Früher war der Standort neben dem produzierten Produkt der wichtigste Faktor eines Industrieunternehmens. Jedoch aus zum Teil anderen Gründen als heute. Betriebe hatten sich mit dem Ort oder der Stadt ihrer Wahl identifiziert. Die Voraussetzungen und Möglichkeiten haben sich explizit in den letzten Jahrzehnten durch politische Veränderungen und Verbesserungen in Technik und Logistik erheblich verändert. Grenzen sind verschwommen und Entfernungen überwindbarer geworden. Doch es ergaben sich nicht nur Verbesserungen und Erleichterungen aus diesen Prozessen. Die Kriterien, nach denen ein Standort ausgewählt werden sollte und wird, sind wichtiger denn je.
Diese sogenannten Standortfaktoren sollen zunächst im Folgenden durchleuchtet und verifiziert werden. Anschließend werden gängige Entscheidungsmodelle der analytischen Standortwahl vorgestellt, sodass der Vorgang der Standortwahlentscheidung hinreichend dargelegt ist. Aufgrund der schon lang anhaltenden Phase der Globalisierung ist es selbstverständlich zusätzlich notwendig, die Standortwahl auf globaler Ebene zu betrachten und die Auswirkungen der Globalisierung auf die Wahl eines unternehmerischen Standorts zu erläutern. Ein Auto eines deutschen Automobilherstellers ist beispielsweise schon lange kein rein deutsches Produkt mehr. Ein finnischer Mobiltelefon-Hersteller lässt seine Produkte auch in China produzieren, wenn ihm daraus ein Nutzenvorteil, welcher Art auch immer, entsteht. Nach einem kurzen Aus- und Rückblick bezüglich der Globalisierung allgemein werden sowohl die erforderlichen Mechanismen einer unternehmerischen Globalisierung sowie Chancen und Risiken einer internationalen Standortwahl thematisiert. Abschließend werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie und mit welchen Maßnahmen ein Staat seine Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig erhöhen und somit sein Land an Attraktivität zunehmen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Standortwahl und deren Kriterien (Faktoren)
2.1. Materialbezogene Standortfaktoren
2.2 Arbeitsbezogene Standortfaktoren
2.3. Absatzorientierte Standortfaktoren
2.4. Staatlich festgelegte Standortfaktoren
3. Entscheidungsmodelle der Standortwahl
3.1. Quantitative Entscheidungsmodelle
3.2. Qualitative Entscheidungsmodelle
4. Internationale Standortwahl unter dem Aspekt der Globalisierung
4.1. Historie der Globalisierung
4.2. Erfordernisse einer erfolgreichen unternehmerischen Globalisierung von Industrieunternehmen
4.3. Chancen einer internationalen Standortwahl
4.4. Risiken einer internationalen Standortwahl
5. Erhöhung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit eines Standortes
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die zentralen Faktoren und Entscheidungsmodelle bei der Wahl eines internationalen Standorts für Industrieunternehmen vor dem Hintergrund der fortschreitenden Globalisierung. Das primäre Ziel ist es, den Entscheidungsprozess zu systematisieren und die Auswirkungen internationaler Standortentscheidungen auf die Wettbewerbsfähigkeit von Staaten und Unternehmen zu analysieren.
- Systematik relevanter Standortfaktoren (material-, arbeits-, absatz- und staatlich orientiert)
- Vergleich quantitativer und qualitativer Entscheidungsmodelle (inkl. Nutzwertanalyse)
- Analyse der Globalisierung und ihrer historischen Entwicklung
- Bewertung von Chancen und Risiken einer internationalen Standortwahl
- Maßnahmen zur Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit eines Wirtschaftsstandortes
Auszug aus dem Buch
3.2. Qualitative Entscheidungsmodelle
Da es bei vielen Standortfaktoren nicht sinnvoll ist, sie nach quantitativen Methoden zu ergründen, ist das qualitative Entscheidungsmodell der „Nutzwertanalyse“ in Hinsicht auf die Standortwahl als das Standard-Instrument avanciert.
Zur Durchführung der Nutzwertanalyse: Zunächst werden alle relevanten Standortfaktoren aufgelistet und der Bedeutung nach gewichtet. Anschließend werden die verschiedenen Standorte getrennt voneinander bewertet. Durch Multiplikation der Gewichtung mit dem Bewertungsfaktor wird der Nutzen ermittelt. Die Summe dieser Werte ergibt dann jeweils den Gesamtnutzen des jeweiligen Standortes. Bevorzugt wird dann folglich der Standort mit dem höchsten Wert.
Trotz der überwiegenden Vorteile hat die Nutzwertanalyse auch Nachteile, wie zum Bespiel die subjektive, fast willkürliche Gewichtung und die nicht einheitlichen Messgrößen. Ein weiteres Problem ist, dass die Nutzwertanalyse lediglich eine Darstellungsform und kein Optimierungsverfahren ist. (Thommen, 1996, S. 96 f.); (Dey, Veith, & Wilde, 2003, S. 85 f.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Relevanz der Standortwahl und die Notwendigkeit, aufgrund der Globalisierung neue Kriterien und Modelle zur Entscheidungsfindung zu betrachten.
2. Standortwahl und deren Kriterien (Faktoren): In diesem Kapitel werden relevante Standortfaktoren systematisiert, unterteilt in material-, arbeits-, absatzorientierte und staatlich festgelegte Kategorien.
3. Entscheidungsmodelle der Standortwahl: Das Kapitel stellt quantitative Modelle und die qualitative Nutzwertanalyse als zentrale Methoden zur Bewertung und Auswahl eines Unternehmensstandorts vor.
4. Internationale Standortwahl unter dem Aspekt der Globalisierung: Es wird der Einfluss der Globalisierung auf die internationale Standortwahl untersucht, inklusive historischer Phasen, Chancen, Risiken und organisatorischer Erfordernisse.
5. Erhöhung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit eines Standortes: Dieses Kapitel erläutert staatliche Strategien, wie durch Innovationsförderung und Prozessoptimierung die Standortattraktivität nachhaltig gesteigert werden kann.
6. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung, dass die Entscheidung für einen Standort eine komplexe, langfristige Herausforderung ist, die eine fundierte Analyse unternehmerischer Chancen und Risiken erfordert.
Schlüsselwörter
Standortwahl, Industrieunternehmen, Standortfaktoren, Globalisierung, Nutzwertanalyse, Entscheidungsmodelle, Wettbewerbsfähigkeit, Innovationsförderung, Auslandsinvestition, Absatzpotential, Arbeitskosten, Steuergefälle, Wirtschaftsstandort, Unternehmensglobalisierung, Standortverlagerung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Seminararbeit?
Die Arbeit befasst sich mit den komplexen Entscheidungsprozessen und relevanten Faktoren bei der Wahl eines internationalen Standorts durch Industrieunternehmen.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit behandelt?
Die Arbeit deckt die Kategorisierung von Standortfaktoren, gängige Entscheidungsmodelle, die Auswirkungen der Globalisierung sowie Strategien zur Stärkung der Standortwettbewerbsfähigkeit ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, einen strukturierten Überblick über die Kriterien der Standortwahl zu geben und zu erläutern, wie Unternehmen durch verschiedene Modelle eine fundierte Standortentscheidung treffen können.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Arbeit verwendet eine theoretische Analyse auf Basis existierender wirtschaftswissenschaftlicher Literatur sowie die methodische Darstellung von Entscheidungsmodellen wie der Nutzwertanalyse.
Was bildet den Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung der Standortfaktoren, die Vorstellung quantitativer und qualitativer Modelle sowie eine umfassende Diskussion zur internationalen Standortwahl unter Globalisierungsaspekten.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Standortfaktoren, Globalisierung, Nutzwertanalyse, Wettbewerbsfähigkeit und Internationalisierung gekennzeichnet.
Wie unterscheidet sich die Nutzwertanalyse von quantitativen Modellen?
Während quantitative Modelle auf reinen mathematischen Berechnungen von Kosten und Erträgen basieren, erlaubt die Nutzwertanalyse die Berücksichtigung qualitativer Faktoren durch Gewichtung.
Welche Rolle spielt der Staat bei der Standortwahl?
Der Staat beeinflusst die Attraktivität eines Standorts durch regulatorische Rahmenbedingungen, Steuern, Subventionen sowie durch aktive Innovations- und Bildungspolitik.
Wie gehen Unternehmen mit dem Risiko einer internationalen Standortwahl um?
Unternehmen sollten vorab eine fundierte Risikoanalyse durchführen und bei hoher Unsicherheit in politisch instabilen Ländern einen Verbleib in sichereren Industrieländern abwägen.
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- Christian Röse (Author), 2009, Internationale Standortwahl von Industrieunternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170310