Die Zypernfrage - Eine Anwendung des Erklärungsansatzes von Effinger, Rittberger und Zürn auf den Zypernkonflikt


Hausarbeit, 2007
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Der theoretische Ansatz von Effinger, Rittberger und Zürn
Eine allgemeine Definition des Konfliktbegriffs
Konflikt und Konfliktbearbeitung nach Effinger, Rittberger und Zürn

Die Genese des Zypernkonflikts
Zypern vor der Unabhängigkeit
Zypern nach der Unabhängigkeit

Der soziologische Ansatz von Effinger, Rittberger und Zürn als Zugang zur Analyse
des Zypernkonflikts
Der Konfliktgegenstand
Die Konfliktakteure
Der latente / manifeste Konflikt
Konfliktaustrag und Konfliktbearbeitung

Bedingungen einer Transformation von Formen des regellosen Konfliktaustrags in Formen des geregelten Konfliktaustrags

Ist ein geregelter Konfliktaustrag friedensförderlicher als ein regelloser Konfliktaustrag?

Literaturverzeichnis

Einleitung

Im „Büyük Han“, der „Großen Herberge“, treffen sich wöchentlich Menschen aus dem Norden und Süden der Insel Zypern. Männer aus dem türkischen und griechischen Teil der letzten geteilten Hauptstadt der Welt, Nikosia, finden sich zum Stammtisch ein, um sich über Möglichkeiten zur Überwindung der Teilung Zyperns zu beraten. Gegründet wurde der Stammtisch 2004, in jenem Jahr, in dem der „Annan Plan“ zur Wiedervereinigung des griechischsprachigen Südteils mit dem türkischsprachigen Nordteil Zyperns in einer Volksabstimmung an der Ablehnung des griechischen Teils Zyperns scheiterte. Auf der Suche nach einer Art der Koexistenz gilt im „Büyük Han“ die Regel: Zu viel Geschichte, zu viel Politik ist tabu. Um die fragilen freundschaftlichen Verhältnisse nicht zu gefährden, wird bei zu ernsten Gesprächsthemen ein Lied angestimmt, was einen sofortigen Wechsel des Gesprächsthemas signalisieren soll. Woche für Woche werden Lieder angestimmt, um auf dem beschwerlichen Weg zur Gleichberechtigung nicht ins stolpern zu geraten, damit jener alte Traum, die Wiedervereinigung der beiden Inselteile zur „Vereinigten Republik Zypern“, nicht bloß vage Hoffnung der Vergangenheit bleibt. (Vgl.: Spiegel.de 21.04.07)

Diese Hausarbeit hat das Ziel, jene Spaltung Zyperns in einen türkischsprachigen Nordteil und einen griechischsprachigen Südteil zu analysieren und zu erklären. Dabei ist das Scheitern des Annan-Plans aus dem Jahre 2004 nur als Wegpunkt in der zypriotischen Geschichte anzusehen, dessen Ursachen weit vorher gesucht werden müssen. Bevor jedoch mit der Suche nach den Ursachen für jene Spaltung begonnen werden kann, muss sich jene Suche auf einen Blickwinkel, also eine Theorie beschränken, mit deren Hilfe ein Blick auf die Historie geworfen werden kann. So wird in dieser Arbeit mit dem Ansatz von Effinger, Rittberger und Zürn gearbeitet, deren „Beitrag zur Erforschung der friedlichen Behandlung internationaler Konflikte“ als Grundlage zur Analyse des Zypernkonflikts genommen werden soll. Zunächst wird der besagte Ansatz vorgestellt und erläutert, um darauf folgend im zweiten Teil auf den historischen Verlauf des Konfliktes einzugehen. Im Folgenden soll dann durch die Anwendung des Ansatzes von Effinger, Rittberger und Zürn der Konflikt analysiert werden, um entscheidende Wegpunkte, Gruppierungen und Positionen in der Geschichte des Konflikts kenntlich zu machen. Letztlich geht es darum, „die Bedingungen einer Transformation von Formen des regellosen Konfliktaustrags in Formen des geregelten Konfliktaustrags zu bestimmen“ (Effinger 1988: 58). Abschließend sollen Überlegungen angestellt werden, ob ein geregelter Konfliktaustrag friedensförderlicher ist als ein regelloser Konfliktaustrag.

Der theoretische Ansatz von Effinger, Rittberger und Zürn

Eine allgemeine Definition des Konfliktbegriffs

Wenn der Frage nach einer Theorie zur Konfliktforschung nachgegangen werden soll, ist es zunächst notwendig, den Begriff „Konflikt“ zu definieren. So soll zunächst eine möglichst allgemein gehaltene Definition des Konfliktbegriffs erfolgen, um aus dieser den Konfliktbegriff für den hier vorgestellten Ansatz abzuleiten.

Allgemein wird als Konflikt in den Sozialwissenschaften eine Auseinandersetzung zwischen zwei oder mehr Akteuren um begehrte materielle oder immaterielle Güter bezeichnet, in der die Streitparteien gegensätzliche Ziele verfolgen oder gegensätzliche Mittel wählen. Im staatlich-politischen Bereich stehen vor allem die Gegnerschaft politischer Akteure und ihre Auseinandersetzung um begehrte Güter oder Werte im Vordergrund. Konflikte werden vor allem nach Ursache, Verlauf und Ergebnis typisiert, sodass Unterscheidungen in den Konfliktarten entstanden. „Vor allem in der Friedens- und Konfliktforschung und in den internationalen Beziehungen wurden die Bestimmungsfaktoren von Entstehung, Verlauf und Ergebnis friedlicher Regelung und gewaltförmigen Austrags untersucht.“ (Schmidt 2004: 371ff)

Konflikt und Konfliktbearbeitung nach Effinger, Rittberger und Zürn

Effinger, Rittberger und Zürn nähern sich dem Konfliktbegriff zunächst aus drei bestehenden, generellen Sichtweisen: Nach der Unterscheidung des sozialpsychologischen, des semantischen, und letztlich des soziologischen Ansatzes bleibt nach Auffassung der Autoren nur der soziologische Ansatz als „Zugang zur Analyse von Konflikten, der davon ausgeht, das die Unvereinbarkeit zwischen den Zielen, Zwecken oder Werten unterschiedlicher Akteure den Inhalt eines Konflikts ausmacht“ (Effinger 1988: 43). Des Weiteren werden soziale Konflikte als positive Erscheinungen betrachtet, da sie, durch den Konfliktaustrag, in der betroffenen Gesellschaft letztlich die Herausbildung von Regeln und Regelstrukturen bewirkt.

Hervorzuheben ist hierbei, dass sich das Konfliktverständnis an der liberalen Konflikttheorie orientiert, die eine dauerhafte Konfliktlösung als unmöglich und gleichzeitig auch nicht wünschenswert begreift, vielmehr als Ziel die Institutionalisierung bestimmter Formen des Austrags von Konflikten sieht. In Abgrenzung zu besagter Konflikttheorie negieren die Autoren die Auffassung, dass jeder Konfliktmanifestation ein Basiskonflikt zugrunde liegen muss, da über jeden Wert ein Konflikt entstehen kann, ohne das dieser Konflikt auf einen Basiskonflikt zurückgeführt werden muss (Effinger 1988: 44ff).

In Bezug auf die Konfliktauffassung tendiert die hier vorgestellte Theorie zur objektivistischen Konfliktauffassung, welche von der Annahme ausgeht, dass „Konflikt, Konfliktverhalten und -attitüden zwar in einer bestimmten Beziehung zueinander stehen, diese drei Faktoren aber logisch unabhängig voneinander sind“ (Effinger 1988: 47). Das bedeutet, dass zwischen einem latenten und einem manifesten Konflikt unterschieden werden kann, da beispielsweise die Möglichkeit eines Konfliktverhaltens innerhalb einer Gruppe vorhanden sein kann, ohne dass zwangsläufig ein Konflikt bestehen muss.

Nachdem sich dem Konfliktbegriff genähert wurde, folgt nun die Definition für Besagten nach Effinger, Rittberger und Zürn, welche „Konflikt als Gegensatz zwischen den subjektiven Zielen von zwei oder mehr Akteuren verstehen, ohne dass sich dieser Gegensatz im Verhalten der Akteure niederschlagen muss“ (Effinger 1988: 49).

Nun ist der Frage nachzugehen, wann von einem Konflikt der Definition nach gesprochen werden kann. Es wird sich hierbei an einer weiten Auffassung des Konfliktbegriffs nach Czempiel orientiert, der diesen bei einer „Positionsdifferenz über die Zuteilung von Werten in den drei großen Sachbereichen Sicherheit, Wohlfahrt und Herrschaft“ (Effinger 1988: 51) erfüllt sieht. Durch diese Einschränkung lässt sich nun die Definition eines latenten und manifesten Konflikts herleiten. Ein latenter Konflikt besteht demnach in einer Situation, in der unvereinbare Ziele oder unvereinbare Mittel zur Erreichung von Zielen von zwei oder mehr Akteuren gewählt werden. Dieser latente Konflikt wird zu einem manifesten Konflikt, wenn den betroffenen Akteuren die Unvereinbarkeit der Mittel oder Ziele in Bezug auf die anderen Akteure bewusst und handlungsbestimmend wird. Dies bedeutet, dass eine der wichtigsten Voraussetzungen des Manifestwerdens von latenten Konflikten in der Interessenartikulation der beteiligten Akteure besteht, welche in den Antworten auf die Fragen „who we are, what we have to complain about, and who is to blame for it“ (Effinger 1988:53) Positionen beziehen. Demnach handelt jeder Konflikt über ein Objekt, „über dessen Existenz, Herstellung oder Verteilung unvereinbare Positionsdifferenzen bestehen – den Konfliktgegenstand“ (Effinger 1988: 52), den jeder reale Konflikt beinhaltet.

Durch die Manifestierung eines Konfliktes beginnt der Konfliktaustrag, welcher in dem Konfliktverhalten der beteiligten Akteure besteht und durch die unterschiedliche Interaktion der Parteien unterschiedliche Formen der Konfliktbearbeitung annimmt. (Effinger 1988: 54)

In der Konfliktbearbeitung lassen sich die folgenden vier Formen unterscheiden:

- Der regellose Konfliktaustrag, in dem die beteiligten Akteure nach ihren individuell-rationalen Kostenabwägungen handeln und die Durchsetzung der eigenen Ziele auch gegen die Bestrebungen der anderen Akteure verfolgen, und dabei am Einsatz von Mitteln zur Schädigungen der Selben festhalten.
- Der regulierte Konflikt, welcher zwar auch durch die Unvereinbarkeit der Ziele oder Mittel zur Erreichung der Ziele bestimmt ist, sich jedoch an gemeinsam entwickelten Normen und Regeln für den Umgang mit den unvereinbaren Positionsdifferenzen orientiert wird.
- Die Konfliktlösung, welche erreicht ist, wenn alle Konfliktparteien ihre Ziele erreichen, die Positionsdifferenz in Bezug auf den Konfliktgegenstand also aufgehoben ist und damit Regeln zur Regulierung des Konfliktgegenstandes überflüssig macht.
- Die Konfliktbeendigung, in der kein oder nur ein beteiligter Akteur seine Ziele erreichen kann, folglich die Positionsdifferenzen gänzlich oder teilweise erhalten bleiben, wobei dies durch beide Konfliktparteien anerkannt wird, sodass die gemeinsam entwickelten Entscheidungsmechanismen zur Konfliktbearbeitung akzeptiert werden. Die unvereinbare Positionsdifferenz wird nicht aufgehoben und bedarf somit zur Aufrechterhaltung der Konfliktbeendigung Regeln und Normen. (Effinger 1988: 55ff)

Abschließend hierzu sei gesagt, dass sich diese vier Formen in zwei Fallgruppen zusammenfassen lassen können: In ein sich selbst steuerndes Prozessmuster zum Einen, in dem der regellose Konfliktaustrag und die Konfliktlösung einzuordnen sind; und eine Bearbeitungsform, in der der regulierte Konfliktaustrag und die Konfliktbeendigung ein von Normen und Regeln geleitetes Konfliktverhalten zur Aufrechterhaltung voraussetzen, zum Anderen.

Nachdem nun die Theorie vorgestellt wurde, auf deren Basis der Zypernkonflikt analysiert werden soll, folgt eine Zusammenfassung der Historie des Zypernkonflikts. Da die zyprische Geschichte bis vor Christi Geburt reicht, jedoch kaum Relevanz für den aktuellen Konflikt besitzt, folgt zunächst ein grober Abriss der Historie Zyperns, um daraufhin ab den Geschehnissen der 60er Jahre den Konflikt genauer zu beschreiben, da, nach Meinung des Autors, die Geschehnisse dieser Zeit den Zypernkonflikt besonders stark prägten und somit einer genaueren Betrachtung bedürfen. Nicht weiter Erwähnenswert ist, dass dieser Abriss keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Zypernfrage - Eine Anwendung des Erklärungsansatzes von Effinger, Rittberger und Zürn auf den Zypernkonflikt
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V170658
ISBN (eBook)
9783640896691
ISBN (Buch)
9783640896622
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zypernfrage, eine, anwendung, erklärungsansatzes, effinger, rittberger, zürn, zypernkonflikt
Arbeit zitieren
Rajko Dikmann (Autor), 2007, Die Zypernfrage - Eine Anwendung des Erklärungsansatzes von Effinger, Rittberger und Zürn auf den Zypernkonflikt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170658

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