Da hat es die Kirche1 nun doch geschafft, dieses „mein“ Essaythema „Wie hält es die
moderne Gesellschaft nun mit Kirche und Religion“ (wieder) in den Mittelpunkt des
öffentlichen Interesses zu stellen. Damit hat mir die Kirche wohl keinen Gefallen erwiesen.
Scheint doch nun jede andere Auslegung, jede Einbringung von anderen Facetten, schwach
und unpassend.
In meinem Essay greife ich die Situation der Religion in der modernen Gesellschaft aus dem
Blickwinkel der Begriffe Religion und Kirche auf. Ich gehe in meinem Text der Frage nach,
ob die Einheit von Kirche und Religion gegeben ist und welche Motive gegebenenfalls eine
Trennung bewirkt haben könnten.
Ferner unterstelle ich, dass die aktuellen Geschehnisse, nämlich das allgemeine
Bekanntwerden von sexuellem Missbrauch in Einrichtungen der Katholischen Kirche, nicht
primärer Anlass für die Abwendung von der Institution Kirche ist. Ich behaupte, es bestand
vielfach längst eine Distanz zur Kirche, und meine nicht, dass die Abwendung von der Kirche
zwingend die Abwendung von der Religion zur Folge haben muss. Es ist mein Eindruck, dass
die aktuellen Ereignisse zurzeit die Bedeutung aller anderen Beweggründe wie Wertewandel,
Individualisierung.... marginal erscheinen lassen. Hier wird somit eine weitere Einschränkung
vorgenommen wie sie bereits durch die ausschließliche Deutung von statistischen Daten
(GottesdiestbesucherInnen, Zahl der Angehörigen von Religionsgemeinschaften, .....) erfolgt.
Wenn diese anderen Motive ausgeklammert werden, welche Kirchenferne schon lange vor
Bekanntwerden der jetzigen Ereignisse entstehen und geschehen ließen, halten die „neuen“
Ereignisse nun von einer Antwort ebenso oder ungleich mehr ab als die beanstandete
einseitige Auslegung von Zahlen und Fakten.
Im Folgenden will ich mich von den aktuellen Ereignissen also nicht bestimmen lassen,
sondern hinterfragen, was die moderne Gesellschaft nun letztlich vom Angebot der Kirche
(noch) annimmt?
Ich schließe den Text mit einem persönlichen Resümee.
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1 Mit dem Begriff Kirche beziehe ich mich in meinem Text auf die Mehrheitskirche in unserem Land.
Inhaltsverzeichnis
Worum geht es?
Kirche und Religion, kann eins nicht ohne das andere?
Ihre Trennung geben bekannt: Gründe des Rückzugs
Was bietet die Kirche nun der Gesellschaft noch?
Mein Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Kirche und Religion in der modernen Gesellschaft und geht der zentralen Forschungsfrage nach, ob eine untrennbare Einheit zwischen diesen beiden Begriffen besteht oder ob eine Entkoppelung stattgefunden hat, die den Stellenwert der Institution Kirche nachhaltig verändert.
- Die gesellschaftliche Entfremdung von der Institution Kirche
- Einflussfaktoren wie Individualisierung und Wertewandel
- Die Rolle der Kirche als Dienstleister versus Glaubensvermittler
- Statistische Entwicklungen der Kirchenbindung und Säkularisierung
- Die Verlagerung religiöser Bedürfnisse in andere Lebensbereiche
Auszug aus dem Buch
Ihre Trennung geben bekannt: Gründe des Rückzugs
Bereits alleine die im Anhang angeführte Literatur nennt zahlreiche Gründe für den Rückzug aus dieser Gemeinschaft. Die Motive liegen demnach in der Gesellschaft wie auch an der Institution Kirche selbst. Ich schlage vor, die Gründe, welche zum Rückgang der Kirchenbindung führen, zu betrachten. Das sind gesellschaftliche Modernisierung, Verstädterung, Verwissenschaftlichung, Bildungsexpansion,... (Kaelble 2007:124f). Luckmann klingt dann auch dementsprechend, wenn er nämlich meint, dass sich durch die einseitige Verortung der Religion in die Institution und nicht in das Individuum die moderne Religionssoziologie der Möglichkeit beraubt, die Frage zu beantworten ... „ob in der modernen Gesellschaft andere sozial objektivierte Sinnstrukturen als die der traditionellen institutionalisierten religiösen Dogmen die Funktion der Integration alltäglicher Routinen und der Legitimation ihrer Krisen erfüllen (Luckmann 1991: 61).
Meiner Beobachtung nach ist die Institution Kirche bei manchen Riten, wie zum Beispiel bei der Taufe und der Eheschließung, oftmals eher angefragt als „Unternehmen mit Tradition“, angefragt als „schöner“ Rahmen im Sinne der Erfahrung welches eine „Event“ bietet. Dies alles bezieht Religiosität nicht zwingend ein, macht die Institution zu einem Dienstleistungsunternehmen. Anscheinend verlagern sich religiöse Bedürfnisse, die herkömmlich von der Institution Kirche befriedigt wurden, auf andere Bereiche des Lebens und finden andere Ausdrucksformen.
Zusammenfassung der Kapitel
Worum geht es?: Die Autorin legt die Motivation für ihren Essay dar, beleuchtet das Spannungsfeld zwischen Kirche und moderner Gesellschaft und grenzt ihre Untersuchung von aktuellen Ereignissen ab.
Kirche und Religion, kann eins nicht ohne das andere?: Es wird theoretisch hinterfragt, ob Kirche und Religion zwingend eine Einheit bilden, wobei die Autorin die Auffassung vertritt, dass eine Trennung möglich und notwendig ist.
Ihre Trennung geben bekannt: Gründe des Rückzugs: Dieses Kapitel analysiert gesellschaftliche Ursachen wie Modernisierung und Individualisierung, die zur schwindenden Bindung an die kirchliche Institution geführt haben.
Was bietet die Kirche nun der Gesellschaft noch?: Die Frage nach dem aktuellen Angebot der Kirche wird gestellt, wobei die Konkurrenz durch neue Sinnanbieter und die Privatisierung religiöser Vorstellungen im Fokus stehen.
Mein Resümee: Die Autorin zieht das Fazit, dass die Distanz zur Kirche messbar ist und Religion zunehmend zur Privatangelegenheit wird, wobei die Einheit von Kirche und Religion in der modernen Lebenswelt nicht mehr gegeben scheint.
Schlüsselwörter
Kirche, Religion, moderne Gesellschaft, Säkularisierung, Individualisierung, Kirchenbindung, Institution, Wertewandel, Religionssoziologie, Privatangelegenheit, Sinnstiftung, Pluralisierung, Kirchenautritt, Religionsausübung, gesellschaftlicher Wandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das sich wandelnde Verhältnis zwischen der Institution Kirche und der modernen Gesellschaft vor dem Hintergrund abnehmender Kirchenbindung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen Säkularisierung, den Einfluss von Modernisierungsprozessen auf die Religion und die Frage nach dem Stellenwert der Kirche als Institution.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu analysieren, ob die begriffliche und praktische Einheit von Kirche und Religion in der heutigen Gesellschaft noch aufrechterhalten werden kann oder ob sie bereits entkoppelt ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt einen essayistischen Ansatz, der soziologische Theorien (unter anderem von Thomas Luckmann) mit Beobachtungen gesellschaftlicher Entwicklungen und Statistiken verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Gründe für den Rückzug aus der kirchlichen Gemeinschaft, die Rolle der Kirche als Dienstleistungsunternehmen und die Verlagerung religiöser Bedürfnisse in andere Lebensbereiche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Säkularisierung, Individualisierung, Kirchenbindung, Moderne und institutionelle Krise.
Inwiefern beeinflusst der Begriff der "Institution" die Argumentation?
Die Autorin argumentiert, dass die institutionelle Verortung der Religion heute oft als Stolperstein fungiert, da sie den Bedürfnissen des modernen Individuums nicht mehr gerecht wird.
Wie bewertet die Autorin die Bedeutung aktueller Skandale?
Die Autorin sieht in aktuellen Ereignissen wie dem Bekanntwerden von Missbrauchsfällen eher einen Verstärker einer bereits bestehenden Distanz als die alleinige Ursache für den Rückzug aus der Kirche.
Welche Rolle spielt die Individualisierung bei der Abkehr von der Kirche?
Die Individualisierung führt laut Autorin dazu, dass religiöse Bedürfnisse heute außerhalb der kirchlichen Dogmen befriedigt werden, was die Deutungsmacht der Kirche schwächt.
- Quote paper
- Irene Buchhart (Author), 2010, Wie hält es die moderne Gesellschaft mit Kirche und Religion?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170323