Die Beziehungen der Hanse zu England - von der Mitte des 12. bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts und die Auswirkungen der Seeräuberei auf diese


Hausarbeit, 2010
18 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Skizzierung des Beginns des hansischen Englandhandels

3 Englands Abhängigkeit von der Hanse
3.1 Englisch-hansische Konflikte und Feindseligkeiten

4 Gestörter Seehandel
4.1 Der dänisch-mecklenburgische Streit im Überblick
4.2 Die Geschichte der Vitalienbrüder kurz skizziert
4.3 Englische Seeräuber
4.4 Schadenersatzforderungen

5 Kleiner Ausblick

6 Zusammenfassung und Schlussfolgerung

Anhang

1. Einleitung

Das Thema Hanse und England bietet einen breiten Zeitraum über mindestens drei Jahrhunderte. Da dies jedoch selbstverständlich zu umfangreich ist, habe ich mich auf die Zeit von der Mitte des 12. bis Anfang des 15. Jahrhunderts konzentriert, wobei hier der Fokus vor allem auf der Zeit von ca. 1360 bis 1407 liegt. Hierbei geht es mir vor allem darum, zu ermitteln, wie die Konflikte zwischen Preußen und England ausgesehen haben und welche Rolle dabei die seit Ende des 14. Jahrhunderts ausartende Seeräuberei gespielt hat und welche Einflüsse sie auf den Handel der beiden Parteien hatte.

Die englischen Beziehungen mit der Hanse sind geprägt von Kämpfen um Privilegien, die gegenseitig an- oder aberkannt werden. Das liegt daran, dass die hansischen Interessen stets vertreten werden, wenn ein starker König auf dem englischen Thron sitzt, ein schwacher jedoch von der mächtigen und überwiegend fremdenfeindlichen englischen Kaufmannschaft überwältigt wird.

Diese Hausarbeit versucht, diese konfliktgeladene Zeit in einem möglichst guten Überblick zu präsentieren und wichtige Zusammenhänge aufzuzeigen.

2. Skizzierung des Beginns des hansischen Englandhandels

Lange bevor sich in England eine deutsche Hanse gebildet hatte, nämlich schon zu Re­gie­rungszeiten König Ethelreds II. (978-1016), haben bereits Köln und Danzig rege Han­delsbeziehungen mit England geführt. Seit Mitte des 12. Jahrhunderts, seit Heinrich II., besitzen sie sogar eine Gildehalle in London und dürfen eine Genossenschaft bilden. Insgesamt handeln zumeist rheinische und vor allem preußische Städte mit der Insel, weshalb hansisch-englische Konflikte häufig bloß preußische Streitigkeiten mit England sind.[1]

In dieser langen Handelstradition liegt auch begründet, dass die deutschen in England stets willkommen sind und sogar das Londoner Bürgerrecht erwerben können (was allerdings erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts geschieht).[2] Ab 1266 werden von König Heinrich III. von England schließlich auch Kaufleute aus anderen hansischen Städten zugelassen:

Da wir auf Ansuchen des edlen Herrn Albrecht, Herzog von Braunschweig, geneigt sind, den Kaufleuten dieses Herzogs von Hamburg eine besondere Gunst zu gewähren, so gestatten wir für uns und unsere Erben jenen Kaufleuten, dass sie ihre eigene Hanse für sich in unserem ganzen Königreich auf immer halten können.[3]

(8. November 1266)

Diese Hanse muss zwar Abgaben zahlen[4] und befindet sich nicht wie die Kölner Genossenschaft in London, sondern an der Ostküste Englands, dennoch verschmelzen die Hansen der Kaufleute aus Köln, Hamburg und auch Lübeck bald zu einer gemeinsamen deutschen Hanse, die 1282 das erste Mal urkundlich erwähnt wird[5]. In London darf die Deutsche Hanse sogar ein Stadttor, das Bishopgate wiederherstellen und unterhalten; als Gegenleistung werden die Kaufleute vom Mauergeld befreit.[6] Als Handelskontor dient nun die alte Gildhalle, die zum „Stalhof“ ausgebaut wird.[7]

Wie in der Einleitung erwähnt, besitzen die deutschen Hansen in England häufig spezielle Vorrechte. Besonders bekannt ist hier das Privileg Edwards I. die Carta Mercatoria von 1303. Hierin wird festgelegt, dass Kaufleute aus Deutschland, Frankreich, Spanien und „allen anderen Ländern und fremden Orte[n], unter welchem Namen sie auch immer geführt werden“[8] ungestört und vor allem sicher ihrem Handel in England nachgehen können. Dazu werden sie von Mauer-, Brücken- und Wegezoll befreit und dürfen mit In- und Ausländern Handel, „wenn auch nur im [G]roßen“[9] treiben. Außerdem ist es ihnen erlaubt, ihre Herberge in bestimmten Städten und Kaufmannsorten zu wählen[10]. Sie sind geschützt vor Beschlagnahmungen, Verzögerungen und Prisen durch die Regierung[11], sofern sie an einem Ort im Königreich gewisse Abgaben, die in der Carta Mercatoria genau festgelegt sind[12], für Wein, Wolle, Häute, bestimmte Tuche, Wachs, Tiere und Getreide bezahlen, wenn sie mit diesen Waren handeln. Diese Versicherungen, die am ersten Februar 1303 festgelegt werden, gelten „in unserem [also König Edwards I.] und unserer Erben Namen für immer“[13]. Obwohl in der Schrift steht, dass die Bestimmungen für immer gelten sollen, werden sie bereits 1311 wieder aufgehoben, als sich unter Edward II. eine starke Fremdenfeindlichkeit durchsetzt. Doch darauf gehe ich später näher ein.

3. Englands Abhängigkeit von der Hanse

Da die Hanse regen Handel mit Osteuropa führt, und die Rohstoffe von dort unter anderem nach England verkauft, ist sie für die Handwerker und Grundbesitzer in England unentbehrlich geworden, obwohl die einheimischen Kaufleute ihre Konkurrenz fürchten.[14] Andererseits verhindert die Hanse so einen englischen Außenhandel, beziehungsweise erschwert ihm ein Überleben, was sich wiederum natürlich positiv auf den hansischen Handel auswirkt.[15] Allerdings ist es den englischen Kaufleuten bis 1378, als der hansische Handel kurzzeitig zurückgeht, nicht gelungen, einen eigenen Außenhandel zu etablieren, weshalb während dieser Zeit eine Preissteigerung der Importwaren eingetreten ist.[16] Dies zeigt nochmals deutlich, dass England auf den hansischen Fernhandel durch fremde Kaufleute von und nach Osteuropa angewiesen ist.

Die Abhängigkeit Englands von der Hanse zeigt sich aber nicht zuletzt in ihrem Handelsgeschäft, sondern auch bei finanziellen Angelegenheiten. Zwar beherrscht die deutsche Hanse nicht den englischen Geldmarkt, wie es die Italiener um 1277 und später noch tun[17], doch greift sie der englischen Regierung unter Edward III. finanziell unter die Arme[18]. Wegen Ausbruchs des Krieges von England gegen Frankreich um die französische Krone leiht die Hanse Edward III. (1327-1377) im Laufe der Zeit über 26 400 Pfund, wofür sie im Gegenzug Zollbegünstigungen bei der Ausfuhr von Wolle, oder Zoll- und Berg­werks­einnahmen erhalten[19]. Als weiteren Dank ist der König den deutschen Kaufleuten stets wohl gesonnen und schützt ihren Handel vor gewalttätigen Einwirkungen[20]. Als positiver Nebeneffekt gehen währenddessen auch noch die stärksten Konkurrenten der Hanse, lombardische Firmen, bankrott, weshalb die deutschen Kaufleute nun „eine ganz außerordentliche Vorzugsstellung im englischen Handel [erringen]“[21].

Es zeigt sich, dass die Hansen seit Edward III., also etwa seit Mitte des 14. Jahrhunderts, gelegentlich sogar besser gestellt sind, als einheimische Kaufleute, wie es sich beispielsweise beim Tuchzoll herauskristallisiert[22]. Das liegt, wie erwähnt, zum einen darin begründet, dass sie beim König sehr beliebt sind, andererseits versorgen sie ganz England mit wertvollen Rohstoffen aus dem Ausland, auf die die Engländer nicht verzichten wollen und können[23].

Diese rechtliche Sonderstellung wird nach Edwards III. Tod 1377 von Richard II. (nach einigen Streitigkeiten, wie im folgenden Kapitel beschrieben ist) auf Grundlage der Carta Mercatoria von 1303 und eines Privilegs von Edward II. im Jahre 1317[24] bestätigt und bleibt bis ins 16. Jahrhundert hinein bestehen.[25]

3.1 Englisch-hansische Konflikte und Feindseligkeiten

Schwierig ist es für die fremden Kaufleute besonders zur Zeit Edwards II. (1307-1327). Natürlich gibt es auch schon vor 1307 ein Vorgehen der englischen Kaufmannschaft gegen die ausländische Kon­kur­renz: London bittet bereits 1290 beim Herbstparlament, den Fremdenhandel zu be­schränken, wird damals jedoch abgewiesen, weil die ausländischen Kaufleute dem König sehr nutzen[26].

König Edward II. hingegen ist ein wankelmütiger und nicht sehr durchgreifender Monarch. Das erkennen die fremdenfeindlichen Parteien in England und nutzen ihre Chance. Adel und Klerus setzen im Herbst 1311 durch, dass die bevorzugte Stellung der Fremden aufgehoben werde. Diese offen gehegte Feindschaft wendet sich allerdings hauptsächlich gegen die Italiener, denen die Schuld an der „Zerrüttung des Staates“[27] gegeben wird. Die Hansen hingegen genießen auch weiterhin das Vertrauen der Bürger; wohl, weil sie sich noch nicht so sehr mit Geldgeschäften befassen wie zur späteren Zeit König Edwards III. und, weil sie seit alters her Handel mit London getrieben haben und den Menschen somit näher stehen als die noch nicht so etablierten Lombarden.[28] Ergebnis des englischen Widerstands ist, dass die Carta Mercatoria aufgehoben wird – die deutschen Hansen jedoch parallel wertvolle Freiheiten erhalten.[29]

[...]


[1] Vgl. Friedrich Schulz: Die Hanse und England. Von Eduards III. bis auf Heinrichs VIII. Zeit. (Abhandlungen zur Verkehrs- und Seegeschichte im Auftrage des hansischen Geschichtsvereins. Hrsg. D. Schäfer, Bd.5), Berlin 1911, S. 1 und 4.

[2] Vgl. Karl Kunze (Bearb.): Hanseakten aus England. 1275-1412. (Hansische Geschichtsquellen, Bd.6), Hildesheim, Zürich, New York 2005, Einleitung, S.9.

[3] Privileg König Heinrichs III. von England. In: Rolf Sprandel (Hrsg.): Quellen zur Hanse-Geschichte. Mit Beiträgen von J. Bohmbach und J. Goetze. (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters, Bd. 36), Darmstadt 1982, S.188f.

[4] Vgl. ebd.

[5] Vgl. Kunze, Einleitung, S.1.

[6] Vgl. http://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf44/150-jahre-historisches-archiv.pdf, Zugriff 15.9.2010, S.13.

[7] Vgl. ebd.

[8] Privileg König Edwards I. von England. In: Sprandel, S. 209.

[9] Ebd., S.211.

[10] Vgl. ebd.

[11] Vgl. ebd., S.213.

[12] Vgl. ebd., S.217 und 219.

[13] Privileg König Edwards I. von England. In: Sprandel, S.211.

[14] Vgl. Schulz, S.3.

[15] Vgl. Schulz, S.12.

[16] Vgl. ebd., S.26.

[17] Vgl. Kunze, Einleitung, S.8f. und Schulz, S.8.

[18] Vgl. Schulz, S.7-9.

[19] Vgl. ebd.

[20] Vgl. ebd., S.9.

[21] Kunze, Einleitung, S.2.

[22] Vgl. Schulz, S.10.

[23] Vgl. ebd.: „Aus dem östlichen Europa, aus Preußen und Niederdeutschland brachten sie nach England Pelzwerk, Asche, Pech, Teer, Wachs, Terpentin, Harz, Osemund, Kupfer, ungarisches Eisen, die verschiedensten Arten von Holz wie Eibenholz, Klappholz, Knarrholz, Koggenborten, Wagenschoß, Ruder, Masten, Dielen, auch Erzeugnisse der Holzindustrie wie Schreibpulte, hölzerne Teller, Schüsseln, Fässer, ferner Roggen, Weizen, Gerste, Mehl, Hülsenfrüchte, Flachs, Garn, Leinwand, Kopftücher, Schuhe, Bier und Makz, aus Westdeutschland führten sie vor allem Wein ein, daneben kölnische Seide, westfälische Leinwand, Waid, Krapp, Drogen, Waren aus Stahl, Messing, Kupfer und Silber, […] Heringe Seefische, Tran [aus Norwegen und Schonen], Wein, Salz und Waid [aus Frankreich].“

[24] Hierin wird verdeutlicht, dass die angeführten Rechte der Freiheit vom Brücken-, Pflaster- und Mauergeld, sowie von der Haftpflicht nur den Mitgliedern der deutschen Hanse vorbehalten sind. (Vgl. Kunze, Hildesheim, Zürich, New York 2005 , S.11f.) Hieraus kann man erneut die außerordentliche rechtliche Stellung der deutschen Genossenschaft erlesen.

[25] Vgl. Kunze, Einleitung, S.17.

[26] Vgl. ebd., S.5.

[27] Kunze, Einleitung, S.9.

[28] Vorangegangener Absatz vgl. ebd., S.8-10.

[29] Vgl. Schulz, S.6.

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Details

Titel
Die Beziehungen der Hanse zu England - von der Mitte des 12. bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts und die Auswirkungen der Seeräuberei auf diese
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V170426
ISBN (eBook)
9783640892761
ISBN (Buch)
9783640892686
Dateigröße
388 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
beziehungen, hanse, england, mitte, anfang, jahrhunderts, auswirkungen, seeräuberei
Arbeit zitieren
Miriam Marie Hirschauer (Autor), 2010, Die Beziehungen der Hanse zu England - von der Mitte des 12. bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts und die Auswirkungen der Seeräuberei auf diese, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170426

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