Die Entwicklung des Islams – Nach den Prognosen von Hamed Abdel-Samad und Samuel P. Huntington


Seminararbeit, 2011
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entwicklung des Islams nach der Prognose von Hamed Abdel-Samad
2.1 Kurzer biographischer Abriss und Einführung in die Thematik
2.2 Darstellung der Hauptargumente
2.3 Das Bildungssystem als Katalysator für den Zerfall der islamischen Welt
2.4 Angst vor dem Unbekannten – Ein Weg in die Isolation
2.5 Orientierungslosigkeit und geistige Erstarrung

3 Huntingtons „Kampf der Kulturen“
3.1 Huntingtons Prognose – Eine Einführung
3.2 Der Islam auf dem Vormarsch – Eine Islamisierung der Moderne
3.3 Auswirkungen und Folgen für die westliche Welt

4 Fazit

5 Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Die Modularbeit mit dem Titel: „Die Entwicklung des Islams – Nach den Prognosen von Hamed Abdel-Samad und Samuel P. Huntington“ setzt sich mit den unterschiedlichen Zukunftsprognosen hinsichtlich der Entwicklung der islamischen Welt und den daraus resultierenden Folgen auseinander und setzt diese unterschiedlichen Entwicklungen zu der westlichen Welt in Beziehung.

Angesichts der aktuellen Ereignisse in Ägypten und Libyen ist die Thematik hoch aktuell und den jüngsten Ereignissen zu urteilen sehr brisant.

Das Ziel dieser Modularbeit ist es daher, zwei unterschiedliche Positionen aufzuzeigen, um auf der einen Seite die Komplexität des Themas zu verdeutlichen und auf der anderen Seite der Komplexität Systematik zu verschaffen, um dem Leser die Möglichkeit zu geben, das Thema aus einer objektiven Perspektive zu beleuchten.

Die Prognosen von Hamed Abdel-Samad und Samuel P. Huntington zeigen unterschiedliche Tendenzen der Entwicklung und werden bewusst nicht miteinander verglichen, da dem Leser die Chance ermöglicht werden soll eigene Fragestellungen zu formulieren, um diese als Impulse weiterzuentwickeln.

Daher strukturiert sich die Modularbeit in zwei große Hauptteile, wobei im ersten Teil zuerst die Prognose von Hamed Abdel-Samad und im zweiten Teil die Prognose von Samuel P. Huntington vorgestellt wird. Anschließend folgt ein zusammenfassendes Fazit mit weiterführenden Überlegungen zu dem Thema und dem Versuch eines Zukunftsausblicks hinsichtlich der aktuellen Ereignisse in der westlichen Welt vor dem Hintergrund der beiden Prognosen.

Zu der Wahl der Literatur ist zu sagen, dass der Verfasser sich überwiegend auf die Literatur von Hamed Abdel-Samad und Samuel P. Huntington gestützt hat sowie Internetquellen benutzt hat und weiterführende Literatur.

Zuletzt möchte der Verfasser anmerken, dass sie es als einen wichtigen Punkt erachtet einen biographischen Abriss von Hamed Abdel-Samad und Samuel P. Huntington in die Modularbeit einfließen zu lassen, um deren Positionen anhand des persönlichen Hintergrunds zu begründen. Der Zweck ist es deren Positionen für den Leser greifbarer zu machen und eine besseres Verständnis dafür zu bekommen, warum die Autoren diese Positionen einnehmen.

Hamed Abdel-Samad prophezeit in seinem Buch den „Untergang der islamischen Welt“. Die Hauptursache für den Untergang sieht er in der Unfähigkeit der islamischen Welt sich den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu stellen. Das fehlende Selbstbewusstsein und das daraus begründete Fehlen von Handlungsoptionen ebnen den Weg in eine Orientierungslosigkeit und Rückständigkeit der islamischen Welt.

Diese Faktoren resultieren in einem aggressiven Fundamentalismus und Fanatismus. Ohne eine Modernesierung des Islams und einer Herangehensweise zur Selbstkritik sind die islamischen Staaten mit ihrer Religion und ihrer politischen und gesellschaftlichen Idee zum Untergang geweiht.

Auf der anderen Seite positioniert sich Samuel P. Huntington in seinem 1996 publizierten Buch „Kampf der Kulturen“ über die drohende Auseinandersetzung des Westens mit dem Islam. Huntington betrachtet dabei außenpolitische Entwicklungen und stellt die These auf, dass „die zentrale und gefährliche Dimension der kommenden globalen Politik der Konflikt zwischen Gruppen aus unterschiedlichen Zivilisationen sein werde.“[1] Dabei stellt der Islam als eine der am schnellsten wachsenden Religionen eine Bedrohung für die westliche Welt dar.

2 Entwicklung des Islams nach der Prognose von Hamed Abdel-Samad

2.1 Kurzer biographischer Abriss und Einführung in die Thematik

Hamed Abdel-Samad, geboren 1972 bei Kairo, kam mit 23 Jahren nach Deutschland. Er studierte Englisch, Französisch, Japanisch und Politik. Hamed Abdel-Samad arbeitete am Lehrstuhl für Islamwissenschaften der Universität Erfurt und forschte unter anderem am Institut für Jüdische Geschichte und Kultur an der Universität München. Er gilt in Deutschland zu den profiliertesten Islamwissenschaftlern und ist Mitglied der Deutschen Islam Konferenz.[2]

Seine Prognose in dem Buch „Der Untergang der islamischen Welt“ basiert nicht auf einer historischen oder soziologisch-empirischen Studie, sondern ist eine „persönliche Analyse und eine Einschätzung der Entwicklung in den Teilen der islamischen Welt, (…) den arabischen Staaten.“[3] Daher betrachtet er sein Geburtsland Ägypten als „Mikrokosmos (…), wenn es um Modernisierung oder Radikalisierung geht.“[4]

Es werden „gesellschaftliche Prozesse und Fehlentwicklungen, die zum Reformstau [in der islamischen Welt, d. Verf.] führen, (…) in den historischen, religiösen und politischen Kontext gestellt und analysiert.“[5]

Als Gegenstand seiner Analyse betrachtet er das „aus dem Koran abgeleitete Gottes- und Menschenbild sowie das Verständnis von Hierarchie und Ehre und deren Einfluss auf das Bildungssystem sowie auf die Selbst- und Fremdenbilder.“[6] Die Intention die er mit seiner Prognose verfolgt ist, auf die Problematiken aufmerksam zu machen,[7] die den kulturellen und geistigen Niedergang und den zivilisatorischen Rückschritt der islamischen Welt bedeuten.

2.2 Darstellung der Hauptargumente

Eines der Hauptargumente für den Untergang des Islams sieht Abdel-Samad in der Flucht der meisten islamischen Länder in die Religiosität bedingt durch das nicht Zurechtfinden in der modernen Welt des 21. Jahrhunderts.[8]

Das Verkennen der Realität stagniert das religiöse Denken und lässt es im Prinzip erstarren. Aufgrund dessen kann kein geistiger Ausweg aus der Misere entspringen. Dies führt dazu, dass der Islam nicht in der Lage ist, „ein Gegengewicht zum herrschenden Materialismus [der westlichen Welt, d. Verf.] zu bilden und die Gesellschaft in ein Gleichgewicht zu bringen, denn die Religion steht im scharfen Konflikt mit dem Materialismus und verflucht dessen Geist.“[9]

An dieser Stelle wird für Abdel-Samad ein Widerspruch deutlich, denn die meisten islamischen Länder befinden sich in einem inneren Konflikt, da sie „einer Konsummentalität verfallen“[10] sind. Dieser innere Konflikt trägt dazu bei, dass der Islam sich nicht selbstkritisch betrachtet, sondern die Schuld bei den anderen in dem Sinne dem Westen sucht und sich in der Opferrolle widerfindet.

Diese durch Verbitterung und Schuldzuschreibung geprägte Perspektive hat zur Folge, dass in den meisten islamischen Ländern eine Gewaltbereitschaft gegenüber dem Westen entsteht und sich in Gewalt entlädt.

Die westliche Welt entgegnet im Vergleich zum Islam mit einem „Verteidigungsmechanismus gegen den Konsum“[11], der aus der Epoche der Aufklärung und der Geisteshaltung des Humanismus entsprungen ist.

Dieser gesunde Verteidigungsmechanismus[12] fehlt im Islam und „indem die Mehrheit der Menschen in den islamischen Staaten die Instrumente und Produkte der Moderne verschlingt, sich dem dahinter stehenden Gedankengut aber nach wie vor verschließt, existiert sie in einem Zustand der Schizophrenie, der über kurz oder lang in Fanatismus oder kulturelle Verwahrlosung mündet – oder gar in beides zugleich.“[13]

Der beschriebene innere Konflikt des Islams wird nicht aus der Perspektive der eigenen Rückständigkeit betrachtet, sondern mündet wie bereits erwähnt in der Gewalt gegen das westliche Ausland und sich selbst. Abdel-Samad vergleicht die Sinnlosigkeit dieser Gewalt mit dem „Kampf gegen Windmühlen (…), [die, d. Verf.] der Religion, der Kultur, den Menschen die verbliebene Energie [raubt, d. Verf.], die eine Gesellschaft für die Veränderung braucht.“[14]

Für Abdel-Samad zeigt sich der Zerfall des Islams ganz besonders in der aggressiven „Zurschaustellung der islamischen Symbole“[15] und in der Unfähigkeit der „meisten modernen islamischen Nationalstaaten (…) ihren Bürgern eine stabile, sinnstiftende Identität anzubieten.“[16] Der Islam bietet daher keine Möglichkeiten für Querdenker und somit kann kein Ansatzpunkt zur Modernisierung der Religion geebnet werden.

Stellt sich die Frage, was passiert wenn der Islam wie von Abdel-Samad angenommen zusammenbricht? Welche Auswirkungen hat es für die islamische Bevölkerung und vor allem für die westliche Welt? Durch welche Strukturen wird die Lücke des Islams ersetzt und welche Effekte hängen damit zusammen?

Sind die aktuellen revolutionären Ereignisse in Ägypten gegen das Regime von Präsident Muhammad Husni Mubarak die Vorboten des Zerfalls der islamischen Welt oder doch Anzeichen dafür, dass der Islam sich modernisieren wird (siehe Abschnitt 3.2)? Abdel-Samad spricht von „Individualisierungsprozessen“[17] bei jungen Muslimen die angesichts der jüngsten Entwicklungen in Ägypten darauf zurückzuführen sind, dass die junge Generation der Muslime durch die Vernetzung der Welt durch die Nutzung des Internets „den alten traditionellen Strukturen nicht mehr vertrauen.“[18] Die Werte, Ziele und Zukunftsvorstellungen der modernen islamischen Gesellschaft verändern somit die islamische Welt. Die Bemühungen von den Abdel-Samad spricht, der jungen Muslime sich von radikalen Formen zu befreien haben sich in der ägyptischen Bevölkerung durchgesetzt und weiten sich auf weitere islamische Länder aus wie zum Beispiel Libyen und Syrien.

Wie diese Reformen sich auf die Politik, die Gesellschaft und auf den Islam auswirken werden ist schwer zu sagen. Klar ist damit der Islam bestehen kann, muss sich die „islamische Welt (…) endlich von vielen Bildern trennen (…): Gottesbilder, Gesellschaftsbilder, Frauenbilder, Vor- und Feindbilder.“[19] Doch im Weg stehen die „Bildungssysteme [die, d. Verf.] immer noch für Loyalität statt für freies Denken werben.“[20]

[...]


[1] Huntington, 1998, S. 11.

[2] Vgl. Biographie, Hamed Abdel-Samad. Online im WWW unter URL: http://www.bookreporter.de/autoren/1358-hamed-abdel-samad [Letzter Abruf: 21.03.2011].

[3] Abdel-Samad, 2010, S. 28.

[4] Ebenda, S. 29.

[5] Ebenda.

[6] Ebenda.

[7] Vgl. Ebenda, S. 29.

[8] Vgl. Abdel-Samad, 2010, S. 13.

[9] Ebenda, S. 14f.

[10] Ebenda.

[11] Ebenda, S. 15.

[12] Vgl. Ebenda.

[13] Ebenda.

[14] Abdel-Samad, 2010, S. 16.

[15] Ebenda.

[16] Ebenda.

[17] Ebenda, S. 20.

[18] Ebenda.

[19] Abdel-Samad, 2010, S. 27.

[20] Ebenda, S. 20.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung des Islams – Nach den Prognosen von Hamed Abdel-Samad und Samuel P. Huntington
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V170802
ISBN (eBook)
9783640898480
ISBN (Buch)
9783640898435
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Modularbeit mit dem Titel: „Die Entwicklung des Islams – Nach den Prognosen von Hamed Abdel-Samad und Samuel P. Huntington“ setzt sich mit den unterschiedlichen Zukunftsprognosen hinsichtlich der Entwicklung der islamischen Welt und den daraus resultierenden Folgen auseinander und setzt diese unterschiedlichen Entwicklungen zu der westlichen Welt in Beziehung. Angesichts der aktuellen Ereignisse in Ägypten und Libyen ist die Thematik hoch aktuell und den jüngsten Ereignissen zu urteilen sehr brisant.
Schlagworte
Hamed Abdel-Samad, Samuel, Huntington, Islam, Samad, Abdel, Hamed, Entwicklung Islam
Arbeit zitieren
BA Christoph Staufenbiel (Autor), 2011, Die Entwicklung des Islams – Nach den Prognosen von Hamed Abdel-Samad und Samuel P. Huntington , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170802

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