Diese Arbeit untersucht, wie Jugendliche in Deutschland in den sozialen Medien mit hegemonialen Ordnungen und Prozessen des Othering konfrontiert werden. Ausgehend vom Konzept der Postdigitalität nach Jandrić et al., des Plattform-Kapitalismus, der Hegemonietheorie nach Gramsci und Hall sowie der kritischen Bildung nach Giroux werden soziale Medien als informelle Bildungsräume verstanden, in denen Bedeutungen, Zugehörigkeiten und Abwertungen kontinuierlich ausgehandelt werden. Die Analyse quantitativer Studien zur Mediennutzung verdeutlicht, dass Jugendliche diese Prozesse in ihrer postdigitalen Lebenswelt nicht nur beobachten, sondern häufig selbst davon betroffen sind. Soziale Medien wirken damit als informelle Bildungsräume, in denen hegemoniale Vorstellungen über Zugehörigkeit, Normalität und Abweichung vermittelt und verfestigt werden. Abschließend werden die Resultate im Lichte einer kritisch-reflexiven Medienbildung diskutiert. Diese wird als zentrale Voraussetzung verstanden, um Jugendliche zu befähigen, digitale Machtverhältnisse zu erkennen, Othering-Prozesse zu hinterfragen und demokratische Handlungsspielräume in digitalen Öffentlichkeiten zu entwickeln.
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Hilfsmittelverzeichnis
1 Einleitung
2 Forschungsstand
3 Theoretischer Rahmen
3.1 Postdigitalität
3.2 Plattform-Kapitalismus
3.3 Hegemoniekonzept nach Gramsci und Hall
3.4 OnlineOthering
3.5 Kritische Bildung nach Giroux
4 ZentraleKategorien
4.1 Hasskommunikation
4.2 Belästigungskommunikation
4.3 Gewaltkommunikation
5 Analyse aktueller Studienbefunde
5.1 Jugendliche und soziale Medien
5.2 Beantwortung der Forschungsfrage
5.2.1 Hasskommunikation
5.2.2 Belästigungskommunikation
5.2.3 Gewaltkommunikation
6 Diskussion der Ergebnisse
7 Fazit und Konsequenzen für Medienbildung
8 Literaturverzeichnis
Abstract
Diese Arbeit untersucht, wie Jugendliche in Deutschland in den sozialen Medien mit hegemonialen Ordnungen und Prozessen des Othering konfrontiert werden. Ausgehend vom Konzept der Postdigitalität nach Jandric et al., des PlattformKapitalismus, der Hegemonietheorie nach Gramsci und Hall sowie der kritischen Bildung nach Giroux werden soziale Medien als informelle Bildungsräume verstanden, in denen Bedeutungen, Zugehörigkeiten und Abwertungen kontinuierlich ausgehandelt werden. Die Analyse quantitativer Studien zur Mediennutzung verdeutlicht, dass Jugendliche diese Prozesse in ihrer postdigitalen Lebenswelt nicht nur beobachten, sondern häufig selbst davon betroffen sind. Soziale Medien wirken damit als informelle Bildungsräume, in denen hegemoniale Vorstellungen über Zugehörigkeit, Normalität und Abweichung vermittelt und verfestigt werden. Abschließend werden die Resultate im Lichte einer kritisch-reflexiven Medienbildung diskutiert. Diese wird als zentrale Voraussetzung verstanden, um Jugendliche zu befähigen, digitale Machtverhältnisse zu erkennen, Othering-Prozesse zu hinterfragen und demokratische Handlungsspielräume in digitalen Öffentlichkeiten zu entwickeln.
Schlagwörter: Kulturelle Hegemonie; Soziale Medien; Jugendliche; Online Othering; Plattform-Kapitalismus; Postdigitalität; Medienbildung; Digitale Gewalt
Abstract
This paper examines how young people in Germany are confronted with hegemonic orders and processes of othering on social media. Drawing on the concept of post-digitality developed by Jandric et al., theories of platform capitalism, Gramsci’s and Hall’s theory of hegemony, and Giroux’s critical pedagogy, social media are understood as informal educational spaces in which meanings, belonging and devaluation are continuously negotiated. An analysis of quantitative studies on media use shows that young people do not merely observe these processes in their post-digital lifeworlds but are often directly affected by them. Social media therefore function as informal educational spaces in which hegemonic ideas of belonging, normality and deviation are conveyed and reinforced. Finally, the findings are discussed in the light of critically reflective media education, which is understood as a key prerequisite for enabling young people to recognise digital power relations, question processes of othering and develop democratic forms of agency in digital publics.
Keywords: Cultural hegemony; Social media; Adolescents; Online othering; Platform capitalism; Postdigitality; Media education; Digital violence
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Wie viel Zeit verbringen Jugendliche privat mit Social Media?
Abbildung 2: Digitale Gewalt ist alltäglich Hilfsmittelverzeichnis
1 Einleitung
Soziale Medien sind aus der Lebenswelt Jugendlicher in Deutschland nicht mehr wegzudenken. Fast alle 12- bis 19-Jährigen (98 Prozent) nutzen täglich ein Smartphone (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2025, S. 14) und verbringen damit durchschnittlich knapp vier Stunden pro Tag (S. 25). Zu ihren fünf beliebtesten Apps gehören WhatsApp, Instagram, Snapchat, TikTok und YouTube (S. 26) -Instant-Messenger und Social-Media-Dienste, zwischen denen die Grenzen zunehmend verschwimmen (S. 31). Soziale Medien dienen Teenagern dabei sowohl als Raum für soziale Interaktion als auch für Identitätskonstruktion, Selbstdarstellung (Kneidinger-Müller, 2022, S. 207) und Meinungsbildung (Stark et al., 2022, S. 226). Digitale Medien haben damit die Alltagskulturen tiefgreifend transformiert (Thimm, 2022, S. 264), und diese Veränderungen vollziehen sich in einer postdigitalen Lebenswelt, in der digitale und analoge Praktiken, menschliche und algorithmische Handlungen nicht mehr voneinander zu trennen sind (Jandric et al., 2018, S. 295). Jugendliche bewegen sich selbstverständlich zwischen Chats, Likes, Videos und Offline-Interaktionen, ohne klare Grenzziehungen zwischen „online“ und „real“.
Gleichzeitig sind diese postdigitalen Räume jedoch keine neutralen Umgebungen. Sie werden von Plattformen organisiert, die nach den Logiken des digitalen Kapitalismus arbeiten: Daten werden gesammelt, ausgewertet und als ökonomische Ressource genutzt (Srnicek, 2018, S. 45), unter anderem auch in staatlichen Kontexten (Knox, 2019, S. 361). Spätestens seit den politischen Kampagnen rund um den ersten Wahlkampf Donald Trumps ist sichtbar geworden, welche gesellschaftliche Macht große Tech-Unternehmen durch ihre Plattformen ausüben. Diese Macht wirkt nicht primär durch offenen Zwang, sondern durch die unsichtbare Steuerung von Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit. Plattformlogiken privilegieren bestimmte Inhalte, Stile und Deutungen, während andere marginalisiert oder algorithmisch verdrängt werden (Stoica & Chaintreau, 2019, S. 580). Auf diese Weise können soziale Medien beeinflussen, was als normal, attraktiv, erfolgreich oder akzeptabel gilt.
Für Jugendliche bedeutet dies, dass ihre Selbstbilder, ihre Zugehörigkeitsgefühle und ihre sozialen Beziehungen in Umgebungen geformt werden, die strukturell auf Selektion, Wettbewerb und Verwertung ausgerichtet sind. Phänomene wie Cyberbullying1 oder Cybergrooming2 sind dabei keine zufälligen Nebenprodukte, sondern Ausdruck von hegemonialen Ordnungen und von Prozessen des Online Othering, in denen bestimmte Gruppen durch Nutzerinnen und Plattformlogiken abgewertet oder ausgeschlossen werden (Colliver et al., 2019, S. 24).
Vor diesem Hintergrund fragt die vorliegende Arbeit, wie soziale Medien, die von Jugendlichen in Deutschland genutzt werden, hegemoniale Machtverhältnisse im Plattform-Kapitalismus reproduzieren und in welcher Weise Prozesse des Othering Teil dieser Ordnung sind. Zur Beantwortung der Fragestellung werden aktuelle empirische Studien zur Mediennutzung Jugendlicher ausgewertet. Theoretisch stützt sich die Analyse auf das Konzept der Postdigitalität nach Jandric et al., Srniceks Ansatz des Plattform-Kapitalismus sowie das Hegemoniekonzept nach Gramsci und Hall. Ergänzend wird das Konzept des Online Othering herangezogen, um digitale Formen von Ausgrenzung, Abwertung und Gewalt analytisch zu erfassen.
Die Arbeit ist in sieben Kapitel gegliedert: Nach dieser Einleitung folgt ein Überblick über den Forschungsstand und die Darstellung des theoretischen Rahmens im dritten Kapitel. In Kapitel 4 werden die Ergebnisse der Untersuchung vorgestellt und im fünften Kapitel diskutiert. Abschließend wird im sechsten Kapitel ein Fazit mit bildungswissenschaftlichen Implikationen gezogen.
2 Forschungsstand
Die Forschung zu sozialen Medien hat sich in den letzten Jahren zunehmend von einer reinen Nutzungs- und Wirkungsforschung hin zu einer kritischen Analyse von Macht-, Ungleichheits- und Hegemonieverhältnissen verschoben. Aktuelle Arbeiten beschreiben soziale Medien als zentrale Orte hegemonialer Machtproduktion. Die Plattformen agieren dabei nicht neutral, sondern privilegieren bestimmte Inhalte, Diskurse und Akteursgruppen durch algorithmische Logiken, ökonomische Interessen und Moderationspraktiken (Bucher, 2018, S. 149-160; Gillespie, 2019, S. 1-23). So erzeugen sie hegemoniale Normen, die in vielfältigen Feldern untersucht wurden, egal ob es sich um Konsumentenhegemonie (Barros & Michaud, 2020, S. 578; Razick et al., 2023, S. 494) oder um Politik und strategische Kommunikation dreht (Barassi & Zamponi, 2020, S. 592; Frieß & Gilleßen, 2022, S. 89). Studien zur diskursiven Macht sozialer Medien verdeutlichen zudem, dass populistische, nationalistische oder extremistische Inhalte algorithmisch begünstigt werden, da sie hohe Interaktionsraten erzeugen (Anastasiou, 2023; Khosravinik& Amer, 2023).
Geht es um Jugendliche, deren Nutzung sozialer Medien und Hegemonien, beschäftigen sich zahlreiche Arbeiten mit der Reproduktion geschlechtlicher Normen auf den genutzten Plattformen (Döring, 2023, S. 11-17; Szulc, 2020, S. 5436). Vor allem hegemoniale Männlichkeitsdarstellungen (Di Silvestro & Venuti, 2022, S. 57; Marshall et al., 2020, S. 570) und Gender Hate (Ging, 2019, S. 45-67; Siapera, 2019, S. 21-44) sind Gegenstand aktueller Untersuchungen. Forschungsarbeiten zu Weiblichkeit in den sozialen Medien zeigen außerdem, dass Plattformen wie Instagram stark von normativen Körper- und Schönheitsidealen geprägt sind (Lane, 2023, S. 2440; Scarcelli & Farci, 2024, S. 93). Weitere Studien zur Körperunzufriedenheit Jugendlicher ergaben, dass soziale Medien maßgeblich zur Internalisierung normativer Körperideale beitragen (Castellanos Silva & Steins, 2023, S. 1), aber auch, wie Narrative diesbezüglich verändert werden können (Zavattaro, 2021, S. 281).
Weitere zentrale Forschungsstränge befassen sich zudem mit den Phänomenen Hate Speech3 (Castano-Pulgarin et al., 2021, S. 1; Matamoros-Fernandez & Farkas, 2021, S. 205), Cyberbullying (Ray et al., 2024, S. 1; Singh et al., 2020, S. 1636) und Gewalt in den sozialen Medien (Morales, 2023, S. 1; Recuero, 2024, S. 1). Außerdem gibt es zahlreiche Forschungsarbeiten zu Rassismus (Chaudhry & Gruzd, 2020, S. 88; Solanes Corella & Hernandez Moreno, 2025, S. 1) und rechtsextremer Radikalisierung (Marwick et al., 2022, S. 2; Wahlström et al., 2021, S. 3290) in den sozialen Medien.
Dieser Überblick zeigt, dass das Forschungsfeld eine enorme Bandbreite von Phänomenen umfasst, die aus zahlreichen Perspektiven beleuchtet werden. Eine zusammenführende Analyse, die hegemoniale Machtverhältnisse, Othe- ring-Prozesse und die jugendliche Nutzung sozialer Medien in Deutschland systematisch verbindet, blieb jedoch bislang aus. An dieser Forschungslücke setzt die vorliegende Arbeit an.
3 Theoretischer Rahmen
Zur Untersuchung der Frage, wie soziale Medien hegemoniale Machtverhältnisse reproduzieren und in welcher Weise Prozesse des Othering Bestandteil dieser hegemonialen Ordnung sind, wird an dieser Stelle ein theoretischer Rahmen entwickelt. Dieser verbindet drei zentrale Perspektiven: das Konzept der Postdigitalität, den Ansatz des Plattform-Kapitalismus sowie Gramscis Hegemoniebegriff in seiner Weiterentwicklung durch Stuart Hall. Soziale Medien können so nicht nur als technische Infrastrukturen oder Kommunikationsräume betrachtet werden, sondern als machtvolle gesellschaftliche Arrangements, in denen ökonomische Interessen, kulturelle Bedeutungsproduktionen und Sub- jektivierungsprozesse ineinandergreifen. Auch das Konzept des Online-Othe- ring ist Bestandteil des Rahmens. Mit dem Ansatz der kritischen Bildung nach Giroux wird zudem ein Zugang zur Bildungswissenschaft geschaffen, der es erlaubt, Implikationen für die Medienbildung zu erarbeiten.
3.1 Postdigitalität
Die Vorstellung, dass digitale Technologien eines Tages so selbstverständlich sein würden, dass sie kaum noch wahrgenommen werden, wurde bereits Ende der 1990er-Jahre von Nicholas Negroponte formuliert (Negroponte, 1998). Seine Idee fand um die Jahrtausendwende zunächst Resonanz in musik- und kunstwissenschaftlichen Diskursen und wurde ab etwa 2019 auch in den Erziehungswissenschaften verstärkt aufgegriffen. Zentral ist dabei der Begriff des Postdigitalen, der erstmals von Kim Cascone im Kontext experimenteller Musik verwendet wurde (Cascone, 2000, S. 12). Er verweist auf eine gesellschaftliche Situation, in der digitale Technologien nicht mehr als getrennte oder virtuelle Sphäre erscheinen, sondern untrennbar mit sozialen, kulturellen und alltäglichen Praktiken verwoben sind (Jandric et al., 2018, S. 893). Das Postdigitale beschreibt dabei keinen klar umrissenen Zustand, sondern vielmehr eine widersprüchliche und komplexe Realität, in der digitale und analoge, technologische und nicht-technologische sowie biologische und informationelle Elemente ineinandergreifen (S. 895). Jugendliche bewegen sich wie selbstverständlich innerhalb dieser postdigitalen Lebenswelt, indem sie analoge und digitale Kommunikationsformen kontinuierlich miteinander verbinden und klare Grenzziehungen zwischen „online“ und „offline“ zunehmend an Bedeutung verlieren. Der Begriff „post“digital ist somit nicht als Abkehr vom Digitalen zu verstehen, sondern als Hinweis auf dessen vollständige Integration in den Alltag. Gleichzeitig wird das Postdigitale auch als kritische Reaktion auf enttäuschte Utopien des frühen Internets diskutiert. Insbesondere die Konzentration von Macht bei großen Technologieunternehmen, wachsende soziale Ungleichheiten, zunehmende Kommerzialisierung sowie ökologische Belastungen rücken in den Fokus (S. 895). In Bildungs- und Wissenschaftskontexten zeigt sich die Postdigitalität unter anderem in veränderten Lernorten, neuen Arbeits- und Kooperationsformen sowie in der zunehmenden Bedeutung datenbasierter Forschung (S. 895-896). Auch soziale Medien sind in dem Zusammenhang als Bildungsräume zu verstehen, da auch hier Lernprozesse stattfinden. Aus einer postdigitalen Perspektive wird das Digitale in der Bildung zudem nicht mehr nur als unterstützendes Instrument betrachtet, sondern als grundlegend mit Bildungsprozessen verflochten (Jandric & Knox, 2022, S. 785). Der Annahme, digitale Technologien seien lediglich neutrale Werkzeuge oder Treiber von Innovation, steht diese Perspektive kritisch gegenüber. Stattdessen rücken Fragen nach Datenökonomie, Plattformstrukturen, Überwachung, privatwirtschaftlichen Interessen sowie materiellen und ökologischen Bedingungen digitaler Infrastrukturen in den Vordergrund. In diesem Zusammenhang wird die kritische Auseinandersetzung mit Machtverhältnissen, Umweltfolgen, Arbeitsbedingungen, Datenpolitik und sozialen Ungleichheiten als zentrale bildungswissenschaftliche Aufgabe verstanden (S. 786).
Bei diesen Überlegungen sollte auch das Konzept des Plattform-Kapitalismus berücksichtigt werden, das im folgenden Unterkapitel umrissen wird.
3.2 Plattform-Kapitalismus
Laut Nick Srnicek hat sich der Kapitalismus seit der Finanzkrise von 2008 grundlegend gewandelt. Mit der zunehmenden Verfügbarkeit kostengünstiger digitaler Technologien entstanden neue Geschäftsmodelle, die auf der systematischen Erhebung und Verwertung von Daten beruhen, etwa in Form von Plattformen wie Google oder Facebook (Srnicek, 2018, S. 43-46). Im Zentrum dieses „Plattform-Kapitalismus“ steht die Extraktion, Verarbeitung und Nutzung von Daten, die als neues Rohmaterial fungieren. Damit sie ökonomisch verwertbar werden, müssen Daten jedoch zunächst bereinigt und in standardisierte Formate überführt werden (S. 41). Srnicek unterscheidet dabei grundlegend zwischen Daten und Wissen: Während Daten lediglich anzeigen, dass etwas geschehen ist, liefert Wissen Erklärungen darüber, warum es geschehen ist (S. 42). Plattformen sind in diesem Zusammenhang nicht bloß technische Infrastrukturen oder neutrale Vermittler, sondern neue, machtvolle Unternehmensformen, die Daten systematisch sammeln, analysieren, nutzen und monopolisieren (S. 45). Srnicek definiert Plattformen als digitale Infrastrukturen, die verschiedene Nutzergruppen miteinander verbinden und dabei als intermediäre Instanzen fungieren. Häufig stellen sie ihren Nutzer*innen zugleich Werkzeuge zur Verfügung, mit denen diese eigene Produkte, Dienstleistungen oder Marktplätze aufbauen können (S. 46). Plattformen positionieren sich damit zwischen den Nutzer*innen als Orte sozialer und ökonomischer Aktivität und sind zugleich in der Lage, diese Aktivitäten umfassend zu erfassen und auszuwerten (S. 47). Ein zentrales Merkmal von Plattformen sind sogenannte „Netzwerkeffekte“: Je mehr Menschen eine Plattform nutzen, desto größer wird ihr Nutzen für alle anderen (S. 48). Dieser Mechanismus führt zu selbstverstärkenden Wachstumskreisläufen und begünstigt die Entstehung von Monopolen. Da digitalen Plattformen kaum natürliche Wachstumsgrenzen gesetzt sind, können sie ihre Marktposition kontinuierlich ausbauen. Zusätzlich bedienen sie sich häufig der „Quersubventionierung“, indem bestimmte Angebote preislich verbilligt oder kostenlos bereitgestellt werden, während andere Geschäftsbereiche die entstehenden Verluste ausgleichen (S. 48-49). Entscheidend ist schließlich, dass Plattformen keine neutralen Räume darstellen. Durch ihre Regeln, Algorithmen und Geschäftsmodelle verkörpern sie stets eine bestimmte Politik, die darüber entscheidet, welche Inhalte, Akteur*innen und Interaktionen sichtbar oder marginalisiert werden (S. 49). Gerade diese Kombination aus technischer Infrastruktur, ökonomischer Logik und normativer Steuerung macht Plattformen zu zentralen Geschäftsmodellen der Datenerhebung und -kontrolle (S. 51). Soziale Medien wie Facebook ordnet Srnicek dem Typus der „Werbeplattformen“ zu: Sie sammeln und analysieren Informationen über ihre Nutzerinnen und verwerten diese, indem sie zielgerichtete Werbeflächen verkaufen (S. 52). Die dafür notwendigen Rohdaten werden entweder von Datenanalyst*innen oder durch selbstlernende Algorithmen verarbeitet (S. 59).
Im Kern besagt dieses Konzept, dass Plattformen keine neutralen Informationsvermittler sind, sondern dass ihre Regeln und Funktionsweisen einer ökonomischen Logik folgen und zugleich eine spezifische politische Ordnung hervorbringen. Dadurch wird das Hegemoniekonzept von Gramsci für die Analyse sozialer Medien unmittelbar anschlussfähig.
3.3 Hegemoniekonzept nach Gramsci und Hall
Um die Machtdimensionen sozialer Medien theoretisch zu erfassen, greift diese Arbeit auf Antonio Gramscis Konzept der kulturellen Hegemonie zurück. Gramsci verstand Hegemonie als eine Form von Herrschaft, die nicht primär durch Zwang, sondern durch die aktive Herstellung von Zustimmung funktioniert (Gramsci, 1991, S. 783 GH 4). Dominante gesellschaftliche Gruppen sichern ihre Macht, indem sie ihre Werte, Normen und Deutungen der Welt als allgemeingültig etablieren, sodass sie von den Beherrschten als selbstverständlich und allgemeingültig übernommen werden.
Stuart Hall entwickelte diesen Ansatz weiter, indem er den Kampf um Bedeutungen als zentralen Bestandteil gesellschaftlicher Machtverhältnisse begriff (Hall, 2018, S. 33). Medien nehmen in diesem Prozess eine Schlüsselrolle ein: Sie liefern den sozialen Gruppen Deutungsrahmen, durch die diese ihre Vorstellungen über andere, über sich selbst und über gesellschaftliche Wirklichkeit insgesamt ausbilden (Hall, 2020, S. 327). Ihre zentrale Funktion besteht darin, soziale Wirklichkeit selektiv darzustellen und in symbolische Ordnungen zu überführen, die festlegen, was als relevant, normal oder abweichend gilt. Indem Medien soziale Informationen ordnen, bewerten und in bevorzugte Bedeutungssysteme einbetten, strukturieren sie gesellschaftliches Wissen und stabilisieren normative Hierarchien (S. 328). Nach Hall erfüllen Medien innerhalb hegemoni- alerOrdnungen drei miteinander verbundene Funktionen.
Erstens produzieren und strukturieren sie gesellschaftliches Wissen, indem sie soziale Wirklichkeit selektiv darstellen und in Bilder, Erzählungen und Kategorien übersetzen. Durch diese selektive Konstruktion sozialen Wissens werden die Lebenswelten anderer Menschen überhaupt erst wahrnehmbar gemacht: Medien liefern Deutungsrahmen, durch die Individuen sich ein Bild von fremden Gruppen, sozialen Milieus und gesellschaftlichen Verhältnissen formen und diese zu einer scheinbar kohärenten Gesamtwirklichkeit zusammensetzen. Was als relevant gilt, wie bestimmte Gruppen erscheinen und welche Ereignisse Bedeutung erhalten, ist somit Ergebnis medialerAuswahl- und Konstruktionsprozesse (S. 327).
Zweitens fungieren Medien als Instanzen gesellschaftlicher Ordnung und Bewertung. Sie stellen nicht nur Vielfalt dar, sondern ordnen sie zugleich in normative und evaluative Klassifikationen ein. Lebensstile, politische Positionen oder kulturelle Praktiken werden medial miteinander verglichen, hierarchisiert und mit bevorzugten Bedeutungen versehen. Dadurch entsteht eine symbolische Landkarte der Gesellschaft, in der festgelegt wird, was als normal, akzeptabel, problematisch oder abweichend gilt. Medien reflektieren gesellschaftliche Pluralität also nicht neutral, sondern integrieren sie in ein System hegemonialer Bedeutungen (S. 328).
Drittens wirken Medien als Mechanismus der Konsensbildung. Indem sie Repräsentationen selektieren, kombinieren und immer wieder neu anordnen, erzeugen sie eine weithin geteilte Vorstellung davon, wie die gesellschaftliche Ordnung aussieht und wie sie zu verstehen ist (S. 328). Zwar müssen auch alternative und oppositionelle Stimmen sichtbar bleiben, doch werden diese meist in dominante Deutungsrahmen eingebettet, sodass sie die bestehende Ordnung nicht grundlegend infrage stellen. Medien sichern auf diese Weise die kulturelle Führung der herrschenden Gruppen, ohne offene Repression auszuüben (S. 329).
Diese drei Funktionen werden technisch durch Kodierungs- und Dekodierungsprozesse vermittelt. In der Kodierung werden Ereignisse mithilfe bevorzugter Codes interpretiert, die aus der dominanten Ideologie stammen und als selbstverständlich oder rational erscheinen (S. 330). In der Rezeption übernehmen Nutzerinnen diese Bedeutungen häufig, wodurch hegemoniale Deutungen reproduziert und legitimiert werden (S. 331-332). Die ideologische Wirkung der Medien besteht damit weniger in offener Manipulation als in der fortlaufenden Stabilisierung eines gemeinsamen Bedeutungsrahmens, einem Konsens, der die bestehende Ordnung zusammenhält (S. 333). Medien sind also im Sinne Halls nicht bloß neutrale Vermittler von Informationen, sondern zentrale Akteure in der Herstellung, Stabilisierung und Reproduktion hegemonialer Machtverhältnisse. Die Konstruktion von Differenz in den sozialen Medien ist nun Gegenstand des folgenden Unterkapitels.
3.4 Online Othering
Das Konzept des Othering ist eng mit kritischen Auseinandersetzungen um Macht, Differenz und Identität verknüpft. Es beschreibt Praktiken und Prozesse, durch die soziale Gruppen als grundlegend „anders“ konstruiert und hierarchisch eingeordnet werden. Dabei umfasst Othering sowohl die Selbstkonstruktion und die eigene Positionierung innerhalb eines hierarchischen Ordnungssystems als auch die Konstruktion von „Anderen“ und deren Einordnung. Sprache und visuelle Repräsentationen spielen hierbei eine zentrale Rolle, da sie es dominanten Gruppen ermöglichen, Macht über andere Gruppierungen auszuüben (Lumsden & Harmer, 2019, S. 14-15). Klassische Beispiele sind das Othering von Frauen (S. 16) oder nicht-westlichen Kulturen, wie im Orien- talismus (S. 17). Stereotypisierung ist ein Aspekt des Othering: Sie spiegelt ideologische Vorstellungen und Werte wider und etabliert hierarchische Differenzen (S. 18). Kritiker*innen weisen jedoch darauf hin, dass Othering dazu tendiert, Subjekte auf ihre Marginalisierung zu reduzieren (S. 19).
Um die schädlichen, ausgrenzenden und diskriminierenden Praktiken des Othering im Kontext digitaler Technologien analytisch erfassen zu können, führten Harmer und Lumsden den Begriff des Online Othering ein. Dieser umfasst nicht nur explizite Formen von Hass, Missbrauch oder Trolling4 , sondern ein breites Spektrum toxischer Verhaltensweisen, die durch Informations- und Kommunikationstechnologien ermöglicht, verstärkt oder normalisiert werden. Online Othering rückt die zugrunde liegenden Machtverhältnisse, Differenzproduktionen und sozialen Hierarchien in den Fokus. Dabei spielt auch die Gestaltung der Technologien eine Rolle: Sie wird häufig von privilegierten Gruppen entworfen, während potenziell schädliche Nutzungsmöglichkeiten oft unberücksichtigt bleiben. So entstehen technische Infrastrukturen, die Online Othering erleichtern oder unsichtbar machen - etwa durch unzureichende Moderation, fehlende Meldeverfahren oder algorithmische Verstärkung problematischer Inhalte. Das Konzept betont, dass die Schwere bestimmter Formen von Online Othering und deren reale Auswirkungen auf Betroffene ernst genommen werden müssen, selbst wenn soziale Medienunternehmen oder Behörden diese Verhaltensweisen nicht immer als problematisch anerkennen (S. 21). Ein weiteres zentrales Merkmal des Konzepts ist die Ablehnung einer strikten Trennung zwischen „online“ und „offline“. Online Othering findet nicht in einem virtuellen Vakuum statt, sondern ist Teil alltäglicher sozialer Praxis und hat reale Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen. Die Dichotomie von virtueller und realer Welt verschleiert laut Harmer und Lumsden diese Kontinuitäten und trägt dazu bei, OnlineGewalt zu verharmlosen (S. 22).
Online Othering bietet somit einen analytischen Rahmen, um digitale Gewalt, Diskriminierung und Ausgrenzung als machtvolle, relationale und intersektio- nale Prozesse zu verstehen. Es verbindet klassische Othering-Theorien mit der Analyse digitaler Technologien und überwindet die Trennung zwischen online und offline. In Verbindung mit Konzepten wie Postdigitalität, Plattformkapitalismus sowie dem Hegemoniekonzept nach Gramsci und Hall ermöglicht es eine differenzierte Untersuchung der Reproduktion gesellschaftlicher Machtverhältnisse in sozialen Medien. Die pädagogische Reflexion solcher Praktiken ist dabei zentrales Anliegen der kritischen Bildung.
3.5 Kritische Bildung nach Giroux
Aus der Sicht von Henry A. Giroux ist Bildung kein neutraler Ort der Wissensvermittlung, sondern stets in kulturelle und ökonomische Kontexte sowie in Machtverhältnisse eingebettet. Sie entsteht aus konkreten gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und richtet ihren Fokus darauf, wie Wissen, Macht, Begehren und Erfahrung unter spezifischen Lernbedingungen produziert werden. Pädagogik wird dabei als Teil hegemonialer Kämpfe um Bedeutungen, Ausdrucksformen und Subjektivierungen wirksam (Giroux, 2020, S. 2). Giroux knüpft damit an Gramscis Hegemoniebegriff an und beschreibt Bildung als einen Ort, an dem gesellschaftlicher Konsens hergestellt, zugleich aber auch potenziell herausgefordert werden kann (S. 3). Kritische Bildung setzt genau an diesem Punkt an. Kritik versteht Giroux als hegemoniekritische Praxis - als Form der Analyse, mit der Texte, Institutionen, soziale Beziehungen und Ideologien im Kontext bestehender Machtverhältnisse hinterfragt werden können (S. 2-3). Ziel ist es, widersprüchliche Strukturen sichtbar zu machen und Lernprozesse so zu gestalten, dass sie politische Urteilsfähigkeit und demokratische Handlungsfähigkeit fördern (S. 5-6).
Darüber hinaus erweitert Giroux seinen Fokus auf die breitere Kultur, insbesondere auf digitale Medien (S. 6). Er weist darauf hin, dass die ,,[...] privatized utopias of consumerist society offer the public a market-based language that produces narrow modes of subjectivity, defining what people should know and how they should act within the constricted interests and values [...]“ (S. 102). Besonders Jugendliche sind diesen Kräften stark ausgesetzt (S. 103). Giroux betont die Notwendigkeit, Medien und digitale Technologien in den Unterricht einzubeziehen: „This mode of education has become central to shaping the desires, values, and identities ofyoung people, often in ways that not only depoliticize but also enhance tactics and reach of a larger corporate culture and its need to commodify everything“ (S. 117).
Kritische Bildung im postdigitalen Kontext bedeutet daher, soziale Medien nicht nur unter dem Gesichtspunkt von Nutzungskompetenzen oder Prävention zu betrachten, sondern ihre Rolle in der Reproduktion von Macht- und Ausschlussverhältnissen systematisch zu analysieren. Aus dieser Perspektive wird Medienbildung zu einer hegemoniekritischen Bildungsaufgabe, die an der Schnittstelle von Macht, Ideologie und digitaler Kultur angesiedelt ist.
4 Zentrale Kategorien
Zur Beantwortung der Frage, wie soziale Medien, die von Jugendlichen in Deutschland genutzt werden, hegemoniale Machtverhältnisse im Plattform-Kapitalismus reproduzieren und in welcherWeise Prozesse des Othering Teil dieser Ordnung sind, ist eine systematische Kategorisierung relevanter Phänomene erforderlich. Die vorliegende Arbeit unterscheidet zwischen den Oberbegriffen Hasskommunikation, Belästigungskommunikation und Gewaltkommunikation, unter denen unterschiedlich ausgeprägte Ausdrucksformen von Othering-Prozessen und hegemonialen Machtverhältnissen zusammengefasst werden. Auf diese Weise wird ein Analyse- und Auswertungssystem für aktuelle Studienergebnisse geschaffen.
4.1 Hasskommunikation
Die Definitionen von Online Hate5 , Hate Speech und ähnlichen Phänomenen in sozialen Medien sind oft unklar und überschneiden sich, sodass ein Begriff unterschiedliche Erscheinungsformen umfassen kann. Malecki et al. zeigen, dass Online Hate im wissenschaftlichen Diskurs häufig stellvertretend für Trolling, Cyberstalking 6 oder Hate Speech verwendet wird, obwohl es sich um unterschiedliche Phänomene handelt. Sie definieren Online Hate nach dem Zweck: Ziel ist es, mit einer Äußerung eine negative Einstellung gegenüber einer Person, Gruppe oder einem Objekt auszudrücken. Damit lässt sich Online Hate klar von Trolling (Provokation einer Reaktion) und Cyberstalking (gezielte Belästigung) abgrenzen (Malecki et al., 2021, S. 2).
Auf Grundlage dieser Definition wird Hasskommunikation als Oberbegriff für alle Aktivitäten in sozialen Medien verstanden, die eine negative Einstellung gegenüber Personen, Gruppen oder Objekten ausdrücken. Dazu zählen Online-Extremismus, Online-Rassismus und Misogynie, solange sie sich auf die Kommunikation von Hass beschränken und nicht in Belästigungskommunikation oder Gewaltkommunikation übergehen. Hasskommunikation umfasst sprachliche, bildliche oder multimodale Handlungen, die Personen aufgrund tatsächlicher oder zugeschriebener Zugehörigkeit zu sozialen Kategorien - etwa Herkunft, Religion, Geschlecht, sexuelle Orientierung oder Behinderung - abwerten, entmenschlichen oder ausgrenzen (Othering). Hasskommunikation ist durch gruppenbezogene und ideologisch geprägte Abwertung gekennzeichnet und zielt darauf ab, soziale Hierarchien zu stabilisieren, Ausschluss zu legitimieren oder Feindbilderzu reproduzieren.
4.2 Belästigungskommunikation
Zur Abgrenzung von Hasskommunikation wird Belästigungskommunikation eingeführt, die Online Abuse und Online Harassment umfasst. Watson beschreibt Online Abuse als Verhaltensweisen, die gezielt auf die Belästigung von Fremden im Internet abzielen, häufig Frauen, Politikerinnen oder öffentliche Personen betreffen und teilweise die unbefugte Verbreitung manipulierten Bildmaterials einschließen (Watson, 2024, S. 52-53). Hier steht nicht primär Ideologie, sondern die intentionale Verletzung, Kontrolle oder Einschüchterung von Individuen im Vordergrund. Beispiele sind Flaming 7 (S. 54) und Trolling (Sambaraju &McVittie, 2020, S. 10-11).
Belästigungskommunikation dient daher als Oberbegriff für gezielte oder wiederholte verbale, visuelle oder multimodale Kommunikation, die einzelne Personen belästigt, einschüchtert oder demütigt. Anders als Hasskommunikation ist sie nicht zwingend ideologisch motiviert und richtet sich unabhängig davon gegen Individuen. Sie umfasst Beleidigungen, Mobbing- und Stalkingdynami- ken und entfaltet ihre Wirkung durch Wiederholung, Sichtbarkeit und soziale Verstärkung. Belästigungskommunikation ist in Othering-Prozesse eingebettet: Individuen werden kommunikativ als „anders“ oder minderwertig markiert, etwa durch Lächerlichmachung, sexualisierte Anspielungen oder die wiederholte Infragestellung ihrer Glaubwürdigkeit und sozialen Position, wodurch Machtasymmetrien hergestellt oder stabilisiert werden.
4.3 Gewaltkommunikation
Als dritte Kategorie wird Gewaltkommunikation eingeführt. Unter diesem Begriff werden alle Kommunikationshandlungen in sozialen Medien zusammengefasst, die explizit oder implizit auf Gewalt Bezug nehmen, sei es durch Androhung, Verherrlichung, Legitimation oder symbolische Ausübung. Dazu zählen unter anderem Cyberbullying und Cyberstalking, aber auch Drohungen, Gewaltfantasien, Aufrufe zu Gewalt oder die Normalisierung gewalttätiger Handlungen gegenüber Personen oder Gruppen.
Gewaltkommunikation unterscheidet sich von Hass- und Belästigungskommunikation durch ihren zentralen Gewaltbezug und ihr Potenzial, reale Bedrohungen zu erzeugen oder bestehende Gewaltverhältnisse zu verstärken. Sie kann eigenständig auftreten oder in Verbindung mit Hass- und Belästigungskommunikation stehen. In diesem Kontext wird Othering genutzt, um Zielpersonen oder -gruppen als bedrohlich, minderwertig oder außerhalb moralischer Normen stehend zu konstruieren, wodurch symbolische Schwellen für Gewaltanwendung gesenkt und Empathie abgebaut werden. Besonders im digitalen Raum, in dem Distanz, Anonymität und Publikumsdynamiken zusammenwirken, kann Gewaltkommunikation so zur Eskalation beitragen.
5 Analyse aktueller Studienbefunde
Zur Beantwortung der Frage, wie soziale Medien, die von Jugendlichen in Deutschland genutzt werden, hegemoniale Machtverhältnisse im Plattform-Kapitalismus reproduzieren und in welcher Weise Prozesse des Othering Bestandteil dieser hegemonialen Ordnung sind, werden im folgenden Kapitel aktuelle Studienergebnisse ausgewertet.
5.1 Jugendliche und soziale Medien
Der zeitliche Umfang der Nutzung sozialer Medien unter deutschen Teenagern variiert deutlich. Der Großteil der Jugendlichen nutzt soziale Netzwerke ein bis drei Stunden pro Tag. Während 18 Prozent der Jugendlichen soziale Medien an Wochentagen höchstens eine Stunde nutzen, verbringen 20 Prozent von ihnen drei bis fünf Stunden pro Tag mit den Apps. Eine nicht unerhebliche Minderheit weist einen sehr hohen Nutzungsumfang auf: So nutzen sieben Prozent soziale Medien fünf bis sieben und weitere drei Prozent mehr als sieben Stunden pro Tag (Abb. 1).
Wie viel Zeit verbringen Sie täglich im Durchschnitt privat mit Social Media?
Abbildung 1: Wie viel Zeit verbringen Jugendliche privat mit Social Media? (ifo Institut, 2025).
Abbildung 1: Wie viel Zeit verbringen Jugendliche privat mit Social Media? (ifo Institut, 2025).
Erst im August 2025 veröffentlichte die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina ein Diskussionspapier zu sozialen Medien und der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Darin wurden unter anderem Cyberbullying, Hasskommentare und Falschinformationen als entscheidende Risikofaktoren benannt (Brailovskaia et al., 2025, S. 15). Im Rahmen der JIM-Studie 2025 wurden diese Phänomene quantitativ untersucht: So gaben 67 Prozent der 12- bis 19-Jährigen an, im Verlauf des letzten Monats Fake News begegnet zu sein, 64 Prozent wurden beleidigt und 59 Prozent machten negative Erfahrungen mit extremen politischen Ansichten. Knapp die Hälfte der Jugendlichen (47 Prozent) kam in Kontakt mit Hassbotschaften,,,[...] also öffentlichen Äußerungen, die Hass gegenüber bestimmten Gruppen zum Ausdruck bringen oder zu Gewalt gegen bestimmte Gruppierungen aufrufen [...]“ (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2025, S. 25). Zudem wurden 46 Prozent mit Verschwörungstheorien und 28 Prozent ungewollt mit Pornografie konfrontiert8. Persönlich beleidigt wurden 11 Prozent der Jugendlichen. Bis auf diese Beleidigungen kam es in jedem Problemfeld über die vergangenen Jahre zu einem Anstieg, was verdeutlicht, dass Jugendliche vermehrt problematische Inhalte im Internet wahrnehmen. Nur noch 17 Prozent der jungen Menschen gaben an, keinem dieser Phänomene begegnet zu sein (S. 55), 26 Prozent dagegen berichteten davon, dass innerhalb der letzten zwei Jahre jemand in ihrem Bekanntenkreis „fertig gemacht“ worden sei. „Selbst schon einmal fertig gemacht wurden neun Prozent der Jugendlichen“ (S. 58). Sexuelle Belästigung erfuhren 29 Prozent der Jugendlichen, wobei hier deutlich mehr Mädchen als Jungen betroffen waren und die Erfahrungen meist auf Instagram, TikTok und Snapchat gemacht wurden (S. 59-60).
In der neuesten Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing 9 wurde die Nutzung von sozialen Medien durch Kinder und Jugendliche noch genauer durchleuchtet. So gaben 90 Prozent der befragten 7- bis 20-jährigen Schülerinnen an, ein eigenes Profil in den sozialen Medien zu nutzen und dass Kommunikation und Austausch der wichtigste Grund für ihre Mitgliedschaft sei. DerAnteil der Opfer von Cybermobbing betrug zum Zeitpunkt der Befragung (2024) 18,5 Prozent, was bedeutet, dass zwei Millionen Schülerinnen in Deutschland mindestens einmal selbst betroffen waren. Cybermobbing tritt laut den Befragten vor allem in Form von Beschimpfung, Beleidigung, Gerüchten oder Verleumdung auf - zudem aber auch durch Ausgrenzung und Ablehnung von Kontaktanfragen (Dr. Beitzinger & Leest, 2024, S. 75-76). Sechs Prozent der Schülerinnen gaben an, selbst Cybermobbing begangen zu haben, doch von ihnen war mehr als die Hälfte selbst schon davon betroffen. Ihre Angriffe tätigten sie über die Apps WhatsApp (77 Prozent), TikTok (57 Prozent), Snapchat (50 Prozent) und Instagram (45 Prozent). Über Facebook erfolgten 22 Prozent der Angriffe und 35 Prozent über YouTube. Der Rest wurde auf Gaming-Plattfor- men, Chatrooms, in Foren und per E-Mail ausgeübt (S. 95-96). Insgesamt 82 Prozent der Cybermobbing-Attacken fanden im Umfeld der Schule und 69 Prozent im Bekanntenkreis statt (S. 92). Der Großteil der Opfer kannte die Täterinnen (65 Prozent), und 77 Prozent der Jugendlichen gaben an, die Täterinnen aus der Schulklasse zu kennen. Nur 27 Prozent kannten die Täterinnen aus dem Bekanntenkreis (S. 93).
Auch das Phänomen Cybergrooming erregte in den vergangenen Jahren viel Aufmerk-samkeit. Im Rahmen einer Längsschnittstudie der Landesanstalt für Medien NRW wurden über 2.000 Kinder und Jugendliche befragt. Knapp die Hälfte der 8- bis 17-Jährigen (46 Prozent) gab an, den Begriff „Cybergrooming“ noch nie gehört oder gelesen zu haben, 43 Prozent kannten ihn und 12 Prozent gaben „weiß nicht“ an (Landesanstalt für Medien NRW, 2024, S. 6). Insgesamt 88 Prozent der Befragten gaben an, bereits einmal von einer erwachsenen Person aufgefordert worden zu sein, sich vor der Webcam auszuziehen (S. 9), weitere 88 Prozent waren von einer erwachsenen Person zu einem Treffen für Fotos und Videos aufgefordert worden (S. 10). Nacktbilder von Erwachsenen erhielten 86 Prozent (S. 11) und 91 Prozent der 8- bis 17-Jährigen wurden bereits von einer erwachsenen Person bedroht (S. 12). Ein Viertel der Kinder und Jugendlichen gab an, mindestens einmal selbst von Cybergrooming betroffen gewesen zu sein, wobei der größte Teil der Betroffenen über 12 Jahre alt war (S. 14). Die meisten Ansprachen durch Täterinnen fanden über Instagram (13 Prozent), WhatsApp (11 Prozent), Facebook (11 Prozent), Snapchat (11 Prozent) und TikTok (neun Prozent) statt (S. 19). Mehr als die Hälfte der Befragten (62 Prozent) wünschte sich, dass das Thema stärker in der Schule behandelt und 42 Prozent, dass das Thema im Elternhaus besprochen werde (S. 26).
Auch eine Studie von Hate Aid belegt, dass digitale Gewalt eine alltägliche Erfahrung Jugendlicher ist. So gaben rund 55 Prozent der 14- bis 17-Jährigen an, digitale Gewalt im Netz beobachtet und 23 Prozent diese selbst erlebt zu haben (Abb. 2). Zusätzlich existieren jedoch noch zahlreiche weitere Gefahren für Jugendliche in den sozialen Medien: von gefährlichen Ernährungs- (HNA, 2025), Schönheits- (SWR, 2024) und Fitnesstrends (Stein, 2025) über Mutproben (Klicksafe, 2023) oder Gewaltdarstellungen (Kahr, 2016), die sich seit Ausbruch des Ukrainekrieges häufen (HateAid, 2022), bis hin zu Pädokriminellen, die Kinder- und Jugendliche absichtlich in den Suizid treiben (ZDFheute, 2025).
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abbildung 2: Digitale Gewalt ist alltäglich (Brandt, 2024).
5.2 Beantwortung der Forschungsfrage
Die Studienergebnisse im vorangehenden Kapitel zeigten, dass soziale Medien nicht nur Räume für Interaktion, Selbstdarstellung und Identitätsarbeit von Jugendlichen darstellen. Zunächst wird deutlich, dass die Allgegenwärtigkeit sozialer Medien in ihrem Alltag eine postdigitale Lebenswelt konstituiert, in der Erfahrungen von Abwertung, Ausgrenzung und Gewalt nicht mehr klar vom „Offline“-Leben zu trennen sind. Die Befunde zeigen übereinstimmend, dass problematische Kommunikationsformen keineswegs randständig auftreten. Vielmehr gehören sie für einen Großteil der Jugendlichen zum normalen Nutzungserleben sozialer Medien, denn nur eine Minderheit der Befragten gab an, im Internet keinerlei problematischen Inhalten begegnet zu sein. Dass dem so ist, die Inhalte nicht eingeschränkt, moderiert oder unterbunden werden, ist mit den Logiken des Plattform-Kapitalismus zu erklären. Soziale Medien sind zudem in Macht-, Ungleichheits- und Ausgrenzungsprozesse eingebunden, die sich in unterschiedlichen Formen problematischer Inhalte und Kommunikation äußern. Um diese Phänomene differenziert als Formen der Reproduktion hegemonialer Machtverhältnisse und des Online Othering begreifen zu können, werden die Befunde aus Kapitel 5.1 nun systematisch den Kategorien Hass-, Belästigungs- und Gewaltkommunikation zugeordnet.
5.2.1 Hasskommunikation
Wie in Kapitel 4.1 ausgeführt, umfasst die Kategorie Hasskommunikation alle Kommunikationshandlungen, die eine negative Einstellung gegenüber
Personen oder Gruppen ausdrücken und auf gruppenbezogener Abwertung beruhen. Die empirischen Befunde aus Kapitel 5.1 zeigen, dass Jugendliche in Deutschland mit solchen Inhalten in den sozialen Medien in hohem Maße konfrontiert werden.
Laut der JIM-Studie 2025 gaben 47 Prozent der 12- bis 19-Jährigen an, im letzten Monat Hassbotschaften begegnet zu sein. Extremen politischen Ansichten waren 59 Prozent begegnet (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2025, S. 25), und Verschwörungstheorien 46 Prozent der Jugendlichen (S. 55). Diese Zahlen verdeutlichen, dass Hasskommunikation nicht als randständiges Phänomen betrachtet werden kann, sondern einen festen Bestandteil der alltäglichen Medienerfahrungen Jugendlicher darstellt. Im Sinne der hegemonietheoretischen Rahmung fungiert Hasskommunikation als Mittel zur Stabilisierung sozialer Hierarchien. Durch die kontinuierliche Sichtbarkeit gruppenbezogener Abwertungen werden dominante Normen reproduziert und als selbstverständlich etabliert. Jugendliche sind dem jedoch nicht nur passiv ausgesetzt, sondern werden durch algorithmisch verstärkte Reichweitenlogiken immer wieder mit ähnlichen Inhalten konfrontiert, was zur Normalisierung entsprechender Botschaften beiträgt. Aus der Perspektive des Online Othering zeigt sich, dass Hasskommunikation zentrale Mechanismen der Grenzziehung zwischen einem impliziten „Wir“ und einem konstruierten „Anderen“ aktiviert. Die Studienbefunde legen nahe, dass Jugendliche diese Prozesse regelmäßig wahrnehmen, selbst wenn sie nicht unmittelbar adressiert sind. Damit wird Othering als alltägliche kommunikative Praxis erfahrbar, die hegemoniale Macht- verhält-nisse im und durch den Plattform-Kapitalismus absichert.
5.2.2 Belästigungskommunikation
Wie in Kapitel 4.2 ausgeführt, werden unter Belästigungskommunikation gezielte oder wiederholte kommunikative Angriffe auf Einzelpersonen verstanden, die auf Demütigung, Einschüchterung oder soziale Ausschließung abzielen. Die Befunde aus Kapitel 5.1 zeigen, dass auch diese Form digitaler Kommunikation einen erheblichen Teil der problematischen Online-Erfahrungen Jugendlicher ausmacht.
So gaben in der JIM-Studie 2025 64 Prozent der Jugendlichen an, im letzten Monat Beleidigungen im Internet wahrgenommen zu haben (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2025, S. 25), und 11 Prozent waren selbst davon betroffen (S. 55). Darüber hinaus führten 26 Prozent an, dass jemand aus ihrem Bekanntenkreis in den letzten zwei Jahren online fertiggemacht wurde, und neun Prozent erlitten dies selbst (S. 58). Noch deutlicher wird die Relevanz von Belästigungskommunikation in der Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing. Hier lag der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die mindestens einmal Opfer von Cybermobbing waren, bei 18,5 Prozent, was rund zwei Millionen Schülerinnen in Deutschland entspricht. Cybermobbing äußert sich den Befragten zufolge vor allem in Form von Beschimpfungen, Beleidigungen, Gerüchten und Verleumdungen sowie sozialer Ausgrenzung, etwa durch das Ablehnen von Kontaktanfragen (Dr. Beitzinger & Leest, 2024, S. 75-76). Auffällig ist, dass 82 Prozent der Angriffe im schulischen Kontext stattfanden und 69 Prozent im Bekanntenkreis. Insgesamt 65 Prozent der Opfer gaben an, die Täterinnen gekannt zu haben (S. 92-93).
Diese Ergebnisse unterstreichen die postdigitale Verschränkung von Online- und Offline-Räumen. Belästigungskommunikation fungiert hier als Instrument sozialer Kontrolle, mit dem Abweichungen von normativen Erwartungen sanktioniert werden. Prozesse des Othering zeigen sich weniger über stabile ideologische Zuschreibungen, sondern über situative Markierungen von Andersartigkeit oder Unterlegenheit. Plattformen wirken hierbei als Verstärker bestehender Machtasymmetrien, indem sie Angriffe persistent, öffentlich sichtbar und potenziell viral machen.
5.2.3 Gewaltkommunikation
In Kapitel 4.3 wurde dargestellt, dass Gewaltkommunikation die eskalierte Form digitaler Kommunikationspraktiken darstellt, bei der explizit oder implizit auf Gewalt Bezug genommen wird. Die Studienergebnisse aus Kapitel 5.1 zeigen, dass auch diese Form der Kommunikation für Jugendliche keineswegs eine Ausnahme in den sozialen Medien darstellt.
Die Ergebnisse zur digitalen Gewalt sind insgesamt alarmierend: So gaben laut der Stu-die von Hate Aid 54,5 Prozent der 14- bis 17-Jährigen an, digitale Gewalt im Netz beobachtet und 23 Prozent digitale Gewalt selbst erlebt zu haben (Abb. 1). Gewaltkommunikation ist demnach für einen erheblichen Teil der Jugendlichen alltäglich. Besonders gravierend sind die Befunde zum Phänomen Cybergrooming: In der Längsschnittstudie der Landesanstalt für Medien NRW berichteten 25 Prozent der 8- bis 17-Jährigen, mindestens einmal selbst davon betroffen gewesen zu sein (Landesanstalt für Medien NRW, 2024, S. 14). Fast alle Jugendlichen (91 Prozent) gaben an, bereits von einem Erwachsenen bedroht worden zu sein (S. 12), und fast genauso viele Jugendliche (88 Prozent) waren vor der Webcam zum Ausziehen aufgefordert worden (S. 9). Insgesamt 86 Prozent erhielten unaufgefordert Nacktbilder (S. 11). Im Vergleich dazu wurden vom Bundeskriminalamt im Jahr 2024 „nur“ 3.457 Fälle von Cybergrooming erfasst. Dies deutet darauf hin, dass die polizeiliche Vermutung zutrifft, dass eine hohe Anzahl an Fällen polizeilich nichtgemeldetwerden (Polizeiliche Kriminalprävention, o. J.).
Sexuell motivierte digitale Gewalt macht also einen erheblichen Anteil der Gewaltkommunikation aus und lässt auf hegemoniale Geschlechtsvorstellungen zurückschließen, auf die im Rahmen dieser Arbeit nicht explizit eingegangen werden kann. Klar istjedoch, dass diese Kommunikationshandlungen deutlich über Belästigung hinaus- und potenziell in außerdigitale Gewalt übergehen können.
Gewaltkommunikation ist in besonderem Maße mit radikalisierten Othering-Pro- zessen verbunden. Betroffene werden nicht nur entmenschlicht, symbolisch abgewertet, sondern auch als verfügbar, kontrollierbar oder schutzlos konstruiert. Die Distanz und Anonymität digitaler Räume senken dabei Hemmschwellen und erleichtern die Normalisierung von Gewaltandrohungen. Plattformen fungieren hier erneut nicht lediglich als neutrale Vermittler, sondern als Infrastrukturen, die durch unzureichende Moderation und Reichweitenlogiken solche Kommunikationsformen ermöglichen oder begünstigen.
6 Diskussion der Ergebnisse
Die Analyse der Studienbefunde zeigt, dass problematische Kommunikationsformen in den sozialen Medien kein randständiges Phänomen jugendlicher Mediennutzung darstellen, sondern zum alltäglichen Nutzungserleben gehören. Hass-, Belästigungs- und Gewaltkommunikation treten dabei nicht isoliert auf, sondern bilden ein Kontinuum digitaler Abwertungs- und Eskalationsprozesse. Die hohe Verbreitung entsprechender Erfahrungen bestätigt, dass soziale Medien strukturell in Macht- und Ungleichheitsverhältnisse eingebunden sind und diese aktiv mit reproduzieren. Besonders deutlich wird dies an der Normalisierung von Hasskommunikation. Aus der Perspektive kritischer Bildung im Sinne Giroux’ ist diese Normalisierung nicht als bloßer Gewöhnungseffekt zu verstehen, sondern als Ergebnis hegemonialer pädagogischer Prozesse. Soziale Medien fungieren demnach als kulturelle Lernorte, in denen bestimmte Deutungsmuster, Affekte und Grenzziehungen fortlaufend produziert und angeeignet werden. Die wiederholte Konfrontation mit Hass- und Abwertungskommunikation wirkt damit als informelle Pädagogik, die Jugendliche an dominante ideologische Ordnungsmuster heranführt, ohne diese explizit zu thematisieren oder zur Disposition zu stellen. Plattformlogiken, die auf Aufmerksamkeit und Interaktion ausgerichtet sind, begünstigen dabei polarisierende Inhalte und verstärken bestehendegesellschaftliche Konfliktlinien.
Belästigungskommunikation verweist stärker auf mikrosoziale Machtverhältnisse. Die postdigitale Verwobenheit von digitalen und außerdigitalen Räumen führt dazu, dass soziale Sanktionen, Demütigungen und Ausschlüsse nachhaltig wirken und bestehende Hierarchien aus Schule und Peergroup digital fortgeschrieben werden. Soziale Medien fungieren hierbei als Verstärker sozialer Kontrolle, indem sie Angriffe öffentlich, persistent und potenziell eskalierbar machen. Im Sinne Giroux’ lässt sich Belästigungskommunikation zudem als disziplinierende Form informeller Pädagogik verstehen. Durch Demütigung, Lächer- lichmachung oder Ausschluss werden normative Erwartungen an Verhalten, Körper, Geschlecht oder Zugehörigkeit vermittelt und durchgesetzt. Jugendliche lernen dabei nicht nur, wer abgewertet wird, sondern auch, welches Verhalten sanktioniert oder belohnt wird. So tragen soziale Medien zur pädagogischen Produktion angepasster Subjekte bei, die hegemoniale Normen internalisieren.
Gewaltkommunikation markiert die Eskalationsstufe dieser Prozesse. Die Befunde zu digitaler Gewalt und Cybergrooming verdeutlichen, dass kommunikative Grenzüberschreitungen reale Bedrohungslagen erzeugen können. In diesen Fällen zeigt sich Online Othering in radikalisierter Form, indem Betroffene entmenschlicht und als verfügbar oder schutzlos konstruiert werden. Die Ergebnisse legen nahe, dass unzureichende Moderationsmechanismen und ökonomisch motivierte Plattformlogiken solche Dynamiken begünstigen. Aus einer bildungstheoretischen Perspektive markiert Gewaltkommunikation aber nicht nur eine Eskalation digitaler Interaktionen, sondern auch das Scheitern demokratischer Bildungsprozesse. Wenn Gewaltandrohungen, sexualisierte Übergriffe und Entmenschlichung alltäglich werden, zeigt sich, dass hegemoniale Ordnungen nicht mehr allein über Konsens, sondern zunehmend über Angst und Einschüchterung stabilisiertwerden.
Die Deutlichkeit dieser Befunde erfordert eine reflektierte Einordnung der empirischen Grundlage. Die vorliegende Arbeit stützt sich hauptsächlich auf quantitative Studien, denen teils unterschiedliche, teils überschneidende Definitionen problematischer Kommunikationsformen zugrunde liegen. Zudem erfassen Selbstauskünfte problematische Erfahrungen möglicherweise nur eingeschränkt, da Begriffe wie Cybermobbing und Cybergrooming subjektiv unterschiedlich interpretiert werden können. Schließlich bleibt die konkrete Rolle algorithmischer Steuerungsmechanismen aufgrund fehlender Transparenz seitens der Plattformen weitgehend unklar.
7 Fazit und Konsequenzen für Medienbildung
Die vorliegende Arbeit hat gezeigt, dass Hass-, Belästigungs- und Gewaltkommunikation in der postdigitalen Lebenswelt von Jugendlichen keine randständigen Ausnahmen, sondern Ausdruck tief in die Gesellschaft eingebetteter Macht- und Ungleichverhältnisse sind. Diese Kommunikationsformen bilden ein Kontinuum digitalerAbwertung, das von scheinbar alltäglicher Hassrede bis hin zu massiven Formen digitaler Gewalt reicht. Soziale Medien fungieren dabei nicht nur als neutrale Kommunikationsräume, sondern als Orte, in denen Normen, Werte und Deutungsmuster vermittelt, normalisiert und reproduziert werden. Aus Sicht der kritischen Bildung sind diese Prozesse als Formen informeller Pädagogik zu begreifen. Indem Plattformen, Algorithmen bestimmte Medieninhalte privilegieren und Aufmerksamkeit lenken, übernehmen sie pädagogische Funktionen. Die Normalisierung von Hass- und Belästigungskommunikation ist dabei nicht als individueller Gewöhnungseffekt zu verstehen, sondern als Ergebnis hegemonialer Prozesse, die Jugendliche an dominante ideologische Ordnungsmuster heranführen, ohne diese explizit sichtbar oder verhandelbar zu machen. Soziale Medien wirken somit nicht nur als Spiegel gesellschaftlicher Konflikte, sondern als aktive Instanzen ihrer Reproduktion.
Vor diesem Hintergrund erweist sich eine auf funktionale Medienkompetenz reduzierte Medienbildung als unzureichend. Ansätze, die primär auf individuelles Verhalten, Selbstregulation oder technische Fähigkeiten fokussieren, greifen zu kurz, da sie strukturelle Machtverhältnisse ausblenden und Verantwortung individualisieren. Kritische Medienbildung muss demgegenüber als politische und demokratische Bildungsaufgabe verstanden werden. Sie zielt darauf ab, Jugendliche dazu zu befähigen, soziale Medien als ideologisch aufgeladene Räume zu analysieren, Macht- und Ungleichheitsverhältnisse sowie Othering- Prozesse zu erkennen und kommunikative Grenzziehungen kritisch zu hinterfragen. Darüber hinaus verweist die Analyse auf die Grenzen bestehender Schutz- und Regulierungsmechanismen.
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1 „Cyberbullying is a kind of mysterious and physical harassment or bullying to someone, especially through social media platforms. Cyberbullying is also called online bullying or online harassment“ (Singh et al., 2020, S. 1637).
2 Cybergrooming ist ein Prozess, bei dem sich eine erwachsene Person mittels digitaler Technologien bemüht, eine minderjährige Person und deren Umfeld mittels Täuschung und Manipulation für einen sexuellen Missbrauch auszuwählen und vorzubereiten (Wachs, Sebastian, 2014, S. 3).
3 „[...] any communication that disparages a person or a group on the basis of characteristics such as race, color, ethnicity, gender, sexual orientation, nationality, religion, or political affiliation“ (Castano-Pulgarin et al., 2021, S. 1).
4,,[...] trolling is a collective form of harassment perceived as having the malicious intent to provoke another user. Trolling is understood to be collective, in that despite being undertaken by indivi- duals, the strategies used by trolls are shared beyond that individual person or one interaction“ (Ortiz, 2020, S. 4).
5 „[...] the activity of posting online an explicitly negative assessment of a person or an object primarily for the purpose of expressing one’s negative attitude toward that person or object, independently of whether this will cause actual harm to a concrete person, provoke others to respond or whether it will diminish the value of a given social group“ (Malecki etal., 2021,S. 3).
6 Cyberstalking beinhaltet eine Reihe über einen längeren Zeitraum wiederholter und vom Opfer ungewollter Verhaltensweisen eines Cyberstalkers, mit denen bewusst Angst hervorgerufen wird (Wilson et al., 2022, S. 9768-9769).
7,,[...] a highly negative message that functions like a metaphorical flamethrower that the sender uses to roast the receiver verbally“ (O’Sullivan & Flanagin, 2003, S. 70).
8 Das unaufgeforderte Versenden pornografischer oder obszöner Inhalte wird auch als „Cyberflashing“ bezeichnet (Rüdiger, 2024, S. 873).
9 Das Bündnis gegen Cybermobbing fasst unter dem Begriff mehrere Formen von Mobbing zusammen, darunter Beschimpfungen, Beleidigungen, die Verbreitung von Lügen und Gerüchten, aber auch Ausgrenzung, Erpressung und Bedrohung sowie das Veröffentlichen von unangenehmen Fotos oder Videos und die Erstellung von Fake Profilen (Dr. Beitzinger& Leest, 2024, S. 91).
- Arbeit zitieren
- Daniela Haindl (Autor:in), 2026, Teenager und ihre postdigitale Lebenswelt. Hegemonie und Othering in den sozialen Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1706176