Was passiert an den Finanzplätzen der Welt


Studienarbeit, 2003
25 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

I. Inhalt

1. Einleitung

2. Abgrenzung des Finanzplatzes vom Finanzmarkt

3. Das internationale Finanzgeschäft

4. Der Finanzplatz Deutschland
4.1. Die Entwicklung Frankfurts als Finanzplatz
4.2. Aktuelle Probleme des Finanzplatz Deutschland
4.2.1. Die „ Deutschland AG “
4.2.2. Ü berkapazit ä ten und niedrige Renditen
4.2.3. Der Zusammenbruch der Aktienkultur in Deutschland
4.3. Auswirkungen auf den Markt für Venture Capital

5. Der Finanzplatz London

6. Finanzplatz Frankfurt versus Finanzplatz London

7. Handlungsempfehlungen zur Förderung des deutschen Finanzplatzes
7.1. Strenge Richtlinien und Kontrollen
7.2. Entflechtung der „Deutschland AG“
7.3. Marktbereinigung und -konsolidierung

8. Fazit

II. Literaturverzeichnis

III. Verzeichnis der Internetquellen

IV. Abbildungsverzeichnis

V. Appendix

1. Einleitung

Das Interesse für die Entwicklung an den Finanzplätzen und -märkten dieser Welt hat in breiten Teilen der Bevölkerung vor allem seit der Hausse an den Aktienmärkten und den Zeiten des wirtschaftlichen Hochs zu Beginn des 21. Jahrhunderts zugenommen. Die Zahl der Unternehmensgründungen stieg in neue Höhen und mit dem Siegeszug des Internets wurden neue Wirtschaftszweige gegründet, die neben der klassischen Kreditfinanzierung nach neuen Finanzierungsformen über die Finanzmärkte verlangten. Die wichtigsten Finanzmärkte sind allesamt an bedeutenden Finanzplätzen dieser Welt lokalisiert.

Die vorliegende Arbeit soll einen Überblick über die Entwicklung an den Finanzplätzen dieser Welt geben. Aus Gründen der Komplexität der Materie und der Vorgabe, den Umfang dieser Arbeit zu beschränken, soll sich aber hauptsächlich auf die Betrachtung des deutschen und des britischen Finanzmarkts, sowie einem Vergleich der beiden beschränkt werden. Des Weiteren soll diese Einschränkung eine tiefere Beschäftigung mit diesen Finanzplätzen ermöglichen und Raum für Beispiele geben, anstatt jedem Platz nur Raum für eine oberflächliche Betrachtung einzuräumen.

Bei der Bearbeitung des vorliegenden Aufsatzes wurde Wert auf Aktualität gelegt. Daher stand die Sichtung der wissenschaftlichen Literatur weniger im Blickfeld; vielmehr wurde auf die Archive der großen deutschen und internationalen Zeitungen zurückgegriffen. Das Internet stellte ebenfalls eine große Wissensressource dar.

2. Abgrenzung des Finanzplatzes vom Finanzmarkt

In der Literatur wird der Begriff des Finanzmarktes oftmals missverständlich mit dem Begriff des Finanzplatzes gleichgesetzt.

Nach Woll1 ist die Aufgabe eines Finanzmarktes die Zusammenfassung der Kredit-, Geld-, und Wertpapiermärkte, an denen Angebot und Nachfrage zusammentreffen.

Für den Begriff Finanzplatz lässt sich keine geeignete Definition finden. Letztlich lässt dieser sich nach Sichtung der Literatur am Ehesten beschreiben als ein Ort, an dem sich Anbieter und Nachfrager von Finanzdienstleistungen aller Art zusammenfinden, um ihre Transaktionen an den Finanzmärkten durchzuführen.

Thießen2 veranschaulicht den Unterschied zwischen dem Begriff Finanzmarkt und Finanzplatz: „Finanzmärkte als die Beziehungen zwischen Menschen zum Ausgleich von Angebot und Nachfrage nach Finanzdienstleistungen denkt man sich als ein Geflecht von dünnen Fäden, aufgespannt nach der möglichen Aktionsfläche, dem Erdball. Dann zeigen sich nationale und internationale Finanzplätze als Knoten, an denen überdurchschnittlich viele Fäden zusammenlaufen. Internationale Finanzplätze wären dann solche Knoten, an deren Fäden Landesgrenzen überspannen würden.“

Ein Finanzplatz wird nicht nur geprägt durch die Zahl der Banken und Versicherungen, sondern auch durch das Vorhandensein privater Vermögensverwalter, Ratingagenturen und internationaler Anwaltskanzleien. Diese folgen häufig den Investmentbanken und ihren Kunden, da sich heute große Firmenübernahmen nicht mehr nur von einem Standort aus bewerkstelligen lassen und alle Parteien juristischen Beistand benötigen.3

3. Das internationale Finanzgeschäft

Internationale Unternehmenstätigkeit ist kaum möglich ohne die Zusammenarbeit mit Banken4, wobei „Global banking“ und „Global Players“ die Schlagworte der 1990er waren.5 Büschgen6 spricht von einem durch Internationalisierung und Globalisierung der Märkte intensivierten Wettbewerb, dem die internationalen Banken schon seit längerem ausgesetzt seien.

Globalisierung bedeutet in diesem Zusammenhang die Ausführung von Bank- und Börsendienstleistungen rund um die Uhr7, was von den internationalen Banken Präsenz an allen bedeutenden internationalen Finanzplätzen verlangt.8

Röller9 spricht davon, dass sich nach Einschätzung von Fachleuten 90% aller globaler Transaktionen unter insgesamt weniger als 1500 Namen abspielten, welche sowohl die Anbieterseite als auch die Nachfragerseite umfassten und auf nahezu allen Finanzplätzen der Welt vertreten seien.

Abel10 fügt an, dass obschon es sich bei den Auslandsbanken meist nur um kleinere Niederlassungen oder gar Repräsentanzen handele, diese die Finanzmärkte miteinander verflöchten und so den Wettbewerb zwischen den Finanzplätzen förderten. „Globale Finanzplätze fungieren quasi als ‚Drehscheibe‘ der internationalen Kapitalallokation“.11 Von wirklich globaler Bedeutung als Finanzplatz sind dabei allerdings vor allem London, New York, Tokio und Frankfurt am Main.12

4. Der Finanzplatz Deutschland

4.1. Die Entwicklung Frankfurts als Finanzplatz

Der Aufstieg Frankfurts zum heute bedeutenden Handels- und Finanzzentrum in Europa begann bereits im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert. Unter den tausenden Flüchtlingen während der kriegerischen Auseinandersetzungen während der Gegenreformation in Frankreich und Spanien waren weltläufige Kaufleute aus Antwerpen.13 Diese besaßen modernste Kenntnisse in Finanzgeschäften und weitreichende internationale Kontakte und waren zusammen mit zahlreichen in Frankfurt tätigen italienischen Kaufleuten an der Gründung der 1585 eingeführten regelmäßigen Kaufmannsversammlungen14 maßgeblich beteiligt. Die bedeutende Frankfurter Messe sowie die Geld- und Kreditgeschäfte begannen sich stärker miteinander zu verweben und aus den Handelsgeschäften entwickelte sich im Laufe der Zeit der Nebenerwerbszweig des internationalen Bankgeschäfts.

Der zweite große Aufschwung Frankfurts setzte im späten 18. Jahrhundert mit der Blüte des Staatsanleihegeschäftes15 ein, das 1778 vor allem von Frankfurter Bankhäusern wie Bethmann, Metzler und Gontard eingeführt wurde.

Einen Absturz in die Bedeutungslosigkeit erlebte die Stadt durch den Verlust des Status als Freie Reichsstadt.16 Berlin übernahm die führende Stellung als Standort für Banken und für Geld- und Kapitalmarktgeschäfte bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

Der dritte Aufschwung Frankfurts begann 1948 mit dem Beschluss der Westalliierten, die Bank Deutscher Länder17 in Frankfurt anzusiedeln, was einen ausschlaggebenden Grund dafür darstellte, dass deutsche Großbanken ihre Zentralen in Frankfurt wiederaufbauten. Das einsetzende Wirtschaftswachstum und die Stabilität der D-Mark machten Frankfurt zunehmend attraktiv für den internationalen Geld- und

Kapitalverkehr.18 Das Finanzgeschäft in Deutschland seit 1945 wird gleichgesetzt mit übermäßigem Wachstum und hat zu der Entstehung mancher Erster Adresse in Europa geführt.19 20

Den größten Schub erhielt Frankfurt jedoch durch weitreichende Reformen des

Gesetzgebers zugunsten des Finanzdienstleistungssektors Ende der achtziger und in den neunziger Jahren und durch die Schaffung der modernsten Börsenstruktur durch die Deutsche Börse.21

Heute ist Frankfurt unangefochten die Nummer Eins unter den deutschen

Finanzplätzen. Stuttgart22 und München23 stellen zwar in Deutschland nicht

unbedeutende Größen dar, dennoch werden über die Deutsche Börse AG 84% des gesamten deutschen Aktienhandels abgewickelt24 und steht weltweit hinter der New York Stock Exchange (NYSE) und der National Association of Securities Dealers Automated Quotation (NASDAQ) an dritter Stelle.25

[...]


1 Vgl. Woll, Prof. h.c. Dr. Dr. h.c. Artur (Hrsg.): Wirtschaftslexikon von A - Z, 8. Auflage, Köln, S. 216.

2 Thiessen, F.: Standorttheorie für internationale Finanzzentren, Köln 1988, S.10. Zitiert in: Abel, Klaus: Globalisierung der internationalen Finanzmärkte unter besonderer Berücksichtigung des Börsenwesens, Göttingen 1998, S. 74.

3 Vgl. Brost, Marc / von Heusinger, Robert / Jungclaussen, John F. / Rohwetter, Marcus: Kopflos glücklich, Die Zeit, 08/2002

4 Vgl. Dülfer, Eberhard: Internationales Management in unterschiedlichen Kulturbereichen, 2. Auflage, München 1992, S. 437

5 Vgl. Schuster, Leo: Intercultural Bank Management - A General Survey. Zitiert in: Schuster, Leo: Banking cultures of the world, Frankfurt am Main 1996, S. 11

6 Vgl. Büschgen, Hans E.: Zukunftsorientierte Gestaltung der Geschäftsstrukturen internationaler Banken. In: Albach, Horst [Red]: Globalisierung und Wettbewerb: in memoriam Alfred Herrhausen, Zeitschrift für Betriebswirtschaft, Wiesbaden 1992, S. 27-50

7 Vgl. Schuster, Leo., S. 12

8 Vgl .Büschgen, Hans E., S. 35

9 Vgl. Röller, Wolfgang: Gloabalisierung in der Banking - Industrie. In: Albach, Horst [Red]: Globalisierung und Wettbewerb: in memoriam Alfred Herrhausen, Zeitschrift für Betriebswirtschaft, Wiesbaden 1992, S.121-152

10 Abel, Klaus: Globalisierung der internationalen Finanzmärkte unter besonderer Berücksichtigung des Börsenwesens, Göttingen 1998, S. 81

11 Abel, Klaus, S. 75.

12 Vgl. Schuster, Leo, S. 12

13 Damals bedeutendstes Finanzzentrum jenseits der Alpen.

14 Vorläufer der Deutschen Börse

15 Als Vorbild dienten Erfahrungen von Amsterdamer Bankiers. Andere Bankhäuser beteiligten sich rasch an der Verbreitung dieses Finanzinstruments. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts stieg das Haus Rothschild von Frankfurt aus in das Anleihegeschäft ein und schuf damit die Grundlage für dessen europaweite Spitzenstellung.

16 Durch die Annektierung Frankfurts durch Preußen nach dem Sieg über Österreich 1866.

17 Vorläufer der Deutschen Bundesbank

18 Vgl. Metzler, Friedrich von: Frankfurt - europäische Drehscheibe im globalen Finanzgeschäft, In: Wirtschaftsstandort Deutschland - Frankfurt am Main, 212.19.45.244/deu/bl07/buch005/page/9inhalt.htm

19 Dabei war das Universalbankprinzip, sprich dem Prinzip eine Breite Palette von Diensten unter einem Dach anzubieten, die treibende Kraft hinter diesem Erfolg.

20 Vgl. Olsson, Jan: Management of Cultural Change at the German Universal Bank. In: Schuster, Leo: Banking cultures of the world, Frankfurt am Main 1996, S. 385 - 401

21 Vgl. Metzler, Friedrich von

22 Die European Warrant Exchange (EUWAX) in Stuttgart ist Marktführer im deutschen Optionsscheinhandel, www.euwax-broker.de

23 Mit der Allianz und der Münchner Rück haben zwei der einflussreichsten Versicherer Europas ihre Konzernzentrale in München. Die HypoVereinsbank, ebenfalls mit Sitz in München, ist die zweitgrößte Bank Deutschlands.

24 Vgl. Barber, Tony: Frankfurt as a financial centre - A tale of two complementary cities, Financial Times, 12. Juni 2002

25 Aktuell 2003 - Fakten, Rankings, Analysen, Dortmund 2002, S. 75

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Was passiert an den Finanzplätzen der Welt
Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Landshut, ehem. Fachhochschule Landshut  (Fachbereich Betriebswirtschaft)
Note
1,5
Autor
Jahr
2003
Seiten
25
Katalognummer
V17042
ISBN (eBook)
9783638217231
ISBN (Buch)
9783638644891
Dateigröße
706 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Das Interesse für die Entwicklung an den Finanzplätzen und -märkten dieser Welt hat in breiten Teilen der Bevölkerung vor allem seit der Hausse an den Aktienmärkten zu Beginn des 21. Jahrhunderts zugenommen. Mit dem Siegeszug des Internets wurden neue Wirtschaftszweige gegründet, die neben der klassischen Kreditfinanzierung nach neuen Finanzierungsformen über die Finanzmärkteverlangten. Die vorliegende Arbeit soll einen Überblick über die Entwicklung an den Finanzplätzen dieser Welt geben.
Schlagworte
Finanzplätzen, Welt
Arbeit zitieren
Jens Droege (Autor), 2003, Was passiert an den Finanzplätzen der Welt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17042

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