Frauen haben schon immer mit gesellschaftlichen Erwartungen zu kämpfen, die entweder direkt oder indirekt an sie gerichtet werden. Jahrhundertelange systematische Unterdrückung und patriarchale Strukturen führten zu einem misogynen Weltbild, welches sich unter anderem in der Abtreibungsdebatte und dem damit einhergehenden Umgang der in Deutschland eingeführten Pflichtberatung widerspiegelt. Lange Zeit wurde die Abtreibung – also der vorzeitige künstlich herbeigeführte Abbruch einer Schwangerschaft – sowohl gesellschaftlich als auch juristisch geahndet. Seit der Antike wird politisch aber auch wissenschaftlich debattiert, inwiefern Schwangerschaftsabbrüche zulässig sind. Dabei stehen auf der einen Seite die Gegner:innen, die unter anderem oft mit religiösen und ethischen Argumenten gegen die Abtreibung und für ein Recht auf das Leben des Fötus argumentieren und auf der anderen Seite Befürworter:innen, die mit dem Selbstbestimmungsrecht der Frau für ein Recht auf Abtreibung argumentieren.
Das Thema Schwangerschaftsabbrüche zu behandeln, ohne auf die wohl umstrittenste und dazu noch längste Debatte einzugehen, die jemals im Deutschen Bundestag geführt worden ist, wäre inadäquat. Obwohl diese Arbeit nicht die Absicht verfolgt, die Abtreibungsdebatte zu thematisieren und wissenschaftlich zu erörtern, das Thema aber dennoch angerissen wird, erscheint es sinnvoll und wichtig, sich vorab zu positionieren. Da Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland bis heute nicht legalisiert sind, wird die Frau weiterhin entmündigt und dazu verpflichtet, ihr Recht auf Selbstbestimmung dem Lebensrecht des Embryos unterzuordnen. Somit wird der weibliche Körper durch ein Abtreibungsverbot zum Gegenstand der Politik gemacht und muss sich dieser unterwerfen.
Nach Abwägung verschiedenster Argumente wird sich durch den zeitlich begrenzten Rahmen dieser Arbeit – ohne die Debatte weiter auszuführen – grundsätzlich für die Abtreibung und damit für ein Recht auf Selbstbestimmung der Frau positioniert.
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- Lilli Messer (Author), 2023, Schwangerschaftskonfliktberatung und daraus resultierende Herausforderungen für Berater:innen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1703780