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Climate Poetry und Roboterträume

Studie zur Science-Fiction-Lyrik

Titel: Climate Poetry und Roboterträume

Wissenschaftlicher Aufsatz , 2026 , 16 Seiten

Autor:in: Henning Heske (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Seit einigen Jahren gewinnt die Science-Fiction-Lyrik durch inhaltliche und formale Innovationen an literarischer Bedeutung.
Diese Studie untersucht Texte aus neuen Gedichtbänden von Tim Holland, Silke Scheuermann, Christian Schloyer und Alexander Schnickmann.

Mit Science-Fiction kann man den Nobelpreis für Literatur gewinnen. Dem schwedischen Autor Harry Martinson (1904–1978) ist dies 1974 gelungen ist. Er bekam den Preis insbesondere für Aniara, ein Weltraumepos in 103 lyrischen Texten, das im Original 1956 erschienen ist und jüngst in neuer deutscher Übersetzung wieder publiziert wurde. In seiner Darstellung der Geschichte der deutschen Science-Fiction fragte Hans Frey gleichwohl, warum Lyrik kein nennenswertes Ausdrucksmittel der SF sei (Frey 2021, S. 446). Im anglo-amerikanischen Raum gibt es seit 1978 die Science-Fiction & Fantasy Poetry Association, die vierteljährlich die Zeitschrift Star*Line publiziert und jährlich den Rhysling Award in den Kategorien Kurzgedicht (11-49 Zeilen) und Langgedicht (50-299 Zeilen) vergibt.
Im deutschsprachigen Raum dagegen existiert seit den seligen Zeiten von Wolfang Jeschkes Science-Fiction Story Reader, der in seinen im Heyne Verlag als Taschenbuch erschienenen Ausgaben 7–21 im Zeitraum 1977–1984 immer wieder auch SF-Gedichte veröffentlichte, kein explizites Publikationsorgan für Science-Fiction-Lyrik. Gleichwohl sind in den letzten Jahren im Bereich der allgemeinen Literatur eine ganze Reihe von literarisch anspruchsvollen Lyrikbänden erschienen, die sich speziell mit Fragen der Zukunft beschäftigen und eindeutig SF-Themen behandeln. Mit ihren vielfach innovativen Ansätzen bereichern sie sowohl die Lyrik an sich als auch die Science-Fiction-Literatur. Dies soll hier anhand von vier ausgewählten Autor*innen und ihren Gedichtbänden gezeigt werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

  • 1 Einleitung
  • 2 Climate-Fiction-Lyrik von Tim Holland
  • 3 Lyrische Planetologie von Christian Schloyer
  • 4 Poetische Roboterträume von Silke Scheuermann
  • 5 Kosmische Intimität in Alexander Schnickmanns Weltraumgedichten
  • 6 Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen dieser Studie

Die vorliegende Studie untersucht die Entwicklung und Bedeutung der Science-Fiction-Lyrik im deutschsprachigen Raum. Sie zielt darauf ab, anhand der Analyse der Werke von vier ausgewählten zeitgenössischen Autor*innen – Tim Holland, Christian Schloyer, Silke Scheuermann und Alexander Schnickmann – zu zeigen, dass dieses Genre eine bemerkenswerte literarische Qualität erreicht hat und die traditionellen Grenzen zwischen Lyrik und Science-Fiction auf innovative Weise überschreitet.

  • Die Etablierung und Analyse von Science-Fiction-Lyrik als eigenständige literarische Form im deutschsprachigen Kontext.
  • Die Auseinandersetzung mit der Klimakrise und dem Anthropozän in der Dichtung (Climate-Fiction-Lyrik).
  • Die Erforschung der Schnittstellen zwischen digitaler Kultur, Spielmechanik und poetischer Sprache.
  • Die Reflexion über Künstliche Intelligenz, Bewusstsein und die Mensch-Maschine-Beziehung in der Lyrik.
  • Die Verbindung von kosmischer Bildsprache, wissenschaftlichen Theorien und intimer Liebeslyrik.
  • Die Untersuchung, wie Lyrik spekulative Zukünfte und posthumanistische Perspektiven darstellt, ohne in Didaktik oder Pathos zu verfallen.

Auszug aus dem Buch

4 Poetische Roboterträume von Silke Scheuermann

Silke Scheuermanns Robotergedichte gehören zu jenen seltenen literarischen Arbeiten, in denen Science-Fiction nicht über technische Zukunft, sondern über seelische Gegenwart spricht. In schmalen, leisen Versen entwirft sie eine Welt, in der künstliche Intelligenzen träumen, lieben und leiden können – oder zumindest so tun, als ob. Diese Ambivalenz zwischen Simulation und Empfindung durchzieht die gesamte Sammlung. Die Roboter, die hier sprechen oder adressiert werden, sind zugleich Werkzeuge, Spiegel und Seelenpartner. Sie offenbaren, dass das Futuristische längst in unsere Emotionalität eingesickert ist.

Im Gedicht »Robotertraum«, dem ersten im Kapitel »Der achtsame Roboter«, verschiebt sich der Blick radikal weg von der üblichen Maschinenrhetorik. Der Roboter »sitzt in einer Lichtung«, »vielleicht betet« er, schaut auf Ameisen und Raubvögel – eine Szene, die weniger nach Technik als nach romantischer Innerlichkeit klingt. Doch diese Naturerfahrung ist vermittelt, künstlich, fast wie aus Daten simuliert. Das lyrische Ich befindet sich in einer »Halb- und-halb-Position«: halb verstehend, halb ahnungslos. Zwischen analoger und digitaler Wahrnehmung, zwischen Erinnerung und Programmierung entsteht so ein Schwebezustand, der die Grundfigur der Sammlung bildet: die Unentschiedenheit des Bewusstseins.

Dieses poetische Zwielicht bestimmt auch die folgenden Liebesgedichte an und von Robotern. In »Liebe, Roboter« wird die Maschine zum Adressaten einer Zuneigung, die zugleich ironisch und verzweifelt ist. »Geliebte Roboter, ihr seid knapp geworden, / weil uns die Ressourcen fehlen, euch zu machen« so beginnt ein Text, der postapokalyptische Knappheit und sentimentale Hingabe in einem Atemzug verhandelt. Die Sprache erinnert an klassische Liebeslyrik, doch der Gegenstand ist synthetisch. Die Maschine ersetzt das Du des Gedichts, das lyrische Ich bleibt im Gefühl, aber ohne Gegenüber aus Fleisch. Das Sonett, das Scheuermann als gewählte lyrische Form ausdrücklich erwähnt, bleibt »vierzehn Zeilen lang«, aber »reimlos« und »außer Form« – ein melancholisches Sinnbild für Verlust.

In diesen Texten vollzieht sich ein leises, aber entschiedenes Reframing des Science-Fiction-Diskurses. Wo frühere Visionen von Asimov, der den Gedichtband mit einem Zitat seiner Robotergesetze einleitet, oder Lem die Maschine als Grenze des Menschlichen markierten, werden Scheuermanns Roboter zu Figuren der Annäherung. Das lyrische Ich sehnt sich nach den Funktionen, die es selbst verloren hat: Konzentration, Zuverlässigkeit, Dauer. Die Maschine wird zur Projektionsfläche für verlorene menschliche Fähigkeiten, aber auch zur Partner*in in einer neuen, asymmetrischen Intimität.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Science-Fiction-Lyrik im deutschsprachigen Raum ein und begründet die Notwendigkeit ihrer Untersuchung anhand ausgewählter Autor*innen.

2 Climate-Fiction-Lyrik von Tim Holland: Hier wird Tim Hollands Gedichtband "wir zaudern, wir brennen" analysiert, der die Klimakrise und das Anthropozän durch eine futuristische Bildsprache und die Darstellung eines fragmentierten, posthumanen Körpers thematisiert.

3 Lyrische Planetologie von Christian Schloyer: Das Kapitel behandelt Christian Schloyers Werke "JUMP'N'RUN" und "VENUS-MARS", welche digitale Spielkultur und konkrete Poesie mit Science-Fiction-Szenarien zu einer interaktiven, fragmentarischen Zukunftserfahrung verbinden.

4 Poetische Roboterträume von Silke Scheuermann: Silke Scheuermanns Robotergedichte aus "Zweites Buch der Unruhe" stehen im Fokus, wobei die Studie die Erkundung von Bewusstsein, Empathie und Erinnerung im Kontext der Mensch-Maschine-Beziehung herausarbeitet.

5 Kosmische Intimität in Alexander Schnickmanns Weltraumgedichten: Dieses Kapitel untersucht Alexander Schnickmanns Gedichtzyklus "Gestirne", der kosmische Bildwelten mit intimer Liebeslyrik verknüpft und den Weltraum als epistemischen und emotionalen Resonanzraum neu interpretiert.

6 Schlussbetrachtung: Das abschließende Kapitel resümiert, dass Science-Fiction-Lyrik im deutschsprachigen Raum eine bedeutende und qualitativ hochwertige literarische Form darstellt, die Genregrenzen auf vielfältige Weise überschreitet.

Schlüsselwörter

Science-Fiction-Lyrik, deutschsprachige Lyrik, Klimakrise, Anthropozän, Robotergedichte, Künstliche Intelligenz, Posthumanismus, Kosmologie, Weltraumgedichte, Medienkunst, Zukunftsspekulation, Poetologie, Intermedialität, Gegenwartslyrik, Experimentelle Poesie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Science-Fiction-Lyrik im deutschsprachigen Raum und analysiert exemplarisch Werke zeitgenössischer Autor*innen, um deren innovative Beiträge und literarische Qualität aufzuzeigen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind die poetische Auseinandersetzung mit der Klimakrise (Climate-Fiction), die Darstellung von Robotern und Künstlicher Intelligenz, lyrische Erkundungen des Weltraums und posthumanistischer Perspektiven sowie die Verknüpfung von Dichtung mit digitalen Medien und spekulativen Erzählformen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, die Existenz und die bemerkenswerte literarische Qualität der Science-Fiction-Lyrik im deutschsprachigen Raum zu demonstrieren und zu untersuchen, wie diese die Lyrik und Science-Fiction-Literatur bereichert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Studie verwendet eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, um die Gedichtbände der ausgewählten Autor*innen detailliert zu untersuchen und ihre poetologischen und thematischen Ansätze zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Werke von Tim Holland, Christian Schloyer, Silke Scheuermann und Alexander Schnickmann jeweils in eigenen Kapiteln tiefgehend analysiert, wobei spezifische Themen wie Climate-Fiction, digitale Ästhetik, Roboterträume und kosmische Intimität beleuchtet werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind unter anderem Science-Fiction-Lyrik, Künstliche Intelligenz, Klimakrise, Posthumanismus, Kosmologie, Zukunftsspekulation und Medienkunst.

Wie wird die Klimakrise in Tim Hollands Lyrik dargestellt?

In Tim Hollands Lyrik wird die Klimakrise nicht als Naturklage, sondern als spekulative Zukunftssonde inszeniert, die Städte durch steigende Meere verschlingt und den menschlichen Körper sowie die Subjektivität im Anthropozän neu verhandelt.

Welche Rolle spielen digitale Spielkultur und Interfaces in Christian Schloyers Gedichten?

Christian Schloyer erweitert das Gedicht durch Elemente digitaler Spielkultur und Interfaces, indem er Texte wie Levelarchitekturen gestaltet, die eine aktive Navigation erfordern und den Leser durch einen mehrdimensionalen Raum aus Sprache, Bildzeichen und Sound bewegen.

Wie wird das Verhältnis von Mensch und Maschine in Silke Scheuermanns Robotergedichten ausgelotet?

Silke Scheuermanns Robotergedichte untersuchen die Mensch-Maschine-Beziehung als lyrische Versuchsanordnung über Bewusstsein, Empathie und Erinnerung, wobei Roboter als Spiegel der menschlichen Fragilität dienen und die Ambivalenz zwischen Simulation und Empfindung thematisiert wird.

Inwiefern verbindet Alexander Schnickmann in seinen Gedichten Liebeslyrik mit kosmischer Imagination?

Alexander Schnickmann verbindet in seinen "Weltraumgedichten" intime Liebeslyrik mit kosmischer Bildsprache, indem er den menschlichen Körper in eine astronomische Dimension überführt und den Weltraum als emotionalen Resonanzraum und Medium der Selbstbefragung nutzt.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Climate Poetry und Roboterträume
Untertitel
Studie zur Science-Fiction-Lyrik
Autor
Henning Heske (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2026
Seiten
16
Katalognummer
V1706752
ISBN (PDF)
9783389183007
ISBN (Buch)
9783389183014
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lyrik Science-Fiction Climate Fiction Gedichte Gegenwartsliteratur Gegenwartslyrik Poetik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Henning Heske (Autor:in), 2026, Climate Poetry und Roboterträume, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1706752
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  16  Seiten
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