Analyse der Rezeption von Musikvideos durch eine Online-Umfrage
Auszug aus dem Buch
5.1.1 Der Mann im Ghetto
In Hip-Hop-Videos lassen sich, wie schon angedeutet, vier typische Grundmuster, in denen sich der Mann darstellt, erkennen.
Das erste, das mit dem Wort „Gangsterism“ umschrieben wird, zeigt den Rapper meist als Gangster und Kämpfer mit seinen „Homies“, also seinen Kumpels, in seiner Stadt. Hier werden alltägliche Vorkommnisse wie Langeweile, Schlägereien, Drogendeals, Kriminalität und Gangrivalitäten gezeigt. Es werden das harte Aufwachsen im Ghetto und der dort herrschende Alltag dargestellt. Dieser Alltag zwischen Notlagen und Vergnügen gehörte durchaus tatsächlich zu dem Leben der afroamerikanischen Jugend im Ghetto. Rap zeigt sich als eine Möglichkeit der Unterdrückten, sich als mächtig und stark darzustellen. Ausgelöst durch das Gefühl der Benachteiligung und Unterdrückung, zeigt sich der Rapper hier als extrem männlich und kriegerisch.
Auch in Deutschland nehmen die Rapper gerne das Ghetto als Stilmittel und berichten von harten Zeiten in ihren Stadtteilen. Durch dieses Stilmittel und Bild, versuchen sie möglicherweise auch ihren Hip-Hop zu legitimieren und authentisch darzustellen. Ein gutes Beispiel für solch ein typisches Video ist das Video zu dem Song „Mein Block“ von dem kurdischen Rapper Azad.
Azad zeigt sich hier in einer Umgebung von grauen Plattenbauten. Es werden Armut, Trostlosigkeit und Kinder auf der Straße gezeigt. Im Mittelpunkt des Geschehens ist Azad mit seiner Gang oder seinen „Homies“. Sie sind ausgerüstet mit Baseballschlägern, die sie drohend schwingen, mit Waffen und zeigen sich teilweise vermummt. Diese Bilder, so wie auch kurz eingeblendete Bilder von Kampfhunden, Tierschädeln und Boxtraining, wirken sehr gefährlich. Die Gang wirkt gewalttätig und es herrscht eine Kampfatmosphäre, als würde sie in den Krieg ziehen wollen. Auch auf ihrer Kleidung sind Bilder von Waffen zu sehen. Zwischendurch gibt es Bilder von Drogenkonsum und -verkauf. Dieses Video beinhaltet im Prinzip alle Details des ersten beschriebenen typischen Grundmusters eines Hip-Hop-Videos.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik archaischer Geschlechterrollen im Gangsta-Rap ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage zur Sozialisation durch diese Medieninhalte.
2. Jugend im Blickpunkt: Dieses Kapitel definiert den Begriff Jugend, erläutert die Bedeutung von Jugendszenen für die Identitätsfindung und stellt die Hip-Hop-Szene in ihren Ursprüngen vor.
3. Jugendliche im Medienzeitalter: Hier wird anhand der JIM-Studie der Medienumgang heutiger Jugendlicher analysiert und die Theorie der Mediensozialisation auf ihre Einflüsse hin diskutiert.
4. Die Entwicklung des Musikvideos: Das Kapitel skizziert die historische Genese des Musikvideos sowie die spezifische Entwicklung des Hip-Hop-Videos vom politischen "Message-Rap" bis hin zum kommerziellen Gangsta-Rap.
5. Geschlechterrollen im Gangsta-Rap: Dieser Abschnitt analysiert die spezifischen Rollenbilder des "Gangsters", des "Pimps" und die Objektifizierung der Frau als "Bitch" in Texten und Videos.
6. Rezeption und Adaption von Musikvideos und deren Texten: Hier werden theoretische Ansätze zur Medienwirkung mit den Ergebnissen einer eigens durchgeführten Online-Umfrage unter Jugendlichen verknüpft.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass eine Internalisierung der Rollenbilder möglich, aber von zahlreichen Variablen abhängig ist.
Schlüsselwörter
Gangsta-Rap, Geschlechterrollen, Musikvideos, Jugendsozialisation, Hip-Hop-Kultur, Identitätsbildung, JIM-Studie, Sexismus, Gewaltverherrlichung, Medienwirkung, Jugendkultur, Männlichkeitsbilder, Medienkompetenz, Subkulturen, Online-Umfrage.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen den Geschlechterdarstellungen in modernen Hip-Hop-Videos und dem Rollenverständnis von Jugendlichen in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Lebensphase Jugend, der Einfluss von Medien auf Sozialisationsprozesse, die Entwicklung des Musikvideos sowie die Analyse von sexistischen und gewaltverherrlichenden Rollenmustern im Gangsta-Rap.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob Jugendliche die oft traditionellen und diskriminierenden Geschlechterbilder aus Gangsta-Rap-Videos als Vorbild für ihr eigenes Verhalten übernehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Literaturanalyse zu Jugend- und Medienforschung mit einer selbst durchgeführten quantitativen Online-Umfrage unter 127 Jugendlichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Jugend im Medienzeitalter, die Historie des Hip-Hop, die detaillierte Analyse der Geschlechterrollen (Mann im Ghetto, Frau als Objekt) und die Auswertung der Umfrageergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Untersuchung wird maßgeblich durch Begriffe wie Gangsta-Rap, Sozialisation, Geschlechterkonstruktion, Medienwirkung und Identitätsentwicklung charakterisiert.
Wie bewerten die befragten Jugendlichen den Begriff "Bitch"?
Die Mehrheit der Befragten, sowohl männliche als auch weibliche, definiert den Begriff "Bitch" negativ als eine untreue, dumme oder leicht bekleidete Frau, was zeigt, dass der Begriff auch unter Jugendlichen eine abwertende Konnotation hat.
Spielt der soziale Status der Jugendlichen eine Rolle bei der Übernahme der Rollenbilder?
Die Auswertung der Umfrage ergab, dass das Hören von Gangsta-Rap weder alters- noch bildungsspezifisch ist und eine Tendenz zur Übernahme traditioneller Rollenbilder bei männlichen Jugendlichen unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund erkennbar ist.
- Citar trabajo
- Tina Brückmann (Autor), 2010, Rappende Machos und strippende Models. Das Hip-Hop-Video als Wertevermittler für Jugendliche, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170156