In der griechischen Antike bezeichnete der Begriff der Metropole die Mutterstadt von verschiedenen Kolonien, die sich als deren kulturelles und politisches Zentrum verstand.
Im heutigen Sprachgebrauch ist der Begriff der Metropole nicht klar definiert und kann vielfältig eingesetzt werden. Im Allgemeinen stellt eine Metropole in einer oder mehrerer Hinsichten den Mittelpunkt einer Region dar, wobei genaue Ein- bzw. Abgrenzungen hierbei schwierig sind. So stellt etwa Frankfurt am Main innerhalb Deutschlands aber auch Europas eine Banken- und Finanzmetropole dar. Berlin hingegen begründet seinen Metropolenstatus vor allem mit der politischen und kulturellen Stellung, kann aber z.B. in ökonomischer Hinsicht sicher nicht mit der Hafenmetropole Hamburg mithalten. Ein wichtiger Indikator einer Metropole ist sicherlich ihre Einwohnerzahl, bestimmend sind jedoch andere Faktoren. Die Ursachen der Metropolstellung verschiedener Städte sind so unterschiedlich wie diese selbst und lassen sich nur schwer auf einen Nenner bringen. Während es etwa Frankfurt am Main in seiner Kernstadt nicht einmal auf eine Millionen Einwohner bringt, ist die Bevölkerungsdichte der Umgebung der mehrfachen Millionenstadt Berlin im Vergleich zu der Frankfurts wesentlich geringer. Es reicht somit nicht aus von der Metropole an sich zu sprechen. Statt dessen mag es zum Teil sinnvoller sein mit der Begriff der Metropolitanregion zu operieren. Wenn dem so ist, so stellt sich, im Rahmen der Governance-Diskussion, die Frage, wie das Konzept der Metropolitan Governance von Urban Governance-Ansätzen und vom Regional Governance abzugrenzen ist und ob der Begriff an sich immer sinnvoll gewählt ist. Wird nämlich eine vergleichende Perspektive eingenommen, so zeigt sich auf den ersten Blick, daß in verschiedenen Ländern mit verschiedenen Konfigurationen auch verschiedene Konzeptualisierungen und Formen von Metropolitan Governance vorliegen müßten. So ist anzunehmen, daß Metropolitan Governance für eine Stadt wie London, deren übergeordneter Nationalstaat im Prinzip keine zwischengeordnete regionale Ebene kennt, eine andere Rolle spielen muß als etwa für Berlin, daß sich ganz pragmatisch aus seiner Metropolstellung heraus, mit einem anderen regionalen Akteur, nämlich Brandenburg, koordinieren muß.
Die Frage ist, inwieweit Metropolitan Governance von anderen Formen abzugrenzen ist und wie verschiedene Formen innerhalb von verschieden Konfigurationen aussehen können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Governance auf verschiedenen Ebenen – Versuch einer Eingrenzung
2.1 Annäherungen an ein Konzept
2.2. Regional Governance
2.3. Local Governance
2.4. Urban Governance
2.5. Zwischenresümee
3. Metropolitan Governance anhand dreier Fallstudien
3.1. London
3.2. Berlin
3.3. Frankfurt am Main
4. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Metropolitan Governance, um dieses theoretisch von anderen Governance-Formen wie Regional-, Local- und Urban Governance abzugrenzen. Ziel ist es, zu analysieren, wie in komplexen metropolitanen Räumen, in denen keine übergeordnete administrative Instanz existiert, kooperative Steuerungsformen entstehen und welche Rolle dabei staatliche, privatwirtschaftliche und zivilgesellschaftliche Akteure spielen.
- Systematische Einordnung und Differenzierung verschiedener Governance-Konzepte
- Analyse der Rolle staatlicher Steuerung und deren Grenzen in metropolitanen Räumen
- Vergleichende Untersuchung der Governance-Strukturen in London, Berlin und Frankfurt am Main
- Untersuchung des Zusammenwirkens von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bei Großprojekten
- Diskussion von Legitimitäts- und Koordinationsherausforderungen in dezentralen Stadtregionen
Auszug aus dem Buch
3.1. London
In Hinblick auf die in der Einleitung angeschnittene Definition einer Metropole als Mittelpunkt einer Region, kann festgehalten werden, daß London diese Funktion in vielerlei Hinsicht sicherlich übererfüllt. Als finanzielles und kulturelles Zentrum nimmt London eine Stellung ein, die über die Rolle eines nationalen oder gar europäischen Zentrums hinausgeht. Stuart Wilks-Heeg, Beth Perry und Alan Harding ordnen London in einer Aufstellung von Metropolen verschiedener Wirkungsbreite und Ebene in die höchste Kategorie der sog. Global Cities ein. Diese zeichnen sich durch eine flexible und dezentralisierte Produktions und Wirtschaftsstruktur aus und weisen eine hohe Konzentration an Hauptquartieren globaler Unternehmen und Organisationen, finanzieller Aktivitäten und ausdifferenzierter bzw. komplexer Wirtschaftskomplexe und Dienste aus.
Kurz gesagt, London ist der Inbegriff einer Metropole, wo also ließe sich Metropolitan Governance besser studieren als hier, noch dazu wo dank fehlender regionaler Ebene besonders großer Spielraum für solche Formen besteht. Tatsächlich gab es für den metropolitanen Großraum London mit seinem ca. 60 Meilen Radius und seinen 18,1 Millionen Bewohnern nach mehreren Reformen keine zusammenfassende übergeordnete Behörde als 1997 New Labor in England an die Macht kam. 1999 wurde ein durch einen Parlamentsbeschluß die Greater London Authority (GLA) geschaffen, welche bestehende kleinere Verwaltungseinheiten einschloß ohne sie zu ersetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, dass Begriffe wie Metropole im Sprachgebrauch unscharf sind, und definiert die Fragestellung der Arbeit bezüglich der Abgrenzung und Notwendigkeit von Metropolitan Governance.
2. Governance auf verschiedenen Ebenen – Versuch einer Eingrenzung: Dieses Kapitel erläutert grundlegende Governance-Konzepte und differenziert zwischen regionalen, lokalen und urbanen Ansätzen, um das theoretische Fundament für Metropolitan Governance zu legen.
3. Metropolitan Governance anhand dreier Fallstudien: Anhand der Beispiele London, Berlin und Frankfurt am Main wird untersucht, wie unterschiedliche regionale Konfigurationen die Ausprägung von Governance-Strukturen beeinflussen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und leitet eine Minimaldefinition von Metropolitan Governance als kooperative Verwaltungslösung für Regionen ohne zentrale staatliche Letztinstanz ab.
Schlüsselwörter
Metropolitan Governance, Governance-Diskussion, Global City, Regional Governance, Urban Governance, Local Governance, Greater London Authority, Berlin-Brandenburg, Frankfurt/Rhein-Main, Kooperation, Netzwerk, Stadtentwicklung, Multiakteurskoalition, Verwaltung, Metropolregion
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Eingrenzung und Konkretisierung des Begriffs "Metropolitan Governance" innerhalb der allgemeinen politikwissenschaftlichen Governance-Debatte.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die Abgrenzung zu verwandten Konzepten wie Regional- oder Urban Governance, die Analyse der Steuerungsformen in Metropolen sowie die Rolle informeller und kooperativer Netzwerke.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie und warum sich Metropolitan Governance von anderen Formen abgrenzen lässt und inwieweit diese neue Form zur Lösung raumübergreifender Probleme in modernen Gesellschaften beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor nutzt eine theoretische Konzeptanalyse und ergänzt diese durch eine vergleichende Untersuchung dreier spezifischer Fallbeispiele (London, Berlin, Frankfurt am Main).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einordnung der Governance-Ebenen und die anschließende detaillierte Fallstudienanalyse der jeweiligen Metropolen und ihrer spezifischen Herausforderungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind Metropolitan Governance, Multiakteurskoalitionen, Global Cities, kooperative Verwaltungslösungen und die Koordination in dezentralen Strukturen.
Warum spielt der Fall London eine so zentrale Rolle?
London dient als Modell für eine "Global City", in der das Fehlen einer zwischengeschalteten regionalen Verwaltungsebene einen besonderen Spielraum für neue Governance-Arrangements schafft.
Wie unterscheidet sich die Situation in Berlin von der in London?
In Berlin-Brandenburg liegt die Herausforderung in der notwendigen Kooperation zweier eigenständiger Bundesländer, während in London ein einzelner metropolitaner Raum mit einer spezifischen Autorität (GLA) verwaltet wird.
Was zeichnet die Governance-Situation im Frankfurter Raum aus?
Frankfurt am Main ist durch eine kleinteilige, dezentrale Struktur geprägt, die den Druck zur Kooperation durch neue Institutionen wie den Rat der Region oder diverse GmbHs erhöht.
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- Ullrich Müller (Author), 2007, Metropolitan Governance, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170645