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Overtourism Barcelona

Eine Analyse des Massentourismus am Mittelmeer

Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit analysiert den Massentourismus in Barcelona. Der Autor geht auf die Herausforderungen ein und liefert konkrete Lösungsvorschläge für Touristen, die Stadt und Hotellerie.

Der Fokus wird auf den Ursachen, Auswirkungen und auf den verschiedenen Ansätzen, die zur Bewältigung dieser Problematik führen können, liegen.
Mit dieser Ausgangssituation lässt sich folgende Forschungsfrage aufstellen: Wie können die Herausforderungen des Massentourismus in Barcelona erfolgreich bewältigt werden und welche Auswirkungen hat er auf die Hotellerie?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Gender-Hinweis

1 Einleitung

2 Theoretische Fundierung
2.1 Definitionen
2.2 aktueller Forschungsstand

3 Forschungsmethodik

4 Analyse der Forschungsergebnisse
4.1 Barcelona als touristisches Ziel
4.2 historische Entwicklung Barcelonas
4.3 Motel One Barcelona
4.4 Nachteile von Massentourismus
4.5 Vorteile von Massentourismus
4.6 weitere Auswirkungen von Massentourismus

5 Handlungsempfehlungen
5.1 Verbesserungsvorschläge aus Touristensicht
5.2 Verbesserungsvorschläge aus Destinationssicht
5.3 nachhaltige Tourismuskonzepte

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Barcelona, die pulsierende spanische Metropole am Mittelmeer, zieht jedes Jahr Millionen von Touristen aus aller Welt an (Barcelona.de, 2017). Doch hinter den historischen und prunkvollen Sehenswürdigkeiten der gotischen Architektur verbirgt sich eine komplexe Realität. Diese Realität heißt Massentourismus.

In den letzten Jahrzehnten hat sich Barcelona zu einem Hotspot für Reisende entwickelt, die von der diversen Kultur, dem milden Klima und den Stränden angezogen werden. 2017 leben 1,61 Millionen Menschen in der Stadt Barcelona. Bei einer Größe von 102,15 Quadratkilometern sind das 15.748 Einwohner pro Quadratkilometer. Dies ist einer der höchsten Einwohnerdichten in ganz Europa. Hinzu kommen fast 6 Millionen Besucher aus dem Ausland (Barcelona.de, 2017).

Doch während die Tourismusindustrie einen hohen ökonomischen Umsatz generiert, haben auch Probleme wie überfüllte Straßen, steigende Mieten und Umweltverschmutzung stark zugenommen (WWF, 2023). Diese Entwicklung wirft wichtige Fragen auf, wie Barcelona mit den Herausforderungen des Massentourismus umgeht und welche Auswirkungen er auf die lokale Bevölkerung und die urbane Landschaft hat.

In dieser Projektarbeit wird ein genauerer Blick auf den Massentourismus in Barcelona geworfen. Der Fokus wird auf den Ursachen, Auswirkungen und auf den verschiedenen Ansätzen, die zur Bewältigung dieser Problematik führen können, liegen.

Mit dieser Ausgangssituation lässt sich folgende Forschungsfrage aufstellen: Wie können die Herausforderungen des Massentourismus in Barcelona erfolgreich bewältigt werden und welche Auswirkungen hat er auf die Hotellerie?

Diese Forschungsfrage wird in dieser Projektarbeit näher konsideriert. Das Ziel der Arbeit ist es Lösungsansätze zu formulieren, wie die Tourismusbranche und die Stadt Barcelona einen besseren Umgang mit dem Massentourismus erzielen können.

2 Theoretische Fundierung

2.1 Definitionen

Der erste wissenschaftlich zu definierende Begriff ist das Thema der Arbeit, Massentourismus. Massentourismus oder auch harter Tourismus bezeichnet ein immens hohes Tourismusaufkommen und die dadurch entstehenden Folgen. Erstmalig konnte Massentourismus in Deutschland durch den Alpentourismus aufgezeichnet werden. Aber auch in spanischen Metropolregionen wie auf Mallorca oder in Barcelona gibt es „Tourismus als Massenerscheinung“ (Lexikon der Nachhaltigkeit, 2015).

Eine Metropolregion ist ein Standort, der durch sehr viele Einwohner und Touristen gekennzeichnet wird. Außerdem sind Metropolregionen in den meisten Fällen ein ökonomisches Zentrum eines Landes, bspw. durch Messen, Firmenhauptsitze oder wie Mallorca und Barcelona - durch Massentourismus. Diese Regionen sorgen für internationalen Kultur- und Wirtschaftsaustausch und für Innovationen (Haas, n.d.).

Ein weiteres Merkmal von Metropolregionen und eine Auswirkung von Massentourismus ist die Gentrifizierung. Der Veränderungsprozess Gentrifizierung bedeutet, dass das Leben und Immobilien in innerstädtischen Wohnvierteln attraktiver und beliebter - folglich auch teurer - werden. Touristen halten sich in den meisten Fällen im Stadtzentrum auf und suchen daher dort auch nach Unterkünften (Kronauer, 2018). Welche weiteren Auswirkungen Gentrifizierung hat, werden im Hauptteil der Projektarbeit ausgeführt.

Um die negativen Auswirkungen von Massentourismus möglichst gering zu halten, bedarf es für Städte und Regionen ein erfolgreiches Destinationsmanagement. Hierbei handelt es sich um die strategische Tourismusplanung, wie sich ein Standort strukturieren sollte, um nachhaltig marktfähig zu bleiben (Scherhag, n.d.).

Die Kapazitätenplanung ist ein Teil des Destinationsmanagements. Hierbei planen Destinationen, wieviel Kapazitäten sie aufnehmen können und wie sie mit einer voraussichtlichen Tourismusnachfrage umzugehen haben (Voigt, n.d.). Weitere Inhalte des Destinationsmanagements sind nachhaltige Tourismuskonzepte. Diese werden im Verlauf der Arbeit, vor allem bei den Verbesserungsvorschlägen erklärt und auf Barcelona angewendet.

2.2 aktueller Forschungsstand

Insgesamt ist der aktuelle Forschungsstand zum Massentourismus durch viele Untersuchungen, hinsichtlich Geographie, Wirtschaftswissenschaften, Soziologie, Umweltwissenschaften und Politikwissenschaften, sehr weit vorangeschritten.

Es wird erwartet, dass zukünftige Forschung weiterhin innovative Ansätze zur Bewältigung der Herausforderungen des Massentourismus hervorbringen wird, um eine nachhaltige und ausgewogene Entwicklung des Tourismussektors zu fördern. Die Forschung legt den Fokus auf den Trend der nachhaltigen und verantwortungsvollen Entwicklung, damit der Tourismussektor umweltfreundlicher und sozial verantwortlicher ist. Luftverschmutzung, Müllentsorgung, Übernutzung von natürlichen Ressourcen und die Bedrohung empfindlicher Ökosysteme stellen die Hauptherausforderungen dabei dar (DGVN, 2017).

Außerdem versucht die Politik mittels Destinationsmanagement und Kapazitätenmanagement den Tourismus strategisch zu lenken. Dies erfolgt durch bspw. die verstärkte Förderung von Nebensaisons oder eine Unterkünftenregulierung (Peeters, 2018).

Ein weiterer wichtiger Faktor, der erforscht wird und weiter erforscht werden muss, sind die soziokulturellen Auswirkungen. Soziale Konflikte müssen verantwortungsvoll gelöst werden und die Herausforderung der Gentrifizierung muss detailliert in Betracht gezogen werden. Forscher untersuchen die sozioökonomischen Auswirkungen des Massentourismus auf die Bewohner Barcelonas, einschließlich Themen wie steigende Mieten, Verdrängung, Arbeitsplatzschaffung und Einkommensungleichheiten (Kronauer, 2018).

Zusammenfassend ist der aktuelle Forschungsstand, dass der Massentourismus in Barcelona ein komplexes und vielseitiges Thema ist, welches eine interdisziplinäre Herangehensweise erfordert. Die Forschung trägt dazu bei, ein besseres Verständnis der Auswirkungen des Massentourismus zu gewinnen und geeignete Strategien zur nachhaltigen Entwicklung des Tourismussektors in Barcelona zu identifizieren (Cantone, 2018).

Mit diesem Forschungsstand wird in dieser Projektarbeit aktiv an weiterer Primärforschung gearbeitet, um ein noch besseres Verständnis von Massentourismus zu bekommen.

3 Forschungsmethodik

Für diese wissenschaftliche Arbeit wurde die Literatur- sowie die Internetrecherche als Forschungsmethode verwendet. Die Literaturrecherche berücksichtigt wissenschaftlich ausgewählte Quellen aus der Online-Bibliothek der IU Library. Aufgrund der ständigen und schnellen Aktualisierung werden ebenfalls seriöse Internetquellen verwendet. Außerdem werden interne Quellen des IU Praxispartners Motel One verwendet; insbesondere Informationen zum Motel One Barcelona. Die Literatur und die errungenen Informationen werden in der Projektarbeit vom Autor ausgewertet und interpretiert.

Die Vorgehensweise der Projektarbeit beginnt mit der Einleitung und der Vorstellung der Metropolregion Barcelona. In der theoretischen Fundierung werden alle wichtigen Begriffe für das wissenschaftliche Verständnis zum Thema Massentourismus erklärt.

Nachdem dem Leser die wichtigsten Begriffe in der theoretischen Fundierung wissenschaftlich erläutert werden, werden mit diesem Wissen die Forschungsergebnisse präsentiert.

Des Weiteren wird eine Umfrage für die Mitarbeiter des Motel One Barcelona erstellt. Die Umfrage wird in der Arbeit ausgewertet und gedeutet und zählt damit zur Primärforschung. Da detailliert und individuell auf das Thema eingegangen wird und gleichzeitig für das bessere Verständnis einige Beispiele angeführt werden, ist die Forschungsmethodik sowohl quantitativ als auch qualitativ. Um zu einer tiefgründigen, wissenschaftlichen Forschung zu gelangen, wird sowohl dynamisch als auch statistisch geforscht. Bereits getätigte Fremdaussagen werden in der Forschung untersucht und neue Aussagen werden in der Handlungsempfehlung getätigt.

Aus der Sicht der Innenperspektive des Autors werden Vorschläge getätigt, wie die Tourismusbranche einen besseren Umgang mit Massentourismus erzielen kann.

Um die Forschungsergebnisse und Handlungsempfehlungen zusammenzufassen und die Projektarbeit auszuleiten, wird resümierend ein Fazit gezogen.

4 Analyse der Forschungsergebnisse

4.1 Barcelona als touristisches Ziel

Barcelona ist eines der begehrtesten Urlaubsdestinationen weltweit. In diesem Abschnitt wird analysiert, was Barcelona als touristisches Ziel ausmacht. Im Vordergrund der Stadt steht die Kultur und Geschichte durch traditionelle Feste wie La Merce oder das bekannte Picasso-Museum. Besonders bekannt sind die Kunst und Architektur von Antoni Gaudi, dessen Werke Touristen über die ganze Stadt bewundern können. Als berühmteste Beispiele dienen die Sagrada Familia, das Casa Batllo oder der Park Güell (Barcelona.de, n.d.).

Die Lage Barcelonas spricht in jedem Punkt für eine erfolgreiche Tourismusdestination. Es gibt Stadtstrände wie La Barceloneta, an denen Touristen das mediterrane Klima genießen können. Zudem besitzt Barcelona einen großen, zentralangebundenen Hafen und auch der Flughafen und die öffentlichen Verkehrsmittel ermöglichen ein flexibles Reisen mit moderner Anbindung (Barcelona.de, n.d.).

Der letzte zu betrachtende Reisegrund, der für Barcelona spricht, ist das Freizeitangebot. Neben Einkaufsmöglichkeiten wie auf der bekannten Einkaufsstraße La Rambla oder dem pulsierenden Nachtleben der Stadt, ist einer der erfolgreichsten Fußballclubs der Welt - der FC Barcelona ein fundamentaler Teil der Stadt, der an ausgebuchten Spieltagen fast 100.000 Menschen aus der ganzen Welt empfangen kann. Das Stadion ist ebenso das meistbesuchte Stadion Europas (t-online, n.d.).

Eine Stadt gilt als touristische Destination, wenn sie durch ihr kulturelles Angebot inklusive Gastronomie, Infrastruktur, Attraktionen und einem politisch erarbeiteten Tourismuskonzepts die genannten Kriterien erfüllt und die Stadt somit als ein attraktives Reiseziel für Touristen etabliert (Kagermeier & Freytag, 2008, S.13-21). Folglich ist Barcelona unter Berücksichtigung aller Punkte als eine touristische Destination zu betrachten.

4.2 historische Entwicklung Barcelonas

Nach der römischen Gründung Barcelonas, entwickelte die Stadt sich zu einer wichtigen Handelsstadt. Die Größe der Stadt nahm immer weiter zu, ausschlaggebend dafür war vor allem die Industrialisierung und die Modernismus-Bewegung „Modernisme“ im 19. Jahrhundert (Benn, 2017).

Durch die Industrialisierung erweiterte sich der Ausbau der Infrastruktur erheblich, welches den Tourismus für die Modernisme-Bewegung deutlich leichter machte. Die Modernisme-

Bewegung beschreibt die Kunstbewegung, welche von Antoni Guadí angeführt wurde. In dieser Bewegung entstanden all seine uns heuten bekannten Kunst- und Architekturkreationen, die noch heute Touristen aus der ganzen Welt nach Barcelona führen (Benn, 2017).

Durch den zweiten Weltkrieg und die Franco-Diktatur war der Tourismus in der Zeit von 1939-1975 sehr stark eingeschränkt, denn „Tourismus galt und gilt noch heute als unpolitisch und privat. Doch Tourismus und Politik funktionieren nicht unabhängig voneinander“ (Hertel, 2017). Erst die Olympischen Spiele 1992 wendeten Barcelona wieder von einer verschlossenen zu einer vom Massentourismus ergreifenden Stadt. Durch die Olympischen Spiele wurde Barcelona inklusive Infrastruktur und internationalem Image modernisiert und für Touristen noch interessanter (Welz, 2022). Weitere Attraktionen wie das Fußballstadion Camp Nou oder die Einkaufsstraße La Rambla ziehen seitdem ebenfalls circa 6 Millionen Touristen jährlich in die katalonische Metropole (Barcelona.de, 2017).

4.3 Motel One Barcelona

Um einen Bezug zum Praxispartner der IU herzustellen und um an weitere Primärforschung bezüglich Massentourismus zu gelangen, wird im Folgenden das Motel One Hotel in Barcelona untersucht.

Das Motel One Barcelona-Ciutadella ist unmittelbar neben dem Parc de la Ciutadella und 10 Minuten fußläufig zur Innenstadt und Einkaufsstraße La Rambla entfernt (Motel One, n.d.).

Das Motel One Barcelona hat mit 301 Zimmern eine mittelmäßig hohe Kapazität im Vergleich zu den anderen Motel One Hotels (interne Quelle, 2024). Die Auslastung wurde für Mai 2024 analysiert. Insgesamt wurden im Mai 9112 Zimmer verkauft, was eine durchschnittliche Auslastung von 98% bedeutet (interne Quelle, 2024).

Abb. 1: Hausstatus Motel One Barcelona-Ciutadella im Mai 2024

Diese Abbildung wurde aus urheberrechtlichen Gründen durch die Redaktion entfernt.

Dies bestätigt die Hotelnachfrage und das hohe Tourismusaufkommen in Barcelona. Mit dieser Ausgangssituation wurde eine Umfrage für die Mitarbeiter des Motel One Barcelonas erstellt, um ihre Erfahrung und ihr Empfinden hinsichtlich des Massentourismus zu teilen.

Alle Teilnehmenden bemerken Massentourismus als tägliches Phänomen. Aus der beruflichen Sicht des Hotels empfinden die Mitarbeiter des Motel One Barcelonas den Massentourismus als positiv, da er für hohe Umsätze und eine hohe Auslastungsquote sorgt. Aus privater Sicht sind die Mitarbeiter der Meinung, dass der Massentourismus in Barcelona mehr Nachteile als Vorteile für sie hat (Jans, 2024).

Durch die Umfrage wird deutlich, dass obwohl die Mitarbeiter in der Tourismusbranche arbeiten, weniger Tourismus fordern. Dies soll deren Meinung nach durch erhöhten Tourismusabgaben und erhöhten Steuern für ausländische Großkonzerne erreicht werden (Jans, 2024).

Ein Teil der Umfrage enthält ein Textfeld, bei dem die Mitarbeiter die Konsequenzen von Massentourismus, die sie am meisten merken, nennen können, unabhängig ob sie positiv oder negativ sind. Die allgemeine Überfüllung der Stadt und vor allem in den öffentlichen Verkehrsmitteln, die Umwelt- und Luftverschmutzung und die verstärkte Inflation sind die negativen Effekte, die die Mitarbeiter am ehesten bemerken. Die Generierung von Arbeitsplätzen, die verstärkte kommerzielle Aktivitäten und Geld durch den Tourismussektor sind die positiven Effekte, die die Mitarbeiter am ehesten bemerken (Jans, 2024).

Bei der Auswertung wurde festgestellt, dass sowohl drei negative als auch drei positive Aspekte genannt werden. Dies zeigt nochmals, dass der Massentourismus nicht nur einseitig zu betrachten ist, sondern sowohl Vorteile als auch Nachteile besitzt.

4.4 Nachteile von Massentourismus

Einige Nachteile konnten schon im Verlauf der Projektarbeit und zuletzt bei der Auswertung der Umfrage erwähnt werden. In diesem Abschnitt wird detaillierter auf die Problematik von Massentourismus eingegangen. Hierbei werden die Nachteile aus ökonomischer, sozialer und ökologischer Perspektive betrachtet.

Touristen weltweit wollen und können immer mehr reisen. Die Hauptursachen dafür sind eine immer bessere Infrastruktur und Billigflüge. Auch Social Media lässt das Tourismusaufkommen einer Stadt steigen (Honey & Frenkiel, 2021, S.17-20).

Das erhöhte Flugaufkommen und die generelle An- und Abreise der Touristen sorgt für einen erhöhten CO2 Ausstoß und verschmutzt die Luft mit Abgasen. Zudem ist die Müllproduktion mit mehr Menschen in der Stadt erheblich höher. Wenn das erhöhte Müllaufkommen nicht rechtzeitig entsorgt wird, hat der Müll auch einen Einfluss auf die Luftqualität. Die ökologischen Folgen von Massentourismus setzen Treibhausgase frei, die wiederum zur Erderwärmung und den negativen Folgen des Klimawandels beitragen (Steinhauser & Heinemann, 2022, S.141-143). Vor allem werden Treibhausgase durch die An- und Abreise mit dem Flugzeug freigesetzt, wie die nachfolgende Statistik zeigt:

Abb. 2: Treibhausgase beim Reisen nach Verkehrsmittel

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Quelle: klimaschutz-frankfurt.de

Die sozialen Nachteile von Massentourismus sind nicht nur der Lärm, der durch einem dichten Touristenaufkommen entsteht, sondern auch die Überfüllung. Die Überfüllung von öffentlichen Plätzen, Infrastrukturen, aber auch Unterkünften. Folglich werden Mieten immer teurer. Dies senkt die Lebensqualität der Einheimischen, die häufig dadurch benachteiligt werden und teilweise sogar aus ihren eigenen Wohnungen aufgrund von zu hohen Mietpreisen vertrieben werden (Honey & Frenkiel, 2021, S.41-42).

Eine weitere soziale Konsequenz, die aus den Nachteilen des Massentourismus entsteht, ist eine gewisse Rivalität zwischen Touristen und Einheimischen. Diese Rivalität ist besonders in Barcelona bemerkbar. Dort protestieren Einheimische regelmäßig gegen Massentourismus und fordern gegenüber der Politik strengere Regeln hinsichtlich bspw. einer Mietpreisbremse und eine allgemein bessere Tourismuspolitik (tagesschau, 2024).

„Insgesamt kamen 2018 knapp 16 Millionen Besucher in die Stadt, deren Bevölkerung gerade einmal 1,6 Millionen beträgt“ (Osusky, 2019). Durch das hohe Tourismusaufkommen bestätigt der spanische Wirtschaftsverband CEOE eine regelrechte Tourismus-Feindlichkeit in Spanien, appelliert aber auch an alle Spanier, dass sie vom Tourismus abhängig seien und ihn brauchen. Spanien müsse einen Mittelweg finden, sich auf beides zu einigen und verantwortungsvoll mit Tourismus umgehen (Müller, 2024).

Abb. 3: Foto einer Massentourismus kritischen Wand in Barcelona

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Quelle: kurier.at

Wie der nachhaltige Umgang mit Tourismus aussehen könnte, wird in den Handlungsempfehlungen illustriert.

Aus ökonomischer Sicht überwiegen die Vorteile. Jedoch kann Massentourismus zu einer wirtschaftlichen Bedrohung für lokale Kleinunternehmen werden. Siedeln sich vermehrt finanziell stark aufgestellte internationale Großunternehmen an, kann es passieren, dass die lokalen Unternehmen nicht konkurrenzfähig sind und bankrott gehen (Haertel, n.d.). Ein Großunternehmen und Franchise wie Starbucks ist eine Anlaufstelle für Menschen auf der ganzen Welt, die genau wissen was sie erwartet, außerdem haben diese Firmen mehr Liquidität für die aufgrund des Massentourismus steigenden Mietkosten (Dopfer, 2007, S.2733).

4.5 Vorteile von Massentourismus

Massentourismus muss jedoch nicht immer etwas Schlechtes heißen. In der Regel tritt er sowohl mit Vor- als auch mit Nachteilen auf. In diesem Abschnitt wird der Fokus auf die Betrachtung der Vorteile von Massentourismus liegen.

Die meisten Vorteile schafft Massentourismus ökonomisch. So werden viele neue Arbeitsplätze beispielsweise für Hotels, Bars, Restaurants und Fluggesellschaften benötigt (Jäggi, 2021, S.31-52). „Der Tourismus ist ein mächtiger Wirtschaftsfaktor. Zehn bis zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts und etwa 13 Prozent der Jobs generiert die Branche.“ (Osusky, 2019).

Durch das erhöhte Menschenaufkommen und Geldeinnahmen der Stadt wird der Ausbau der Infrastruktur, darunter die Straßen, der ÖPNV, Supermärkte und insbesondere Flughäfen und Freizeitangebote gefördert (Jäggi, 2021, S. 31-52).

Sozial betrachtet, kommt es bei Massentourismus zu einem erheblichen Austausch von zahlreichen Kulturen. Ist das Tourismusaufkommen besonders hoch von einer ausländischen Kultur, so kann die Destination sogar Teile der Kultur in ihre eigene Aufnehmen. Oder aber die Touristen nehmen die Kulturimpressionen aus ihrem Urlaub mit nach Hause (Horn, 2002). Der Kulturaustausch ist beispielsweise auf Mallorca oder in Düsseldorf erkennbar. Auf Mallorca gibt es viele deutsche Restaurants und Bars und zahlreiche Deutsche besuchen regelmäßig die spanische Insel. „Auf Mallorca lebten im Jahr 2023 (...) 18.607 Deutsche“ (Giebel, 2024).

In Düsseldorf hat sich durch den Tourismus die japanische Kultur auf die Stadt abgefärbt. So gibt es ein japanisches Viertel nicht nur mit vielen Restaurants, sondern auch mit Schulen oder Kulturzentren und seit 2002 wird annuell der Japan-Tag dort gefeiert (Japan-Tag.de, n.d.). Der Japan-Tag vereint deutsche mit japanischer Kultur und gilt als „eines der größten japanischen Kultur- und Begegnungsfeste Europas“ (Japan-Tag.de, n.d.).

4.6 weitere Auswirkungen von Massentourismus

Neben den Auswirkungen, die durch die Vor- und Nachteile von Massentourismus entstehen, gibt es ebenfalls totale Veränderungen der Stadt- und Landentwicklung, die auf die Entstehungsgeschichte des Massentourismus zurückzuführen sind.

Der Massentourismus in Spanien begann in den 1960er Jahren. Nach dem zweiten Weltkrieg hatten sich alle Länder finanziell und politisch regeneriert und durch den Ausbau von Eisenbahnen wurde ein einfaches Reisen ermöglicht (Linhuber & Schreder, 2003, S.2).

Wie bei den sozialen Nachteilen bereits aufgegriffen wurde, ist es auch schon in den 1960er Jahren zu Konflikten zwischen Touristen und Einheimischen gekommen. Damals war es überwiegend aufgrund der Einkommensunterschiede zwischen wohlhabenden nord- und westeuropäischen Touristen und deutlich ärmeren südeuropäischen Bürgern. Es handelte sich um „ein Nebeneinander statt eines Miteinanders“ (Linhuber & Schreder, 2003, S.3.), welches heute zum Großteil noch bemerkbar ist.

Am deutlichsten merkt ein Land aber den Tourismusanstieg bei dem Verlust der natürlichen Ressourcen. Nicht nur werden Felder für Hotelanlagen und Freizeitresorts freigegeben, sondern insbesondere der Wasserkonsum steigt so stark an, dass es in trockenen Regionen durch Massentourismus nicht ausreichend Wasser für Einheimische mehr gibt (Linhuber & Schreder, 2003, S. 5-7)

5 Handlungsempfehlungen

Massentourismus braucht einen verantwortungsvollen Umgang, damit die negativen Auswirkungen so gering wie möglich gehalten werden. In diesem Teil der Arbeit werden Handlungsempfehlungen geschildert, wie Barcelona und andere Destinationen nachhaltiger und bewusster Touristen empfangen können.

5.1 Verbesserungsvorschläge aus Touristensicht

Häufig zweifeln einzelne Personen daran, alleine einen Unterschied ausmachen zu können (Kochan & Lin, 2023). Aufgrund dieser Zweifel wird, bevor die Empfehlungen für Destinationen und Politik illustriert werden, die Frage gestellt: Was kann ein individueller Tourist machen, um verantwortungsvoller zu reisen?

Statt auf internationale Großunternehmen zurückzugreifen, bietet es sich an, lokale Unternehmen zu unterstützen und sich mehr auf die einheimische Kultur einzulassen. So wird nicht nur die nationale Wirtschaft gestärkt und die Kultur beibehalten, sondern Touristen erweitern auch ihr Wissen über das Land oder die Region, in der sie sich gerade befinden (letsact.de, 2023). Im Abschnitt davor wird davon geschrieben, dass der soziale und kulturelle Austausch einer der Hauptvorteile von Massentourismus ist. Bleibt dieser ungenutzt, wird er zum Nachteil von sowohl Touristen als auch Einheimischen. Außerdem haben lokale Firmen meist aufgrund regionaler Produktion einen geringeren CO2 Ausstoß als Firmen, die ihr gesamtes Sortiment aus dem Ausland anliefern lassen (letsact.de, 2023).

Um den Massentourismus entgegenzuwirken und Destinationen zu unterstützen, die sogar mehr Tourismus bräuchten oder wollen, können Touristen die Maßnahme treffen, weniger besuchte Reiseziele auszuwählen. So wird der Gesamttourismus besser verteilt und es können neue Destinationen entdeckt werden, zu denen Urlauber sonst wohlmöglich nicht gereist wären (European Travel Commission, 2023).

Die größte Ursache, weshalb ein Urlaub nicht nachhaltig ist, ist die Transportoption, die ausgewählt wird. Die Anreise mit dem Bus oder mit dem Zug ist folglich nachhaltiger als mit dem Flugzeug (Klimaschutz Frankfurt, n.d.). Auch verlängerte Aufenthalte, statt eine Anreihung an Kurzurlauben lässt einen Urlaub nachhaltiger werden (European Travel Commission, 2023).

5.2 Verbesserungsvorschläge aus Destinationssicht

Touristen können den größten Teil selbst dazu beitragen, nachhaltig zu reisen. Häufig fehlt ihnen aber diese Einstellung, sodass Verbesserungsvorschläge aus Touristensicht nicht beachtet werden. In diesem Fall müssen Destinationen den Massentourismus kontrollieren und nachhaltigen Tourismus stärken (Honey & Frenkiel, 2021, S.31-34).

Tourismusgebühren ist eine mögliche Maßnahme zur Tourismusregulierung. Städte können davon Gebrauch machen, dass bei einer Hotelübernachtung ein Steueraufschlag gezahlt wird, oder auch bei ähnlichen Übernachtungsalternativen wie Airbnb (Honey & Frenkiel, 2021, S.31). Zudem können Destinationen eine Bettenregulierung einführen und somit das Angebot verkleinern. Dies kann bspw. durch eine Maximalanzahl an Betten für Hotels oder durch keine weiteren Vergebungen von Lizenzen für private Ferienwohnungen wie Airbnb erfolgen (Osusky, 2019).

Ebenfalls sei eine effektive Zusammenarbeit zwischen Öffentlichkeitsarbeit und privaten Organisationen von hoher Bedeutung. Barcelona strebt diese Art der Zusammenarbeit bereits stark an, denn die Stadt hat einen detaillierten Destinationsmanagementplan designt, um die Einheimischen mit in die Touristenplanung einzubeziehen (Honey & Frenkiel, 2021, S.32-33). Eine Balance zwischen dem nachhaltigen Empfangen von Touristen und die Beibehaltung der Lebensqualität der Einheimischen zu finden ist der Verbesserungsvorschlag für Destinationen, der sich daraus ergibt.

Barcelona dient als gutes Beispiel, wie eine Destination verantwortungsvoll die Herausforderung Massentourismus behandeln soll. Die Stadt hat die Probleme des Massentourismus öffentlich adressiert und 2020 das Tourismus und City Council etabliert, welches sich mit Regeln für Tourismusunterkünfte und die Regulierung des Massentourismus beschäftigt (Honey & Frenkiel, 2021, S.43-50). Dieser bereits 2017 entstandene Plan heißt „el Plan especial urbanístico de alojamientos turísticos“ (Ajuntament de Barcelona, n.d.) bzw. kurz PEUAT und bedeutet übersetzt spezieller städtebaulicher Plan für Touristenunterkünfte. Das Hauptziel ist die Verbesserung der Lebensqualität der Einwohner Barcelonas und es soll durch ein strenges politisches Verbot der Ausweitung von Apartments zur touristischen Verwendung erreicht werden (Ajuntament de Barcelona, n.d.).

Abb. 4: Apartments für touristische Zwecke in Barcelona

Abb. in Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Ajuntament de Barcelona

Die Abbildung illustriert einen Graphen, der die jährliche Veränderung der Apartments in Barcelona zeigt, die touristisch genutzt werden. Bereits seit 2014 ist die Anzahl der Apartments nahezu unverändert. Mit der Einführung des PEUAT 2017, nahm die Anzahl der Apartments kontinuierlich ab (Abb.3). Dies ist ein erfolgreiches Beispiel, welches andere Destinationen für den verbesserten Umgang mit Massentourismus von Barcelona übernehmen können.

5.3 nachhaltige Tourismuskonzepte

Momentan fehlt es dem Tourismuskonzept Massentourismus noch stark an Nachhaltigkeit. Dies liegt unter anderem daran, dass das Konzept nicht integrativ ist.

Touristen verändern das Leben in einer Destination für Einheimische. Sie bringen ihre eigene Kultur mit und häufig geht dadurch ein Teil der einheimischen Kultur verloren. Integrativer Tourismus fordert, dass Tourismus in die lokale Kultur mit einbezogen wird. Die einheimische Kultur solle sich dabei nicht an den Tourismus anpassen, wie es häufig der Fall ist (Linhuber & Schreder, 2003, S.9-10)

Es wird ebenfalls gefordert, dass Tourismus und Naturschutz vereint werden und das Wachstum von weiterem Massentourismus einzudämmen, sodass die negativen Auswirkungen möglichst klein gehalten werden. Die Autoren schlagen vor, dass Gebiete klar zwischen reine touristenlose Naturzonen und Tourismuszonen getrennt werden, denn „die Beschränkung des Massentourismus [gilt als] oberstes Ziel“ (Linhuber & Schreder, 2003, S.9-10).

Integrativer Tourismus erfolgt vor allem durch Regulierungen und Regeln der Destination und ihrer Regierung. Der sanfte Tourismus ist ein weiteres nachhaltiges Tourismuskonzept, das die Reisenden selbst wählen können.

Sanfter Tourismus gilt als Gegenkonzept zu Massentourismus und bezeichnet eine ökologisch und sozial nachhaltige Alternative. Sanfter Tourismus verfolgt vor allem das Ziel die Natur und die Ressourcen des Reiseziels zu schützen und wird daher auch nachhaltiger Tourismus genannt (WWF, 2023). Es sollen stets die langfristigen Konsequenzen beachtet werden und daher plädiert die Natur- und Umweltschutzorganisation WWF auf eine strenge Ressourceneinsparung der natürlichen Ressourcen wie Wasser und weiteren Lebensmitteln und auf eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Reiseziel seitens der Touristen (WWF, 2023).

Bei beiden nachhaltigen Tourismuskonzepten müssen jedoch vorher stets nachhaltige Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit die Konzepte erfolgreich ausgeführt werden können. Diese Rahmenbedingungen können bspw. in Form der Sicherstellung von Chancengleichheit, ehrenamtliche nachhaltige Arbeit oder politische finanzielle Unterstützung geschaffen werden. Erst mit den geschaffenen Rahmenbedingungen ist ein nachhaltiger Tourismus vollständig möglich (Steinhauser & Heinemann, 2022, S.149-160).

6 Fazit

Resümierend ist der Massentourismus ein soziales, ökonomisches und vor allem ökologisches Problem. Dieses Problem sollte dennoch nicht abgeschafft werden, sondern als Herausforderungen gesehen werden, um es zu verbessern. Denn wie sich mit der Forschung an der Projektarbeit feststellen lässt, gibt es viele positive Nuancen, die durch den Massentourismus evoziert werden.

Dadurch, dass es dem Tourismuskonzept Massentourismus aktuell noch stark an Nachhaltigkeit und Verantwortung fehlt, verschlimmern sich die ökologischen, ökonomischen und sozialen Folgen.

Verbesserungsvorschläge für einen nachhaltigeren Umgang mit Massentourismus ist ein paralleles Handeln bestehend aus einem besseren Destinationsmanagement und einem sanfteren Reiseverhalten.

Dies bedeutet konkret, dass sowohl Regierungen Regulierungen und Gesetze entscheiden müssen, die nachhaltig und verantwortungsvoll sind wie bspw. erhöhte Tourismusgebühren, ein Bettenstopp für Hotels und Airbnbs oder die Unterstützung der lokalen Kleinunternehmen.

Es bedeutet aber auch, dass der individuelle Tourist nachhaltige Entscheidungen treffen muss und gegebenenfalls auf zu stark besuchte Reiseziele freiwillig verzichten sollte, eine Anreise mit dem Zug anstelle des Flugzeuges wählt, oder in einer Destination verstärkt lokale Produkte kauft.

Fest steht, dass ein nachhaltiges Leben nicht nur im Tourismus von Bedeutung ist, sondern jeder Mensch sollte es anstreben, damit der Planet so lange wie möglich so bestehen bleibt, wie er gekannt und geliebt wird.

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Titel: Overtourism Barcelona

Akademische Arbeit , 2024 , 21 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Joel Jans (Autor:in)

Tourismus - Hotelmanagement
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Details

Titel
Overtourism Barcelona
Untertitel
Eine Analyse des Massentourismus am Mittelmeer
Note
1,7
Autor
Joel Jans (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2024
Seiten
21
Katalognummer
V1703904
ISBN (PDF)
9783389194973
ISBN (Buch)
9783389194980
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Barcelona Overtourism Massentourismus Mittelmeer
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Joel Jans (Autor:in), 2024, Overtourism Barcelona, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1703904
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