Theorie und Praxis handlungsorientierter Medienpädagogik


Hausarbeit, 2010

18 Seiten, Note: bestanden


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Handlungsorientierte Medienpädagogik im Kontext integraler Medienpädagogik
2.1. Ausrichtung integraler Medienpädagogik
2.2. Multidisziplinärer Ansatz integraler Medienpädagogik

3. Grundlagen der Handlungsorientierten Medienpädagogik
3.1. Historische und inhaltliche Grundlagen
3.2. Medienkompetenz
3.3. Aufgaben der handlungsorientierten Medienpädagogik

4. Praxis der handlungsorientierten Medienpädagogik
4.1. Lernprozesse
4.2. Pädagogische Vorraussetzungen
4.3. Beispiel für handlungsorientierte Medienpädagogik
4.3.1. Der Klassiker: Schülerzeitung
4.3.2. Foto-Storys im Bereich der Religionspädagogik
4.3.3. Podcast zur Medienpädagogik

5. Fazit – Möglichkeiten und Grenzen handlungsorientierte Medienpädagogik

6. Literaturverzeichnis

Die Hausarbeit wurde erstellt von:

Florian Karcher

Fakultät für Erziehungswissenschaften, Promotionsstudium

als Leistungsnachweis in erziehungswissenschaftlicher Theorie zur Erfüllung der Zulassungsvoraussetzungen zum Promotionsverfahren gemäß §4, Abs.2 Promotionsordnung der Fakultät für Pädagogik der Universität Bielefeld

1. Einleitung

Diese Hausarbeit will die handlungsorientierte Medienpädagogik in ihrer Theorie und Praxis grundlegend darstellen. Dazu soll sie zum einen im Gesamtkontext der Medienpädagogik verortet und dort wo es nötig ist zu anderen Strömungen der Medienpädagogik abgegrenzt werden. Zum anderen sollen die theoretischen Grundbegriffe erörtert und der Forschungsansatz der handlungsorientierten Medienpädagogik dargestellt werden. Abschließend wird der Blick auf die Umsetzung in der medienpädagogischen Praxis, u.a. anhand von Praxisbeispielen, gerichtet und ein Fazit über Möglichkeiten und Grenzen der handlungsorientierten Medienpädagogik gezogen.

2. Handlungsorientierte Medienpädagogik im Kontext integraler Medienpädagogik

2.1. Ausrichtung integraler Medienpädagogik

Die handlungsorientierte Medienpädagogik ist im Kontext der integralen Medienpädagogik verortet. Im Zentrum dieses Konzeptes von Medienpädagogik steht die Medienaneignung eigenständig handelnder Subjekte. Diese Ausrichtung baut auf den zentralen Fragestellung der beiden Referenzdisziplinen –der Medienwissenschaft und der Pädagogik- auf.

Die Medienwissenschaft stellt in ihrem Kern die Frage danach, wie gesellschaftliche Subjekte sich Formen und Inhalten von Medien aneignen. Es geht dabei um den „Prozess der Nutzung, Wahrnehmung, Bewertung und Verarbeitung von Medien aus der Sicht der Subjekte unter Einbezug ihrer – auch der medialen – Lebenskontexte“ (Schorb/Theunert 2000, S.35). Zentrales Moment stellt dabei die Verarbeitung und Bewertung von Medien nach ihrer Rezeption dar.

Die Fragestellung der Pädagogik hingegen bezieht sich auf das emanzipatorische Handeln des Subjekts: Wie können gesellschaftliche Subjekte zu einem selbst bestimmten Handeln befähigt werden (Gudjohns 2008, S.183ff.)? Im Bezug auf Medien geht es der Pädagogik in erster Line also um den Einfluss der Medien auf das Handeln und um die Frage der Selbstbestimmung.

Integrale Medienpädagogik unternimmt nun den Versuch diese beiden Fragestellungen miteinander zu verbinden. Ihr geht es bei Analyse der Aneignung von Medien auch immer um die Umsetzung der Ergebnisse in das pädagogische Handeln (Schorb 2008, S.75). Wichtige Aufgabe der integralen Medienpädagogik ist also die Erforschung des Prozess der Medienaneigung, als Interaktion zwischen Medium und Subjekt. Gemeint ist damit der gesamte Prozess von der Wahrnehmung bis zur Verarbeitung und seinen Folgen. Mit eingeschlossen sind nicht nur alleine das handelnde Subjekt, sondern auch das Objekt der Aneignung, sowie der soziale Raum in dem die Aneignung geschieht. Ziel der integralen Medienpädagogik ist es also Wissen um Medien und deren Aneignung zu erlangen und für die erziehungswissenschaftliche Praxis nutzbar zu machen, sowie den Einsatz von Medien in pädagogischen Prozessen zu optimieren. Damit stehen sowohl die mit Medien handelnde Subjekte, also auch die Medien in Form und Inhalt im Fokus der Medienpädagogik.

2.2. Multidisziplinärer Ansatz integraler Medienpädagogik

Da der Prozess der Medienaneignung immer in konkreten sozialen, kulturellen und historischen Kontexten stattfindet, bedient sich die integrale Medienpädagogik nicht nur der Medienwissenschaft und der Pädagogik, sondern verfolgt einen multidisziplinären Ansatz (Schorb 2008, S.76). Die Ergebnisse verschiedenster Nachbardisziplinen werden berücksichtigt und in Theorie und Praxis einbezogen. Medienpädagogik kann hier von Erkenntnissen profitieren und sie in medienpädagogische Modell transformieren.

So gibt beispielsweise die Psychologie Auskunft darüber, welche Wirkungen Medien auf das Denken und Fühlen von Menschen haben können oder wie mit Medien Angst oder Bedürfnisse erzeugt werden können. Mit den Auswirkungen von Medien auf emotionale und kognitive Reifungsprozesse beschäftigt sich z.B. die Entwicklungspsychologie und gibt gleichzeitig wichtige Hinweise auf das Reflexionsvermögen von Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher Altersklassen. Ein weiteres Beispiel ist die Soziologie, die die Frage stellt wie sich Medien und gesellschaftliche Entwicklungen wechselseitig beeinflussen. Aber nicht nur humanwissenschaftliche Disziplinen, sondern auch technische Wissenschaften, wie z.B. die Informatik, beziehen die integrale Medienpädagogik mit ein.

„Sinn des Bezugs auf alle Disziplinen, die einen Beitrag leisten, den Menschen und seine selbst geschaffene materielle Umwelt zu verstehen, ist es in erster Linie optimale Bedingungen pädagogischen Handelns zu gewinnen“ (Schorb 2008, S.76). Durch diesen multidisziplinären Ansatz ist die integrale Medienpädagogik befähigt, den o.g. Leitfragen der Bezugsdisziplinen Medienwissenschaft und Pädagogik gerecht zu werden, weil dadurch Wissen um den Prozess der Medienaneignung und Kompetenzen in der Befähigung zum emanzipierten Handeln erworben und in die medienpädagogische Betrachtung eingebracht werden.

3. Grundlagen der Handlungsorientierten Medienpädagogik

3.1. Historische und inhaltliche Grundlagen

Eine zentrale inhaltliche und historische Grundlage der handlungsorientierten Medienpädagogik stellt die kritische Medientheorie der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts dar. In ihr wird die Beeinflussung der gesellschaftlichen Subjekte durch die Massenmedien kritisiert. Medien werden als, in weiten Teilen, manipulativ empfunden (Vgl. Prokop 1985, S.165) und eine rein funktionalistische Sicht des Rezipienten von Medien wird verneint. Durch primär unterhaltsame Medienformate werde die Bildung selbstständig entscheidender und emanzipierter Individuen verhindert (Vgl. Schicha 2003, S.110) und keine kritische Öffentlichkeit gefördert. Dem entgegen setzt die kritische Medientheorie und in ihrem Gefolge die handlungsorientierte Medienpädagogik das Bild eines sich Medien aneignenden, auswählenden und aktiv mit Medien handelnden Menschen. Nicht die Medien, sondern die sie sich aneignenden Subjekt und ihr mediengeprägter Lebenskontext stehen also hier im Mittelpunkt der medienpädagogischen Betrachtungen. „Die Subjekte sollen die Medien ‚in-Dienst-nehmen’, d.h. sie als Mittel zur aktiven, mitgestaltenden Auseinandersetzung mit ihrer Lebenswelt gebrauchen (Schorb 2008, S.77).“ Es handelt sich dabei um einen zentralen Paradigmenwechsel: Es wird in der handlungsorientierten Medienpädagogik also nicht mehr nur danach gefragt, was die Medien mit dem Menschen machen, sondern vielmehr geht es darum, was der Mensch mit den Medien machen kann. Der Mensch wird hier als Subjekt gesehen, dass einerseits von gesellschaftlichen Bedingungen und Strukturen geprägt ist, aber eben auch fähig ist diese aktiv mitzugestalten.

Ein weiteres zentrales Merkmal der handlungsorientierten Medienpädagogik entstammt der Reformpädagogik. Der Ansatz des handelnden Lernen oder Learning-by-doing verfolgt eine Aneignung der Wirklichkeit in tätiger Auseinandersetzung mir ihr. John Dewey, der Begründer dieses Konzepts, war der Meinung, dass Lernen ganz und gar auf Erfahrung aufgebaut sein müsse. Diesem Ansatz folgen zahlreiche Ausprägungen der Reformpädagogik bis heute (z.B. Montessori-Pädagogik). Die handlungsorientierte Medienpädagogik sieht in Learning-by-doing eine geeignete Methode der Medienaneignung. Insbesondere kann dadurch die kommunikative Kompetenz (Habermas 1971) des Medienrezipienten gefördert werden. Mit kommunikativer Kompetenz ist die Fähigkeit des gesellschaftlichen Subjekts gemeint, sich mittels Symbolen sprachlicher und nicht-sprachlicher Art zu verstehen und sich zu verständigen. Ziel ist es dabei, dass das Individuum an gesellschaftlicher Kommunikation partizipiert und so in gesellschaftliche Prozesse eingreift und sie mitgestaltet (Vgl. Schorb 2005, S.257). Die aktive und selbsttätige Nutzung von Medien bildet dafür eine wichtige Vorraussetzung, da gesellschaftliche Kommunikation heute primär über Medien geschieht (Vgl. Schorb 2008, S.78).

3.2. Medienkompetenz

Dies führt dazu, dass sich als zentrale Zielsetzung der handlungsorientierten Medienpädagogik die Vermittlung von Medienkompetenz herausgebildet hat. Diese Weiterentwicklung und Reduktion von kommunikativer Kompetenz wendet diese auf die Medienpädagogik an, indem sie den Menschen befähigt, Medien in Form und Inhalt reflektierend und emanzipiert zu nutzen, um an gesellschaftlichen Prozessen zu partizipieren. Sie beschreibt die individuelle und gesellschaftliche Handlungsfähigkeit des Menschen in Bezug auf Medien (Vgl. Schorb 2005, S.258). Zugrunde liegt hier eine kritische Analyse der bestehenden Gesellschaft, nämlich die Feststellung, dass in der Gesellschaft im Grunde nur diejenigen mittels kommunikativer Kompetenz gesellschaftliche Prozesse beeinflussen können, die über ökonomische und damit vor allem politische Macht verfügen. Öffentliche Informationen unterliegen also dem Einfluss derjenigen, die dank ihrer ökonomischen und politischen Macht, diese Informationen für die Masse produzieren und über Medien verbreiten (ebd.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Theorie und Praxis handlungsorientierter Medienpädagogik
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
bestanden
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V170550
ISBN (eBook)
9783640895007
ISBN (Buch)
9783640894772
Dateigröße
377 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medienpädagogik, handlungsorierntiert, integrale Medienpädagogik, Medienkompetenz
Arbeit zitieren
Florian Karcher (Autor), 2010, Theorie und Praxis handlungsorientierter Medienpädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170550

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