Die Kalogrenant-Episode in Hartmanns Iwein

Zur Bedeutung einer Binnenerzählung


Hausarbeit, 2009

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.1 Tradition der Binnenerzählung
2.2 Notwendigkeit der Binnenerzählung

3. Die Kalogrenant-Episode in Hartmanns Iwein - Zur Bedeutung einer Binnenerzählung
3.1 Kurze Inhaltsangabe
3.2 Begriffsklärung auktorial
3.3 Die Rolle der Erzählinstanzen
3.4 Funktion Keies Spottrede
3.5 Iweins Motivation

4. Fazit

1. Einleitung

Binnenerzählungen schildern Hintergründe, schließen inhaltliche Lücken und sorgen durch den Wechsel der Erzählinstanz für Lebendigkeit. Diese Form der Darstellung geht auf eine antike Tradition zurück. Bereits in den Epen Homers finden sich intradiegetische Erzählungen. Die Literatur des Mittelalters greift dieses Prinzip auf. Binnenerzählungen kommen in den verschiedensten Variationen in Romanen der höfischen Klassik vor. So auch im Iwein Hartmanns von Aue, der Chrétiens de Troyes französische Vorlage aufnimmt und seinem deutschsprachigen Publikum interpretierend vermittelt. Vorliegende Hausarbeit geht zunächst auf Tradition und Notwendigkeit intradiegetischer Einschübe ein, um sich dann dem eigentlichen Untersuchungsgegenstand zu nähern, der Kalogrenant-Erzählung.

Kalogrenants Geschichte seiner unrühmlichen aventiure stellt das handlungsauslösende Schlüsselmoment in Hartmanns Löwenritterroman dar, fühlt sich Iwein doch berufen, die Schmach seines Vetters zu rächen. Untersucht wird im Folgenden Iweins Motivation für seinen heimlichen Aufbruch, der maßgeblich von Keies Spottrede beeinflusst ist. Handelt Iwein allein aus ritterlichem Idealismus?

Das Zusammenspiel der Erzählinstanzen und die Funktion von Figurenrede und Erzählerbericht im Roman lassen Rückschlüsse über die Bedeutung der Kalogrenant-Erzählung zu. Ist deren Ziel eine lebendige Darstellung und die Charakterisierung der Figur Kalogrenants, oder kommt ihr lediglich eine narrative, auf Iwein bezogene unsouveräne Stellung zu?

Als Arbeitsgrundlage diente hauptsächlich Johannes Freys „Spielräume des Erzählens“, das sich mit der Rolle der Figuren in Chrétiens Iyain und deren Wiedererzählern wie Hartmann beschäftigt. Aufschlussreich bei der Beurteilung perspektivischen Erzählens im Mittelalter und der damit zusammenhängenden Notwendigkeit der Binnenerzählung war vor allem Gert Hübner, auf den auch Frey häufig verweist. Will Hasty macht die Motivation für Iweins aventiure innerhalb der Wertegemeinschaft des Artushofs begreifbar. Der eher limitierten mittelhochdeutschen Übersetzungskunst des Autors dieser Hausarbeit ist die Verwendung des Urtextes „Iwein“ mit Übersetzung geschuldet.

2.1 Tradition der Binnenerzählung

Erzählungen in Erzählungen sind keineswegs ein Phänomen der Literatur des Mittelalters, vielmehr entstammen sie einer antiken Tradition. Bereits in Homers Odyssee erzählt der Sänger Demodokos seinem Publikum, zu dem auch Odysseus gehört, in einer Art Rückblende vom Kampf der Griechen vor Troja. Die mannigfaltigen Beispiele für Erzählungen handelnder Figuren in der hellenistischen Dichtung erfüllen verschiedene narrative Aufgaben, wie die „Schließung von Lücken der Gesamthandlung im Rückblick handelnder Figuren“, die „szenische[…] Vergegenwärtigung des Geschehenen im Mund der Hauptfigur“, können aber auch in Form „selbstständiger Binnenerzählungen“ vorkommen. Selbstständig ist Kalogrenants Erzählung keineswegs. Sie ist klar instrumentalisiert als Handlungsauslöser für Iweins aventiure und dient nicht der lebendigen Darstellung des Geschehenen. Hartmann verlagert seine narrative Aufgabe lediglich auf die Figur Kalogrenants, der stellvertretend dessen handlungsvermittelnde Funktion übernimmt. In modernen Romanen werden Informationen über Vorgeschichte bzw. Vorgriffe zumeist durch einen omnipotenten auktorialen Erzähler gegeben. Die Ermangelung einer solch mächtigen Erzählautorität in der Antike bzw. die Ablehnung des Publikums gegenüber einem solchen Vermittler im Mittelalter erforderte die Binnenerzählung als narratives Mittel. Dazu im Folgenden mehr.

2.2 Notwendigkeit der Binnenerzählung

Hartmann verwendet eine strikte Filtertechnik mit deren Hilfe die Geschichte „an einer bestimmten Figur ‚entlangerzählt’ wird.“ Der Raumfilter verhindert ein „beliebiges ‚Springen’ zwischen den verschiedenen Figuren“, und der Zeitfilter bewirkt die simultane Information von Rezipient und Protagonist.

Hartmann gibt dem Publikum durch Einschübe und Vorwegnahmen („fokalisiertes Erzählen mit auktorialer Stimme“) einen Wissensvorsprung gegenüber dem Protagonisten, der sich jedoch auf das bloße Resultat einer Handlung beschränkt. Die aus dem perspektivischen Erzählen resultierende Anpassung an den Wissenshorizont des Protagonisten verzichtet auf Vorgriffe und benötigt daher „Rückgriffe in Figurenrede“. „Erzählungen in Erzählungen“, wie etwa die Kalogrenants oder Lunetes, erfüllen durch die Unterrichtung Iweins und des Rezipienten in erster Linie eine narrative Funktion und schöpfen ihre Notwendigkeit aus dem Konzept des fokalisierten Erzählens.

3. Die Kalogrenant-Episode in Hartmanns Iwein -Zur Funktion einer Binnenerzählung

3.1 Kurze Inhaltsangabe

Kalogrenant erreicht auf seiner Suche nach aventiure eine Burg, deren Herr ihn freundlich begrüsst und bewirtet. Nach Verlassen dieser Burg begegnet er an einer Lichtung einem riesigen, animalisch wirkenden Waldmann und teilt diesem sein Begehr nach einem Zweikampf mit. Der Waldmann erzählt ihm daraufhin von einer Quelle, deren Herr sich als würdiger Gegner erweisen werde. Als Kalogrenant die Quelle entweiht, bricht ein schreckliches Unwetter herein. Askalon, der Hüter der Quelle, taucht auf und fordert Kalogrenant zum Duell, in dem dieser unterliegt und nach einem erneuten Burgaufenthalt gedemütigt zum Artushof zurückkehrt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Kalogrenant-Episode in Hartmanns Iwein
Untertitel
Zur Bedeutung einer Binnenerzählung
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Germanistisches Seminar)
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V170632
ISBN (eBook)
9783640895502
ISBN (Buch)
9783640896059
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kalogrenant-episode, hartmanns, iwein, bedeutung, binnenerzählung
Arbeit zitieren
Philipp Aissen (Autor), 2009, Die Kalogrenant-Episode in Hartmanns Iwein , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170632

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