Selbsterfüllende Prophezeiungen

When belief creates reality


Hausarbeit, 2005

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: „When belief creates reality“

2. Self-FulfiNing-Phrophecy-Effekt (Kernmechanismus)

3. Laborexperiment: Snyder, Tanke, Berscheid (1977)
3.1 Ziele
3.2 Methode
3.3 Ergebnisse
3.4 Kurzdiskussion

4. Laborexperiment: Rosenthal & Lawson (1964)
4.1 Ziele
4.2 Methode
4.3 Ergebnisse

5. Feldexperiment zum Lehrererwartungseffekt: Rosenthal & Jacobsen (1971)

6. Treatmentvorschläge
6.1 In Experimenten
6.2 In der Alltagswelt

7. Diskussion

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung: „When belief creates reality“ - Vom Vorurteil zur sozialen Realität?

Der Untertitel klingt schon etwas abenteuerlich. Wie kann ein Vorurteil, das doch nur im Kopf eines Menschen sitzt, zur (sozialen) Wirklichkeit werden?

Ein typisches Beispiel für eine solche Selbsterfüllende Prophezeiung sind Gerüchte: Nehmen wir an, es hätte sich das Gerücht verbreitet, dass der Psychologiestudent Xaver ein merkwürdiger Außenseiter ist und sich nicht mit anderen Kommilitonen unterhalten will. Eines Tages treffen sich Xaver und sein Mitstudent Peter im Treppenhaus. Peter hat schon über Xaver gehört, dass er etwas sonderbar und zurückgezogen lebt. Daher verhält er sich Xaver gegenüber auf eine Art und Weise, die mit seinem Vorurteil konsistent ist und beschließt, Xaver erst gar nicht zu grüssen. Er ist nämlich überzeugt, dass dieser ohnehin nicht an Kommunikation mit anderen Studenten interessiert ist. Peter sagt daher zu Xaver kein Wort, schaut absichtlich beim Zusammentreffen weg und schickt sich an, einfach weiterzugehen. Xaver, der in Wahrheit nur etwas schüchtern ist, wundert sich über das unfreundliche Verhalten Peters, den er eigentlich gerade grüßen wollte. Er rea­giert auf das ihm entgegengebrachte Verhalten auf ähnliche Art und Weise, indem er sich ärgert und denkt: „Er hat nicht einmal Hallo gesagt! Dann sage ich aber auch nichts!“ Pe­ter sieht das Verhalten von Xaver nun wiederum als Beweis dafür, dass sein Vorurteil kor­rekt war. Was er jedoch hierbei nicht bedenkt, ist die Rolle, die er selbst dabei gespielt hat: Durch sein (unkommunikatives, abwertendes) Verhalten hat er die Reaktion von Xa­ver (sich dementsprechend unfreundlich zu verhalten) selbst hervorgerufen.

Was ist hier passiert? Das Vorurteil oder Gerücht, Xaver wäre unfreundlich, wurde zur Realität. Peter selbst hat dazu beigetragen, sich Xaver so zu „erschaffen“, wie er ihn in seiner Vorstellung gesehen hat.

2. Self-Fulfilling-Phrophecy-Effekt (Kernmechanismus)

Nach Aronson et al. (2004, S. 70) funktionieren Selbsterfüllendene Prophezeiungen folgendermaßen:

1. Man hat bestimmte Erwartungen/Vorurteile von einer anderen Person und ihrem Verhalten, die
2. wiederum das eigene Verhalten gegenüber dieser Person beeinflussen, welche
3. sich daraufhin mit den ursprünglich gehegten Erwartungen konsistent verhält und so dafür sorgt, dass diese Erwartungen zur Realität werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(nach einem Beispiel in Aronson et al. 2004, S. 70 ff.)

Dadurch, dass Peter sich vorurteilskonform verhalten hat (1 in Abb. 1) und Xaver vorur­teilskonform reagierte (2 in Abb. 1), ist letztendlich Peters Vorurteil soziale Realität ge­worden: Auch jeder andere Unbeteiligte würde nun ebenfalls objektiv denken, Xaver wäre ein Außenseiter!

Somit werden sich nicht automatisch alle Vorurteile erfüllen, sondern nur solche, die von den Menschen auch „gelebt“ werden, d.h. wenn sie sich tatsächlich vorurteilskonform verhalten und der Interaktionspartner ebenfalls entsprechend vorurteilskonform reagiert.

3. Laborexperiment: Snyder, Tanke, Berscheid (1977)

3.1 Ziele

Das im Folgenden vorgestellte Experiment mit dem Titel „On the Self-Fulfilling Nature of Social Stereotypes“ war das erste, welches den Einfluss von sozialen Stereotypen auf die soziale Realität, hier auf das Interaktionsverhalten im Labor, demonstriert hat.

Dabei galt es die Hypothese zu testen: Soziale Stereotypen („Attraktive Frauen sind nett“; bzw. „Hässliche Frauen sind nicht nett“) haben Einfluss auf die soziale Realität (attraktive Frauen verhalten sich tatsächlich netter als unattraktive Frauen) durch Selbsterfüllende Prophezeiungen.

3.2 Methode

Männer und Frauen interagierten paarweise in einer „Kennenlern-Situation“ am Telefon miteinander, wobei sich die Versuchspersonen auch tatsächlich vorher nie gesehen hatten.

Die Hypothese (s. Kapitel 3.1) nennt als UV die Gesichtsattraktivität. Die Männer bekamen daher zuvor ein Foto mit einer schönen (1. Bedingung) oder einer unattraktiven Frau (2. Bedingung) vorgelegt. Sie sollten glauben mit diesen abgebildeten Frauen zu telefonieren. Die Bilder (unabhängige Variable) waren vor dem Experiment von neutralen Personen durch ein Rating als hübsch oder hässlich eingeschätzt worden, um die Validität der UV sicherzustellen.

Während der Kennenlern-Situation, die im Rahmen eines 10 Minuten andauernden, unstrukturierten Telefongesprächs des Paares stattfand, wurden die Stimme des Mannes, sowie die Stimme der Frau getrennt auf Tonband aufgenommen.

Messung

Nach und vor dem Gespräch füllten die Männer einen Impression Formation Fragebogen (AV1 vorher, AV2 nachher) aus, über welchen ihre Einschätzung der Frauen gemessen wurde.

Die Frauen füllten nach dem Gespräch ebenfalls einen solchen Fragebogen aus (AV3), über den sie sich selbst einschätzen sollten. Darüber hinaus führten die Frauen ein Rating (10 Punkte Skala) u.a. über folgende Items durch:

- Gefallen am Gesprächs
- Welches Bild, nach Einschätzung der Frau, der Partner sich von ihr durch das Gespräch gebildet hat (Perspektivenübernahme, hier: Vermutetes Fremdbild)
- Wie typisch das Verhalten des Partners gewesen war in Bezug darauf, wie sie üblicherweise von Männern behandelt wird
- Einschätzung ihrer eigenen, körperlichen Attraktivität
- Einschätzung der Meinung ihres Partner über ihre Attraktivität

Um herauszufinden, ob die Frauen tatsächlich durch ihr Verhalten im Gespräch die Vorurteile ihrer männlichen Partner bestätigt hatten, wurden die Tonbandaufnahmen Fremd-Ratings unterzogen (AV4, Urteiler). Die Personen, die es durchführten, waren sowohl im Unwissen über die Hypothese des Experiments, als auch über die manipulierte vermeintliche Attraktivität oder Unattraktivität der Versuchspersonen auf den Tonbändern (Doppel-Blind-Studie). Bei diesem Rating hörten die Urteiler nur jeweils die Stimme einer Versuchsperson und beurteilten sie durch den Impression Formation Fragebogen, sowie auf 14 zusätzlichen Zehn-Punkte Skalen.

3.3 Ergebnisse

Aufgrund der Auswertung des ersten Eindrucks der Männer (AV1) scheint es so zu sein, dass die Männer ihre ursprünglichen Erwartungen an ihre weiblichen Gesprächspartner tatsächlich auf der Basis von stereotypisierten Annahmen, z.B. „hübsche Frauen sind nett“, hegten. Wie vor dem Experiment durch die vorgetäuschte Schönheit vorhergesagt, erwarteten Männer, welche mit einer „attraktiven“ Partnerin sprachen, zugleich mit einer netten, sozial angepassten, humorvollen Frau zu reden. Im Gegensatz dazu erwarteten Männer, welche mit einer „unattraktiven“ Partnerin sprachen, zugleich mit einer unfreundlichen, sozial unangepassten, ernsten Frau zu reden.

Um herauszufinden, in welchem Ausmaß das Verhalten der Frauen im Gespräch, das Vorurteil („hübsche sind netter“) der Männer vor dem Gespräch tatsächlich bestätigt, wurde folgende Auswertung vorgenommen: Die Ergebnisse der Fragebögen der Männer nach dem Telefongespräch (AV2 nacher), sowie die Ergebnisse des externen Ratings (AV4) unterzogen Snyder et al. (1977, S. 661) einem varianzanalistischem Test. Dabei zeigte sich statistisch signifikant (F 2, 35) = 40,0, p<.025), dass Frauen, die in der „attraktiven Bedingung“ des Experimentes waren, sich in der Tat vorurteilskonform, d.h. freundlicher verhielten. Analog dazu verhielten sich die Frauen in der „unattraktiven Bedingung“, wie von den Männern erwartet, ebenfalls vorurteilskonform, d.h. unfreundlich und humorlos.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Selbsterfüllende Prophezeiungen
Untertitel
When belief creates reality
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Institut für Psychologie)
Veranstaltung
Sozialpsychologie I: Sozialperspektivität
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
14
Katalognummer
V170564
ISBN (eBook)
9783640895052
ISBN (Buch)
9783640895717
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Versuchsleitereffekt, Rosenthaleffekt, Selbsterfüllende Prophezeiung, Self-Fulfilling-Phrophecy
Arbeit zitieren
Dipl.-Psych. (Univ.) - B.Sc. (F.C. Hon.) in Psych. Sebastian A. Wagner (Autor:in), 2005, Selbsterfüllende Prophezeiungen , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170564

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