Punk als Gegenkultur im Zusammenhang mit Anarchie und Schule


Hausarbeit, 2010
18 Seiten, Note: 11

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Jugendkultur, Subkultur, Gegenkultur?

3. Die Punk-Gegenkultur
3.1. Ursprünge des Punk und seine Hintergründe
3.2. Punk-Rock
3.3. Erscheinungsbild der Punks
3.4. Raumaneignung
3.5. Fanzines
3.6. Punk in Deutschland

4. Punk und Anarchie

5. Punk und Schule

6. Quellenverzeichnis
6.1. Literaturangaben
6.2. Internetquellen
6.3. Filmmaterial

1. Einleitung

Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe Gleichaltriger ist für Jugendliche immens wichtig. Dabei existiert eine nahezu unübersichtliche Vielfalt an jugendkulturellen Strömungen, die ihre eigenen Outfits, Sprachen und Musikstile haben. Gerade weil man als Lehrer jeden Tag mit Jugendlichen in Kontakt kommt, erscheint es mir sehr wichtig, sich mit diesen Strömungen auseinanderzusetzen.

Im Rahmen dieser Arbeit habe ich mit der Punk-Szene – hier wird später eine andere Bezeichnung gefunden - auseinandergesetzt, da es mich interessierte, was das eigentliche Anliegen der Punks ist. Was wollen sie mit ihrem Äußeren, mit ihrer Musik zum Ausdruck bringen?

Diese modulabschließende Hausarbeit wird im Rahmen des achten Moduls, welches sich mit Gesellschaft, Bildungspolitik und Schule befasst, geschrieben. Sie thematisiert die Punk-Szene, wobei zu Beginn geklärt werden soll, ob es sich dabei um eine Jugendkultur, eine Subkultur oder eine Gegenkultur handelt. Des Weiteren soll auf den Ursprung und die Entwicklung der Punk-Szene eingegangen werden und welcher Medien sich die Punks bedienen, um ihre Ideen und Ziele zu kommunizieren. Ausgehend vom Seminar Schafft die Schule ab!?“ - Zur Geschichte und Aktualität radikaler Schulkritik wird es um den Zusammenhang von Punk und Anarchie gehen, woraufhin schlussendlich Thesen über die Auswirkungen des Punk-Daseins auf den Schulbesuch aufgestellt werden.

2. Jugendkultur, Subkultur, Gegenkultur?

Im Zusammenhang mit der Punk-Szene liest man immer wieder verschiedene Bezeichnungen. Die häufigsten unter ihnen sind Subkultur, Gegenkultur und Jugendkultur. Zu Beginn möchte ich aufzeigen, wie diese unterschiedlichen Begriff definiert sind.

Das Soziologie-Lexikon definiert den Begriff Jugendkultur wie folgt:

„Bezeichnung für das von Erwachsenen abweichende Verhalten von Jugendlichen, die sich zu einer bestimmten Kultur ausformt. Jugendliche entwickeln eigene Werte, Rituale, Kulturmuster und Lebensstile, die oft in despektierlicher und selbstbewusster Abgrenzung von der mittleren und älteren Generation ausgeprägt und gelebt werden. J.en entwickeln im histor. Prozessverlauf von Generation zu Generation neue Stile und Muster. Demzufolge unterscheiden sich J.en in unterschiedlichen Gesellschaften ganz beträchtlich. Aber auch in einer bestimmten Gesellschaft bilden sich in Abhängigkeit von sozialer Schicht, Bildung und Interessenlage unterschiedlicher J.en, die sich teilweise wie unterschiedliche Stämme entweder feindselig oder gleichgültig gegenüberstehen“ (Reinhold zitiert nach http://lexikon.stangl.eu/527/jugendkultur/)

„Das Birminghamer Centre of Contemorary Cultural Studies (CCCS) macht in den Jugendkulturen zwei Hauptrichtungen aus: Auf der einen Seite die Subkulturen, auf der anderen die Gegenkulturen.“ (Klemm, 18) Der Begriff Subkultur bezeichnet eine in sich geschlossene gesellschaftliche Teilkultur, die sich von der gesellschaftlich dominierenden Kultur unterscheidet. Diese Teilkulturen führen innerhalb der Gesamtkultur ein Eigendasein. Subkulturen können freiwillig durch aktive Abgrenzung oder unfreiwillig durch Diskriminierung oder Unterpriviligierung entstehen. (vgl. http://soziologie.soz.uni-linz.ac.at/sozthe/freitour/FreiTour-Wiki/subkultur.html)

Dieter Baacke konstatiert, der Begriff suggeriere, dass es sich um kulturelle Sphären handle, die unterhalb der akzeptierten elitären Kultur liegen, von teilweise zweifelhaftem Wert und einem unteren Bereich zugehörig. (vgl. Baacke, 133). Weiterhin gehe eine Subkultur-Theorie davon aus, dass einzelne Subkulturen genau lokalisierbar seien beispielsweise in einer bestimmten sozialen Schicht oder auch durch politische Gesinnungen. Dass dies aber nicht immer zutreffe, erläutert er am Beispiel der Punks, indem er sie wie folgt beschreibt: „Sie sind weder ‚links’ noch ‚rechts’ oder sie sind teils kommerziell, teils unabhängig, insgesamt keinem Raster zuzuordnen.“ (Baacke, 134).

Doch ein wesentliches Element der Definition von „Subkultur“ sei jedoch, so Baacke,

weiterhin haltbar, nämlich die Betonung der Eigenständigkeit kultureller Systeme. Eine Betonung dieser Tatsache impliziere, dass „kulturell“ hier nicht als Überbau-Phänomen gedeutet wird, sondern als ein spezifischer Habitus, der bis in die Motive

ökonomischer Lebenssicherung und politischer Selbstverortung hineinreiche. (vgl. Baacke, 134). Nach Klemm unterscheiden sich Gegenkulturen von Subkulturen darin, dass sie von außen diffus wirken, während Subkulturen ein eher homogenes Erscheinungsbild aufwiesen. Es gehe in ihnen um das Erproben neuer Lebensformen und um geschlossene Erklärungsansätze für wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge. Gegenkulturen seien beispielsweise Gruppen, die anarchistisch sind.

In meinen weiteren Ausführungen werde ich den Begriff Gegenkultur im Zusammenhang mit Punk verwenden, da mir auch das Gegen sehr passend erscheint.

3. Die Punk-Gegenkultur

3.1. Ursprünge des Punk und seine Hintergründe

Bezüglich der Entstehung des Punk ist man sich weder hinsichtlich des Ortes noch der Zeit einig. Viele der von mir angegebenen Werke bezeichnen die britische Band ‚ Sex Pistols’ als „Funke, dessen es bedurfte, um den lang ersehnten Flächenbrand auszulösen“ (Farin 1998, 79), dennoch kommt der New Yorker Szene ebenfalls Bedeutung zu. „Allgemein geht man davon aus, dass die New Yorker Punks den musikalischen Stil erfunden haben, während die Briten die politische Einstellung und das bunte Aussehen populär machten.“ (O’Hara 2006, 27) Punk verändert sich ständig, zudem gibt es zahlreiche Untergruppen von Gossen-Punks über D.I.Y.[1] – Punks bis hin zu Straight-Edger. Unter dem Begriff Punk werden also zahlreiche Strömungen und Stile zusammengefasst. Marc Bayard stellt in seinem Vorwort zu O’Haras Buch The Philosophy of Punk fest: „Das größte Problem beim Versuch, Punk zu erklären, ist, dass er nicht sauber in eine Schublade oder Kategorie passt […], da Punk das explizite Ziel hatte, alle Schubladen und Einordnungen zu zerstören.“ (O’Hara, 13)

Betrachtet man explizit die Entwicklung des Punks in Großbritannien, so muss dies vor dem Hintergrund der gesamtwirtschaftlichen und sozialen Situation Jugendlicher geschehen, welche infolge einschneidender Rezessionen und steigender Jugendarbeitslosigkeit eine Sinn- und Perspektivlosigkeit mit sich führte. Viele Jugendliche fanden nach ihrer Ausbildung keine Arbeit. Hauptsächlich davon betroffen waren Jugendliche aus der Arbeiterklasse und aus Städten wie London, Liverpool oder Manchester. Es existierte kein ausgereiftes Sozialsystem, es saßen viele der Jugendlichen auf der Straße, woraus ein Hass gegen die Gesellschaft resultierte. Es entwickelte sich der Anfang eines Stils, der den Jugendlichen die Gelegenheit bot, ihre Unzufriedenheit über Isolation, Langeweile, Ausweglosigkeit, Ohnmacht oder Perspektivlosigkeit – „no future“ - öffentlich zu präsentieren und ‚herauszuschreien’.

3.2. Punk-Rock

Die Musik war diesbezüglich das bedeutendste Medium. Punkmusik diente dazu, seinen Hass und Ekel auszuleben[2], was natürlich nicht mit poetisch bildreicher Sprache oder wohlklingender Musik darzustellen war. Zudem wollte man sich von den zu dieser Zeit sehr erfolgreichen kommerziellen Gruppen wie etwa den Rolling Stones, Pink Floyd oder Genesis und ihrer perfekten Musik ohne Ecken und Kanten abgrenzen. Diese waren meilenweit vom Lebensalltag der Jugendlichen entfernt, verdienten Unmengen von Geld und waren für ihr Publikum unerreichbar. (vgl. Farin, 74f.) Punks stellten dem eine „gewollt, dilettantische Kaputtheit“ gegenüber. (Lindner, 363) „Das große Geheimnis der Punkmusik war von Anfang an die entwaffnende Einfachheit[.]“ (Klemm, 44) Jeder konnte mit seiner Gitarre auf die Bühne kommen und seine drei Akkorde spielen, zudem war der Eintrittpreis bei Konzerten so kostengünstig, dass der Zutritt einem jedem möglich war. Die Musik war recht einfach gestrickt, kompromisslos in ihren Texten, die Stücke simpel komponiert und bestanden meist nur aus wenigen Takten, dem viel beschriebenen „drei Akkorde-Geschrammel“. Was an technischer Vollendung bei der Punkmusik fehlte, wurde durch Schnelligkeit und Lautstärke wettgemacht (vgl. Lindner, 364) Der direkte Kontakt zu den Zuschauern war wichtig, auch wenn dieser darin bestand, mit Bier überschüttert oder beschimpft zu werden, „es wurde versucht, die traditionelle Grenze zwischen Star und Publikum aufzuheben. Jeder konnte ein ‚Star’ sein oder auch niemand!“ (David zitiert nach O’Hara, 150) Lau beschreibt weiterhin:

[...]


[1] Do it yourself

[2] beispielsweise das Lied der Sex Pistols God save the Queen (the fascist regime)

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Punk als Gegenkultur im Zusammenhang mit Anarchie und Schule
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
11
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V170608
ISBN (eBook)
9783640895380
ISBN (Buch)
9783640895854
Dateigröße
381 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
punk, gegenkultur, zusammenhang, anarchie, schule
Arbeit zitieren
Julia Altmann (Autor), 2010, Punk als Gegenkultur im Zusammenhang mit Anarchie und Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170608

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