Betätigt sich ein Unternehmer am Markt, so ist er diversen Risiken ausgesetzt,
denn diese sind Bestandteil seiner Geschäftstätigkeit. Eine seiner Hauptpflichten
ist demnach auch die Auseinandersetzung mit diesen Risiken, denn sie können
nicht vermieden werden. Vielmehr sollte man versuchen sie zu erkennen, zu
überwachen und auch abzuwehren. Die Geschäftsleitung sollte in der Lage sein,
potenzielle Risiken zu managen.
Der Begriff „Risikomanagement“ (einzeln oder auch besonders in Verbindung mit
dem Begriff Rating) ist heutzutage aus der Unternehmensführung nicht mehr
wegzudenken. Dennoch betrachten viele Unternehmen gerade diesen
Themenkomplex als eher kritisch. In der Praxis trifft man alle Formen der
Reaktion, angefangen bei Zurückhaltung über Meidung bis hin zu Abwehr
gegenüber diesen modernen Aspekten. Dabei stellt gerade das Risikomanagement
eher eine Chance zur Sicherung langfristiger Bonität dar. In diesem
Zusammenhang geht es letztendlich auch um den Aufbau eines effizienten
Krisenmanagements zur vorbeugenden Sicherung etwaiger wirtschaftlicher
„Schieflagen“.
Auch „Rating“ ist ein Thema, dem sich in Zukunft kein Unternehmen mehr
entziehen kann, das sich über Bankkredite finanziert. Dabei schreiben nicht nur
die zukünftigen Eigenkapitalbestimmungen aus Basel Kreditinstituten den Einsatz
von externen oder internen Ratinginstrumenten vor. Bereits heute bestehen
gesetzliche Vorgaben zur Risikosteuerung (siehe § 25a Kreditwesengesetz) oder
das Gebot der kaufmännischen Vorsicht (§ 252 HGB).
Aufgabe dieser Ausarbeitung war es, den Zusammenhang zwischen den einzelnen
Ratingverfahren und dem Risikomanagement der Unternehmen darzustellen.
Hierbei kommt man nicht umher, zunächst einmal die einzelnen Begrifflichkeiten
des Risikos, des Risikomanagements, dessen Prozesse und Systeme zu erläutern.
Um auch dem aktuellen Kontext Rechnung zu tragen, müssen einführend ein paar
Erklärungen zum „Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im
Unternehmensbereich“ sowie zu „Basel II“ erfolgen. Darauf aufbauend wird das
Thema „Rating“ in den wichtigsten Zügen erörtert, wobei der Bezug zum
Risikomanagement nicht verloren geht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Risikomanagement
a. Begriffserläuterungen:
Risiko, Prozesse und Systeme
b. KonTraG
c. Basel II
3. Rating
a. Erläuterungen rund um Begriff, Arten und Symbole
b. Die verschiedenen Rating-Verfahren
i. Bankinternes Rating
ii. Externes Rating durch Rating-Agenturen
4. Wechselwirkung von Risikomanagement und Rating
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Ausarbeitung verfolgt das Ziel, den Zusammenhang zwischen modernen Rating-Verfahren und dem unternehmerischen Risikomanagement zu beleuchten. Dabei wird untersucht, wie Unternehmen durch den Aufbau systematischer Risikomanagement-Prozesse ihre Bonität im Hinblick auf regulatorische Anforderungen wie Basel II sichern und aktiv beeinflussen können.
- Grundlagen des Risikomanagements und dessen Prozessphasen
- Einfluss gesetzlicher Rahmenbedingungen wie KonTraG und Basel II
- Differenzierung zwischen bankinternen Ratings und externen Agentur-Ratings
- Die Wechselwirkung zwischen Risikomanagement-Qualität und Rating-Ergebnis
Auszug aus dem Buch
3. b. i. Bankinternes Rating
Bisher waren in den Banken die vergangenheitsbezogene Bilanzanalyse und die Beurteilung der wirtschaftlichen Verhältnisse als traditionelle Kreditwürdigkeitsprüfung ausreichend. Und auch heute noch spielt sie eine wichtige Rolle. Die Bilanz- beziehungsweise Jahresabschlussanalyse ist eine Methode zur Informationsverarbeitung. Dabei wird das komplette Zahlenmaterial mehrerer Jahresabschlüsse aufbereitet, gruppiert und zu Kennzahlen verdichtet, um im Anschluss daran, daraus interpretierende Urteile und Gutachten zu erstellen. Auf Basis dieser vergangenheitsorientierten Daten und Informationen werden wichtige Erkenntnisse über die ökonomische Lage eines Unternehmens gewonnen, welche unter anderem auch seine Fähigkeiten, den Kapitaldienst für die beantragte Finanzierung zu leisten, widerspiegeln. Die Nachteile dieser Prüfungsform sind klar ersichtlich. Nicht nur die vergangenheitsorientierte Auswertung der Bilanzkennzahlen, auch die ledigliche Darstellung von Momentaufnahmen, deren Aussagewert zeitgebunden ist, spricht für eine neue Kreditwürdigkeitsprüfung.
Viel wichtiger sind heutzutage die Aussagen und Beurteilungen bezüglich der Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens, denn bekannterweise sind Kredite auch in der Zukunft zurückzuzahlen. Heute stellen die Banken Fragen nach der Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit, nach dem Management, welches in der Lage sein muss, das Unternehmens sicher und erfolgreich zu führen, nach der Krisensicherheit und Entwicklungsfähigkeit der jeweiligen Branche, aber auch ob das Unternehmen zum Beispiel alle Umwelt und Ökologieprobleme im Griff hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verdeutlicht die Notwendigkeit eines aktiven Risikomanagements für Unternehmen und stellt die Relevanz des Rating-Themas im Kontext der Eigenkapitalbestimmungen von Basel II dar.
2. Das Risikomanagement: Dieses Kapitel definiert Risikobegriffe und -bereiche und erläutert die Bedeutung gesetzlicher Anforderungen wie des KonTraG sowie die regulatorische Wirkung von Basel II auf die Unternehmensfinanzierung.
3. Rating: Hier werden die Grundlagen von Ratings, deren symbolische Kennzeichnung sowie der systematische Unterschied zwischen bankinternen Verfahren und externen Agentur-Ratings detailliert analysiert.
4. Wechselwirkung von Risikomanagement und Rating: Das Kapitel beschreibt den wechselseitigen Nutzen, bei dem ein systematisches Risikomanagement die Rating-Ergebnisse verbessert und das Rating-Verfahren wiederum Schwachstellen im Risikomanagementsystem aufdeckt.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Unternehmen das durch KonTraG und Basel II geschaffene Rüstzeug nutzen müssen, um durch professionelles Risikomanagement ihre Wettbewerbsfähigkeit und Finanzierungsoptionen nachhaltig zu stärken.
Schlüsselwörter
Risikomanagement, Rating, Basel II, KonTraG, Kreditrisiko, Eigenkapitalunterlegung, Bonität, Bankinternes Rating, Rating-Agenturen, Bilanzanalyse, Risikosteuerung, Risikomessung, Unternehmensfinanzierung, Zukunftsfähigkeit, Risikokontrolle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Integration von Rating-Verfahren in das unternehmerische Risikomanagement und wie Unternehmen auf die Anforderungen durch Basel II reagieren können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Risikoprozessen, die Bedeutung des KonTraG, die Systematik von Basel II sowie die Funktionsweise interner und externer Ratings.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Rating-Verfahren und Risikomanagement aufzuzeigen und Strategien zu entwickeln, wie Unternehmen durch systematisches Risikomanagement ihre Bonität positiv beeinflussen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse und die Auswertung von Rahmenkonzepten des Risikomanagements sowie der Basler Eigenkapitalvereinbarungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definitionen des Risikomanagements, die gesetzlichen Hintergründe, die verschiedenen Rating-Typen und die wechselseitigen Optimierungspotenziale zwischen Management und Rating.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Risikomanagement, Basel II, Bonität, Rating-Agenturen, Kreditrisiko und Eigenkapitalunterlegung.
Wie unterscheidet sich der IRB-Ansatz von externen Ratings?
Beim externen Rating bewertet eine bankunabhängige Agentur das Unternehmen, während beim IRB-Ansatz das Kreditinstitut selbst die Bonität anhand hausinterner Verfahren und Daten ermittelt.
Welche Rolle spielt die URA bei deutschen Unternehmen?
Die URA (Unternehmens Ratingagentur AG) ist eine auf den deutschen Mittelstand spezialisierte Agentur, die hilft, den spezifischen Anforderungen dieser Unternehmen bei der Bonitätsbeurteilung gerecht zu werden.
Warum kritisieren Unternehmen Basel II häufig?
Viele Unternehmen befürchten durch die verfeinerten Risikobewertungen eine Verteuerung der Kreditkonditionen oder eine Verknappung der verfügbaren Kreditmittel.
- Arbeit zitieren
- Alina Dorl (Autor:in), 2003, Rating-Verfahren im Fokus des unternehmerischen Risikomanagements, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17063