Der europäische Integrationsprozess am Beispiel der EFTA


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

23 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Kapitel I – Grundbegriffe
I.1 Freihandel und Freihandelszone
I.2 Protektionismus
I.3 Zölle
I.4 Der Europäische Wirtschaftsraum (EWR)

Kapitel II – Die Nachkriegssituation in Europa
II.1 Die North Atlantic Treaty Organization (NATO)
II.2 Der Warschauer Pakt (WVO)
II.3 Die Westeuropäische Union (WEU)

Kapitel III – Die Entstehung der Europäischen Gemeinschaften
III.1 Der Beginn des Integrationsprozesses (1951-58)
III.2 Die Übergangszeit (1958-69)
III.3 Ansätze zur Politikintegration und erste Erweiterung (1970-80)
III.4 Die Vertiefung und die zweite Erweiterung der EG (1989-90)

Kapitel IV – Die European Free Trade Association (EFTA)
IV.1 Die Stockholmer Konvention
IV.2 Die Ziele der EFTA
IV.3 EFTA - Warum?

Kapitel V – Die besondere Rolle Frankreichs
V.1 De Gaulles Erbe

Zusammenfassung

Quellen- und Literaturnachweis

Einleitung

Die europäische Integration ist auch dieser Tage wieder ein großes Thema. Derzeit wird über die Öffnung des Arbeitsmarktes für Bürger aus den östlichen Mitgliedsstaaten der EU diskutiert. Es wird viel über die Vor- und Nachteile, über Gefahren und Risiken und über die Auswirkungen auf die ökonomische Strukturen der Zuwanderungs- und Abwanderungsstaaten gesprochen. Der Startschuss für die Arbeitnehmerfreizügigkeit fällt am 01. Mai 2011.

Niemand kann vorhersagen ob es zu einer Bewegung der Arbeitnehmer aus den Mitgliedsstaaten kommt und wenn ja in welchen Dimensionen. Die Voraussetzungen sind durch die entsprechenden Gremien der Europäischen Union (EU) geschaffen worden. Doch auch heutzutage wird dieser Schritt des Integrationsprozesses mit Argwohn betrachtet. Dies geschieht teils aus Informationsmangel, Angst und Skepsis wie auch einer gewissen Machtlosigkeit, wenn denn der Ball ins Rollen gebracht wurde und die nachfolgenden Ereignisse scheinbar wenig beeinflussbar sind. Begonnen hat dieser europäische Integrationsprozess nach dem Zweiten Weltkrieg. Man hatte aus den Fehlern gelernt, die nach dem Ersten Weltkrieg gemacht wurden. Deutschland wurde vormals in die Isolation gedrängt und mit Reparationen belegt worden, die nicht bezahlbar waren um die Wirtschaft des Landes klein zu halten. Aufgrund dieser Situation und einiger anderer Ereignisse wie zum Beispiel der Weltwirtschaftskrise von 1929 keimte ein neuer Nationalismus in Deutschland auf. Adolf Hitler führte Deutschland und Europa mit Beginn des Zweiten Weltkrieges in eine soziale wie auch ökonomische Katastrophe, deren Folgen bis in die 1970er Jahre auf Westblockseite ökonomisch und bis in die 1990er Jahre auf gesamteuropäischer Seite politisch durch den Kalten Krieg spürbar waren.

Doch wie kam es zu diesem Prozess der Europa heute so geschlossen erscheinen lässt, trotz verschiedener Differenzen? Wie konnte die Einung Europas erfolgen und die paneuropäische Idee von Richard Nikolaus von Coudenhove-Kalergi, wenn auch anders im Aufbau, erfolgen? Wie entwickelten sich neue Wirtschaftsbeziehungen nach den einschneidenden Erlebnissen der vorangegangen Jahre?

In dieser Arbeit soll als Teil des Integrationsprozesses die European Free Trade Association (EFTA) in ihrer Entwicklung gegenüber der Betrachtung der Entwicklung der Europäischen Gemeinschaften (EG). Im ersten Kapitel werden Grundbegriffe erläutert, die zum Verständnis von Handel und Freihandel dienen. Das Kapitel II beschreibt die Situation in Europa allgemein und im Kapitel III wird die Entwicklung der Europäischen Gemeinschaften dargestellt, mit besonderem Augenmerk auf die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). In ähnlicher Weise beschäftigen sich Kapitel IV der Entstehung der EFTA . Das Kapitel V soll Auskünfte über die wesentlichen die besondere Rolle Frankreichs in der Europapolitik unter Charles de geben.

Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung der wichtigsten Informationen und der aktuellen Situation.

Kapitel I –Grundbegriffe

Damit die Unterschiede zwischen EWG und EFTA besser verstanden werden können und die damit einhergehenden Prinzipien, ist es wichtig einige Grundbegriffe zu erklären. Es werden im Folgenden also die Begriffe Freihandel und Freihandelszone, Protektionismus, Zölle und der Europäische Wirtschaftsraum (EWR) dargestellt.

I.1 Freihandel und Freihandelszone

Der Freihandel ist ein Grundsatz des Liberalismus und besagt im Kern, dass „[...]der Wohlstand aller Länder am größten ist, wenn staatliche Beschränkungen des internationalen Handels beseitigt sind[...].“[1] Der Güteraustausch ist also weder mit Zöllen, nicht tarifären Handelshemmnissen oder Devisenbewirtschaftung belegt. Zu den nicht tarifären Handelshemmnissen zählen die Lohnkosten, welche die Produktions-kosten maßgeblich beeinflussen. Devisenbewirtschaftung bezeichnet die Beschränkung des grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs durch Mengenbegrenzung oder Zwecke.

Laut den Prinzipien des Liberalismus kann nur ein unbehinderter Handelsverkehr und freier Wettbewerb zu optimalen Ergebnissen für und zwischen den Volkswirtschaften entstehen. Der Markt soll sich von selbst regulieren und die Beeinflussung des Marktes durch Akteure soll unterbleiben.

Inder Praxis führt dies zum Beispiel zu Freihandelsabkommen oder anderen Formen wie einer Wirtschafts- und Währungsunion. Als Beispiel für eine Wirtschafts- und Währungsunion dient natürlich die Europäische Union (EU) seit der Einführung des Euro am 01. Januar 2002.

In einer Freihandelszone schließen sich mehrere Staaten zu einem einheitlichen Zollgebiet zusammen. Verschiedene Volkswirtschaften werden auf regionaler Ebene integriert. Beispiele hierfür sind die European Free Trade Association (EFTA) und das North American Free Trade Agreement (NAFTA). Die Binnenzölle innerhalb dieser Zone, sowie Mengenbeschränkungen werden schrittweise abgebaut. Allerdings können die Außenzölle von jedem Mitglied souverän geregelt werden.

I.2 Protektionismus

Beim Protektionismus greift der Staat als Akteur in den Handelsablauf ein um inländische Erzeuger und Waren vor ausländischer Konkurrenz zu schützen. Als protektionistische Maßnahmen wertet man alle Formen von Handelshemmnissen wie Zölle, Mengenbeschränkungen und Devisenbewirtschaftung. Ein Ziel des Protektionismus kann der Schutz eines neuen Industriezweiges sein. Als Beispiel kann hier das protektionistische Verhalten Großbritanniens zu Zeiten der industriellen Revolution angeführt werden.

Wie aus den Erklärungen zu entnehmen ist, stehen sich Freihandel und Protektionismus gegenüber.

I.3 Zölle

Als Zoll oder Zölle werden Abgaben an einen Staat bezeichnet, „[...] die beim Übergang über die Zollgrenze oder eines Zollgebietes zu entrichten sind.“[2] Früher sollten Zölle in erster Linie als Einnahmequelle für den Staat dienen.

Man spricht hier von Finanzzöllen. Gleichwohl konnte die Wirtschaftsstruktur mit Hilfe von Schutzzöllen entsprechend beeinflusst werden. Zölle werden nach der Art der Warenbewegung unterschieden. Dabei wird nochmals zwischen Mengenzoll (Stückzahl, Gewicht, Länge), auch spezifischer Toll genannt und nach Wertzoll (Handelswert)

Der Zoll ist eine indirekte Steuer, also ein tarifäres Handelshemmnis und ist nur auf Importgüter zu entrichten.

I.4 Der Europäische Wirtschaftsraum (EWR)

Der vertraglich vereinbarte Zusammenschluss von EFTA und EU zum europäischen Binnenmarkt wird als Europäischer Wirtschaftsraum bezeichnet. Dieser Vertrag ist seit dem 01. Januar 1994 in Kraft. Die drei EFTA-Staaten Norwegen, Island und Liechtenstein (seit 01. Mai 1995) und 15 EU-Staaten bilden den EWR. Daher gelten die 'Vier Freiheiten' des Europäischen Binnenmarktes auch für die EFTA-Mitglieder. Diese Freiheiten sind Personen-, Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehrsfreiheit.

Desweiteren gibt es eine Kooperation in den Bereichen Wissenschaft, Bildung, Umwelt-, Verbraucher- und Sozialpolitik. Außenhandelsbeziehungen, Regionalpolitik und Landwirtschaft werden weiterhin differenziert in EU und EFTA behandelt. Einerseits sind an die Unterschiede zwischen EU und EFTA an den Arbeitsbereichen erkennbar und andererseits kann man daran auch den Fortschritt des Europäischen Integrationsprozesses ablesen.

Doch wie dieser Fortschritt vonstattenging wird nun in den nächsten Kapiteln aufgezeigt beginnend mit der EWG.

Kapitel II – Die Nachkriegssituation in Europa

Wie in der Einleitung bereits kurz angedeutet war die Situation in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg katastrophal. Große Teile Europas lagen in Schutt und Asche und das Misstrauen der Westalliierten Frankreich, Großbritannien und der USA gegenüber dem Bündnispartner UdSSR wuchs. Das Bündnis der Alliierten hielt nur solange, wie der gemeinsame Feind Deutschland unter Adolf Hitler noch nicht besiegt war. Nach der Kapitulation Deutschlands am 07. Mai 1945 in Reims und der Beendigung des Krieges in Europa kam es zu erneuten Problemen. Die Beschlüsse der Konferenz von Jalta sollten nun umgesetzt werden und an der Verteilung der Zonen ließ sich eine erste Tendenz erkennen, der schrittweise Beginn des Ost-West-Konflikts.

Trotz allem war die Furcht der Westmächte, besonders der USA vor dem Kommunismus sehr groß. Aus dieser Angst resultierte das 'long-telegram' von George F. Kennan und die Truman-Doktrin. Diese Einstellung belasteten die Verhandlungen zwischen den USA und der UdSSR sehr und somit den Wiederaufbau Europas. Am 05. Juni 1947 stellt der amerikanische Außenminister George C. Marshall das European Recovery Program (ERP) vor. Das ERP ist auch als Marshall-Plan bekannt und zu der im Juli 1947 in Paris stattfinden Konferenz wurden 16 Staaten eingeladen und auch Ostblock-Staaten. Diese durften jedoch auf Druck der UdSSR nicht teilnehmen. Im April 1948 verabschiedete der amerikanische Kongress den 'Foreign Assistance Act' mit der inhaltlichen Regelung von Umfang und Modalitäten zum ERP. Gegenstand dieses Gesetzes war die Gründung einer Organisation zur Verteilung und Verwaltung der Mittel. Daher „[...]gründeten die 16 Regierungen und die Militärgouverneure treuhänderisch für die drei westlichen Besatzungszonen die 'Organization for European Economic Co-operation' (OEEC)[...].“[3] Diese Organisation ist der Vorläufer der Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD). Mit dem Ende des Programms 1952 sind über die OEEC circa 13 Milliarden US-Dollar verteilt worden.

Ein Beispiel für den Ausbruch des Ost-West-Konflikts ist die Erste Berlin-Krise von 1948. Die Gründung zweier deutscher Staaten im Jahr 1949 verhärtete die Fronten zusehends.

Ganz besonderen Zündstoff bot der Alleinvertretungsanspruch der BRD, welcher in der Präambel des Grundgesetzes (GG) der Bundesrepublik Deutschland vom 23. Mai 1949 verzeichnet ist.

Diese Frontverhärtung war der Nährboden für weitere Krisen wie zum Beispiel dem Korea-Krieg von 1950-1953 oder auch dem Arbeiteraufstand in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) im Jahr 1953. Dieser Aufstand ist bezeichnend für das deutsch-deutsche Ungleichgewicht. Während sich die durch das ERP geförderte westdeutsche Wirtschaft erholte und erste Blüten trug, gab es in der DDR Versorgungsengpässe und einen niedrigeren Lebensstandard. Das Fass zum Überlaufen brachte die von der SED beschlossene Normerhöhung und so begann sich bereits am 16. März 1953 erster Widerstand zu formieren der dann am 17. März 1953 vollends ausbrach.

Dies sind nur einige Beispiele für die Entwicklung des Ost-West Konflikts in Europa und des Kalten Krieges insgesamt. An sich kann der Kalte Krieg in sechs Phasen bis 1991 gegliedert werden. Die Eröffnungsphase fällt in den Zeitraum von 1945-47, gefolgt von der Blockbildungsphase von 1947 bis 1955.Schon zum Ende des Koreakrieges 1953 beginnt die Eskalations- und Stilllegungsphase und endet mit dem Mauerbau 1961. Von nun an verlagert sich der Kalte Krieg in die 3. Welt, bemerkbar an Stellvertreterkriegen und diversen Krisen. Gleichwohl spricht man aber auch von Entspannungsphasen in der Zeit von 1953 bis 1980. Ein Beispiel hierfür ist die neue Ostpolitik der Bundesregierung mit Willy Brandt. Die Rückkehr zur Konfrontation beginnt ab 1979 mit dem Einmarsch der UdSSR in Afghanistan und endet 1989. Die Phase von Auflösung und Ende des Kalten Krieges beginnt 1985 und schließt 1991 mit der Auflösung der UdSSR. An diesen Phasen zeigt sich deutlich, dass die globale Geschichte keineswegs stringent ist.

[...]


[1] Pollert, Achim; Kirchner, Bernd; Polzin, Javier Morato: Das Lexikon der Wirtschaft. Grundlegendes Wissen von A bis Z. Bd. 1022, aktualisierte Aufl.; Bonn (2009): Bundeszentrale für politische Bildung; S. 225.

[2] Pollert, Achim; Kirchner, Bernd; Polzin, Javier Morato: Das Lexikon der Wirtschaft. Grundlegendes Wissen von A bis Z. Bd. 1022, aktualisierte Aufl.; Bonn (2009): Bundeszentrale für politische Bildung,; S. 249.

[3] Brunn, Gerhard: Die Europäische Einigung von 1945 bis heute. Bd. 472; Bonn (2006): Bundeszentrale für politische Bildung; S. 47.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Der europäische Integrationsprozess am Beispiel der EFTA
Hochschule
Universität Potsdam  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Der europäische Integration nach dem Zweiten Weltkrieg
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
23
Katalognummer
V170817
ISBN (eBook)
9783640899432
ISBN (Buch)
9783640899180
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
EU, NATO, EG, EGKS, EFTA, Freihandel, Protektionismus, EWR, Kalter Krieg, European Free Trade Association
Arbeit zitieren
Alexander Reden (Autor:in), 2011, Der europäische Integrationsprozess am Beispiel der EFTA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170817

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