Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Politik - Sonstige Themen

Vom Korporatismus zum Pluralismus?

Wandel der Akteure und Interessen im deutschen Gesundheitswesen

Titel: Vom Korporatismus zum Pluralismus?

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2010 , 28 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Sebastian Kuschel (Autor:in)

Politik - Sonstige Themen
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

"Von Jahr zu Jahr wird klarer: das Ziel des Gesundheitswesens ist nicht die Gesundheit, sondern der Ausbau des Gesundheitswesens."

– Gerhard Kocher (Schweizer Politologe)

Dieses Zitat ist sicherlich für das deutsche Gesundheitssystem zutreffend. Es war schon immer eines der umkämpftesten Felder zwischen den jeweils amtierenden Regierungen und der Opposition, auch weil damit ein hohes Gut für jeden Menschen, nämlich seine Gesundheit, viele Arbeitsplätze (im gesamten Gesundheitssektor waren 2008 4.616.000 Menschen beschäftigt) und ein Milliardengeschäft (u.a.für die Pharmaindustrie) verbunden sind. Festzustellen ist eine ständige Forderung nach Reformen, die meist aufgrund der vielen Vetospieler in der Gesundheitspolitik aber nur teilweise ausgearbeitet und tatsächlich umgesetzt werden können.

Eine Vielzahl von Verbänden und Interessengruppen versucht ihren Einfluss auf diesem Gebiet geltend zu machen, für das außerdem ein „komplexer Mix von Regulierungsformen“ kennzeichnend ist, mit einem jeweils unterschiedlichen Mischungsverhältnis aus staatlichen, korporatistischen und marktlichen Elementen.

Diese Arbeit geht der Frage nach, inwieweit sich aufgrund struktureller Veränderungen im Gesundheitswesen bestimmte Akteure und ihre Interessen angepasst und verändert haben.
Die Gesundheitsreform 2007 soll dabei die vorerst abschließende Rolle spielen.

Hierfür werden zunächst kurz die theoretischen Grundbegriffe Pluralismus und Korporatismus erläutert, mit Hilfe derer man versuchen kann, den Wandel zu beschreiben. Grundlage sind hierfür die
Theorien Ernst Fraenkels für den Pluralismus, sowie Phillipe C. Schmitters und Gerhard Lehmbruchs für den Korporatismus.

Dann werden die wichtigsten Akteure vorgestellt und ihre jeweilige Rolle im System analysiert, wobei die Parteien außen vor gelassen werden. Sie treten hier höchstens als „Staat“ im Sinne der jeweiligen Regierungsparteien auf. Anschließend soll zu einem Fazit gelangt werden, ob und in welche Richtung sich das Gesundheitssystem im Gesamten entwickelt hat. Ein Ausblick auf die mögliche
Weiterentwicklung, ausgelöst durch neue Reformen, soll im abschließenden Teil gegeben werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

A Eine gesundheitspolitische Konstante: Die Reform nach der Reform

B Vom Korporatismus zum Pluralismus? - Wandel der Akteure und Interessen im deutschen Gesundheitswesen

I. Grundlagen zur empirischen Analyse

I.1 Die Pluralismustheorie nach Ernst Fraenkel

I.2 Die Korporatismustheorie anhand Phillipe C. Schmitter und Gerhard Lehmbruch

II. Die Akteure und ihre Interessen im deutschen Gesundheitswesen

II.1 Verbände der Leistungsanbieter

II.1 a) Die Kassenärztlichen Vereinigungen

II.1 b) Die Ärztekammern

II.1 c) Der Hartmannbund

II.1 d) Die pharmazeutische Industrie und Lobbying

II.2 Die Verbände der Krankenkassen

II.3 Verbände für Patienten-, Behinderten- und Verbraucherinteressen

III. Fazit: Mehr Wettbewerb oder mehr Staat? – In welche Richtung entwickelt sich das Gesundheitswesen?

C Die Gesundheitsreform 2010 / 2011

Röslers Konzept – Mögliche Gewinner und Verlierer

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Wandel der Akteurslandschaft und Interessenvermittlung im deutschen Gesundheitswesen und analysiert, inwieweit sich das System von korporatistischen Strukturen in Richtung eines pluralistischen Wettbewerbsmodells entwickelt hat.

  • Theoretische Fundierung durch Pluralismus- und Korporatismustheorien
  • Analyse der Interessenverbände der Leistungsanbieter und Krankenkassen
  • Untersuchung des Einflusses von Lobbyismus, insbesondere der Pharmaindustrie
  • Evaluierung struktureller Veränderungen durch die Gesundheitsreformen 2007 und 2010/2011

Auszug aus dem Buch

II. 1 d ) Die pharmazeutische Industrie und Lobbying

Es soll an dieser Stelle noch auf die pharmazeutische Industrie eingegangen werden, deren Bedeutung vor allem durch gezielten und finanzkräftigen Lobbyismus nicht zu unterschätzen ist. Ganzes sieben Verbände teilen sich die Vertretung der in Deutschland ansässigen Pharmaunternehmen gegenüber der Politik. Anlässlich der anstehenden Gesundheitsreform 2007 wurden die Positionen durch eine Zusammenarbeit vereinheitlicht, insbesondere angestoßen durch den Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) und den Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA). Die grundlegende Forderung nach berechenbarer Politik wird von den Verbänden wie dem BPI erhoben, damit „die pharmazeutischen Unternehmen in der Lage sind, langfristig zu planen.“

Natürlich wäre auch ein erleichterter Wettbewerb im Interesse der Pharmaunternehmen, allerdings scheitern sie hier an der Politik. Auch im GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (GKV-WSG), also der Gesundheitsreform 2007 wurde dieses Ziel nicht konsequent genug weiterverfolgt. So wurden stattdessen ministerielle Durchgriffsrechte erweitert, die zur Zentralisierung und Vereinheitlichung führen. Wesentliche Marktteilnehmer bleiben zudem vom Kartell- und Wettbewerbsrecht verschont und behalten eine „Sondergerichtsbarkeit“, nämlich durch die Sozialgerichte. Die Politik wird sich vor der Verantwortung, in Zukunft rechtlich gleiche Regeln für alle Marktteilnehmer zu schaffen, nicht heraus reden können. Mehr Wettbewerb und weniger staatliche Eingriffe in diesem Bereich werden wohl die Folge sein.

Zusammenfassung der Kapitel

A Eine gesundheitspolitische Konstante: Die Reform nach der Reform: Einleitende Betrachtung des deutschen Gesundheitssystems als umkämpftes Politikfeld, geprägt von einem komplexen Mix aus staatlichen, korporatistischen und marktwirtschaftlichen Elementen.

B Vom Korporatismus zum Pluralismus? - Wandel der Akteure und Interessen im deutschen Gesundheitswesen: Analyse der theoretischen Grundlagen (Pluralismus und Korporatismus) sowie detaillierte Untersuchung der wichtigsten Akteure und Verbände im Gesundheitswesen.

III. Fazit: Mehr Wettbewerb oder mehr Staat? – In welche Richtung entwickelt sich das Gesundheitswesen?: Zusammenfassende Bewertung der Entwicklung hin zu einem rehierarchisierten Wettbewerbskorporatismus durch strukturelle Reformen.

C Die Gesundheitsreform 2010 / 2011: Untersuchung des Reformkonzepts von Gesundheitsminister Rösler unter Berücksichtigung der Interessen von Krankenkassen, Pharmaindustrie und Patienten.

Schlüsselwörter

Gesundheitspolitik, Korporatismus, Pluralismus, Verbändeforschung, Lobbyismus, Gesundheitsreform, Interessenvermittlung, Selbstverwaltung, GKV-Spitzenverband, Pharmaindustrie, Wettbewerb, Solidaritätsprinzip, Gemeinsamer Bundesausschuss, Leistungserbringer, Interessenpolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Wandel der Interessenvermittlung im deutschen Gesundheitssystem und hinterfragt, inwieweit sich dieses von klassischen korporatistischen Strukturen in Richtung eines pluralistischen Systems verändert hat.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Akteure (Leistungsanbieter, Krankenkassen, Pharma-Lobby), der Einfluss politischer Reformen auf diese Akteure sowie die zugrunde liegenden theoretischen Konzepte des Korporatismus und Pluralismus.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es zu bestimmen, in welche Richtung sich das deutsche Gesundheitswesen unter dem Einfluss zunehmender marktwirtschaftlicher Orientierung und gesetzlicher Reformen in den letzten Jahren entwickelt hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen politikwissenschaftlichen Ansatz, der auf der Analyse politikwissenschaftlicher Theorien (insb. Fraenkel, Schmitter, Lehmbruch) und der Anwendung dieser auf empirische Entwicklungen im deutschen Gesundheitswesen basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Rolle und den Interessen verschiedener Akteure wie Kassenärztlichen Vereinigungen, dem Hartmannbund, Krankenkassenverbänden und der Pharmaindustrie, sowie deren Interaktion mit der Politik.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit ist maßgeblich durch Begriffe wie Gesundheitsreform, Interessenvermittlung, Korporatismus, Wettbewerb und Lobbyismus gekennzeichnet.

Inwiefern hat die Gesundheitsreform 2007 die Rolle der Akteure verändert?

Die Reform führte unter anderem zur Gründung des GKV-Spitzenverbandes und stärkte den Wettbewerb, schwächte aber gleichzeitig die politische Bedeutung der ehemaligen Bundesverbände und wandelte diese zunehmend in betriebswirtschaftlich ausgerichtete Organisationen um.

Welche Kritik üben die Autoren am Lobbyismus der Pharmaindustrie?

Kritisiert wird insbesondere die gezielte Einflussnahme auf Ärzte und Politik, die selektive Forschungsförderung und die teils aggressive Durchsetzung von Interessen, die den Wettbewerb verzerren oder den Patienteninteressen schaden könnten.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Vom Korporatismus zum Pluralismus?
Untertitel
Wandel der Akteure und Interessen im deutschen Gesundheitswesen
Hochschule
Universität Passau
Note
1,0
Autor
Sebastian Kuschel (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
28
Katalognummer
V170684
ISBN (eBook)
9783640896257
ISBN (Buch)
9783640896363
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesundheitswesen Gesundheit Gesundheitspolitik Politikwissenschaft Korporatismus Pluralismus Schmitter Lehmbruch Fraenkel Krankenkassen Lobbyismus Pharma Pharmalobby Lobby Pharma-Lobby pharmazeutische Industrie Gesundheitsreform Gesundheitsreformen Gesundheitsreform 2010 Gesundheitsreform 2011 Systemanalyse Hartmannbund Verbände Verbändelandschaft Lobbying Bandelow Nils Bandelow Akteure deutsches Gesundheitswesen Rösler IQWiG Philipp Rösler Institutionen Institutionenanalyse Politologie Ernst Fraenkel Gesundheitssystem Gesundheitsreform 2007 Governance
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sebastian Kuschel (Autor:in), 2010, Vom Korporatismus zum Pluralismus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170684
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  28  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum