Demografischer Wandel in Deutschland


Hausarbeit, 2011
21 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

1. Einleitung

Der demografische Wandel in Deutschland schreitet immer weiter voran. Die Menschen werden immer älter, während zu wenig junger Nachwuchs geboren wird. Die Folge: eine alternde Gesellschaft, wodurch eine Umstrukturierung beispielsweise in der Altersvorsorge vorgesehen werden muss. Demografischer Wandel und sozialstaatliche Veränderungen bedingen sich somit wechselseitig.

In der vorliegenden Hausarbeit befasse ich mich zunächst mit der Bevölkerungsstruktur in Deutschland von der alten BRD bis heute und gehe in dessen Kontext auf die „demografische Alterung“ ein. Im weiteren Verlauf erläutere ich die vier Faktoren Fertilität, Mortalität, Migration und Altersstruktur, durch die demografischer Wandel entsteht. Anschließend stelle ich dar, welche Bereiche des deutschen Sozialstaats der demografische Wandel besonders in Veränderungen sind. (Anmerkung: in der gesamten Hausarbeit befasse ich mich ausschließlich aufDeutschland!)

Im weiteren Verlauf analysiere ich aus persönlichem Interesse den Stadtteil Frankfurt­Riederwald (dort lebe und arbeite ich in der Kinder- und Jugendhilfe) und vergleiche die Bevölkerungsstruktur, die Zu- und Abwanderung, die Arbeitslosenquote und das Medianalter des Stadtteils mit der gesamten Stadt Frankfurt am Main. Aus Platzgründen kann ich leider nicht auf noch mehr Aspekte eingehen. Darauf aufbauend stelle ich das Konzept des Quartiersmanagement Riederwaldes vor, welches im Jahr 2010 die „Sozialraumanalyse Riederwald“ veröffentlichte.

2. Demografischer Wandel in Deutschland

Der demografische Wandel beschreibt Veränderungen von Zusammensetzungen der Altersstruktur in einer Gesellschaft. Das Wort „Demographie“ kommt aus dem Griechischen und ist „die Wissenschaft, die sich mit der Größe, Struktur (z. B. soziale, ethnische, religiöse Struktur) und Verteilung der Bevölkerung beschäftigt und Fragen nach den Ursachen und Wirkungen von Bevölkerungsveränderungen [...] widmet.“[1] Demografischer Wandel entsteht aus vier Faktoren: Fertilität, Mortalität, Migration und Altersstruktur. Diese Faktoren werde ich in Punkt 3jeweils genauer erläutern.

In Deutschland spricht man seit einigen Jahren häufig von einer „demografischen Alterung“, da die Lebenserwartung stetig steigt, während die Geburtenrate und somit der Anteil junger Menschen sinkt.[2] Demografische Alterung wird durch das so genannte „Medianalter“ gemessen. Das ist das Alter, welches die Hälfte der Bevölkerung über- bzw. unterschreitet (50% liegen also über, 50% unter dem Medianalter).[3] Um demografische Veränderungen konkret wahrnehmen zu können, sollte zunächst die Bevölkerungsstruktur bzw. Bevölkerungszusammensetzung der alten BRD bis heute betrachtet werden:

1. Wachstumsphase (1945- 1974): Die Einwohnerzahl stieg enorm von 46 Millionen im Jahr 1946 auf über 62 Millionen im Jahr 1974. Dies lässt sich zum einen auf den im Jahre 1964 stattgefundenen Babyboom zurückführen und zum anderen auf einen Anstieg der Bevölkerung (Vertriebene, DDR- Flüchtlinge, Zunahme an Migranten durch Gastarbeit usw.). Alleine durch diese Einwanderungswellen bekam die BRD einen Zuwachs von 14,2 Millionen Menschen.

2. Stagnationsphase (1975- 1985): Die Einwohnerzahl der BRD schwankt in diesen zehn Jahren zwischen 61 und 62 Millionen. Ab 1972 gab es Geburtendefizite; außerdem wurde das Bevölkerungswachstum gemindert durch den Mauerbau 1961 und der damit verbundenen Schwierigkeit einzuwandern. Auch der 1973 stattgefundene Anwerbestopp für Ausländer förderte die Stagnationsphase.

3. Emeutes Wachstum (1986- 1989): Die Krise des Sozialismus löste eine weitere Einwanderungswelle im Jahr 1988 aus- Spätaussiedlier aus Osteuropa und Übersiedler aus der DDR ließen die Einwohnerzahlen ansteigen. Im Jahr 1989 lebten 62,6 Millionen Menschen in der alten Bundesrepublik- die höchste Einwohnerzahl!

4. Vereintes Deutschland (seit 1989): Zwischen 1989 und 2002 fand in den alten Bundesländern eine Zunahme statt, während in den neuen Bundesländern im selben Zeitraum zunächst massive und seit jüngerer Zeit leichte Verluste ertragen werden mussten. Ende 2004 lebten in Deutschland 82,5 Millionen Menschen, in den Jahren 2003 und 2004 war die Bevölkerungszahl eher rückläufig.[4] Derzeit leben in Deutschland etwa 82 Millionen gemeldete Menschen.[5]

Bis Anfang der 1970er Jahre gab es in Deutschland mehr Geburten als Sterbefalle. Hinzu kamen Zuwanderer aus dem Ausland. Seit 1972 jedoch sterben mehr Menschen als Kinder geboren werden. Abgesehen von zwei Bevölkerungsrückgängen Mitte der 1970er und Mitte der 1980er Jahre war die Zuwanderung aus dem Ausland so hoch, dass der Überschuss von Sterbefällen über die Geburten mehr als ausgeglichen wurde und somit die Bevölkerungsanzahl weiterhin zunahm. Seit 2003 reicht der Wanderungsgewinn jedoch nicht mehr aus: Die Bevölkerungszahl nimmt langsam ab, da mittlerweile ein Überschuss an Sterbefällen existiert.[6]

Deutlich wird die drastische demografische Alterung auch, wenn man betrachtet, dass der Anteil von Kindern und Jugendlichen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von etwa ein Drittel im Jahr 1950 auf ein Fünftel im Jahr 2004 gesunken, der Anteil der über 60jährigen hingegen parallel dazu von weniger als ein Sechstel auf ein Viertel angestiegen ist.[7]

3. Faktoren des demografischen Wandels

3.1 Fertilität

Fertilität bedeutet „Fruchtbarkeit“ und drückt in der Demografie aus, wie viele Kinder eine Frau im Laufe ihres Lebens gebärt, wenn die durchschnittliche altersspezifische Geburtenziffer zukünftig unverändert bleibt.[8] In der deutschen Geschichte gibt es in Bezug auf die Geburtenrate im generativen Verhalten zwei Veränderungsphasen: zum einen die Phase des Babybooms, die um 1964 stattfand[9] und zum anderen der Geburtenrückgang, welcher bis heute anhält. Demnach sind im Jahr 1964 ca. 1,64 Millionen Kinder geboren worden, im Jahr 2006 waren es ca. 600.073 Kinder und im Jahr 2009 sogar noch weniger.[10] Strukturelle Ursachen für den Geburtenrückgang sind beispielsweise ein genereller Funktions- und Strukturwandel der Familien, veränderte Einstellungen zu Lebensstil und Konsum, Emanzipation der Frauen, mangelnde Versorgung durch Kinderbetreuungsplätze, gesellschaftliche Akzeptanz der Kinderlosigkeit, gesellschaftlich gestiegene Ansprüche an die Elternrolle und insbesondere die derzeitige unsichere Wirtschaftslage/ hohe Arbeitslosigkeit.[11]

3.2 Mortalität

Mortalität (vom Lateinischen „mortalitas“ = „das Sterben“) beschreibt das Verhältnis der Anzahl von Sterbefallen zur Durchschnittszahl der Bevölkerung in einem bestimmten Zeitraum, in der Regel pro Jahr.[12] Wie bereits in Punkt 2 erwähnt, steigt der Anteil der älteren Menschen über 60 Jahre, während der Anteil derjüngeren Menschen unter 20 Jahren sinkt. Obwohl die Lebenserwartung immer höher wird, steigt die Sterberate ebenfalls an, da stärker besetzte Jahrgänge ins hohe Alter aufrücken. Außerdem nimmt die Zahl der Menschen im Rentenalter zu[13], während kaum Nachwuchs für Arbeitsstellen zur Verfügung steht.

3.3 Migration

Unter Migration wird ein Wohnsitzwechsel zwischen zwei Regionen verstanden.[14] Es gibt vier verschiedene Arten von Migration: Binnenwanderung (innerhalb der Landesgrenzen), Außenwanderung (internationale Wanderung), Pendelmigration (mehrfache Fort- und Zuzüge) sowie transnationale Migration (Aufbau bi- oder multilokaler Beziehungen über nationale Grenzen hinweg).[15] Oft durch Beruf, Bildung oder die Wohnsituation motiviert, ist die Binnenwanderung die häufigste Art der Migration in Deutschland. Die Trends sind eine Nord- Süd- und vor allem eine Ost­Westwanderung. Tendenziell ziehen insbesondere jüngere Menschen vom Osten in den Westen oder verlassen ländliche und/ oder strukturschwache Regionen. Dies führt in den verlassenen Gegenden zu einer Überzahl an älteren Menschen und verstärkt dort den demografischen Wandel.[16]

Aber auch Zuzüge durch beispielsweise Zuwanderer aus dem Ausland, Flüchtlinge, Übersiedler aus der ehemaligen DDR, Asylsuchende und Spätaussiedler aus Ost- und Südosteuropa prägen den demografischen Wandel in Deutschland. Westdeutschland ist internationale Spitze als Einwanderungsland[17] und wird es voraussichtlich auch bleiben, da im nächsten Jahrzehnt ein Zuwanderungsbedarf von etwa 200.000 Personen pro Jahr besteht: Deutschland müsste andernfalls ein Drittel des Arbeitskräftepotenzials einbüßen.[18]

3.4 Altersstruktur

Die Altersstruktur wird sich in den nächsten Jahren erheblich verändern: bis 2030 wird über ein Drittel der Gesellschaft 60 Jahre und älter sein.[19] Indikator, um drastische Verschiebungen im Altersaufbau wahrzunehmen, sind der Alten- und Jugendquotient.

[...]


[1] Vgl. http://wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/natur/index,page=1081654.html [Stand: 10.02.2011].

[2] Vgl. Geißler, Rainer/ Meyer, Thomas (2008): Struktur und Entwicklung der Bevölkerung. In: Geißler, Rainer (Hg.): Die Sozialstruktur Deutschlands- zur gesellschaftlichen Entwicklung mit einer Bilanz zur Vereinigung (5. Aufl.), Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 54.

[3] Vgl. http://www.bib-demografie.de/cln_090/nn_1645598/SharedDocs/Glossareintraege/DE/M/medianalter.html [Stand: 10.02.2011].

[4] Vgl. Rainer/ Meyer, Thomas (2008): Struktur und Entwicklung der Bevölkerung. In: Geißler, Rainer (Hg.): Die Sozialstruktur Deutschlands- zur gesellschaftlichen Entwicklung mit einer Bilanz zur Vereinigung (5. Aufl.), Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 42- 44.

[5] Vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland, online im Internet: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Bevoelkeru ng/Aktuell,templateId=renderPrintpsml [Stand: 14.02.2011].

[6] Vgl. Schwarz, Norbert/ Sommer, Bettina (o. A.): Auswirkungen des demografischen Wandels- Daten der amtlichen Statistik. In: Statistisches Bundesamt, Wirtschaft und Statistik (6/ 2009), 517.

[7] Vgl. Geißler, Rainer/ Meyer, Thomas (2008): Struktur und Entwicklung der Bevölkerung. In: Geißler, Rainer (Hg.): Die Sozialstruktur Deutschlands- zur gesellschaftlichen Entwicklung mit einer Bilanz zur Vereinigung (5. Aufl.), Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 54.

[8] Vgl. http://www.cecu.de/demografischer-wandel.html [Stand: 12.02.2011].

[9] Vgl. Rainer/ Meyer, Thomas (2008): Struktur und Entwicklung der Bevölkerung. In: Geißler, Rainer (Hg.): Die Sozialstruktur Deutschlands- zur gesellschaftlichen Entwicklung mit einer Bilanz zur Vereinigung (5. Aufl.), Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 42.

[10] Vgl. Prof. Dr. Finis Siegler, Beate (2010).

[11] Vgl. Geißler, Rainer/ Meyer, Thomas (2008): Struktur und Entwicklung der Bevölkerung. In: Geißler, Rainer (Hg.): Die Sozialstruktur Deutschlands- zur gesellschaftlichen Entwicklung mit einer Bilanz zur Vereinigung (5. Aufl.), Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 48- 49.

[12] Vgl. http://www.enzyklo.de/Begriff/Mortalit%C3%A4t%20%28lat.%20mortalitas%20das %20Sterben%29 [Stand: 14.02.2011].

[13] Vgl. Schwarz, Norbert/ Sommer, Bettina (o. A.): Auswirkungen des demografischen Wandels- Daten der amtlichen Statistik. In: Statistisches Bundesamt, Wirtschaft und Statistik (6/ 2009), 517- 518.

[14] Vgl. http://www.antikoerperchen.de/material/1/demografischer-wandel-eine-gefahr-fuer-den- sozialstaat.html [Stand: 10.02.2011].

[15] Vgl. Prof. Dr. Finis Siegler, Beate (2010).

[16] Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, online im Internet: http://www.bib- demografie.de/nn_750732/DE/DatenundBefunde/Wanderungen/binnenwanderung [Stand: 15.11.2010].

[17] Vgl. Geißler, Rainer/ Meyer, Thomas (2008): Struktur und Entwicklung der Bevölkerung. In: Geißler, Rainer (Hg.): Die Sozialstruktur Deutschlands- zur gesellschaftlichen Entwicklung mit einer Bilanz zur Vereinigung (5. Aufl.), Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 58.

[18] Vgl. Geißler, Rainer/ Meyer, Thomas (2008): Struktur und Entwicklung der Bevölkerung. In: Geißler, Rainer (Hg.): Die Sozialstruktur Deutschlands- zur gesellschaftlichen Entwicklung mit einer Bilanz zur Vereinigung (5. Aufl.), Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 67.

[19] Vgl. Prof. Dr. Finis Siegler, Beate (2010).

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Demografischer Wandel in Deutschland
Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main  (Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit)
Veranstaltung
Gesellschaft, Ökonomie, Sozialstaat- sozialpolitische Bezüge
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V170810
ISBN (eBook)
9783640898503
ISBN (Buch)
9783640898411
Dateigröße
1341 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demografie, demografischer Wandel, Deutschland, Sozialraumanalyse, alternde Gesellschaft
Arbeit zitieren
Christina Stiehl (Autor), 2011, Demografischer Wandel in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170810

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