Burnout im Wettkampfsport

Eine Analyse der aktuellen Literatur unter besonderer Berücksichtigung der Self-Determination Theory


Diplomarbeit, 2010

147 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Burnout-Syndrom
2.1 Allgemeine Definitionen
2.2 Richtungsweisende Erklärungsansätze
2.2.1 Burnout nach Freudenberger
2.2.2 Burnout nach Maslach

3 Das „Athlete-Burnout“ - Syndrom
3.1 Definitionen des „Athlete-Burnout“ - Syndroms
3.2 Verschiedene Konzepte und Entstehungsmodelle
3.3 Quantifizierung und Messverfahren

4 Self-Determination Theory
4.1 Die Organismic Integration Theory
4.2 Basic Needs Theory

5 Methodisches Vorgehen der Literaturanalyse
5.1 Quellen/Literaturrecherche
5.2 Weitere Vorgehensweise
5.3 Datenanalyse

6 Allgemeine Ergebnisse der Literaturanalyse
6.1 Definition „Athlete-Burnout“
6.1.1 „Athlete-Burnout“ - Definition nach Raedeke und Smith
6.1.2 Weitere psychosoziale Burnoutdefinitionen
6.1.3 Alternative „Athlete-Burnout“ - Definitionen
6.2 Theoretische Hintergrundmodelle
6.2.1 Self-Determination Theory
6.2.2 Die „commitment“ Theorie
6.3.3 Kognitiv-affektives Modell
6.2.4 Soziologisches Modell nach Coakley (1992)
6.2.5 Training Stress Syndrome
6.2.6 Stressbasiertes Modell nach Gould et al. (1996)
6.3 Probanden
6.4 Messverfahren
6.5 Studiendesign und Überprüfung der Hypothesen
6.5.1 Übersichtsarbeit
6.5.2 Querschnittanalyse
6.5.3 Längsschnittanalyse und Prospektivstudie
6.5.4 Qualitative Analyse
6.5.5 Qualitative Längsschnittanalyse
6.5.6 Fallstudie
6.6 Ergebnisse
6.6.1 Prävalenz des „Athlete-Burnout“ - Syndroms
6.6.2 Die Bedeutung der SDT im Zusammenhang mit dem „Athlete-Burnout“ - Syndrom

7 Einschränkungen der Studien und zukünftige Fragestellungen

8 Praxistransfer und Präventionsstrategien

9 Zusammenfassung der Arbeit

10 Literaturverzeichnis

11 Anhang
11.1 Tabellenverzeichnis
11.2 Abbildungsverzeichnis
11.3 Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

Der Zustand mentaler und/oder körperlicher Erschöpfung ist wohl jedem bekannt. Den Begriffen Stress und Belastung sowie dem Gefühl einem zu hohen Druck ausgesetzt zu sein begegnet man tagtäglich. Auf den ersten Blick assoziiert der Großteil der Bevölkerung mit diesen Begriffen negative Erfahrungen und Gefühle, obwohl der Stress die Leistungsfähigkeit des Menschen steigern kann. Man spricht von Eustress, wenn gewisse Belastungen anspornen und zu Höchstleistungen verhelfen. Überwiegt jedoch die Überlastung und wird der Stress auf Dauer als zu groß wahrgenommen, so wird auch die Leistungsfähigkeit herabgesetzt (Disstress). Langfristig kann das „Fass“ unter bestimmten Umständen „überlaufen“, woraus sich ein Erschöpfungssyndrom entwickeln kann.

Am 10.11.2009 ereilte die Öffentlichkeit urplötzlich die traurige Nachricht über den Freitod Robert Enkes, den damaligen Nationaltorhüter der deutschen Fußballmannschaft. Diese Nachricht löste weltweit eine tiefe Bestürzung aus und warf gleichzeitig viele Fragen auf, die offenbar niemand so richtig zu beantworten wusste. Robert Enke litt an einer schweren Depression und konnte trotz medizinischer Hilfe und großer Unterstützung aus seinem Familienkreis nicht vor dem Selbstmord bewahrt werden. Neben ihm gibt es zahlreiche andere bekannte Beispiele von Leistungssportlern, die an einem ähnlichen Symptomenkomplex gelitten haben oder noch daran leiden und gezwungen waren krankheitsbedingt ihren Beruf als Sportler aufzugeben. Dazu zählt auch das „Jahrhunderttalent“ des deutschen Fußballs, Sebastian Deisler, der als „Messias und Retter“ der angeschlagenen Fußballnation angesehen wurde und letztendlich an den hohen Erwartungen scheiterte (Rosentritt, 2009). Auch er litt lange Zeit unter den Symptomen eines Burnout-Syndroms, die offenbar zu einer schweren Depression führten. Im Jahr 2007 zwang ihn die Krankheit zur Aufgabe seiner Karriere. Er stieg aus dem einst geliebten Sport aus, beendete seine Karriere als Profifußballer beim FC Bayern München und ließ sich professionell behandeln (Rosentritt, 2009). Ein weiterer bekannter Leistungssportler, der wegen eines Burnout-Syndroms dem Profisport den Rücken kehren musste, ist Sven Hannawald, einer der bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Skispringer (Internet 1). In einer im Internet veröffentlichen Stellungnahme Sven Hannawalds zu Robert Enkes Freitod, spricht er davon, dass bei ihm die Depression im Anfangsstadium erkannt wurde und er sich rechtzeitig in stationäre Behandlung begab (Internet 2).

Sven Hannawald und Sebastian Deisler waren emotional und körperlich erschöpft. Es gab Phasen, in denen sie sich einem zu hohen Druck ausgesetzt fühlten, folglich weniger erfolgreich waren und letztendlich die Entscheidung trafen aus dem Leistungssport auszusteigen. Anhand der genannten Beispiele wird deutlich, dass die Depression und das Burnout-Syndrom häufig synonym in Bezug auf ein und dieselbe Person verwendet werden, was zu Verwirrung führen kann. Auch Golenia und Sulprizio bringen die beiden Sportler Deisler und Hannawald mit dem Burnout-Syndrom in Verbindung (Golenia & Sulprizio, 2007). Die beschriebenen Fallbeispiele sind vermutlich nur die Spitze des Eisberges. Die Tendenzen im Leistungssport und der öffentliche Druck lassen jedoch kaum Zweifel daran aufkommen, dass es eine hohe Dunkelziffer an Leistungssportlern gibt, die an Burnout erkranken. In der Anfangsphase oft unentdeckt, kann sich das Syndrom immer mehr verschlimmern und zu einer Depression führen (Golenia & Sulprizio, 2007). Bei diesen bekannten Beispielen aus dem Leistungssport liegt die Vermutung nahe, dass Burnout eine Vorstufe der manifesten Depression ist, die sich schleichend im Inneren des Menschen entwickelt und im Gegensatz zu körperlichen Erkrankungen und Verletzungen häufig unbemerkt bleibt. Langfristige Ziele sind demnach die Sensibilisierung der beteiligten Menschen für dieses Erschöpfungssyndrom im Umfeld des Leistungssports, seine Früherkennung und die Entwicklung und Anwendung präventiver Maßnahmen, um Burnout entgegenzuwirken.

Offensichtlich weisen das Burnout-Syndrom und die Depression Parallelen auf, die sich dennoch in ihren Grundzügen voneinander unterscheiden (Cresswell & Eklund, 2002). Die Beispiele legen offen, dass Erschöpfungssyndrome wie Depressionen und Burnout in allen Lebensbereichen auftreten und auch Profisportler darunter leiden.

Nachdem die Öffentlichkeit von diesen Beispielen Kenntnis nahm, durch ein reges Medieninteresse weitreichende Diskussionen ausgelöst wurden und der Informationsbedarf in diesem Forschungsbegiet immer mehr zunahm, entstand die Motivation das Phänomen Burnout im Bereich des Spitzensports zu untersuchen. Die genannten Fallbeispiele waren ausschlaggebend für die Wahl des Diplomarbeitsthemas, um einen besseren Einblick in das Burnout-Syndrom und die Tragweite der Problematik im Wettkampfsport zu bekommen. Ziel dieser Arbeit ist die genaue Untersuchung dieses Forschungsgegenstandes im Wettkampfsport und eine umfassende qualitative Analyse aktueller Literatur unter besonderer Berücksichtigung der Self-Determination Theory (SDT).

Vorab werden folgende Fragen an die Literaturanalyse gestellt:

1) Gibt es eine einheitliche Definition über das „Athlete-Burnout“ - Syndrom?
2) Welche theoretischen anerkannten Hintergrundmodelle bezüglich der Ätiologie des Syndroms gibt es, und welche Rolle spielt die Self-Determination Theory?
3) Gibt es anerkannte Messverfahren, um Burnout zu quantifizieren und zu diagnostizieren?
4) Welche Auswirkungen haben die Ergebnisse der Burnoutforschungen vor dem Hintergrund der Self-Determination Theory auf Interventionsstrategien?

Um diese Fragen zu beantworten und den Forschungsgegenstand genauer darzulegen, wurde eine umfassende Literaturanalyse durchgeführt, die auf der Grundlage modernster sportwissenschaftlicher und -psychologischer Literatur fußt. In den Onlinekatalogen der wichtigsten Datenbanken wurden die Artikel aus den Fachzeitschriften heruntergeladen, ausgedruckt und tabellarisch zusammengefasst. Die Tabellen wurden sorgfältig nach diversen einheitlichen Kriterien unterteilt, die von Bedeutung für die nachfolgende Datenanalyse waren. Aufgrund des weit verbreiteten und oftmals umgangssprachlichen Gebrauchs des Begriffes Burnout (Cresswell & Eklund, 2002), der uneinheitlichen Charakterisierung in der publizierten Literatur, die häufig für Verwirrung und Verwechslung mit anderen Symptomen und Erkrankungen sorgen (Cresswell & Eklund, 2006), ist es das Ziel dieser Literaturanalyse, das „Athlete-Burnout“ - Syndrom zu konkretisieren, um es besser einordnen und verstehen zu können. Die vorliegende Arbeit erhebt den Anspruch, das Burnoutkonzept im Wettkampfsport unter besonderer Berücksichtigung der Self-Determination Theory in der aktuellen Literatur zu analysieren. Der Forschungsgegenstand wird dabei unter verschiedenen Kriterien genauer betrachtet und die Ergebnisse dieser Übersichtsarbeit sollen auf wesentliche Aussagen reduziert werden.

2 Das Burnout-Syndrom

Burnout ist ein populär gewordener und sehr bildhafter Begriff (Burisch, 2006), der sich vor allem in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts schnell verbreitete. Er wurde auch unter dem Namen „Helfersyndrom“ oder „Managerkrankheit“ bekannt, weil die Entstehung des Syndroms zum ersten Mal in den Pflegeberufen festgestellt wurde und als typisch für Manager in den 1990er Jahren galt (Burisch, 2006, S. 7; Golenia & Sulprizio, 2007, S. 60).

In den siebziger Jahren noch den ,helfenden Berufsgruppen‘ (Mediziner, Pflegepersonal, Polizei, Feuerwehr, Therapeuten) zugeordnet, dehnte sich der Begriff immer weiter auf die gesamte Berufswelt aus (Leppin, 2006, S. 100). Den Individuen dieser Berufsgruppe wird eine altruistische Verhaltensweise nachgesagt, die durch das selbstlose Handeln charakterisiert ist. Betroffene investieren immer mehr Energie in ihre Arbeit und erleben umso größere Enttäuschungen, wenn ihre Bedürfnisse oder Erwartungen nicht befriedigt werden (Burisch, 2006). Obwohl dem Burnout ähnliche Begriffe und Symptome schon in der Bibel beschrieben wurden, so verwendeten Freudenberger (1975) und Ginsburg (1974) diesen Begriff erstmals in den USA, um eine reduzierte mentale und körperliche Leistungsfähigeit von ehrenamtlichen Mitarbeitern zu beschreiben (Burisch, 2006). Heutzutage gelten psychische Probleme sogar als häufigste Ursache für ein frühzeitiges Ausscheiden aus dem Arbeitsleben, bei denen das Burnout-Syndrom an zweiter Stelle hinter der Depression steht (Leppin, 2006).

In der Bevölkerung wird die Bezeichnung Burnout wegen der hohen Affinität zu anderen Stresssymptomen häufig synonym mit den Begriffen Depression oder Überlastung in Verbindung gebracht. Dies führt eindeutig zu Verwirrungen und zieht einen umgangssprachlichen Gebrauch nach sich, der sich deutlich von der akademischen Verwendung unterscheidet (Raedeke, Lunney & Venables, 2002). Laut Burisch (2006) verbirgt sich hinter dem Begriff im metaphorischen Sinne „...eine langdauernd zu hohe Energieabgabe für zu geringe Wirkung bei ungenügendem Energienachschub.“ (Burisch, 2006, S. 7). Betroffen von diesem Ungleichgewicht sind aber nicht nur Sozialberufe und Ehrenämtler, sondern unter anderem auch Lehrer, Studenten, Manager, einfache Angestellte und Sportler. Mittlerweile ist man zu der Erkenntnis gelangt, dass alle Berufsgruppen, soziale Schichten und Altersklassen von einem gemeinsamen Burnout- Syndrom betroffen sein können (Burisch, 2006), in dessen Kern bestimmte Ziele, Bedürfnisse und Wünsche stehen. Diese werden oft gar nicht oder nur unter Vernachlässigung der anderen Bedürfnisse erreicht. Erwartungshaltung und Kraftaufwand bleiben hoch, um die gesteckten Ziele umzusetzen, bis irgendwann die Kraftreserven aufgebraucht sind und ein Erschöpfungszustand eintritt (Burisch, 2006). Das Dilemma besteht nach Burisch (2006) demnach in dem gleichzeitigen unmöglichen Aufgeben der Ziele und deren Erreichung. Falls es dennoch so weit käme, so würde der Betroffene eine schmerzliche Erfahrung machen (Burisch, 2006).

2.1 Allgemeine Definitionen

Kahn definierte Ende der siebziger Jahre Burnout als „ein Syndrom unangemessener Einstellungen gegenüber Klienten und sich selbst, oft in Verbindung mit unangenehmen physischen und emotionalen Symptomen“ (Kahn, 1987, S. 61-63). Ähnlich beschrieb Maslach (1982) Anfang der achtziger Jahre Burnout: ,ein Syndrom emotionaler Erschöpfung, Depersonalisation und persönlicher Leistungseinbußen, das bei Individuen auftreten kann, die in irgendeiner Art mit Menschen arbeiten. Es ist eine Reaktion auf die chronische emotionale Belastung, sich andauernd mit Menschen zu beschäftigen, besonders wenn diese in Not sind oder Probleme haben‘ (Maslach, 1982; zitiert nach Burisch, 2006, S. 17).

Beide Definitionen beschränken sich auf Burnout als Syndrom, das in der Auseinandersetzung der Betroffenen mit Patienten oder Rezipienten entsteht. Mittlerweile haben sich jedoch die Autoren darauf geeinigt, dass es dieses Phänomen auch außerhalb der helfenden Berufe gibt. Schon die Ergebnisse früherer Studien bewiesen, dass sich problematische zwischenmenschliche Beziehungen auch außerhalb sozialer Berufe entwickeln. Unter Stressbedingungen treten Schwierigkeiten im Verhalten in nahezu allen sozialen Rollen und Gemeinschaften auf, in der Ehe, im Beruf und auch unter Freunden (Burisch, 2006). Auch Maslach hat ihre ursprünglichen Definitionen revidiert und distanziert sich sogar von der Annahme, dass das Burnout-Syndrom ausschließlich durch Kontakte zu anderen Menschen entsteht. Parallel dazu entwickelte und modifizierte Maslach ihr Burnoutmessinstrument, den sogenannten MBI (Maslach Burnout Inventory siehe Kapitel 3.3). Des Weiteren wurde Burnout von Pines, Aronson und Kafry (2006) als Erschöpfungszustand auf physischer, mentaler und emotionaler Ebene definiert. Freudenberger und Richelson (1980) beschreiben Burnout ebenfalls als Ermüdungs- und Frustrationszustand, der durch unerwartet geringe Belohnungen verursacht wird (Burisch, 2006).

Trotz aller Bemühungen beschreiben viele der genannten Definitionen Burnout als einen Ist-Zustand, wodurch das Problem der Abgrenzung auf der zeitlichen Ebene entsteht. Dem wirkten jedoch Cherniss (1980) und Edelwich und Brodsky (1980) entgegen, indem sie Burnout als Prozess verstehen und erklären. Cherniss (1980) geht davon aus, dass sich eine ehemals motivierte Person aufgrund von anhaltender Belastung aus ihrem Beruf zurückzieht, während Edelwich und Brodsky (1980) die Arbeitsbedingungen für das fortschreitende Nachlassen von Idealismus, Energie, Zielstrebigkeit und Anteilnahme verantwortlich machen (Burisch, 2006). Pines et al. (2006, S. 13) weisen ebenfalls daraufhin, dass Burnout die Folge eines schleichenden Prozesses darstellt, der die Seele eines ehemals „entflammten“ Menschen strapaziert.

Etwas detailierter und zutreffender charakterisiert Leppin (2006), der Burnout als „Engagement- und Verausgabungskontinuum“ betrachtet, diesen Begriff wie folgt:

„Kennzeichnend für Burnout sind drei Kernsymptome: Auf der körperlichen und psychischen Ebene erleben die Betroffenen Erschöpfung, Müdigkeit und Kraftlosigkeit sowie Gefühle von Überforderung. Auf der Verhaltensebene schlägt sich dies als reduzierte Leistungsfähigkeit nieder. Wer unter Burnout leidet, erlebt sich als unproduktiv und nicht mehr in der Lage, den beruflichen Anforderungen gerecht zu werden. Hinzu kommt als weiteres Verhaltenssymptom, das als Bewältigungsversuch des Überforderungserlebens verstanden werden kann, die Tendenz, Distanz gegenüber Klienten oder Kunden bzw. dem Job generell aufzubauen und eine eher zynisch-kalte Haltung zu entwickeln“ (Leppin, 2006, S. 100).

Die Problematik besteht weiterhin darin, dass Burnout auch hier im Zusammenhang mit der Arbeitswelt und der Interaktion mit Menschen gesehen wird. Eine weitaus umfassendere Definition wurde von Schaufeli und Enzmann (1998) aufgestellt:

„Burnout ist ein dauerhafter, negativer, arbeitsbezogener Seelenzustand „normaler“ Individuen. Er ist in erster Linie von Erschöpfung gekennzeichnet, begleitet von Unruhe und Anspannung (distress), einem Gefühl verringerter Effektivität, gesunkener Motivation und der Entwicklung disfunktionaler Einstellungen und Verhaltensweisen bei der Arbeit. Diese psychische Verfassung entwickelt sich nach und nach, kann dem betroffenen Menschen aber lange unbemerkt bleiben. Sie resultiert aus einer Fehlpassung von Intentionen und Berufsrealität. Burnout erhält sich wegen ungünstiger Bewältigungsstrategien, die mit dem Syndrom zusammenhängen, oft selbst aufrecht“ (S. 36).

Trotz dieses mehrdimensionalen Ansatzes gelten auch hier gewisse Vorbehalte. Erstens wird die Erschöpfung als zentrales kennzeichnendes Element genannt, wobei Begleitsymptome sicherlich dazugehören. Es ist weiterhin die Rede von fehlerhaften Intentionen als Verursacher; mangelnde Kompetenzen oder abweichende Verhaltensmuster hingegen werden nicht erwähnt. Wie bei vielen anderen Definitionen wird der Zusammenhang mit der Arbeitswelt gesehen, obwohl Burnout auch bei Arbeitslosen auftreten kann (Burisch, 2006). Obwohl sich die Beschreibungen des Begriffes Burnout in jahrzehntelanger Arbeit weiterentwickelt haben, gibt es wie auch bei anderen psychischen Erkrankungen keine trennscharfe Definition, die allumfassend ist und eine Differentialdiagnostik erlaubt. Eine allgemein anerkannte Definition fehlt bis heute, was dazu beiträgt, dass der Begriff häufig umgangssprachlich gebraucht und mit anderen psychosozialen Erkrankungen wie der Depression verwechselt wird (Burisch, 2006).

2.2 Richtungsweisende Erklärungsansätze

In der Vergangenheit ist eine Vielzahl an Versuchen vorgenommen worden, das Burnout- Syndrom ganzheitlich zu beschreiben. Unter diesen psychologischen Definitionen haben sich allerdings schon sehr früh zwei richtungsweisende Ansätze herauskristallisiert, die bis heute oft zitiert und mit dem Begriff Burnout in Verbindung gebracht werden. Sie haben das Forschungsgebiet vorangetrieben und ihre eigenen Aussagen beziehungsweise Definitionen aufgrund der Forschungsergebnisse revidiert und modifiziert. Im kommenden Abschnitt werden diese beiden Definitionen näher beschrieben.

2.2.1 Burnout nach Freudenberger

Herbert Freudenberger (1975) war einer der Pioniere und Gründer der Burnoutforschung, auch wenn es den Begriff und erste Fallbeschreibungen schon lange vorher gab (Burisch, 2006). In seinen Bemühungen, einen Prozess physisch mentalen Verfalls und reduziertes Engagement am Arbeitsplatz zu beschreiben, entstand der Begriff Burnout als psychosoziales Konstrukt Mitte der siebziger Jahre (Eklund & Cresswell, 2007). Auch er beobachtete dieses Phänomen zunächst im Gesundheitswesen und charakterisierte es als Erschöpfungszustand infolge übermäßiger Anforderungen an Kraft, Energie und Ressourcen (Eklund & Cresswell, 2007). Dennoch beschränkte er das Burnout-Syndrom in seiner Forschungszeit nicht nur auf das Gesundheitswesen und Berufe, die mit Klienten Kontakt haben. Insbesondere wies er schon früh daraufhin, dass Burnout nicht nur in anderen Milieus vorkommt, sondern auch der Sport das Potential besitzt, das Syndrom auszulösen (Cresswell & Eklund, 2006). Freudenberger (1975) deutet an, dass die „Diskrepanz von Erwartung und Realität“ in sämtlichen Lebenssituationen Burnout auslösen kann (Burisch, 2006, S. 50). In seinen Augen nehmen die Betroffenen eine bestimmte Rolle mit einer gewissen Erwartungshaltung ein, die nicht gänzlich erfüllt werden kann. Damit die Ziele und Erwartungen, die mit der Situation verbunden sind, erfüllt werden, investieren die Personen viel Kraft und Arbeit. Dahinter steckt wiederum eine altruistische Verhaltensweise, die auf immaterielle Belohnungen wie Dankbarkeit und Anerkennung gerichtet ist. Burisch interpretiert die Fallbeispiele Freudenbergers so, dass auf drei verschiedenen Wegen Probleme entstehen können:

1) Werden die Ziele zu hoch gesteckt und nicht erfüllt, so bleibt eine Belohnung aus. Wird die unrealistische Zielsetzung mit einem übermäßigem Arbeitsaufwand erreicht, so wird die Belohnung die gestiegenen Ansprüche nicht erfüllen.
2) Wenn die Ziele nicht den eigenen Bedürfnissen entsprechen, sondern fremdbestimmt sind, dann wird die dazugehörige Belohnung nicht die eigenen Bedürfnisse befriedigen.
3) Im umgekehrten Fall kann auch eine unrealistische Belohnungserwartung mit einem realistischen Ziel verbunden sein. Hierbei wird die erhoffte Belohnung nicht eintreffen (Burisch, 2006, S. 50).

In der Praxis sind diese Entstehungsmodelle auch nicht eindeutig voneinander zu trennen und können kombiniert zu Problemen führen (Burisch, 2006).

2.2.2 Burnout nach Maslach

Mit Christina Maslach (1982) begann in der zweiten Häflte der siebziger Jahre die empirische Phase der Burnoutforschung. Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass sich der Begriff Burnout in der Psychologie durchsetzen konnte und die negative Behaftung in der Kategorie der ,Pop-Psychologie‘ loswurde (Burisch, 2006, S. 51). Maslach entwickelte zusammen mit Susan E. Jackson einen Fragebogen, der 1981 veröffentlicht und fortan unter dem Namen Maslach Burnout Inventory (MBI) bekannt wurde. Bis heute hat sich dieses Messinstrument in der einschlägigen Literatur durchgesetzt und wird in der überwiegenden Mehrheit der Forschungen angewendet (Burisch, 2006). Eine modifizierte Form des MBI, der MBI-GS (General Survey), wurde sogar erfolgreich bei Rugbyspielern eingesetzt (Eklund & Cresswell, 2007). Ein weiterer Meilenstein gelang Maslach und Jackson (1986) mit der Identifizierung des psychosozialen Syndroms, welches diverse Eigenschaften beinhaltet und in dessen Kern ein pathologisches Krankheitsbild steht (Cresswell & Eklund, 2002; 2006). In den Anfängen ihrer empirischen Arbeit fasste Maslach (1982) die Entstehung des Syndroms in drei Phasen zusammen:

1) Die emotionale Erschöpfung entsteht, wenn Menschen in ihren helfenden Berufen hohe emotionale Belastungen erfahren. Sie investieren viel Arbeit, ernten aber verhältnismäßig wenig Anerkennung und Erfolgserlebnisse.
2) Das zweite Kernsymptom, die Depersonalisation, entwickelt sich aus der Schutz- und Abwehrfunktion heraus, sich von den Klienten zu distanzieren und diese abzuwerten.
3) Findet der Transfer der Depersonalisation auf die Verhaltensebene statt, dann nehmen auch Erfolgserlebnisse ab, und es entwickelt sich eine Leistungsunzufriedenheit (Burisch, 2006, S. 52; Cresswell & Eklund, 2006).

Aus diesem Syndrom können sich weitere negative Folgeerscheinungen wie eine verminderte Leistungsfähigkeit, Demotivation, gesundheitliche Probleme, Alkohol- und Medikamentenmissbrauch, Probleme im privaten Umfeld und sogar eine reduzierte Bindung zum Sport entwickeln (Cresswell & Eklund, 2002; 2006). Des Weiteren hat Maslach die drei Kernsymptome auf die drei Messskalen des MBI übertragen. Zu dieser Zeit überwog noch die Meinung, dass sich Burnout auf „.emotional geladene Klientenkontakte.“ beschränke (Schaufeli & Enzmann, 1998, S. 84). Schaufeli und Enzmann (1998) revidierten die bisher gemachten Aussagen und lieferten empirische Beweise dafür, dass die alte Meinung keine Gültigkeit mehr besitze. Mittlerweile hat Maslach das Burnoutphänomen als alle Lebensbereiche umfassendes Konstrukt anerkannt, wobei sie in ihrer Annahme kritisiert wird, Burnout resultiere vorwiegend aus unangemessenen Organisationsstrukturen und weniger aus der Persönlichkeit heraus (Burisch, 2006). Diese Problematik bezeichnen Maslach und Leiter (1997) als „Person- Job-Mismatch“, in der sich eine bestimmte Person an einem nicht für sie geeigneten Platz befindet (Maslach & Leiter; zitiert nach Burisch, 2006, S. 54). Durch diese Inkongruenz entstehen Probleme, die Burisch (2006) mit einem nicht richtig passenden Kleidungsstück vergleicht. Um alle Lebensbereiche jedoch abzudecken und den Oberbegriff universell nutzbar zu machen, wird er von verschiedenen Autoren auch als „Person-Environment Misfit“ beschrieben (Burisch, 2006, S. 54). Allerdings besteht das Problem laut Burisch darin, dass Maslach die persönlichen Faktoren und damit subjektive Einschätzungen und Wahrnehmungen, die zu Burnout führen können, vernachlässigt (Burisch, 2006).

3 Das „Athlete-Burnout“ - Syndrom

Seit Beginn der Burnoutforschung lag der Schwerpunkt der Untersuchungen im Gesundheitswesen und den damit verbundenen helfenden Berufen, in denen eine ausgeprägte emotionale Bindung zu den Klienten vorherrscht. Erst im Laufe der Zeit erkannten die Forscher die universelle Tragweite des Burnoutphänomens und seine Erscheinung in Beruf, Familie und Freizeit. Unter anderem erweiterten Pines et al. (2006) den Forschungshorizont, indem sie behaupteten, dass alle an Burnout erkranken können, die hoch motiviert, idealistisch und sehr begeisterungsfähig sind.

Freudenberger (1975) war einer der ersten, der Burnout bereits in den siebziger Jahren in Verbindung mit dem Sport brachte und Maslach und Jackson (1986) erkannten eine reduzierte Bindung der Betroffenen zum Sport als Resultat des Syndroms (Cresswell & Eklund, 2002). Nachdem also die Prävalenz von Burnout in anderen Milieus entdeckt wurde und die Popularität des Begriffes zunahm, rückte auch der Leistungssport in den Fokus der Burnoutforschung. Innerhalb dieses Forschungsbereichs setzte man sich schon früh mit Burnout bei Trainern und sportlichen Leitern auseinander. Hier konnte bereits das Burnoutkonzept und der MBI von Maslach und Jackson vielversprechend angewendet werden, allerdings auch nur, weil das Personal im Sport Rollen erfüllt, die denen im Berufsalltag ähnlich sind und für die der MBI ursprünglich entwickelt wurde (Goodger, Gorely, Lavallee & Harwood, 2007; Cresswell & Eklund, 2002). Sportler wurden aufgrund der traditionellen Meinung über Burnout zunächst ausgeklammert. Mit der wachsenden Erkenntnis und der universellen Anwendung des Begriffes haben auch im sportlichen Kontext der Burnoutforschung Veränderungen stattgefunden, die positiv zum allgemeinen Verständnis des Phänomens beigetragen haben. Angesichts der immer größer werdenden Anforderungen im Leistungssport, des wachsenden medialen Interesses und des Konkurrenzdenkens, nimmt der Druck und die Belastung auf die Sportler zu; mit ihm vermutlich auch die Anzahl derjenigen, die an Burnout erkranken. Anfang der neunziger Jahre gab es einen Richtungswechsel hin zu Untersuchungen von Burnout unter Sportlern (Goodger et al., 2007). Unterdessen entstanden, geprägt durch die weitläufige und umgangssprachliche Verwendung des Begriffes Burnout, verschiedene Konzepte und Entstehungsmodelle, die sich sehr von dem psychosozialen Ansatz unterscheiden (Eklund & Cresswell, 2007). Im Folgenden wird das „Athlete- Burnout“ - Syndrom aus Sicht diverser Autoren näher beschrieben mit dem Ziel, es besser von dem allgemeinen Burnout-Syndrom und anderen Überlastungserscheinungen abgrenzen zu können.

3.1 Definitionen des „Athlete-Burnout“ - Syndroms

Die Entwicklung der Burnoutforschung mit ihren unterschiedlichen allgemeinen Definitionsversuchen wurde bereits eingehend erläutert. Folglich werden in diesem Kapitel ausschließlich Definitionen hervorgehoben, die Burnout aus sportwissenschaftlicher Perspektive beschreiben.

Eine etwas allgemeinere Definition stammt von Smith (1986) aus den achtziger Jahren. Demnach handelt es sich um einen psychologischen, emotionalen und physischen Rückzug aus dem einst „geliebten“ Sport, ebenfalls das Resultat zu hoher Belastungen. Diese Definition scheint zunächst sehr plausibel zu sein, dennoch unterscheidet sie nicht zwischen Sportlern, die wegen Burnout dem Sport den Rücken kehren und solchen, die andere Gründe haben. Obendrein besteht die Möglichkeit, dass ein Sportler wegen chronischem Stress mit dem Sport aufhört aber nicht an Burnout leidet. Burnout ist also eher als eine von vielen möglichen Konsequenzen von chronischem Stress anzusehen, und aus dem Grund sind stressbasierte Definitionen als kritisch einzustufen (Raedeke et al., 2002).

Sportpsychologen haben in Anlehnung an Maslach (1981) die Definition überarbeitet. So formuliert Raedeke (1997), dass „Athlete-Burnout“ ein multidimensionales Syndrom ist, welches durch die physische und emotionale Erschöpfung, die Abwertung des Sports und die sportliche Leistungsunzufriedenheit charakterisiert ist (Lemyre, Roberts & Stray- Gundersen, 2007). Wegen formaler Unterschiede zwischen Sportlern und Mitarbeitern im Gesundheitswesen, platziert Raedeke (1997) die Abwertung des Sports an die Stelle der Depersonalisation. Einhergehend mit den anhaltenden Beschwerden entwickelt sich eine negative Haltung gegenüber dem Sport, der eigenen Leistung und Person. Folglich distanziert sich der Athlet emotional und körperlich vom Leistungssport (Raedeke et al., 2002; Lemyre et al., 2007). Darüber hinaus ergänzt Raedeke (1997) in seiner Definition die emotionale Erschöpfung mit der physischen Komponente, da die körperliche Anstrengung im Sport eine wesentliche Rolle spielt. Der Vorteil von Raedekes (1997) Herangehensweise liegt in dem symptombasierten Ansatz, der auch Athleten berücksichtigt, die an Burnout leiden und weiterhin dem Sport verbunden bleiben. Zudem vermutet Raedeke (1997), dass Burnout nicht alleine durch chronischen Stress verursacht wird (Hodge, Lonsdale & Ng, 2008). Schutte, Toppinen, Kalimo & Schaufeli (2000) vertreten ebenfalls eine Definition, die sehr an die von Raedeke (1997; Raedeke & Smith,2001) erinnert. Sie beruht auch auf dem psychosozialen Ansatz und orientiert sich an den Burnoutsymptomen. Laut Schutte et al. (2000) ist „Athlete-Burnout“ durch die berufliche Leistungsunzufriedenheit, die Abwertung des Sports und Zynismus und eine physische und emotionale Erschöpfung charakterisiert.

3.2 Verschiedene Konzepte und Entstehungsmodelle

Wie man im Folgenden erkennen kann, stimmen nicht alle „Athlete-Burnout“ - Untersuchungen mit Maslach und Jacksons (1981) Verständnis von Burnout als psychosoziales Syndrom überein, die sich somit maßgeblich von dem ursprünglich anerkannten Modell unterscheiden (Eklund & Cresswell, 2007). Dieses Problem beginnt schon bei dem Versuch eine operationalisierbare Definition zu finden, auf die sich die Forschung einigen kann. So sehen einige Experten bereits in der Verknüpfung erhöhter Trainingsumfänge, ungenügender Regenerationszeiten und erhöhter Wettkampfbelastungen ein verstärktes Risiko an Burnout zu erkranken (Gustafsson, Kenttä, Hassmen & Lundqvist, 2007). Coakley (1992) hingegen verfolgt ein soziologisches Konzept und versteht „Athlete-Burnout“ als Einstellung oder Beendigung der sportlichen Laufbahn, die bereits bei sehr leistungsorientierten Jugendlichen beobachtet werden kann. Bildhaft ausgedrückt handelt es sich um den ,shooting star‘, der sich durch ehemals hohes Engagement und beträchtlicher Erfolge unerwartet aus seiner Sportart zurückzieht (Eklund & Cresswell, 2007, p. 623). Coakley (1992) stellt in diesem Zusammenhang fest, dass die soziale Struktur verbunden mit dem großen Aufwand im Leistungssport die Athleten daran hindern anderen Freizeittätigkeiten nachzugehen, in denen sie ihre Persönlichkeit auch außerhalb des Trainingsumfeldes frei entfalten können. Die einseitige Identität des Sportlers basiert ausschließlich auf den Erfolgen und Erfahrungen, die er oder sie im Leistungssport gemacht hat (Cresswell & Eklund, 2006). Die sehr einengenden Beziehungen zwischen den Sportlern und ihren Erziehungsberechtigten können das Gefühl hervorrufen, nicht mehr „Herr des eigenen Lebens“ zu sein. Kontrollverlust und eine verminderte Selbstständigkeit sind das Ergebnis (Cresswell & Eklund, 2006; Gustafsson et al., 2007). Coakley (1992) sieht in der Burnoutmanifestation das Ende der sportlichen Karriere mit dem Ziel der Sportler, mehr Selbstständigkeit zu genießen und ihre Persönlichkeit mehrdimensional zu entwickeln (Eklund & Cresswell, 2007; Cresswell & Eklund, 2006). Coakleys (1992) Entstehungsmodell beruht vereinfacht gesagt auf der Idee, dass „Athlete-Burnout“ eine spezielle Form von „sport dropout“ ist, was insofern problematisch ist, dass Burnout mit Dropout, also dem Ausstieg aus dem Sport, gleichgesetzt wird (Eklund & Cresswell, 2007, p. 623). Autoren wie Raedeke (1997), Silva (1990) und Smith (1986) betrachten Dropout als mögliche Folge von Burnout. An dieser Stelle sollte noch einmal betont werden, dass sich nicht alle von Burnout betroffene Sportler aus dem Sport zurückziehen. Es wäre fahrlässig, diese Gruppe von Sportlern in der „Athlete-Burnout“ - Forschung zu übersehen. Nichtsdestotrotz bietet Coakleys (1992) Ansatz den Anreiz für die Erforschung der Faktoren, die „Athlete-Burnout“ begünstigen können (Eklund & Cresswell, 2007).

Silva (1990) deutet in seiner Theorie des ,training stress syndrome‘ an, dass „Athlete- Burnout“ auf einer maladaptiven Reaktion erhöhter Trainingsbeanspruchungen basiert, die sich auf psychophysiologischer Ebene auswirken und vom Zustand der Abgeschlagenheit bis hin zu Burnout fortsetzen kann (Eklund & Cresswell, 2007, p. 624). Sobald der Athlet ein gewisses Leistungsplateau erreicht, kann der Burnoutprozess ausgelöst werden (Eklund & Cresswell, 2007). Die Anpassungsmechanismen des Körpers schlagen zunächst fehl, den durch die Trainingsreize entstandenen psychophysiologischen Stress zu verarbeiten. Die resultierende Abgeschlagenheit oder Stumpfheit des Körpers kann nach wiederholter Anpassungsunfähigkeit in den Zustand des Übertrainings führen (Silva, 1990). Dieser entsteht aus der Kombination von zu hohen Trainingsreizen und zu geringer Erholung und führt unweigerlich zur Leistungsabnahme und zur anhaltenden Erschöpfung (Lemyre et al., 2007). Burnout kann auf diesem Kontinuum als Endzustand oder Nebenprodukt eines sich verschlechternden psychophysiologischen Zustands bezeichnet werden, in dem alle Ressourcen erschöpft sind und der Körper die Kraft für den Umgang mit den hohen Belastungen nicht mehr aufbringen kann (Eklund & Cresswell, 2007; Silva, 1990). Entgegen Silvas (1990) Meinung gibt es jedoch Belege dafür, dass sogar Athleten an Burnout erkranken, die keinen überhöhten Trainingsreizen ausgesetzt sind. In der Beschreibung von Burnout geht Silva (1990) vermehrt auf mögliche Vorläufer und Konsequenzen ein und ignoriert den Erfahrungsprozess des Burnout-Syndroms. Dadurch bringt er folglich zwei scharf voneinander zu trennende Syndrome durcheinander, Burnout und Übertraining (Cresswell & Eklund, 2006; Eklund & Cresswell, 2007). Er nennt Symptome wie Schlaflosigkeit und ein schwaches Immunsystem, die von Maslach als mögliche Prädiktoren oder Folgen von Burnout beschrieben werden, und behauptet, dass der Rückzug aus dem sportlichen Umfeld unabdingbar sei (Cresswell & Eklund, 2006).

Smith (1986) hat der Entstehung von „Athlete-Burnout“ ein kognitiv-affektives Modell zugrunde gelegt, das auf der Social Exchange Theorie (SET) beruht. Laut Smith (1986) lässt sich das Burnoutphänomen durch chronisch psychosozialen Stress und durch die Bestandteile der SET erklären und beschreibt Burnout als „...psychological, emotional, and at times a physical withdrawal from a formerly pursued and enjoyable activity“ (Eklund & Cresswell, 2007, p. 631). Der erste Bestandteil des kognitiv-affektiven Modells in der Stress- und Burnoutentstehung ist das Ungleichgewicht von Anforderungen und Ressourcen. Hierbei empfinden die Betroffenen entweder zu hohe oder zu niedrige Belastungen, begleitet von einer geringen sozialen Unterstützung, was letztendlich zu Stress führt (Cresswell & Eklund, 2006). Insbesondere schreiben Coakley (1992) und Smith (1986) der sozialen Struktur eine besondere Rolle zu, indem sie beteuern, Individualsportarten seien häufiger von Burnout betroffen als Mannschaftssportarten.

Beide Autoren betonen, Individualsportler würden eher mit hohen Anforderungen konfrontiert und die Beziehungen innerhalb einer Mannschaft könnten als Puffer wirken. Bisher gibt es jedoch keine empirische Studie, die diese Behauptungen bestätigt (Gustafsson et al., 2007).

Geringe Belohnungen oder mangelnde Anerkennung können ebenfalls die Entstehung begünstigen. Ein weiterer Baustein des Stress- und Burnoutmodells ist die kognitive Bewertung der Situation, in der ein Ungleichgewicht zwischen externen Anforderungen und persönlichen Ressourcen wahrgenommen wird. Smith (1986) zufolge führt dies auf Dauer zu Leistungsunzufriedenheit, geringer Kontrolle und erlernter Hilflosigkeit. Der dritte Bestandteil resultiert aus der subjektiven Bewertung der Situation und erzeugt eine psychologische Realität, auf die der Sportler, je nach Ausmaß der Einschätzung, mit physiologischen Symptomen reagiert (Cresswell & Eklund, 2006). Frustration, Müdigkeit, Anspannung und andere Anzeichen physiologischer Erregung können zukünftige Bewertungsprozesse beeinflussen, die ihrerseits die Wahrnehmung von Überlastung oder Unterforderung verstärken. Diese soeben genannten physiologischen Symptome, die Smith (1986) mit Burnout assoziiert, können aus dem chronischen Stress hervorgerufen werden. In dem vierten Bestandteil des kognitiv-affektiven Modells nach Smith werden die Auswirkungen auf der Verhaltensebene beschrieben. Sie umfassen eine herabgesetzte Leistungsfähigkeit und eine psychologische, wenn nicht sogar physische Distanzierung von der Sportart. Mit Verweis auf Maslach (1982) und Raedeke (1997) beschreibt Smith (1986) Burnout auf ähnliche Weise. Die betroffenen Sportler ziehen sich emotional zurück, befinden sich in einem Erschöpfungszustand, werten den Gegenstand Sport ab und empfinden eine reduzierte Selbstwirksamkeit in der Ausübung der Sportart. Smith (1986) erwähnt aber ausdrücklich, dass der Sportler trotz ungünstigem Kosten-Nutzen- Verhältnis dem Sport wegen bestimmter positiver Assoziationen oder mangelnder Alternativen verbunden bleiben kann und differenziert somit Burnout von Dropout. Dennoch vergleicht der Athlet seine Situation mit Alternativen, die er in Betracht zieht, wenn die Ergebnisse unter das Niveau einer vergleichbaren Aktivität fallen. Es ist jedoch fraglich, ob wegen der hohen Investition in den Leistungssport solche Alternativen überhaupt vorhanden sind beziehungsweise erkannt werden. Kritik wird jedoch auch an Smiths (1986) stressbasiertem Modell geübt. Zunächst wird Stress als Wahrnehmung oder Bewertung des Ungleichgewichts zwischen Anforderungen und Ressourcen gesehen, und damit geht die Motivation als Resultat aus dieser Kalkulation hervor. Die Sozialpsychologie hingegen betrachtet Stress als situationsbezogene Bedingung oder Belastung, die durch Umweltgegebenheiten beeinflusst werden kann (Cresswell & Eklund, 2006) . Weiterhin bleibt offen, unter welchen Umständen der Betroffene aufgibt. Es kann sogar sein, dass er bei fehlenden Alternativen weitaus länger Leistungssport betreibt und bereits unter Burnoutsymptomen leidet. Ferner zitieren Cresswell & Eklund (2006) Schmidt und Stein (1991), die anmerken, dass das SET Modell keine zeitliche Komponente beinhaltet und somit die Burnouterfahrung nicht auf einer bestimmten Zeitspanne erklären kann (Cresswell & Eklund, 2006).

Die Arbeitsgruppe Gould, Udry, Tuffey & Loehr (1996) befürwortet ein ähnliches stressbezogenes Beanspruchungsmodell, welches zwischen physischen und psychosozialen Belastungen unterscheidet. In diesem Modell wirken neben den zu hohen Trainingsbelastungen auch die anfällige Persönlichkeit und situationsbezogene Anforderungen zusammen. Zu den vulnerablen Persönlichkeitsfaktoren zählt zum Beispiel eine perfektionistische Veranlagung und zu den situationsbezogenen Dispositionen gehören der Druck der Eltern, des Trainers oder anderer bedeutsamer Personen aus dem näheren sozialen Umfeld (Gustafsson et al., 2007).

Raedeke (1997) und andere Forscher stellten fest, dass Burnout mehr als nur das Ergebnis chronischer Belastungen ist. Sie untersuchten, welche Funktionen die Verpflichtung und das Engagement (eng. commitment) im Leistungssport übernehmen und versuchten zu begründen, weshalb Sportler trotz Burnout ihrem Sport zwanghaft verbunden bleiben können. Dabei führt Raedeke (1997) das Engagement des Sportlers in seiner Sportart auf dessen Attraktivität und/oder einen persönlichen Zwang zurück, Sport aufgrund verschiedener Gründe ausüben zu müssen. Beispiele aus seinen Studien belegen, dass sich Sportler mit geringeren Burnoutergebnissen aufgrund der Attraktivität der Sportart engagieren und verpflichten. Auf der anderen Seite birgt die Verpflichtung gegenüber der Sportart aus zwanghaften Gründen eine ungleich höhere Gefahr an Burnout zu erkranken. Betroffene fühlen sich gefangen oder gezwungen die Beteiligung am Sport aufrechtzuerhalten, obwohl die intrinsisch Motivation fehlt. Es sind vor allem soziale Gründe, Identitätsprobleme, Investitionen materieller und nicht materieller Art, wahrgenommene Kontrolle und mangelnde Alternativen, die einen unfreiwillig an den betriebenen Leistungssport binden (Cresswell & Eklund, 2006).

Trotz diverser Definitionen und Entstehungsmodelle in der Burnoutforschung sind sich die meisten Forscher einig, dass chronischer Stress und Überlastungen des Körpers Burnout begünstigen. Die Ursachen dafür sind vielfältig und zum Teil sehr unterschiedlich, dennoch leiden die Betroffenen unter einem gemeinsamen multidimensionalen Syndrom, das ihre Gesundheit und Lebensqualität in hohem Maße einschränkt.

3.3 Quantifizierung und Messverfahren

Die Schwierigkeit in der „Athlete-Burnout“ - Forschung ein einheitlich anerkanntes Konzept zu entwickeln, um das Beschwerdebild besser zu verstehen, setzt sich in der Quantifizierung von Burnout fort. Das Fehlen eines solchen aussagekräftigen Messinstrumentes stellt die Sportpsychologen vor eine der größten Herausforderungen in der „Athlete-Burnout“ - Forschung. Wie bereits erwähnt, leiteten Maslach und Jackson (1986) aus ihrer Definition des Burnout-Syndroms den Maslach Burnout Inventory (MBI) ab, ein Messverfahren, das bis heute als grundlegendes Standardmessinstrument in der Arbeitsplatzforschung angesehen wird. Darüber hinaus gibt es bereits modifizierte Formen des Maslach Burnout Inventory, der somit in spezifischen Arbeitsumfeldern angewendet werden kann. So wurde er auch von der Burnoutforschung im Sport übernommen, was jedoch sehr unterschiedliche Ergebnisse bei den untersuchten Gruppen zur Folge hatte. Während der Einsatz des MBI beim Sportpersonal, wie zum Beispiel den Trainern relativ vielversprechend war, so konnte die Anwendung bei Sportlern nur geringe Erfolge verzeichnen. In der Tat lassen sich diese Ergebnisse aus der unterschiedlichen Rollenverteilung des Sportpersonals und der Athleten ableiten (Eklund & Cresswell, 2007; Cresswell & Eklund, 2006). Dadurch, dass die ursprüngliche Version des MBI weniger für Athleten und andere Personen geeignet ist, wurde eigens der MBI-General Survey (MBI-GS) entwickelt, um auch Patienten zu erfassen, die keine Dienstleistungsposten innehaben. In diversen Studien mit Rugbyspielern wurden die Wörter „Arbeit“ mit ,Rugby‘ und „Organisation“ mit ,team‘ ausgetauscht, was eine bessere Eignung des MBI-GS für Sportler nach sich zog (Eklund & Cresswell, 2007, p. 626). Neben dem MBI gibt es aber noch andere Verfahren, die nicht auf der Arbeit von Maslach und Jackson (1986) beruhen. Der Eades Athletic Burnout Inventory (EABI) stammt aus einer unveröffentlichen Masterarbeit und hat sich unterschiedlicher Quellen bedient, um ein Messverfahren speziell für Sportler zu entwickeln. Er vereint die Erkenntnisse aus der Literatur, dem MBI und aus Erfahrungsberichten von betroffenen Sportlern und genoss ebenfalls lange Zeit Anerkennung (Eklund & Cresswell, 2007). Die Entwicklung des EABI ergab 36 Items mit sechs Unterskalen, welche unter anderem den Erschöpfungszustand, die mentale Distanzierung, die Abwertung durch Trainer und Mitspieler, ein negatives Selbstbild der sportlichen Leistungsfähigkeit, die übereinstimmende Erwartungshaltung zwischen Trainer und Sportler und zuletzt die persönlichen und sportlichen Erfolge bemessen. Diese Unterskalen offenbaren hinsichtlich der Interpretation insofern Probleme, indem sie Bemessungsgrundlage von Burnoutvorläufern und -eigenschaften darstellen. Hinzu kommen die eher fragwürdige Entstehung des Messverfahrens und unbefriedigende psychometrische Belege aus diversen Studien, die sogar nach Abschaffung zweifelhafter Items auftraten (Eklund & Cresswell, 2007). Dem EABI fehlt schlichtweg ein empirisches und theoretisches Fundament. Infolge dieser Schwierigkeiten berichteten diverse Studien nur von einem allgemeinen Burnoutergebnis, obwohl die Mehrdimensionalität der Symptomatik mittlerweile anerkannt ist (Cresswell & Eklund,2006) . Durch diese beunruhigenden Resultate angeregt, versuchten Raedeke und Smith (2001) einen Fragebogen zu entwickeln, der die symptombasierte Definition des „Athlete- Burnout“ - Syndroms abdecken sollte. Bei diesem Versuch entstand der Athlete Burnout Questionnaire (ABQ), welcher die emotionale und körperliche Erschöpfung, die reduzierte Leistungsfähigkeit und die Abwertung des Sports bewertet. Ursprünglich beruht der ABQ auf Maslach und Jacksons (1986) Entdeckungen und berücksichtigt auch neuere Entwicklungen in der „Athlete-Burnout“ - Forschung. Er besteht aus 15 Items, in denen sich folgende Kernfrage wiederfindet: „How often dou you feel this way?“ (Eklund & Cresswell, 2007, p. 626). Die Athleten können auf einer 5-Punkte Likertskala von 1) „fast nie“ bis 5) „fast immer“ die Fragen beantworten. Untersuchungen konnten die interne Konsistenz und Reliabilität für alle Subskalen belegen und zeigen, dass sogar die psychometrische Datenerhebung per Internet mit dem traditionellen Verfahren vergleichbar und ebenfalls geeignet ist. Ähnlich wie der MBI-GS greift auch der ABQ auf die Option zurück, bestimmte Wörter auszutauschen, um ihn an bestimmte Sportarten anzupassen. Abschließend kann man festhalten, dass sowohl der MBI-GS als auch der ABQ die Kriterien der Validität und Reliabilität erfüllen und ganz nebenbei die Depression und Burnout differenziert erfassen können. Aufgrund psychometrischer Ergebnisse, Validitätsanalysen und praktischer Überlegungen wird der Gebrauch des ABQ empfohlen, um das Ausmaß des „Athlete-Burnout“ - Syndroms zu erheben (Eklund & Cresswell, 2007, p. 627).

4 Self-Determination Theory

Die Self-Determination Theory (SDT), im Deutschen auch Selbstbestimmungstheorie genannt, ist eine Theorie der menschlichen Motivation, die von den Psychologen Deci und Ryan (1985; 1993; 2000; 2002) vertreten wird. Sie beinhaltet organismische, also nach Wachstum und Entwicklung strebende Veranlagungen vor dem Hintergrund der Integration sowie dialektische Ansätze. Letzterer meint die wechselseitige Beeinflussung des organismischen Integrationsprozesses und der Einflüsse aus der sozialen Umwelt. Dieser Wachstumsprozess und dessen Einbettung in soziale Strukturen wird durch verschiedene motivationale Faktoren angetrieben, um die notwendige psychische Kraft bereitzustellen. Im Mittelpunkt der SDT steht das Selbst, welches als Prozess und Ergebnis gleichzeitig betrachtet werden kann. Geprägt wird das Selbst von Beginn der Entwicklung an durch das eben beschriebene Gesetz der organismischen Integration, bei dem angeborene psychologische Grundbedürfnisse, Fähigkeiten und Interessen der Persönlichkeit eine bedeutende Rolle spielen. Durch die Interaktion mit der sozialen Umwelt entwickelt sich das Selbst immer weiter und unterliegt einem ständigen Wandel, bedingt durch die Vorgänge und Strukturen der organismischen Dialektik (Deci & Ryan, 1993; 2000; 2002).

Eine weitere Stütze der SDT ist das Konzept der Intentionalität, welche die Verhaltenssteuerung zu erklären versucht. Wenn Menschen eine Intention haben, geht es ihnen darum, irgendetwas erreichen zu wollen und sind dementsprechend motiviert, um bestimmte Zwecke oder Ziele umzusetzen. Den Intentionen folgen motivierte Handlungen, die von der Person ausgehen und auf kurz- oder langfristige befriedigende Erfahrungen oder Ergebnisse abzielen. Auf der anderen Seite gibt es auch amotivierte Handlungen, denen keine bestimmten Intentionen zugrunde liegen (Deci & Ryan, 1993). Das können Verhaltensweisen aus dem Affekt heraus sein oder der Zeitvertreib ohne erkennbare Zielsetzung. Zwischen diesen beiden Endpunkten eines Kontinuums unterscheidet die SDT „.unterschiedliche qualitative Ausprägungen des motivierten Handelns“ (Deci & Ryan, 1993, S. 224), die nach dem Ausmaß der Selbstbestimmung und ihrer Kontrolliertheit weiter aufgeschlüsselt werden können. Gehen die Handlungen von dem Selbst aus und sind freiwillig, dann werden sie als autonom oder selbstbestimmt bezeichnet, während von außen aufgezwungene oder durch innere Zwänge provozierte Handlungen als kontrolliert gelten. Diese gegensätzlichen Verhaltensweisen sind demnach die Endpunkte des Kontinuums, welches Auskunft über die Ausprägung einer motivierten Handlung gibt. Je nach Ort der Handlungsverursachung („locus of causality“) wird weiterhin zwischen external und internal differenziert, um das Kontinuum präziser darzustellen (Deci & Ryan, 1993, S. 225).

Kann der Mensch eine Auswahl zwischen verschiedenen Anbahnungen der Verhaltensregulation treffen und ist sie selbstbestimmt, dann befindet sich der Ort der Handlungsverursachung internal. Intrinsisch motivierte Verhaltensweisen sind durch einen hohen Grad an Selbstbestimmung charakterisiert, da sie ausschließlich aus dem Selbst stammen, sorgfältig ausgewählt werden und mit den eigenen Bedürfnissen und Auffassungen übereinstimmen (Deci & Ryan, 1993; Mallett, 2005). „.Neugier, Exploration, Spontaneität und Interesse an den unmittelbaren Gegebenheiten der Umwelt“ und die Freude an bestimmten Tätigkeiten halten die intrinsische Motivation aufrecht (Deci & Ryan, 1993, S. 225-226; Lonsdale, Hodge & Rose, 2009). Demgegenüber stehen extrinsisch motivierte Verhaltensweisen, die in der Regel nicht spontan auftreten, sondern einen instrumentellen Zweck erfüllen. Sie werden durch außerhalb der Person liegende Impulse, Zwänge oder Drohungen angeregt, um ein Ergebnis zu erzielen, das nichts mit dem eigentlichen Geschehen zu tun hat (Deci & Ryan, 1993; Cresswell & Eklund, 2005). Trotz dieser ehemals antithetischen Perspektive, welche die extrinsischen von den intrinsisch motivierten Verhaltensweisen strikt abgrenzte und sie entsprechend als kontrolliert oder fremdbestimmt bezeichnete, vertritt die Organismic Integration Theory (OIT) die Auffassung, dass auch extrinsisch motivierte Verhaltensweisen selbstbestimmt sein können (Ryan & Deci, 2002).

4.1 Die Organismic Integration Theory

Vergleichbar mit der Dynamik des Begriffes Burnout, hat sich auch das Verständnis über die SDT mit der Zeit weiterentwickelt. Nachdem die Forscher die SDT weiter aufgeschlüsselt haben, sind sie zur Erkenntnis gelangt, dass nicht nur intrinsisch, sondern auch extrinsisch motivierte Verhaltensweisen selbstbestimmt sein können. Bekannt wurde diese Theorie unter dem Namen Organismic Integration Theory und ist Bestandteil der SDT. Mit den Begriffen der Internalisation und Integration versucht die OIT zu erklären, wie extrinsisch motivierte Verhaltensweisen „.in selbstbestimmte Handlungen überführt.“ und in Einklang mit dem Selbst gebracht werden können (Deci & Ryan, 1993, S. 226-227). Der organismisch-dialektische Charakter impliziert, dass sich der Mensch auch fremde Verhaltensweisen und Regulationsmechanismen aus einem anerkannten sozialen Umfeld aneignet, um die Voraussetzungen für das allgemeine persönliche Wohlbefinden zu schaffen. Dem natürlichen Bestreben nach Wachstum, persönlicher Entwicklung und Wohlbefinden liegen wesentliche Bedürfnisse zugrunde, deren Befriedigung durch die soziale Umwelt unterstützt werden kann. Es findet also auch eine Integration extrinsischer Regulationsmechanismen in das individuelle Selbst statt und folglich das Gefühl selbstbestimmten Handelns. Es wird vermutet, dass diese Prozesse nur dann ideal funktionieren, wenn die Bedürfnisse nach Autonomie, Kompetenz und sozialer Zugehörigkeit erfüllt werden oder der Mensch im Besitz notwendiger Ressourcen ist, sie zu befriedigen. Eine genauere Untersuchung der extrinsischen Motivation ergab eine weitere Einteilung in vier Formen der extrinsischen Verhaltensregulation, die auf dem Selbstbestimmungskontinuum (siehe Abb. 1) abgebildet ist (Deci & Ryan, 1993; 2000; 2002).

Abb. 1: Das Selbstbestimmungskontinuum: Lonsdale et al. (2009, p. 786)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die externale Regulation bildet die äußerste Form der extrinsischen Motivation und den Übergang zur Amotivation und gehört zur übergeordneten Gruppe der nichtselbstbestimmten extrinsischen Motivation. Das Verhalten wird hierbei durch bestimmte externale Faktoren kontrolliert, um entweder eine Belohnung zu bekommen oder einer Bestrafung zu entgehen. Im Kontext des Sports könnte dies bedeuten, dass ein Trainer einen Athleten zu bestimmten Übungen zwingt, die ihm eigentlich keinen Spaß machen. In dieser Situation verspürt er weder Selbstständigkeit noch macht er dies freiwillig oder gerne (Deci & Ryan, 1993; Mallet, 2005; Lemyre et al., 2006).

Die nächste Ebene auf dem Selbstbestimmungskontinuum ist die introjizierte Regulation und gehört ebenfalls zur Gruppe der nichtselbstbestimmten oder kontrollierten extrinsischen Motivation. Verhalten wird durch innere Zwänge und Druck gesteuert und der Sportler sieht sich verpflichtet seiner Tätigkeit nachzugehen, obwohl sein Selbst nicht daran interessiert ist. Ein Grund für eine bestimmte Übungsdurchführung könnte sein, dass er dem Trainer einen Gefallen machen möchte, um keine Schuldgefühle zu bekommen und seine Selbstachtung aufrechtzuerhalten. Für die Handlung sind zwar keine äußeren Impulse mehr notwendig, die Verhaltensregulation bleibt jedoch weiterhin vom individuellen Selbst isoliert. Der Ort der Handlungsverursachung befindet sich folglich außerhalb der Person. Beide Formen der nichtselbstbestimmten extrinsischen Motivation haben gemeinsam, dass sie nicht als freiwillig ausgewählt empfunden werden und somit einem gewissen Maß an Zwang unterliegen (Deci & Ryan, 1993; Mallet, 2005; Lemyre et al., 2006).

Ein weiteres Stadium der übergeordneten Gruppe der selbstbestimmten extrinsischen Motivation ist die identifizierte Regulation, die eintritt, sobald der Sportler den gewinnbringenden Effekt des Trainings erkennt, der ihn zu seinem endgültigen Höhepunkt der Leistungsfähigkeit bringt. Er stuft das Training persönlich als wichtig ein, um ein übergeordnetes Ziel zu erreichen. In diesem Zustand sind diese Ziele und Werte bereits identifiziert und in das Selbstkonzept integriert (Deci & Ryan, 1993; Mallet, 2005; Lemyre et al., 2006).

Der zweite Bestandteil der selbstbestimmten extrinsischen Motivation ist die integrierte Regulation. Auf dem Selbstbestimmungskontinuum bildet sie den direkten Übergang zur intrinsischen Motivation, die durch das „freudvolle Tun“ und das höchste Maß an Selbstbestimmung gekennzeichnet ist (Deci & Ryan, 1993, S. 225). Die integrierte Regulation hat jedoch nach wie vor einen instrumentellen Charakter und ist nicht vollständig losgelöst von äußeren Impulsen. Beide Verhaltensweisen sind sich dennoch sehr ähnlich und bilden gemeinsam die Basis des selbstbestimmten Handelns. Insofern ist die integrierte Regulation die erfolgreiche „.Integration von Zielen, Normen und Handlungsstrategien.“ aus der sozialen Umwelt, „.mit denen sich das Individuum identifiziert.“ (Deci & Ryan, 1993, S. 228). Nun stimmt diese Orientierung mit dem Selbstkonzept überein und das Internalisierungsgeschehen ist abgeschlossen. In diesem Zustand könnten Sportler beispielsweise behaupten, dass sie das Training als wichtig erachten, da es mit der persönlichen Überzeugung von Gesundheit und Fitness in Einklang steht (Deci & Ryan, 1993; Mallet, 2005; Lemyre et al., 2006). Diese Veränderung der motivationalen Beweggründe von nichtselbstbestimmten kontrollierten zu selbstbestimmten oder autonomen Formen der Motivation ähnelt einem Anpassungsprozess, der den Sportler veranlasst weiter zu trainieren, um die selbstgesteckten Ziele zu erreichen (Mallett, 2005).

Schließlich gibt es noch einen Zustand, der als Amotivation bezeichnet wird. Athleten treiben ohne jegliche Motivation und Interesse Sport, weil er für sie keinen Stellenwert mehr besitzt. Diese Sportler erkennen auch keinen Zusammenhang mehr zwischen ihrem Verhalten und den vollbrachten Leistungen und es kann zu einer reduzierten Teilnahme am Sport kommen (Mallett, 2005; Lemyre et al., 2006).

Je selbstbestimmter die Motivation eines Sportlers ist, umso mehr verschiebt sich der wahrgenommene Ort der Handlungsverursachung in das Innere des Selbst. Der Sportler lernt das Training zu schätzen und verspürt eine gewisse Autonomie auch frei wählen und entscheiden zu können. Es wird vermutet, dass selbstbestimmte Motivationsformen zahlreiche positive Auswirkungen nach sich ziehen, wie zum Beispiel eine erhöhte Leistungsfähigkeit, die Anwendung positiver Bewältigungsstrategien in Stresssituationen, eine längere Teilnahme am Sport und eine geringere Gefahr an Burnout zu erkranken, während eine Verschiebung entlang des Selbstbestimmungskontinuums in Richtung extrinsischer Motivationsformen die Entstehung von Burnout begünstigt. Aus diesem Grund scheint die SDT geeignet dafür zu sein, die Bedeutung der Motivation bei der Entstehung von Burnout im Wettkampfsport zu untersuchen (Lemyre et al., 2006; Mallett,2005) . Darüber hinaus könnte sie sich als hilfreich für die Erstellung gewisser Richtlinien für Präventions- und Interventionsprogramme erweisen, wobei weitere Recherchen die möglichen Zusammenhänge zwischen Burnoutcharakteristika und der Bedürfnisbefriedigung sicherstellen müssen (Eklund & Cresswell, 2007).

4.2 Basic Needs Theory

Die Basic Needs Theory (BNT) ist eine Untergruppe der SDT, die dazu geeignet ist die Auswirkungen sozialer Umweltfaktoren auf das Wohlbefinden der Sportler zu erforschen. Im Kern der Selbstbestimmungstheorie geht es um physiologische und psychologische Bedürfnisse und Emotionen, die den Ausgangspunkt für das menschliche Verhalten darstellen. Die BNT befasst sich jedoch vorwiegend mit den universellen und kulturübergreifenden psychologischen Bedürfnissen, die eine antreibende Kraft für viele Alltagshandlungen darstellen und Vorgänge beeinflusst, mit deren Hilfe menschliche Triebe und Emotionen autonom gesteuert werden können. Genauer gesagt sind es die drei angeborenen Bedürfnisse nach Kompetenz (Wirksamkeit), Autonomie (Selbstbestimmung) und sozialer Eingebundenheit (soziale Zugehörigkeit), welche für die extrinsische und intrinsische Motivation von Bedeutung sind und die Entwicklung der Persönlichkeit und menschlichen Psyche fördern (Deci & Ryan, 1993; Reinboth & Duda, 2005; Lemyre et al., 2006). Deci und Ryan (1993) gehen davon aus, dass der Mensch über eine angeborene Tendenz verfügt, sich in einem sozialen Kontext mit anderen Menschen zugehörig zu fühlen, wirksam zu agieren und autonom zu handeln. Weiterhin postulieren sie, dass die intrinsische Motivation hauptsächlich mit den Bedürfnissen nach Kompetenz und Autonomie zusammenhängt, wobei extrinsisch motivierte Verhaltensweisen in ihrer Entwicklung zusätzlich mit der sozialen Eingebundenheit im Zusammenhang stehen. Besonders die Entwicklung der Kompetenz und Autonomie sind entscheidend für die Prozesse der Internalisation und Integration, die die Selbstregulierung und Aufrechterhaltung von gesundheitsfördernden Verhaltensweisen begünstigen (Deci & Ryan, 1993; Ryan, Patrick, Deci & Williams, 2008). Die beiden Psychologen Ryan und Deci (2000) nehmen sogar an, dass Menschen bestimmte Ziele verfolgen, um ihre angeborenen Grundbedürfnisse zu befriedigen. In diesem Zusammenhang scheinen insbesondere solche Organisationsstrukturen und Umweltfaktoren im Leistungssport selbstbestimmte Motivationsformen hervorzubringen, die den Sportlern die Gelegenheit bieten die psychologischen Grundbedürfnisse zu befriedigen. Faktoren und Bedingungen, welche die Befriedigung der Bedürfnisse erschweren, behindern diese Prozesse und können zu zahlreichen negativen Konsequenzen führen (Deci & Ryan, 1993; Reinboth & Duda, 2005).

Eines der angeborenen psychologischen Grundbedürfnisse ist die Autonomie, die in der Selbstverwaltung und -steuerung des eigenen Verhaltens sichtbar wird und fremdbestimmtes Verhalten meidet (Deci & Ryan, 2000). Diverse Studien konnten belegen, dass extrinsische Belohnungen für intrinsisch motivierte Tätigkeiten zu einer nachhaltigen Veränderung des wahrgenommenen Ortes der Handlungsverursachung von internal zu external führten. Die Teilnehmer fühlten sich durch die Belohnungen in ihrer Tätigkeit kontrolliert, waren weniger intrinsisch motiviert und somit weniger autonom in ihrem Verhalten. Ferner deuteten die Studien an, dass Strafandrohungen, Überwachungen, Bewertungen und das Einhalten von Terminen die intrinsische Motivation untergraben, weil eine Veränderung hin zu einem „external perceived locus of causality“ (externaler Ort der wahrgenommenen Handlungsverursachung) stattgefunden hat (Deci & Ryan, 1993, S. 230). Auch Sportler nehmen ihre einst mit Vergnügen betriebene Sportart als external kontrolliert war, sobald finanzielle Belohnungen das Bedürfnis nach Autonomie untergraben. Dennoch könnten finanzielle Anreize den Sportler dazu veranlassen weiter Sport zu treiben, bis er einer neuen Möglichkeit begegnet, die ein reizvolleres Kosten-Nutzen-Verhältnis bietet. Die Einsicht zu gewinnen, dass eine alternative Karriere trotz möglicher finanzieller Einbußen Vorteile wie die Selbstverwirklichung und weniger Verpflichtungen mit sich bringt kann lange Zeit dauern (Cresswell & Eklund, 2006). Wurden allerdings die Entscheidungsfreiheit und die Gefühle der Personen ernst genommen, so haben sie sich wieder als Ursprung ihrer Verhaltensweisen wahrgenommen und das Bedürfnis nach Autonomie wurde befriedigt. Deci und Ryan (1993; 2000) zitieren weitere Studien, in denen ein Zusammenhang zwischen autonomiefördernden Maßnahmen und positiven Auswirkungen wie eine höhere intrinsische Motivation, erhöhte Zufriedenheit und eine verbesserte gesundheitliche Situation besteht (Deci & Ryan, 1993; 2000). Mittels der Selbstständigkeit können Individuen ihre Verhaltensweisen an die Erfüllung eigener persönlicher Bedürfnisse anpassen, um ihr Leben eigenständig zu organisieren und sich vor selbstzerstörerischen Prozessen zu schützen (Deci & Ryan, 2000).

Das Bedürfnis nach Kompetenz oder Wirksamkeit kann durch die Bewältigung verschiedener Herausforderungen im Alltag und in der sozialen Umwelt erfüllt werden (Deci & Ryan, 2000). Um die Erfüllung dieses Bedürfnis weiter zu unterstützen, bedarf es laut Deci und Ryan (1993; 2000) unter anderem Fähigkeiten zu lehren und lernen, um angemessene Aufgaben bewältigen zu können und positiver oder konstruktiver Rückmeldungen einer Führungspersönlichkeit (Eltern, Lehrer, Trainer etc.). Letztere konnten die intrinsische Motivation erhöhen; zum einen, weil die Person ihrer Wirksamkeit in der Tätigkeit sofort bewusst wird, zum anderen weil das informative Feedback als Hilfe aufgefasst wird und den Ehrgeiz anregt, die künftige Aufgabe besser zu meistern. Dies gilt allerdings nur dann, wenn die Person sich auch für ihre kompetenten Handlungen verantwortlich fühlt und die Differenz zwischen Anforderungsniveau einer Aufgabe und ihrem Fähigkeitsniveau als machbar empfunden wird. Im Gegensatz dazu wurde in den jeweiligen Studien gezeigt, dass negatives Feedback dem Kompetenzgefühl entgegenwirkte und intrinsisch motivierte Verhaltensweisen abnahmen. Hinzu kommen perfektionistische Charaktereigenschaften und unrealistische Zielsetzungen des Sportlers und Außenstehender, die das Gefühl der Unwirksamkeit verschlimmern können. Daraus resultierende Versagensängste und hohe Erwartungen, die die Sportler an sich selbst stellen werden mit Burnout in Verbindung gebracht (Deci & Ryan, 1993; 2000; Lonsdale et al., 2009; Cresswell & Eklund, 2006).

Offensichtlich haben die Befriedigung der Kompetenz und Autonomie einen maßgeblichen Einfluss auf selbstbestimmte Verhaltensweisen. Dennoch sollte das Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit, Geborgenheit und Vertrautheit nicht unterschätzt werden. Studien mit Kindern, Schülern und Studenten offenbarten einen positiven Zusammenhang zwischen Lernsituationen, bei denen den Kindern Aufmerksamkeit und Interesse geschenkt wurden und intrinsischer Motivation (Deci & Ryan, 1993). Jedoch scheint das Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit weniger bedeutsam für die intrinsische Motivation zu sein als die Autonomie und Kompetenz, da in vielen Fällen auch selbstbestimmte intrinsische Verhaltensweisen oder Hobbies im Allgemeinen alleine durchgeführt werden. Soziale Kontakte und Beziehungen haben jedoch einen indirekten Einfluss auf die intrinsische Motivation, weil sie zur Bedürfnisbefriedigung beitragen und für den Rückhalt und die Geborgenheit unabdingbar sind (Deci & Ryan, 2000). Die Unterstützung aus dem sozialen Umfeld kann sogar als Puffer angesehen werden, welcher die Auswirkungen von Stress und Burnout mäßigt und die Regeneration einer Sportverletzung unterstützt. Insbesondere birgt der Leistungssport die Gefahr in sich, das Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit zu untergraben, da der Athlet eine Vielzahl von Opfern eingehen muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Oft folgen Verletzungen oder Nichtnominierungen, die ihn von dem Rest der Mannschaft isolieren und Auswärtsspiele, die verhindern, die Freizeit mit Familie und Freunden zu verbringen (Cresswell & Eklund, 2006). Insofern besteht aus organismischer Sicht die übergeordnete Tendenz der Menschen darin, sich nicht nur persönlich weiterzuentwickeln, sondern seinen Platz in der sozialen Gemeinschaft zu finden (Deci & Ryan, 2000). Eine Studie mit russischen Studenten legte nahe, dass die Personen, die ihre Lebensziele mehr auf die persönliche Entwicklung, Beziehungen und Gemeinschaftsleben legten als auf Reichtum, Ruhm und Ansehen, ein höheres Wohlbefinden verspürten (Ryan & Deci, 2000). Untermauert wird dieses Ergebnis durch eine Studie mit Kindern. Sobald autoritäre Führungsstrukturen, Kontrolle und geringe Zuneigung die Erziehung bei Kindern bestimmen, nimmt die Befriedigung der Grundbedürfnisse ab und im Gegenzug Ersatzbedürfnisse, kompensatorische Motive und nichtselbstbestimmte Motivationsformen zu (Deci & Ryan, 2000). Das Streben nach extrinsischen Werten wie Wohlstand, Ruhm und Ansehen, die in Verbindung mit Krankheitsanzeichen gebracht werden, gewinnt an Bedeutung (Cresswell & Eklund,2006) . Im übertragenen Sinne bedeutet das für den Wettkampfsport, dass demokratische Führungsstrukturen, informatives Feedback und offene Umgangsformen zwischen Sportlern und Führungskräften einer Mannschaft oder eines Verbandes für die Befriedigung der Grundbedürfnisse als Grundlage eines positiven Klimas unverzichtbar sind.

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Ende der Leseprobe aus 147 Seiten

Details

Titel
Burnout im Wettkampfsport
Untertitel
Eine Analyse der aktuellen Literatur unter besonderer Berücksichtigung der Self-Determination Theory
Hochschule
Deutsche Sporthochschule Köln  (Psychologisches Institut)
Note
1,5
Autor
Jahr
2010
Seiten
147
Katalognummer
V170447
ISBN (eBook)
9783640893348
ISBN (Buch)
9783640893126
Dateigröße
1160 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine mit 1,3 ausgezeichnete Diplomarbeit des Erstkorrektors Prof. Dr. JK, der Geschäftsführer des Psychologischen Instituts an der Deutschen Sporthochschule in Köln ist. Das Institut ist seit 2011 Teil eines Netzwerks, dem auch die Robert-Enke Stiftung beigetreten ist. Ergebnisse dieser Diplomarbeit fließen in die Erforschung des Burnout-Syndroms im Leistungssport mit ein und geben einen Einblick in den Forschungsgegenstand unter den Gesichtspunkten Definition, Ätiologie, Prävalenz, Entstehungsmodelle, Interventionsstragetien und Praxistransfer.
Schlagworte
Burnout, Athlete-Burnout, Burnout im Leistungssport, Selbstbestimmungstheorie, Depression im Leistungssport, Depression, Burnout und Self-Determination Theory, Self-Determination Theory
Arbeit zitieren
David Fußinger (Autor), 2010, Burnout im Wettkampfsport, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170447

Kommentare

  • Hiermit möchte ich mich nochmal für die Unterstützung von Frau Dipl.-Psych. Sulprizio und Herrn Prof. Dr. Kleinert von der Deutschen Sporthochschule Köln bei der Erstellung der Arbeit bedanken. Ideen, Gestaltung der Arbeit, methodische Vorgehensweisen und Hilfestellungen der beiden oben genannten Wissenschaftler beeinflussten die Gestaltung der Diplomarbeit maßgeblich.

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Titel: Burnout im Wettkampfsport



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