In der Literatur wird häufig von der „nordamerikanischen Stadt“ gesprochen, wobei US-amerikanische Entwicklungen im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen und nicht selten verallgemeinert und auf kanadische Städte übertragen werden. Doch ist es gegenwärtig angemessen, diese zwei Stadttypen zusammenzufassen oder sind die Unterschiede so gravierend, dass von dem Begriff „nordamerikanische Stadt“ abgelassen werden sollte?
Um diese Frage zu klären, wird in dieser Arbeit zunächst die Entstehungsgeschichte kanadischer und US-amerikanischer Städte dargelegt. Anschließend werden die heutigen Merkmale der „nordamerikanischen Stadt“ erläutert, um im letzten Abschnitt Unterschiede in Bezug auf Probleme US-amerikanischer und kanadischer Städte herauszuarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Terminus „nordamerikanische Stadt“ – Kanada und die USA im Vergleich
2.1 Die Stadtentwicklung in Kanada und den USA bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
2.2 Die nordamerikanische Stadt der Gegenwart
2.3 Ein Vergleich der Probleme kanadischer und US-amerikanischer Städte
3 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob der Sammelbegriff „nordamerikanische Stadt“ für Kanada und die USA angesichts zunehmender struktureller und sozio-ökonomischer Divergenzen noch wissenschaftlich haltbar ist, oder ob kanadische Städte aufgrund ihrer eigenständigen Entwicklung als separater Stadttypus betrachtet werden sollten.
- Historische Stadtgenese im kolonialen Nordamerika
- Morphologische Merkmale der nordamerikanischen Stadt (CBD, Wolkenkratzer)
- Prozesse der Suburbanisierung und Gentrifizierung
- Vergleichende Analyse von Urban Blight und sozio-ökonomischen Disparitäten
- Die Rolle staatlicher Steuerung und öffentlicher Infrastruktur im Städtebau
Auszug aus dem Buch
2.2 Die nordamerikanische Stadt der Gegenwart
Charakteristisch für die nordamerikanische Stadt ist ihr relativ junges Alter und folglich das Fehlen traditioneller städtebaulicher Elemente, welche beispielsweise den europäischen und islamisch-orientalischen Stadttyp dominieren (ZEHNER 2001: 169). Der Grundriss der zum Teil extrem ausufernden Stadtlandschaften Nordamerikas ist von einem schachbrettartigen, orthogonalen Straßennetz geprägt (HEINEBERG 2000: 248) und lässt sich in Kernstadt (downtown), Übergangsbereich und Außenzone gliedern (Abb. 2).
Die Kernstadt ist für gewöhnlich in verschiedene funktionale Bereiche aufgeteilt, wie zum Beispiel Hotelviertel, Behördenviertel oder Luxuswohnanlagen. Der wichtigste ist jedoch der Central Bussiness District (CBD) - das zentrale Geschäftszentrum der Stadt. Es besteht aus Büros, Einzelhandelsgeschäften und Warenhäusern und weist somit „die größte Ballung von Gebäuden ohne Wohnfunktion“ (KNOX & MARSTON 2008: 684) auf, hatte jedoch in der jüngsten Entwicklung einen starken Funktionsverlust zu verzeichnen. Das typische Element der Innenstadt ist der Wolkenkratzer, der eine Skyline erzeugt, die „von senkrechten und waagerechten Linien beherrscht“ wird (HOFMEISTER 1971:61).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, inwieweit der Begriff „nordamerikanische Stadt“ zur gemeinsamen Beschreibung kanadischer und US-amerikanischer Stadtstrukturen heute noch adäquat ist.
2 Der Terminus „nordamerikanische Stadt“ – Kanada und die USA im Vergleich: Dieses Hauptkapitel analysiert die historischen Grundlagen der Stadtentstehung, beschreibt das aktuelle Modell der nordamerikanischen Stadt und stellt die unterschiedlichen städtischen Problemlagen beider Länder gegenüber.
2.1 Die Stadtentwicklung in Kanada und den USA bis zum Ende des 18. Jahrhunderts: Hier wird die kolonialzeitliche Gründung von Hafenstädten und Zwischenhandelszentren beschrieben, die als Ausgangspunkt der nordamerikanischen Stadtentwicklung dienten.
2.2 Die nordamerikanische Stadt der Gegenwart: Dieser Abschnitt erläutert die physiognomischen Besonderheiten, wie das schachbrettartige Straßennetz, die Bedeutung des Central Business Districts (CBD) und die Funktion der Wolkenkratzer für das Stadtbild.
2.3 Ein Vergleich der Probleme kanadischer und US-amerikanischer Städte: Dieses Unterkapitel kontrastiert die Intensität städtischer Probleme, wobei insbesondere die höhere Stabilität und geringere soziale Segregation in kanadischen Städten im Vergleich zu US-amerikanischen Zentren hervorgehoben wird.
3 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung zieht das Fazit, dass kanadische Städte aufgrund ihrer abweichenden sozio-ökonomischen Entwicklung mittlerweile als eigenständiger Stadttypus begriffen werden sollten.
Schlüsselwörter
nordamerikanische Stadt, Kanada, USA, Stadtentwicklung, Central Business District, Urban Blight, Suburbanisierung, Edge Cities, Gentrifizierung, sozio-ökonomische Disparitäten, Stadtgeographie, Stadtstruktur, Segregation, Metropolitangebiete, Innenstadt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Berechtigung des Sammelbegriffs „nordamerikanische Stadt“ für die Städte Kanadas und der USA im Kontext ihrer historischen und heutigen Entwicklung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung deckt die Bereiche Stadtgenese, morphologische Stadtstrukturen, urbane Problemlagen wie soziale Segregation und Gentrifizierung sowie unterschiedliche Wachstumsdynamiken ab.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Klärung, ob die Unterschiede zwischen kanadischen und US-amerikanischen Städten mittlerweile so signifikant sind, dass eine getrennte Betrachtung der Stadttypen notwendig erscheint.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse stadtgeographischer Fachpublikationen und statistischer Bevölkerungsdaten, um die Unterschiede in Struktur und Entwicklung herauszuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Betrachtung, die Beschreibung heutiger Stadtmodelle und den direkten Vergleich städtischer Herausforderungen beider Länder.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Gentrifizierung, Urban Blight, CBD, Suburbanisierung und sozio-ökonomische Disparitäten.
Warum unterscheidet sich die Entwicklung kanadischer Innenstädte von jenen in den USA?
Kanadische Innenstädte weisen eine höhere bauliche Dichte auf, profitieren von einem besser ausgebauten öffentlichen Verkehrsnetz und sind weniger stark von den massiven Abwanderungsprozessen betroffen, die in den USA als „Urban Blight“ bezeichnet werden.
Welche Rolle spielen „Edge Cities“ bei der Untersuchung der Außenzonen?
Edge Cities dienen als Beispiel für die zunehmende Dezentralisierung; sie sind in den USA wesentlich verbreiteter und größer als in Kanada, wo das Ausufern der Städte in das Umland eine geringere Dimension aufweist.
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- Julia Fenk (Author), 2009, Der Terminus „nordamerikanische Stadt“ – Kanada und die USA im Vergleich , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170205