Benjamin Lebert: „crazy“, Analyse eines Textauszuges


Referat / Aufsatz (Schule), 2011
3 Seiten

Leseprobe

Benjamin Lebert
„crazy"

Generationskonflikte

Analyse eines Textauszuges von
Tim Blume

Benjamin Leberts Roman „crazy" entstand im Jahre 1999. Der vorgestellte Auszug ist Teil eines Jugendromans des Autors.

Der Text handelt vom Problemschüler Benjamin, der mit seinen 16 Jahre immer noch in der achten Klasse ist. Der Sohn angesehener Eltern besucht nun die fünfte Schule in seiner Laufbahn, das Internat „Schloß Neuseelen", in der Hoffnung, sich vor allem im Fach Mathematik zu verbessern. Im weiteren Verlauf des Textes beschreibt Benjamin seine erste Erlebnisse in der Schule: Beginnend beim Besuch des Sekretariates bis hin zur ersten Begegnung mit dem Internatsleiter Jörg Richter. Es stellt sich heraus, dass Benjamin halbseitig gelähmt ist und deshalb die Funktion seiner linken Körperhälfte eingeschränkt ist.

Benjamin beschreibt seine Empfindungen während des Besuches genau: Schon während er auf dem Parkplatz des Internates steht, erinnert er sich an die Briefe, die ihm geschickt wurden. Sie besagen, dass seine Leistungen besser würden und dies schon viele Schüler vor ihm geschafft haben. Doch Benjamin weiß, dass es bei ihm anders ist, er ärgert sich über die Aussage der Schule und sagt, dass es immer den einen oder anderen Schüler gibt, der eine solche Verbesserung schafft.

Wie es scheint, ist das Verhältnis zwischen Benjamin und seinen Eltern nicht besonders gut. Da sie sich nicht mit einem qualifizierten Hauptschulabschlusses des Sohnes zufrieden geben, muss er mitten im Schuljahr die Schule wechseln, was ihm ganz offensichtlich widerstrebt. Die Begegnung mit Angelika Lerch verunsichert ihn, im Büro des Internatsleiters sucht Benjamin schließlich die Zuneigung seiner Mutter und greift ihre Hand, um ihr nur einen Augenblick später zum Vorwurf zu machen, dass sie denkt, man könne Probleme beseitigen und klären, indem man darüber schreibt.

Benjamin bekommt zweimal im Verlauf der Geschichte einige Aufkleber geschenkt, im ersten Moment interessiert er sich dafür, vergleicht und bewertet sie, doch fragt sich im nächsten Moment, was er damit anfangen soll. Seine Empfindungen gegenüber den verschiedenen Personen und der neuen Situation wechseln hin und her; das, was seine Eltern toll finden, findet er überhaupt nicht gut. Er ist verunsichert und mit der Situation überfordert.

Benjamin, der Erzähler, beschreibt seine Situation in der Gegenwart, seine Empfindungen schildert er jedoch oft aus vergangener oder zukünftiger Sicht („Ich werde sie meinen Eltern schenken.“; „Wie oft habe ich [...]?"). Er schildert seine Sicht durch Gebrauch kurzer, prägnanter Hauptsätze und verwendet dabei nur selten umgangssprachliche Wendungen („Aber wen interessiert das." statt „Aber wen kümmert das." oder ähnlichem.).

Seine Gedanken kreisen jeweils um das „Thema" das er aktuell beschreibt. Diese Form des Schreibens verdeutlicht die Unbeholfenheit des Erzählers in der neuen Situation. Dadurch, dass der Autor schreibt, wie es ein Sechzehnjähriger täte, wirkt die dargestellte Lage anschaulich. Es scheint, dass Benjamin mit der Situation nicht klarkommt und am liebsten seinen Hauptschulabschluss machen würde, statt - wie es seine Eltern wollen - sich durch knapp ein halbes Dutzend Schulen zu quälen, bloß um die angesehene Position der beiden nicht zu „ruinieren". Dem Leser mag sich die Frage stellen, warum Lebert so viel über sich schreibt, aber kaum weiterreichende Informationen über seine Umgebung preisgibt. Zur Klärung dieser Frage sei aus einer Rezension des Schriftstellers und Kolumnisten Maxim Biller zitiert:

„Wieso reden die Jungen in diesem Buch so viel und so manisch über sich selbst?

Weil sonst keiner mit ihnen spricht. Weil sie, von ihren Familien vergessen, in der wichtigsten Phase ihres Lebens völlig alleingelassen sind, hinausgeschickt in die kalte Scheinselbständigkeit des Internats, und wenn sie dann, so wie Benjamin, deren Eltern zu Beginn des Schuljahres beim Abschied mit ein paar stillen Tränen bedeuten, daß dieses hier wirklich nicht das Richtige ist für sie, kriegen sie stumm eine ,Rolling Stones'-CD zugesteckt mit irgendeinem dämlichen Rockhelden- Durchhaltetext drauf und einen Brief, in dem es kühl heißt: ,Lieber Benni, ich weiß,

Du machst eine schwierige Zeit durch. Und ich weiß auch, daß Du nun in vielen Dingen auf dich allein gestellt sein wirst. Aber denk bitte daran, es ist das Beste für Dich, und bleib tapfer! Papa.'"

Maxim Biller: „Meine Schuld. Zu Benjamin Leberts Debütroman „Crazy". 25. Februar 1999. In: http://www.faz.net/s/Rub79A33397BE834406A5D2BFA87FD13913/Doc~E3D649137CA2 C4A66BF22C28762FF646B~ATpl~Ecommon~Scontent.html (8. April 2011)

Der Wunsch der Eltern, der Erfolg Benjamins, stellt einen Generationskonflikt dar. Die Eltern scheinen nicht zu begreifen, dass Benjamin mit den ständigen Schulwechseln überfordert ist - sie wollen nur das Beste für ihren Sohn. Doch Benjamin scheint zu ahnen oder gar zu wissen, dass es für ihn unmöglich ist, sein Abitur zu machen. Er möchte die Schule alsbald beenden, um einen Ausweg aus dem Problem, das ihn so sehr belastet, zu finden: Er wird von seinen Eltern getrennt, muss Heimatort und Freunde verlassen, und das alles nur, um seine Eltern glücklich zu machen. Da der Text diese Aspekte verdeutlicht, bin ich der Ansicht, dass er in eine Textsammlung zum Thema „Generationskonflikte“ passt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 3 Seiten

Details

Titel
Benjamin Lebert: „crazy“, Analyse eines Textauszuges
Autor
Jahr
2011
Seiten
3
Katalognummer
V170178
ISBN (eBook)
9783640889068
Dateigröße
801 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
benjamin, lebert, analyse, textauszuges
Arbeit zitieren
Tim Blume (Autor), 2011, Benjamin Lebert: „crazy“, Analyse eines Textauszuges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170178

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