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Werte und Wertewandel

Die Erklärungskraft der Wertewandeltheorie nach Ronald Inglehart dargestellt am Beispiel der Rolle der Jugendlichen in der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis 1989

Titel: Werte und Wertewandel

Bachelorarbeit , 2016 , 82 Seiten , Note: 2,1

Autor:in: Kati Chatzikonstantinidou (Autor:in)

Soziologie - Kinder und Jugend
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit der Erklärungskraft der Wertewandeltheorie nach Ronald Inglehart in Bezug auf den Wertewandel der Jugendlichen von 1949 bis 1989 in der Bundesrepublik Deutschland. Das Ziel ist aufzuzeigen, dass sich bei den Jugendlichen tatsächlich ein Wertewandel vollzogen hat. Hierzu wurden die Shell Jugendstudie von 1992 und ein kumulierter Datensatz des ALLBUS von 1980 bis 2012 herangezogen, um verdeutlichend darzustellen, welche Werte, ob materialistisch oder postmaterialistisch, Jugendliche und Heranwachsende im Alter von 13 bis 29 Jahren für ihr Leben als wichtiger erachteten.
Die Wandelbarkeit der Werte wurde zudem genauer beleuchtet, indem die vier Jahrzehnte eingeteilt und gesondert betrachtet wurden. Tatsächlich gewannen postmaterialistische Wertorientierungen deutlich an Bedeutung, während materialistische Werte an Wert verloren. Bis es jedoch zu dieser Entwicklung kam, war die Jugendphase der Jugendlichen in den 1950er Jahren von Kriegserfahrungen geprägt. Demnach waren zu dieser Zeit besonders materialistische Werte vorherrschend. In den 1960er und 1970er Jahren bildete sich eine Jugend, die politisch aktiv war. Sie forderte Emanzipation und lehnte Autoritäten ab. Es kam daher zu einer Abwertung von Werten wie Disziplin, Gehorsam und Unterordnung. Pflicht- und Akzeptanzwerte erfuhren eine Abwertung, während Selbstentfaltungswerte aufgewertet wurden. Der Wertewandel der 1980er Jahre hob sich jedoch durch ein neues Wertmuster von den Vorgängergenerationen ab. Es bildeten sich neue Lebensstile, wodurch eine gesteigerte Individualisierung bei den Jugendlichen zum Vorschein kam. Neben den in der Kindheit und Jugendphase erlebten Erfahrungen sind Faktoren wie das steigende Bildungsniveau und der technische Fortschritt entscheidende Faktoren im Wertewandel.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

  • Zusammenfassung
  • Abstract
  • Einleitung
    • Problemstellung
    • Zielsetzung und Vorgehensweise
  • Grundlagen: Begriffserklärung
    • Werte
    • Wertewandel
    • Der Jugendbegriff
  • Theoretischer Erklärungsansatz: Die Wertewandeltheorie nach Ronald Inglehart
    • Die Mangelhypothese
    • Die Sozialisationshypothese
    • Die Verknüpfung der Sozialisationshypothese mit der Mangelhypothese
  • Träger des Wertewandels
  • Determinanten des Wertewandels
    • Einflüsse des Denkens, Wissens und der Kommunikation
    • Technischer Fortschritt
  • Auswirkungen des Wertewandels
    • Chancen
    • Risiken
  • Wertewandel bei Jugendlichen in der BRD von 1949 – 1989
    • Die 1950er Jahre
    • Die 1960er Jahre
    • Die 1970er Jahre
    • Die 1980er Jahre
    • ALLBUS – Kumulation 1980-2012
    • Shellstudie 1992: Subjektive Werte-Einschätzung von Jugendlichen
  • Kritik an Ronald Ingleharts Wertewandeltheorie
    • Die Dimensionalität von Materialismus und Postmaterialismus
    • Die Validität des Inglehart-Index und die Wandlungsdynamik gesellschaftlicher Werte
  • Fazit
  • Literatur- und Quellenverzeichnis
  • Anhang

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Erklärungskraft von Ronald Ingleharts Wertewandeltheorie für den Wertewandel Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1949 und 1989. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob und wie sich die Prioritäten von materialistischen zu postmaterialistischen Werten verschoben haben und welche Rolle Jugendliche als Träger dieses Wandels spielten. Dazu werden theoretische Grundlagen, empirische Befunde und die Kritik an Ingleharts Ansatz zusammengeführt.

  • Begriffsklärung von Werten, Wertewandel und Jugend
  • Ingleharts Mangelhypothese und Sozialisationshypothese
  • Jugend als Träger von Wertewandel
  • Determinanten wie Bildung, Wissen, Kommunikation und technischer Fortschritt
  • Chancen und Risiken gesellschaftlicher Werteveränderungen
  • Empirische Überprüfung anhand von Shell-Jugendstudie und ALLBUS-Daten

Auszug aus dem Buch

3 Theoretischer Erklärungsansatz: Die Wertewandeltheorie nach Ronald Inglehart

Theoretisches Gerüst dieser Arbeit bildet die Wertewandeltheorie nach Ronald Inglehart. Der amerikanische Politikwissenschaftler ist der entscheidende Impulsgeber einer Theorie, die in Deutschland in den 1970er Jahren zu einer beginnenden Diskussion über einen Wertewandel führte (Inglehart 1989, S. 90). Inglehart vertrat die Meinung, dass die westlichen Gesellschaften in den vergangenen hundert Jahren materialistisch orientiert waren (Gabriel 1986, S. 90, nach Inglehart 1971, S. 991ff.; 1977, S. 22ff.; 1979a, S. 308ff.; 1979b, S. 280ff.; 1984, S. 525ff.; Inglehart und Klingemann 1979, S. 209f.). In seinem Werk „The Silent Revolution: Changing Values and Political Styles among Western Publics“ war er es, der 1977 die Hypothese formulierte, nach der sich die Wertprioritäten der westlichen Welt von materialistischen hin zu postmaterialistischen Einstellungen verschoben haben (Inglehart 1989, S. 90; Kürzinger 2014, S. 82). Diesen Schluss zog er mithilfe einer international vergleichenden Studie von insgesamt sechs westlichen Ländern. Inglehart stellte dabei fest, dass v.a. jüngere Menschen gesellschaftspolitische Ziele wie z.B. „freie Meinungsäußerung“ und die „Mitentscheidung in Wirtschaft und Politik“ als wichtiger erachteten als „Ruhe und Ordnung im Land“ oder eine „stabile Wirtschaft“ (Langguth 1996, S. 8f.).

In seinen Überlegungen differenziert Inglehart zwischen „Materialisten“ und „Postmaterialisten“. Dabei agieren Materialisten in ihrem Leben so, dass sie ihre Grundbedürfnisse erfüllen. Im Gegensatz dazu stehen die Postmaterialisten, die danach streben, Wachstumsbedürfnisse zu befriedigen. Dementsprechend gestalten sich die Wertesysteme. Unter materialistischen Werten versteht Inglehart physische sowie ökonomische Sicherheitsbedürfnisse. Postmaterialistische Werte dagegen stellen bei ihm intellektuelle und ästhetische Bedürfnisse dar. Damit gemeint sind bspw. Menschenwürde und Partizipation. Auch Bedürfnisse nach sozialer Anerkennung zählen dazu. In den Vordergrund seien Gruppenzugehörigkeit, Selbstverwirklichung und Lebensqualität getreten. Demnach liege die höchste Priorität nicht mehr auf physischem Überleben und physischer Sicherheit. Auch traditionelle politische, moralische und soziale Normen würden an Bedeutung verlieren (Inglehart 1989, S. 90, 174).

Warum solche postmaterialistischen Prioritäten auftreten, muss daher zwingend näher erklärt werden. Für diese Erklärung bedient sich Inglehart der Theorie des formativen Überflusses. Er verknüpft zwei Hypothesen miteinander, die die Basis seiner Theorie bilden (Gabriel 1986, S. 90, nach Inglehart 1971, S. 991ff.). Bei den beiden Hypothesen handelt es sich zum einen um die Mangelhypothese und zum anderen um die Sozialisationshypothese. Die Grundlage seiner Überlegungen formuliert er wie folgt: „Die Prioritäten eines Menschen reflektieren sein sozio-ökonomisches Umfeld: Den größten subjektiven Wert mißt [sic] man den Dingen zu, die relativ knapp sind“ und: „Wertprioritäten ergeben sich nicht unmittelbar aus dem sozio-ökonomischen Umfeld. Vielmehr kommt es zu einer erheblichen Zeitverschiebung, denn die grundlegenden Wertvorstellungen eines Menschen spiegeln weithin die Bedingungen wider, die in seiner Jugendzeit vorherrschend waren“ (Inglehart 1989, S. 92).

Zusammenfassung der Kapitel

Zusammenfassung: Die Arbeit skizziert das Forschungsvorhaben, klärt zentrale Begriffe und führt in die Theorie Ingleharts ein. Sie formuliert die Leitfragen nach Erklärungskraft, Folgen und Kritik des Wertewandels.

Grundlagen: Begriffserklärung: Werte, Wertewandel und Jugend werden begrifflich und sozialwissenschaftlich eingeordnet. Besonders die Offenheit des Jugendbegriffs und die Schwierigkeit einer einheitlichen Definition werden herausgearbeitet.

Theoretischer Erklärungsansatz: Die Wertewandeltheorie nach Ronald Inglehart: Ingleharts Unterscheidung von Materialismus und Postmaterialismus sowie seine Mangel- und Sozialisationshypothese bilden das theoretische Fundament. Wertewandel wird als generationsgebunden und durch gesellschaftliche Sicherheit beeinflusst dargestellt.

Träger des Wertewandels: Das Kapitel ordnet gesellschaftliche Gruppen als Wertträger und betont Jugendliche als besonders relevante Träger des Wandels. Bildung und soziale Lage werden als wichtige Differenzierungsfaktoren diskutiert.

Determinanten des Wertewandels: Denk-, Wissens- und Kommunikationsprozesse sowie technischer Fortschritt erscheinen als zentrale Ursachen. Die Bildungsexpansion und die Modernisierung beschleunigen den Wertewandel.

Auswirkungen des Wertewandels: Der Wertewandel wird ambivalent beschrieben: Einerseits eröffnet er Pluralismus, Freiheit und demokratische Teilhabe, andererseits erzeugt er Verunsicherung, Überforderung und Orientierungslosigkeit.

Wertewandel bei Jugendlichen in der BRD von 1949 – 1989: Das Kapitel zeichnet die Entwicklung von der kriegsgeprägten Nachkriegsjugend über die politisierte 68er-Generation bis zu individualisierten Jugendstilen der 1980er Jahre nach. ALLBUS- und Shell-Daten stützen den Trend zu postmaterialistischen Werten.

Kritik an Ronald Ingleharts Wertewandeltheorie: Die Theorie wird hinsichtlich ihrer Dimensionalität, der Validität des Index und der Annahme stabiler Wertprägungen kritisiert. Klages’ mehrdimensionale Perspektive und das Problem des Mischtyps stehen im Zentrum.

Fazit: Die Arbeit bestätigt einen Wertewandel, hält Ingleharts Erklärung aber nur teilweise für ausreichend. Sie betont die Komplexität moderner Gesellschaften und die Relevanz von Wertekoexistenz.

Schlüsselwörter

Wertewandel, Ronald Inglehart, Materialismus, Postmaterialismus, Jugendliche, Bundesrepublik Deutschland, Shell Jugendstudie, ALLBUS, Sozialisationshypothese, Mangelhypothese, Postmodernisierung, Bildungsexpansion, technischer Fortschritt, Wertekoexistenz, Helmut Klages

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Wertewandel bei Jugendlichen in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1949 und 1989 und fragt, wie überzeugend Ronald Ingleharts Theorie diesen Wandel erklärt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Begriffe Wert und Wertewandel, Ingleharts Theorie von Materialismus und Postmaterialismus, Jugend als Wertträger sowie die empirische Entwicklung in der BRD.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu zeigen, dass sich bei Jugendlichen tatsächlich ein Wertewandel vollzogen hat und dass Ingleharts Theorie diesen plausibel erklärt. Zugleich wird geprüft, welche Folgen und welche Kritik sich daraus ergeben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine sozialwissenschaftliche Literatur- und Theoriearbeit mit empirischer Bezugnahme. Analysiert werden unter anderem die Shell Jugendstudie 1992 und ein ALLBUS-Kumulationsdatensatz von 1980 bis 2012.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt zunächst die theoretischen Grundlagen, dann die Determinanten und Auswirkungen des Wertewandels sowie anschließend die Entwicklung bei Jugendlichen in den 1950er bis 1980er Jahren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Besonders wichtig sind die Begriffe Wertewandel, Materialismus, Postmaterialismus, Jugendliche, Inglehart, Sozialisationshypothese, Mangelhypothese, Bildung und technischer Fortschritt.

Welche Rolle spielen Jugendliche in der Argumentation?

Jugendliche gelten als besonders wichtige Träger des Wertewandels, weil sich in ihrer Sozialisation neue Wertprioritäten herausbilden und sie gesellschaftliche Veränderungen oft früher aufgreifen als ältere Generationen.

Was zeigt die Darstellung der 1950er Jahre?

Die 1950er Jahre werden als Zeit der Nachkriegserfahrung, materieller Unsicherheit und politischer Distanz beschrieben. Entsprechend dominierten materialistische und auf Überleben ausgerichtete Werte.

Was ist das Besondere an der Shellstudie von 1992?

Die Shellstudie von 1992 erhebt subjektive Werteeinschätzungen von Jugendlichen und zeigt, dass Freiheit deutlich wichtiger bewertet wird als die Achtung vor der Tradition.

Welche Kritik wird an Ingleharts Theorie formuliert?

Kritisiert werden vor allem die eindimensionale Gegenüberstellung von Materialismus und Postmaterialismus, die begrenzte Aussagekraft des Inglehart-Index und die Annahme, Werte seien im Erwachsenenalter weitgehend stabil.

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Details

Titel
Werte und Wertewandel
Untertitel
Die Erklärungskraft der Wertewandeltheorie nach Ronald Inglehart dargestellt am Beispiel der Rolle der Jugendlichen in der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis 1989
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Bachelorarbeit
Note
2,1
Autor
Kati Chatzikonstantinidou (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
82
Katalognummer
V1707502
ISBN (PDF)
9783389183441
ISBN (Buch)
9783389183458
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Werte Wertewandel Ronald Inglehart Wertewandeltheorie materialistisch postmaterialistisch Selbstentfaltungswerte Pflicht- und Akzeptanzwerte
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Kati Chatzikonstantinidou (Autor:in), 2016, Werte und Wertewandel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1707502
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Leseprobe aus  82  Seiten
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