Seit 45 Jahren gibt es in Deutschland eine größere Anzahl von Muslimen und Muslima, doch noch immer gibt es nur wenige gesetzliche und organisatorische Regelungen, um ihren Bedarf an religiöser Seelsorge und Bildung zu decken. In der Arbeit wird ein besonders drängender und zugleich schwieriger Teil dieser Problematik zu Thema gemacht: die Rahmenbedingungen religiöser Bildung für muslimische Kinder und Jugendliche. Es wird nicht die Anwesenheit und mangelnde Integration der Muslime als Gefahr stilisiert, sondern ihr Recht auf religiöse Bildung betont. Ferner werden die rechtlichen und organisatorischen Grundlagen des islamischen Religionsunterrichts sowie dessen Beitrag zur Integration der muslimischen Kinder und Jugendlichen untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Eingrenzung des Themas, Fragestellung und Begriffsbestimmungen
1.3 Forschungsstand und methodisches Vorgehen
2. Der Islam
2.1 Der historische Ursprung des Islam
2.2 Glaubensgrundsätze des Islam
2.2.1 Der Koran
2.2.2 Die fünf Grundpflichten des Muslims
2.2.3 Sunna, Hadith und Scharia
2.3 Der Islam in Deutschland
2.3.1 Organisationen
2.3.1.1 DITIB
2.3.1.2 Spitzenverbände
2.4 Ausblick
3. Rechtslage zur Einführung islamischen Religionsunterrichts
3.1 Religion im Grundgesetz
3.1.1 Auswirkungen von Art. 4 Grundgesetz auf den Religionsunterricht
3.1.2 Regelung von Religionsunterricht im Grundgesetz
3.1.3 Bremer Klausel
3.2 Rechtliche Hürden
3.3 Rechtliche Hindernisse
3.4 Das Grundrecht auf islamischen Religionsunterricht
3.5 Resümee
4. Aktueller Stand muslimischer Bildung an deutschen Schulen
4.1 Islamkunde in Nordrhein-Westfalen
4.1.1 Islamische Unterweisung im Rahmen des staatlichen muttersprachlichen Unterrichts
4.1.2 Islamische Unterweisung als eigenständiges Unterrichtsfach (Islamkunde)
4.2 Schulversuch: Islamischer Religionsunterricht in Niedersachsen
4.3 Islamischer Religionsunterricht in Berlin
4.4 Zusammenfassung
5. Islamischer Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach
5.1 Islamischer Religionsunterricht aus islamwissenschaftlicher Sicht
5.2 Inhalt und Ziele
5.2.1 Lehrplan des Zentralrat der Muslime in Deutschland
5.3 Ausbildung von Lehrern für den islamischen Religionsunterricht
5.3.1 Das Centrum für Religiöse Studien an der Universität Münster
5.3.2 Islamische Religionspädagogik an der Universität Osnabrück
5.4 Resümee
6. Islamischer Religionsunterricht – Weg oder Hindernis zur Integration?
6.1 Religiöse Jugend ? – Die Bedeutung von Religion und Religionsunterricht für muslimische Jugendliche
6.2 Risiko: Islamischer Religionsunterricht ?
6.3 Islamischer Religionsunterricht als positiver Faktor
6.4 Resümee
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten und rechtlichen Rahmenbedingungen für die Einführung eines bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichts an staatlichen Schulen in Deutschland. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit ein solcher Unterricht zur Integration muslimischer Kinder und Jugendlicher beitragen kann und welche Hürden – sowohl rechtlicher als auch organisatorischer Natur – einer baldigen Umsetzung im Weg stehen.
- Analyse der rechtlichen Grundlagen nach dem Grundgesetz (insb. Art. 4 und Art. 7).
- Darstellung der aktuellen Modelle islamischer Unterweisung in verschiedenen Bundesländern.
- Erörterung der Bedeutung von Religion für die Identitätsbildung muslimischer Jugendlicher.
- Untersuchung der Chancen und Risiken hinsichtlich der sozialen Integration.
- Bewertung der notwendigen Voraussetzungen für die Ausbildung qualifizierter Lehrkräfte.
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung
Die Zahl der in Deutschland lebenden Muslime wird auf 3 – 3,5 Millionen geschätzt. Genaue Angaben sind aufgrund der Tatsache unmöglich, dass Muslime die Mitgliedschaft auf dem Papier, wie sie zum Beispiel bei der katholischen oder der evangelischen Kirche üblich sind, nicht kennen. Nicht einmal eine halbe Million der hier lebenden Muslime sind deutsche Staatsbürger. „Der heranwachsenden Generation der muslimischen Kinder und Jugendlichen mit migratorischem Hintergrund wird eine schwierige Lebenssituation zugeschrieben, die oftmals als Kulturkonflikt oder als >>Sitzen zwischen den Stühlen<< charakterisiert wird.“ Dies ist alarmierend, da davon auszugehen ist, dass die Mehrzahl der muslimischen Kinder und Jugendlichen in Deutschland geboren wurde.
Gut 45 Jahre, nachdem die ersten muslimischen Gastarbeiter nach Deutschland gekommen sind, ist die Debatte „über die Bedingungen eines dauerhaften, respektvollen und gleichberechtigten Zusammenlebens zwischen christlich-säkularer Mehrheitskultur und den vielfältigen islamisch geprägten Communitys im Kontext einer aufgeklärten demokratischen und tendenziell säkularen Gesellschaft“ voll im Gange. Ein wichtiger Bestandteil der Diskussion über den richtigen Umgang mit dem Islam und Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit ist der Diskurs um die Einführung des bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichts als ordentliches Lehrfach. Wesentliche Themenbereiche, die dabei herausgearbeitet werden sollen, sind: 1. Die rechtlichen Grundlagen und notwendigen Voraussetzungen, die für die Einführung des islamischen Religionsunterricht von Bedeutung sind; 2. Die bereits bestehenden Formen von islamischer Unterweisung, bzw. islamischem Religionsunterricht in Deutschland, unter Berücksichtigung der länderspezifischen Besonderheiten; und 3. der mögliche Wert, den die religiöse Bildung für die Integration der Schülerinnen und Schüler haben könnte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die aktuelle Debatte um die Einführung eines bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichts ein und definiert die zentralen Forschungsfragen.
2. Der Islam: Dieses Kapitel vermittelt einen Überblick über die historischen Ursprünge, die zentralen Glaubensgrundsätze und die Organisationsstruktur muslimischer Gemeinschaften in Deutschland.
3. Rechtslage zur Einführung islamischen Religionsunterrichts: Die rechtlichen Hürden und Möglichkeiten auf Basis des Grundgesetzes werden analysiert, wobei besonders die Anforderungen an eine als Religionsgemeinschaft anerkannte Organisation hervorgehoben werden.
4. Aktueller Stand muslimischer Bildung an deutschen Schulen: Es werden die verschiedenen existierenden Schulversuche und Unterrichtsmodelle, insbesondere in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Berlin, detailliert betrachtet.
5. Islamischer Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach: Dieses Kapitel widmet sich den Anforderungen an die Didaktik, den Lehrplanentwürfen sowie der notwendigen Ausbildung von Lehrkräften an theologischen Fakultäten.
6. Islamischer Religionsunterricht – Weg oder Hindernis zur Integration?: Die Debatte über die Auswirkungen des Religionsunterrichts auf die Integration wird kritisch beleuchtet, wobei empirische Studien und Expertenmeinungen herangezogen werden.
7. Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die These zur nahen Realisierbarkeit des islamischen Religionsunterrichts.
Schlüsselwörter
Islamischer Religionsunterricht, Grundgesetz, Religionsgemeinschaft, Integration, muslimische Jugendliche, Schulversuch, Lehrerausbildung, Identitätsbildung, Islamkunde, Scharia, bekenntnisorientierter Unterricht, Bildungsauftrag, Lehrplan, staatliche Aufsicht, kulturelle Vielfalt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die aktuelle Situation und die rechtlichen Rahmenbedingungen der Einführung eines islamischen Religionsunterrichts als ordentliches Lehrfach an staatlichen Schulen in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit behandelt die rechtlichen Voraussetzungen nach dem Grundgesetz, die historische und soziologische Rolle des Islam in Deutschland, verschiedene existierende Schulversuche sowie die Notwendigkeit einer akademischen Ausbildung für islamische Religionslehrer.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Stand der Debatte zu erfassen, rechtliche Hindernisse zu identifizieren und die Frage zu beantworten, ob und wie der Religionsunterricht einen Beitrag zur Integration leisten kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender sozialwissenschaftlicher Studien, juristischer Publikationen der letzten 20 Jahre sowie der Auswertung aktueller Schulversuche und Lehrplanentwürfe.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine juristische Analyse, die Untersuchung von Unterrichtsmodellen in verschiedenen Bundesländern, eine pädagogische Betrachtung der Didaktik und eine kritische Diskussion der Integrationsfrage.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Islamischer Religionsunterricht, Grundgesetz, Integration, Religionsgemeinschaft, muslimische Identität und Bildung.
Welche Rolle spielt die „Bremer Klausel“ in dieser Untersuchung?
Die Bremer Klausel (Art. 141 GG) wird als rechtliche Ausnahme betrachtet, die es bestimmten Bundesländern (Bremen, Berlin, Brandenburg) ermöglicht, von den allgemeinen Regelungen des Art. 7 Abs. 3 GG abzuweichen, was als Sonderfall für die Einführung des Religionsunterrichts fungiert.
Warum ist die Anerkennung als „Religionsgemeinschaft“ so entscheidend?
Nach deutschem Recht sind nur anerkannte Religionsgemeinschaften befugt, die inhaltliche Verantwortung und Gestaltung des Religionsunterrichts an staatlichen Schulen zu übernehmen. Da dieser Status vielen muslimischen Verbänden bisher fehlt, ist die praktische Umsetzung oft blockiert.
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- Diplom -Pädagoge Florian Hering (Author), 2008, Religiöse Bildung für muslimische Kinder und Jugendliche in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170233