Die Arbeit untersucht, ob Mikrofinanzierung – insbesondere Mikrokredite – als wirksames Instrument zur Förderung wirtschaftlicher Entwicklung und Armutsreduzierung in ländlichen Gemeinden Afrikas betrachtet werden kann. Ausgangspunkt ist die weiterhin hohe Armut in der Subsahara-Zone sowie der eingeschränkte Zugang vieler Menschen zu formellen Finanzdienstleistungen. Auf Basis theoretischer Ansätze wie der Transaktionskostentheorie und der Theorie der Verfügungsrechte werden die Funktionsweise und ökonomische Bedeutung von Mikrofinanzierung analysiert.
Im weiteren Verlauf werden Chancen und Risiken von Mikrokrediten kritisch beleuchtet. Während sie unternehmerische Aktivitäten fördern und Einkommensmöglichkeiten verbessern können, bestehen zugleich Risiken wie Überschuldung oder institutionelle Schwächen. Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass Mikrofinanzierung kein sozioökonomisches Wundermittel ist, jedoch unter geeigneten Rahmenbedingungen einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten kann.
Inhaltsverzeichnis
- Abkürzungsverzeichnis
- Abbildungsverzeichnis
- Tabellenverzeichnis
- 1. Einleitung
- 1.1. Problemstellung und Zielsetzung
- 1.2. Gang der Untersuchung
- 2. Theoretische Grundlagen zur Mikrofinanzierung
- 2.1. Definition Mikrofinanzierung und finanzielle Inklusion
- 2.2. Transaktionskostentheorie
- 2.3. Theorie der Verfügungsrechte
- 3. Analyse der Einflussfaktoren für die Notwendigkeit von Mikrofinanzierung
- 3.1. Aktuelle Armutssituation und Zugang zu Finanzdienstleistungen in der Subsahara-Zone
- 3.2. Funktion und Funktionalität von Mikrofinanzierung am Beispiel des Mikrokredites
- 4. Chancen und Risiken von Mikrokrediten für Bedürftige in Afrika
- 4.1. Erfolgsfaktoren von Mikrokrediten
- 4.2. Herausforderungen und Grenzen von Mikrokreditinstituten
- 5. Fazit
- Literaturverzeichnis
- Anhang
Zielsetzung & Thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die Bedeutung von Mikrofinanzierung für die wirtschaftliche Selbstständigkeit armutsbetroffener Menschen in Afrika. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, inwiefern Mikrofinanzierungsprogramme, insbesondere Mikrokredite, einen positiven Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung und Armutsreduzierung in ländlichen Gemeinden Afrikas haben können, indem der Zugang zu Finanzdienstleistungen verbessert und finanzielle Bildung gefördert wird. Die Forschungsfrage lautet: Inwiefern können Mikrofinanzierungsmöglichkeiten helfen, Einschränkungen beim Zugang zu Finanzdienstleistungen zu überwinden und die Existenzsicherung in ländlichen Gemeinden in Afrika gezielt zu fördern?
- Rolle der Mikrofinanzierung und Mikrokredite in der Armutsbekämpfung
- Wirtschaftliche Entwicklung und Armutsreduzierung in ländlichen afrikanischen Gemeinden
- Bedeutung des Zugangs zu Finanzdienstleistungen und finanzieller Bildung
- Theoretische Grundlagen von Mikrofinanzierung (Transaktionskostentheorie, Theorie der Verfügungsrechte)
- Chancen, Risiken und Herausforderungen von Mikrokrediten
- Konzeption und politische Richtlinien zur Begünstigung von Mikrofinanzierungen
Auszug aus dem Buch
Definition Mikrofinanzierung und finanzielle Inklusion
„Mehr als zwei Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu offiziellen oder halb-for-malen Finanzierungsmöglichkeiten.“ Im September 2009 beschlossen die G20-Länder auf dem Pittsburgh Summit den Zugang zu finanziellen Dienstleistungen für einkommensschwache Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern zu unterstützen (vgl. Abbildung 1)9. Mikrofinanzierung konzentriert sich darauf, diesen Personen Finanzmittel bereitzustellen und den Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten zu erleichtern. Hingegen wird der Begriff der finanziellen Inklusion mit dem Begriff der finanziellen Bildung er-weitert. Dabei wird der Fokus auf die Vermittlung des nötigen Wissens zur effektiven Verwendung von finanziellen Ressourcen gelegt, „um fundierte Entscheidungen zu tref-fen ... und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um [das] .. finanzielles Wohlergehen zu verbessern". 10 Die Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen in Armut hängt dabei maßgeblich von ihrer Eigenverantwortung und aktiven Beteiligung an ihrer wirt-schaftlichen Entwicklung ab.¹1 Grundsätzlich kann finanzielle Inklusion als ein mehrdi-mensionales, anwendungsorientiertes Konzept verstanden werden, das alle sozio-ökononomischen Maßnahmen umfasst, welche die finanzielle Befähigung von einkommens-schwachen Menschen zur Existenzsicherung und Individualentwicklung fördert.12
Des Weiteren werden die Transaktionskostentheorie und die Theorie der Verfügungs-rechte betrachtet. Auf Basis dieser Theorien kann das Verhalten bei der (Mikro-)Kredit-vergabe sowie die Dynamik zwischen Kreditgebern und Kreditnehmern erläutert werden. Darüber hinaus bieten sie theoretische Grundlagen zur Erklärung für wirtschaftliches Handeln im Zusammenhang mit Mikrofinanzierungsoptionen.
Die Transaktionskostentheorie definiert „die Entwicklung theoretischer Erklärungsan-sätze von Transaktionskosten sowie die Entwicklung von geeigneten Institutionen zur Reduzierung dieser Kosten.“13 Transaktionen beschreiben dabei den vertraglich geregel-ten Austausch von Verfügungsrechten, der neben dem physischen Tausch von Gütern und Leistungen insbesondere den sozialen Beziehungen und deren zielgerichtetes Handeln eine bedeutende Rolle zuschreibt.14
Neben der Transaktionstheorie ist die Theorie der Verfügungsrechte („Property-Rights“) ein weiterer elementarer Bestandteil der neuen Institutionsökonomik. Der Begriff der Verfügungsrechte umfasst dabei die „ökonomisch, rechtlich, sozial oder institutionell festgelegten Handlungsrechte und -möglichkeiten von Wirtschaftssubjekten“16. Somit beschäftigt sich diese Theorie mit der Art und den Auswirkungen von Verfügungsrechten und den damit bezogenen Verfügungsmacht der einzelnen Wirtschaftssubjekte auf die gesamtwirtschaftliche Ordnung.
Die Ausgestaltung der Verfügungsrechte an Ressourcen können dabei je nach sozio-öko-nomischen Umwelt unterschiedlich ausgelegt werden.17 Es wird hierbei von verschiede-nen Arten von Verfügungsrechten differenziert, nämlich „eine Ressource zu nutzen, ihre Erträge einzubehalten, ihre Form und Substanz zu verändern und schließlich, die Res-source zu einvernehmlichen Konditionen anderen ganz oder teilweise zu überlas-sen. .“18 Durch positive und negative (finanzielle) Anreize wird das menschliche Handeln und folglich auch deren Individualentscheidungen – so koordiniert, dass der Eigennut-zen dessen sich entsprechend erhöht bzw. verringert. 19
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problemstellung der globalen Armut ein, definiert die Zielsetzung der Arbeit zur Rolle der Mikrofinanzierung in Afrika und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
2. Theoretische Grundlagen zur Mikrofinanzierung: Hier werden die Definition von Mikrofinanzierung und finanzieller Inklusion erläutert sowie die Transaktionskostentheorie und die Theorie der Verfügungsrechte als theoretische Fundamente dargelegt.
3. Analyse der Einflussfaktoren für die Notwendigkeit von Mikrofinanzierung: Dieses Kapitel befasst sich mit der aktuellen Armutssituation und dem Zugang zu Finanzdienstleistungen in der Subsahara-Zone und beschreibt die Funktion und Funktionalität von Mikrofinanzierung am Beispiel von Mikrokrediten.
4. Chancen und Risiken von Mikrokrediten für Bedürftige in Afrika: Es werden die Erfolgsfaktoren von Mikrokrediten sowie die Herausforderungen und Grenzen für Mikrofinanzinstitutionen in Afrika diskutiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Kernergebnisse der Arbeit zusammen, bewertet die Effektivität von Mikrofinanzierung als Instrument zur Armutsbekämpfung und gibt einen Ausblick auf die Relevanz für die Entwicklungspolitik.
Schlüsselwörter
Mikrofinanzierung, Mikrokredite, Armutsreduzierung, wirtschaftliche Entwicklung, ländliche Gemeinden, Afrika, Subsahara-Zone, Finanzielle Inklusion, Transaktionskostentheorie, Theorie der Verfügungsrechte, Nachhaltige Entwicklung, SDGs, Existenzsicherung, Kleinunternehmen, Entwicklungspolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich grundsätzlich mit der Frage, inwiefern Mikrofinanzierung, insbesondere Mikrokredite, zur wirtschaftlichen Entwicklung und Armutsreduzierung in ländlichen Gemeinden Afrikas beitragen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Mikrofinanzierung als Instrument der Armutsbekämpfung, die wirtschaftliche Selbstständigkeit, der Zugang zu Finanzdienstleistungen, finanzielle Bildung, sowie theoretische Grundlagen wie die Transaktionskostentheorie und die Theorie der Verfügungsrechte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, den Einfluss von Mikrofinanzierungsprogrammen auf die wirtschaftliche Entwicklung und Armutsreduzierung in ländlichen Gebieten Afrikas zu analysieren. Die Forschungsfrage lautet, wie Mikrofinanzierungsmöglichkeiten helfen können, Einschränkungen beim Zugang zu Finanzdienstleistungen zu überwinden und die Existenzsicherung zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die angewandte Methodik basiert auf einer literaturorientierten Arbeitsweise, die bestehende Forschung und Theorien analysiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Mikrofinanzierung, die Analyse der Einflussfaktoren für ihre Notwendigkeit, einschließlich der Armutssituation in der Subsahara-Zone, und die Chancen sowie Risiken von Mikrokrediten für Bedürftige in Afrika.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Mikrofinanzierung, Mikrokredite, Armutsreduzierung, wirtschaftliche Entwicklung, Afrika, Finanzielle Inklusion und Nachhaltige Entwicklung charakterisiert.
Wie funktioniert die Vergabe von Mikrokrediten im Modell der Mikrofinanzierung typischerweise?
Im Modell der Mikrofinanzierung, wie beispielsweise bei Opportunity International, werden Mikrokredite in der Regel an soziale Gruppen von 15-30 Kreditnehmern vergeben, wobei die Gruppenmitglieder füreinander bürgen. Dies überwindet fehlende Sicherheiten und reduziert Verwaltungskosten.
Welche spezifischen Herausforderungen und Grenzen sehen Mikrofinanzinstitutionen?
Mikrofinanzinstitutionen stehen vor Herausforderungen wie hohen Transaktionskosten, unflexiblen Rückzahlungsmodalitäten und langen Vergabefristen. Zudem kann es zu Überschuldung kommen, da Kredite oft auch für Konsumzwecke ohne Ertragsfolgen genutzt werden und es an einer Steuerung in investive Tätigkeiten fehlt.
Inwiefern beeinflusst die Armutssituation in der Subsahara-Zone die Notwendigkeit von Mikrofinanzierung?
Die Subsahara-Zone ist durch eine hohe Quote extremer Armut gekennzeichnet und weist im Vergleich zu Deutschland signifikant niedrigere Werte beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) und Human Development Index (HDI) auf, was den dringenden Bedarf an alternativen Finanzierungsmöglichkeiten wie der Mikrofinanzierung unterstreicht.
Gibt es Kritikpunkte an der Effektivität von Mikrokrediten zur Armutsreduzierung?
Ja, die empirische Belegbarkeit eines direkten Einflusses der Mikrofinanzierung auf die Armutsbekämpfung ist aufgrund komplexer Messbarkeit und vielfältiger Einflussfaktoren schwer nachzuvollziehen. Studien zeigen oft nur bescheidene Auswirkungen auf den Lebensunterhalt, und es besteht das Risiko, dass Mikrokredite zu längerfristiger Verschuldung statt zu nachhaltiger Verbesserung führen können.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2024, Mikrofinanzierung – Sozioökonomisches Wundermittel? Wie Mikrokredite die wirtschaftliche Entwicklung und die Armutsreduzierung in ländlichen Gemeinden in Afrika beeinflusst, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1703705