Plastik - Ein Material verändert die Gesellschaft

Über das Jahrhundert der Kunststoffe


Hausarbeit, 2010
18 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Plastik in seinen Anfängen
2.1 Vorteile des Kunststoffs gegenüber natürlichen Produkten
2.1.1 Ein kurzer Überblick
2.1.2 Plastik – Ein Lebensgefühl
2.1.2.1 Vom Luxus für die Unterschicht zum Lebensgefühl
2.1.2.2 Die Hygienegesellschaft – „Amerika wurde vollständig in Zel­lo­phan gehüllt.“
2.1.2.3 Frauenmode – Nylonmanie in den USA
2.2 Plastik fühlt sich einfach gut an – Die Verbreitung und Durchsetzung des Plastiks in alle Ecken des Lebens
2.2.1 Der Zweite Weltkrieg – Katalysator der Kunststoffverbreitung
2.2.2 Plastik als Erleichterung des Lebens

3. Plastik heute
3.1 Superwerkstoffe
3.2 Was täten wir ohne Kunststoffe? – Eine Frage des Ausgangsstoffs
3.3 Plastik in der Umwelt

4. Schlussbemerkung

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Kunststoff. Ein Stoff mit einer unglaublichen Erfolgsgeschichte und dessen Entwicklung nur zu oft von Zufall bestimmt war. Ein Stoff, der sowohl das alltägliche Leben, als auch das Lebensgefühl grundlegend veränderte – und es zum Großteil vereinfachte. Ein Stoff, dessen Verwendungszwecke nicht vielfältiger sein könnten und ein Stoff, von dem wir Menschen kaum abhängiger sein könnten. Ein Stoff, der zwiespältige Meinungen hervor­ruft, den wir aber doch alle für unser tägliches, modernes Leben brauchen. Ein Stoff, der die Forscher seit über 150 Jahren beschäftigt und noch weit bis in die Zukunft beschäftigen wird.

Kunst-Stoff, ein Wort, das für unzählige Arten von Plastik steht und einfacher nicht zu definieren sein könnte: Ein künstlicher Stoff, den die Natur so nicht hervorgebracht hat, sondern vom Menschen synthetisch hergestellt wurde.

Dabei war das gar nicht von Anfang an so. Die ersten Kunststoffe bestanden aus natürlichen Polymeren[1] und waren auch noch biologisch abbaubar. Erst später entfernte man sich von der Natürlichkeit des Plastiks und schuf immer neue Superkunststoffe, die immer neue Wunder vollbrachten.

In dieser Hausarbeit soll durchleuchtet werden, wie Kunststoffe seit ihrer marktreifen Erfindung unser Leben verändert haben und wie abhängig wir von ihnen geworden sind. Es werden viele Vorteile des Plastiks zur Sprache kommen, aber auch die Nachteile dieses Wundermaterials dürfen nicht unerwähnt bleiben.

2. Plastik in seinen Anfängen

2.1 Vorteile des Kunststoffs gegenüber natürlichen Produkten

2.1.1 Ein kurzer Überblick

Schon lange vor dem 19. Jahrhundert haben die Alchimisten einen Stoff herzustellen ver­sucht, der die Unzulänglichkeiten der natürlichen Stoffe umging. So hat schon Schobinger im 16. Jahrhundert nach einem vermutlich alten Rezept einen Kunststoff aus Magerkäse, also Milchproteinen hergestellt.[2] Dieses erste Plastik war ein duroplastischer Kunststoff, der nicht wiedereinschmelzbar war und zersprang, wenn er auf den Boden fiel oder auf ihn eingehämmert wurde. Trotzdem konnte man aus ihm, da er gut formbar war, fabelhafte Schalen mit verschiedenen Färbungen herstellen.

1846 wurde von C.F. Schönbein – durch Zufall – die Schießbaumwolle (Salpeter- und Schwefelsäure werden hier auf Baumwolle gegeben) entdeckt, die den Vorteil hatte, dass sie nahezu rauchfrei verbrannte und hochexplosiv war. Leider so hochexplosiv, dass bei ihrer Herstellung oftmals die Fabriken in die Luft flogen und ihre Verwendung und Produktion somit wieder eingestellt wurden.[3]

Nach der Erfindung des Kollodiums durch Schönbein, dessen Grundlage ebenso die Baumwolle war und das zunächst als Wundpflaster diente, entwickelte Alexander Parkes das Parkesin aus den Bestandteilen Baumwolle, Salpeter- und Schwefelsäure, sowie Rohbenzin, Pflanzenöl und Kampfer. Das Parkesin wurde dann für allerlei Gegenstände wie Messergriffe und Schmuck verwendet, da es leicht einzufärben war, ähnelte es den Naturstoffen täuschend. Doch da Parkes für die Massenherstellung minderwertige Baum­wolle verwendet hatte, verzogen sich die Messergriffe und Kämme wellten sich. Damit ging das Parkesin mit seinem Erfinder unter.[4]

1865 wurde immer deutlicher, dass es an ausreichend Elfenbein mangelte. Elfenbein war im 19. Jahrhundert weit verbreitet als Besteckgriffe, Schmuck und vor allem in Form von Billardkugeln! Die Gier nach diesem Material hatte mittlerweile fast alle Elefanten ausge­rottet und so bestand die Notwendigkeit, einen neuen Stoff zu entwickeln, der dieselben Eigenschaften als Billardkugel besaß, denn dieses Spiel war zu der Zeit sehr beliebt und verbreitet.[5]

Auf die Umstände, wie und warum John W. Hyatt dazu kam, soll hier nicht weiter einge­gangen werden. Wichtig ist, dass er das Zelluloid erfand, welches dem Kollodium sehr ähnlich ist, jedoch fantastische Eigenschaften aufwies: Es konnte hart wie Horn, aber auch weich wie Leder sein und ließ sich in jede beliebige Farbe und Farbvariation einfärben. Hier war nun endlich ein Stoff gefunden, der alle möglichen Unzulänglichkeiten von Naturstoffen umging und jeglicher Form und Anwendung gefällig war. Und: Er ersetzte das Elfenbein (wenn auch mit anfänglichen Schwierigkeiten, da die Zelluloidbillardkugeln leicht explodierten, wenn sie aufeinandertrafen).[6]

2.1.2 Plastik – Ein Lebensgefühl

2.1.2.1 Vom Luxus für die Unterschicht zum Lebensgefühl

Zelluloid war der Stoff der Träume, denn er hielt, was das Parkesin versprochen hatte: Ab 1880 wurden, nachdem es sich als Zahnersatz nicht wirklich etabliert hatte, Spielsachen, Dosen, Kämme, Messergriffe, Brillengestelle und sogar Hemdkragen daraus produziert[7] - und diese Stücke verzogen sich nicht nach kurzem Gebrauch. Der Zelluloidkragen hatte zudem den Vorteil, dass er nicht gestärkt und gebügelt werden musste und von Schmutz ganz einfach mit einem Lappen zu reinigen war. „Der Zelluloidkragen wurde zum Symbol für das Streben nach Mittelklasse-Respaktabilität – und natürlich auch dafür, daß man sie noch nicht erreicht hatte.“[8] Denn die Unterschicht trug diesen Kragen mit Stolz, während die Reicheren, die sich genug Bedienstete für die Arbeit des Hemdenstärkens leisten konn­ten, mit gerümpften Nasen auf das Bemühen der Ärmeren dazuzugehören, hinabsahen.[9]

Andere Produkte aus Zelluloid waren auch deshalb so beliebt, weil es jede natürliche Färbung täuschend echt imitieren konnte und sich nun auch weniger gut bemittelte Frauen „Perlmutt“- oder „Korallen“-Schmuck leisten konnten. Es galt sogar als schick, „ein halbes Kilo Zelluloid in Form von Schmuck und Accessoires zu tragen“[10].

Als 1902 Leo Baekeland das Bakelit erfand, entwickelte sich ein neuer Trend, denn Ka­meras wurden nun immer kleiner und bezahlbarer und das Radio setzte sich als Informa­tionsquelle durch.

Baekeland, selbst begeisterter Fotograf, erfand zunächst ein neues Fotopapier, mit dem man Fotos schneller entwickeln konnte.[11] Hauptaugenmerk der Chemiker der Zeit lag je­doch darauf, einen Stoff zu finden, der Stromkabel wirkungsvoll isolierte und der auch bei höheren Belastungen nicht durchschmorte.[12] Baekeland beteiligte sich an der Suche nach dem Material, das diese Eigenschaften besitzen sollte und experimentierte mit Phe­nolharzen, bis er schließlich mit Hilfe von Säuren und Laugen das Bakelit hergestellt hatte.

Es war ein harter Kunststoff, der problemlos gegossen werden konnte und sich von keinem Lösungsmittel angreifen ließ. Es hielt außerdem hohen Belastungen stand, und wurde nach Zugabe von Fichtenholzmehl sogar schlagfest. Damit war der erste voll­syn­thetische Kunst­stoff geboren.[13]

Und schon bald entpuppte er sich als unentbehrlich: Er wurde als Gehäuse für Elektrogeräte und Telefone benutzt, in Motoren, da er hitzebeständig war, als kleine Iso­latoren in elektrischen Schaltkreisen und auch als Material für Billardkugeln wurde das Bakelit verwendet.

Nach dem Ersten Weltkrieg wandelte sich das vielfach eingesetzte Funkgerät zum Radio und war bald weit verbreitet und sehr beliebt. „Abend für Abend hockten Hunderttausende vor den Empfängern aus Bakelit.“[14] Zu Anfang noch mit Kopfhörern ausgestattet, wurden die schnörkellosen Radios mit Lautsprechern bald zum „Symbol des drahtlosen Zeit­alters“[15].

Aber nicht nur das symbolisierte das Bakelit. Waren Radios aus Holz früher nur den Besserverdienenden vorbehalten, gab es sie jetzt für jeden Haushalt. Bakelitradios aus Mas­sen­produktion hatten es möglich gemacht, allerdings auch die handgefertigten Ein­zelstücke verdrängt.[16]

„Bakelit demokratisierte den Konsum“[17]. Als Radio vernetzte es die Welt und brachte welt­weite Nachrichten, (sowie nationalsozialistische Propanganda) ins heimische Wohn­zimmer. Bakelit gab es in allen Lebenslagen. Auf Luxuslinern waren die Aschenbecher aus Bakelit, auf der Straße konnte man Kameras aus Bakelit entdecken, die von Pri­vat­personen, nicht nur von professionellen Fotografen benutzt wurden. An Kleidung konnte man Bakelit in Form von Knöpfen bewundern oder als Schmuck oder Handtasche in bunten Farben am Körper der Frauen. Und „jedes dieser Objekte spiegelt[e] so klar das Lebensgefühl seiner Epoche wider“[18].

Bakelit kam wie gerufen. Wäre es nicht gewesen, hätten viele Technologien dieser Zeit keine Fortschritte erzielt[19], würde man heute nicht so hoch entwickelte Elektronik bauen können. Und auch heute noch werden Phenolharze aufgrund ihrer hohen Widerstandskraft gegenüber Hitze für Schmelztiegel oder Motoren benutzt.[20]

[...]


[1] Großkettige Moleküle.

[2] Vgl. Udo Tschimmel: Die Zehntausend-Dollar-Idee: Kunststoff-Geschichte vom Zelluloid zum Superchip. Düsseldorf, Wien, New York 1991, S.12f.

[3] Vgl. Stephen Fenichell: Plastic. Unser synthetisches Jahrhundert. Originaltitel: Plastic. The Making of a Synthetic Century. Berlin 1997, S.37-41.

[4] Tschimmel, vgl. S. 20 – 27.

[5] Vgl. Fenichel, S.52.

[6] Vgl. ebd., S.53-57.

[7] Vgl. Tschimmel, S. 36.

[8] Fenichel, S.63.

[9] Vgl ebd., S.62f.

[10] Tschimmel, S 36.

[11] Vgl. Ebd., S. 55.

[12] Vgl. ebd., S. 57f.

[13] Vgl. Tschimmel, S. 59f.

[14] ebdl, S.67.

[15] Ebd., S.68.

[16] Vgl. ebd., S.70.

[17] Ebd.

[18] Ebd., S.73.

[19] Vgl. ebd., S.74.

[20] Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Plastik - Ein Material verändert die Gesellschaft
Untertitel
Über das Jahrhundert der Kunststoffe
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V170428
ISBN (eBook)
9783640892785
ISBN (Buch)
9783640892679
Dateigröße
389 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kunststoff, Umwelt
Arbeit zitieren
Miriam Marie Hirschauer (Autor), 2010, Plastik - Ein Material verändert die Gesellschaft , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170428

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