Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Identitätsbildung und den Selbstdarstellungsarten jugendlicher Mädchen im Alter von 16-18 Jahren auf Instagram auseinander. Zu diesem Zweck werden zu Beginn zwei forschungsleitende Fragestellungen formuliert. Die erste Forschungsfrage beschäftigt sich mit der Rolle des sozialen Netzwerkes Instagram im Hinblick auf die Identitätsbildung von jugendlichen Mädchen im Alter von 16 bis 18 Jahren. Dazu werden die soziologischen Theorien von George H. Mead und Erving Goffman herangezogen, die eine herausragende Stellung in der Identitäts- und Selbstdarstellungsforschung einnehmen. Die zweite Forschungsfrage setzt sich mit den verschiedenen Darstellungen der Jugendlichen auf Instagram auseinander. Dafür werden 20 Bilder jugendlicher Mädchen danach analysiert, wie sie sich auf ihren öffentlichen Instagram-Profilen darstellen. Diese Bilder werden anhand der dokumentarischen Methode der Bildinterpretation nach Ralf Bohnsack analysiert. Nach dieser Analyse können vier dominante Typen identifiziert werden, nach denen man die Jugendlichen in ihrer jeweiligen Darstellungsart einteilen kann. Es wird aufgezeigt, dass Instagram eine bedeutende Rolle zugeschrieben werden kann, denn es erlaubt den jugendlichen Mädchen, sich einerseits als Teil eines Ganzen zu sehen. Andererseits ermöglicht Instagram den Jugendlichen, die sich in diesem Alter in einer Selbstfindungsphase befinden, die Möglichkeit, Instagram als eine Art neue Bühne der Selbstdarstellung für sich zu nutzen. So können sie sich in diversen Rollen präsentieren und ein Feedback dafür erhalten. Ohne in direkten physischen Kontakt mit Anderen treten zu müssen, bilden sie sich ihre Identität eigenständig und äußerst medienkompetent aus. Für ihre Selbstdarstellung bedienen sie sich diverser Körperhaltungen, die allesamt bestimmte Signale an den Betrachtenden senden. Wenn sie z.B. schlanker wirken wollen, stellen sie ein Bein vor das andere und wenn sie Aufmerksamkeit auf ihre Brust und ihr Gesäß lenken wollen, bringen sie ihren Körper in eine S-Form. Indem sie diverse Posen einnehmen, übernimmt der Körper für sie eine herausragende Rolle. [...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Erkenntnisinteresse und forschungsleitende Fragestellungen
2. Relevanz und Aufbau
Forschungsstand
Theoretischer Hintergrund: Soziologische Ansätze der Identitätsbildung
3. Die Identitätsbildung nach George Herbert Mead
3.1. Identitätsbildung
3.2. Das Selbst und die strukturellen Bestandteile I, Me und Self
4. Erving Goffmans Grundgedanken zu Identität, Selbst und Selbstdarstellung
4.1. Grundannahmen zu Identität, Selbst und Selbstdarstellung
4.2. Die Bühnen des Theaters
5. Zwischenfazit
Methodologie
6. Die dokumentarische Methode der Bildinterpretation nach Ralf Bohnsack
7. Die Arbeitsschritte der dokumentarischen Methode der Bildinterpretation
Ergebnisse
8. Typische Posen und Körperhaltungen
9. Typische Geste in der Oberkörperaufnahme
10. Typische Ausprägungen in der Mimik und Blickverhalten
11. Typen der Selbstdarstellung
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Identitätsbildung und Selbstdarstellung weiblicher Jugendlicher im Alter von 16 bis 18 Jahren auf dem sozialen Netzwerk Instagram. Das primäre Ziel ist es, unter Anwendung der dokumentarischen Methode nach Ralf Bohnsack wiederkehrende Inszenierungsmuster und Typen in der digitalen Selbstdarstellung zu identifizieren und diese soziologisch mittels der Theorien von George H. Mead und Erving Goffman zu fundieren.
- Rolle von Instagram für die Identitätsbildung in der Jugendphase
- Anwendung soziologischer Identitätstheorien auf digitale Medien
- Methoden der digitalen Selbstinszenierung (Körperhaltung, Mimik, Gestik, Filter)
- Typenbildung der Selbstdarstellungsformen basierend auf Bildanalysen
Auszug aus dem Buch
Die Identitätsbildung nach George Herbert Mead
Für die Ausbildung von Identität sind Mead zufolge, diverse Aspekte dafür maßgeblich, wie z.B.: ‚Zeichen‘, ‚Gesten‘, ‚signifikante Symbole‘, ‚Geist‘ sowie ‚Selbst‘ und ‚Selbstbewusstsein‘. Wie diese Begriffe mit der Identitätsbildung zusammenhängen, soll nachfolgend erörtert werden.
Beginnend mit einem der wohl bekanntesten soziologischen Ansätze zur Untersuchung von Identität, kommt man an George H. Mead, der als Vertreter des symbolischen Interaktionismus bereits 1943 einen theoretischen Erklärungsversuch zur Identitätsentwicklung eines Menschen vornimmt, nicht vorbei (vgl. Kneidinger-Müller 2017: 65).
Erwähnenswert ist, dass die Identitätsvorstellungen in sozialwissenschaftlichen Theorien der Gegenwart hauptsächlich in der Tradition des amerikanischen Pragmatismus (James 1977) und dem daraus hervorgegangenen Symbolischen Interaktionismus von Mead stehen. Vor dem Hintergrund einer gesellschaftlichen Umbruchsituation in den USA entstanden beide, amerikanischer Pragmatismus und Symbolischer Interaktionismus, im 1890 einsetzenden Industrialisierungs- und Urbanisierungsprozess. Mit diesem Prozess kam die Frage nach einer Identität von Individuen angesichts des Zusammentreffens verschiedener Ethnien und Sozialschichten ebenso angesichts der zunehmenden Arbeitsteilung auf (vgl. Stross 1991: 7).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Thema, Vorstellung der forschungsleitenden Fragestellungen und des Aufbaus der Untersuchung.
Forschungsstand: Überblick über existierende Studien zur Instagram-Nutzung und Selbstdarstellung Jugendlicher.
Theoretischer Hintergrund: Soziologische Ansätze der Identitätsbildung: Theoretische Rahmung durch Konzepte von Mead und Goffman sowie Klärung der Jugendphase.
Methodologie: Erläuterung der angewandten dokumentarischen Methode der Bildinterpretation nach Ralf Bohnsack.
Ergebnisse: Darstellung und Analyse der in den Bildern identifizierten Posen, Gesten und Typen der Selbstdarstellung.
Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfragen und Ausblick auf künftige Forschungsbedarfe.
Schlüsselwörter
Identitätsbildung, Selbstdarstellung, Instagram, Jugendliche, Dokumentarische Methode, Ralf Bohnsack, George H. Mead, Erving Goffman, Impression Management, Image, Körperhaltung, digitale Medien, Sozialisation, Typenbildung, Inszenierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie weibliche Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren das soziale Netzwerk Instagram nutzen, um ihre Identität zu konstruieren und sich der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die soziologische Identitätsbildung, das Konzept des Impression Managements, die Bedeutung von ästhetischen Inszenierungen im digitalen Raum sowie die Methoden der qualitativen Bildanalyse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, anhand von 20 Instagram-Bildern zu ergründen, welche Rolle die Plattform bei der Selbstfindung einnimmt und welche spezifischen Typen der Selbstdarstellung sich daraus ableiten lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die dokumentarische Methode der Bildinterpretation nach Ralf Bohnsack angewandt, um implizite Wissensbestände in den Bildern zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung durch Mead und Goffman, die Erläuterung des methodischen Vorgehens und die empirische Analyse von Körperhaltungen, Mimik und Gestik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Identitätsbildung, Selbstdarstellung, Instagram, dokumentarische Methode und Impression Management.
Warum wurde die Altersgruppe der 16- bis 18-Jährigen gewählt?
Diese Altersgruppe befindet sich in einer entscheidenden Selbstfindungsphase an der Schwelle zum Erwachsensein, in der digitale Netzwerke eine neue, kontrollierbare Bühne für die Identitätsarbeit bieten.
Welche Rolle spielen Influencer bei der Selbstdarstellung der Jugendlichen?
Die Studie zeigt, dass Influencer als starke Vorbilder fungieren, deren Posen, Aussehen und Darstellungsmuster die Jugendlichen nachahmen, um positives Feedback in Form von Likes zu generieren.
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- Kati Chatzikonstantinidou (Author), 2020, Ich poste, also bin ich. Identitätsbildung und Selbstdarstellung jugendlicher Mädchen im Alter von 16-18 Jahren auf Instagram, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1707543