Christian Gotthilf Salzmann - Sein Leben und Wirken bis zum Weggang aus Erfurt im Mai 1781


Bachelorarbeit, 2010
39 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Christian Gotthilf Salzmann – Sein Leben und Wirken bis zum 1. Mai
2.1 Die Kinderstube
2.2 Die Schulzeit
2.3 Das Theologiestudium
2.4 Die Rückkehr nach Erfurt
2.6 Salzmann wieder in Erfurt
2.6.1 Die Situation Erfurts
2.6.2 Salzmann der Prediger, Theologe und Seelsorger der Andreasgemeinde
2.6.3 Salzmann der Pädagoge
2.6.4 Salzmann der Vater
2.6.5 Salzmann der Wissenschaftler
2.6.6 Salzmann und die Kritiker
2.6.7 Salzmann – Abschied von Erfurt

3 Salzmann und der Philanthropismus

4 Zusammenfassung

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Diese Hausarbeit im Rahmen des Forschungspraktikums wird sich mit der Person Christian Gotthilf Salzmanns beschäftigen. Insbesondere soll dabei die Zeit vor 1781 betrachtet werden, in der Salzmann vorwiegend in Erfurt tätig war. Nach seiner Kindheit in Sömmerda, kam die Familie Salzmann 1759 nach Erfurt. Ihr Sohn Christian Gotthilf verließ Erfurt, um in Jena Theologie zu studieren und noch einmal für vier Jahre, in denen er eine Anstellung in Rohrborn, einem kleinen Dorf bei Erfurt hatte. Danach lebte und wirkte er neun Jahre in Erfurt. Einige Biographen sparen diese Zeit in Salzmanns Leben bewusst aus, in Ermangelung an Quellen. Somit gibt es auch keine komplette Biographie Salzmanns. Ich werde versuchen, ein möglichst vollständiges Bild von Salzmann darzustellen, indem ich die Fragmente unterschiedlicher Autoren nutze. Die Ausarbeitungen von Richard Bosse sind dabei am Umfangreichsten. Er war Ende des 19. Jahrhunderts Schulleiter in Schnepfenthal.

Mein Interesse am Thema „Christian Gotthilf Salzmann“ ist auf meine ehrenamtliche Tätigkeit in der evangelischen St. Andreasgemeinde in Erfurt, zurückzuführen. In dieser Gemeinde legte Salzmann den Grundstein für seine spätere pädagogische Arbeit.

Ein gesondertes Kapitel wird dem Philanthropismus gewidmet werden. Diese Strömung der Aufklärung begünstigte und unterstützte Salzmann in seinen Überlegungen zur Erziehung und ließ ihn zu dem großen Erzieher werden, als den man ihn heute bezeichnen kann.

2 Christian Gotthilf Salzmann – Sein Leben und Wirken bis zum 1. Mai 1781

2.1 Die Kinderstube

Am 1. Juni 1744 wurden dem Diakon Johann Christian Salzmann und seiner Frau Rahel Sybille Margarethe ihr erstes Kind geboren. Am nächsten Tag taufte man ihren Sohn auf den Namen Christian Gotthilf. Den Namen „Gotthilf“ gab ihm der Vater, als er nach der Geburt als ersten Wunsch an das bedrohte Leben des Kindes „Gott hilf!“ ausrief (vgl. Bosse 1884). Den ersten Vornamen erhielt er nach dem Vater, der ebenfalls Christian hieß.

Salzmanns Vater entstammte vermutlich einer Bauernfamilie aus Schwerstedt bei Straußfurt. Salzmann schrieb in seiner Autobiographie, die er mit 67 Jahren verfasste: „Vom Hörensagen weiss ich, dass mein Grossvater seine Abstammung von Strassburg hergeleitet habe. Von dorther soll ein Salzmann als Mönch kurz vor der Reformation in ein thüringisches Kloster gegangen sein, dasselbe zur Zeit der Reformation wieder verlassen, sich verheiratet haben und der Stammvater meiner Familie väterlicherseits geworden sein.“ (Bosse, 1884, S. 37-38). Ob dieser Salzmann tatsächlich sein Vorfahre war, ist nicht bewiesen. Es gab zu dieser Zeit viele Personen mit dem Namen „Salzmann“ in Straßburg.

Christian Gotthilfs Großmutter war es zu verdanken, dass ihr Sohn Theologie studieren konnte. Sie arbeitete sehr hart, legte extra ein Feld an, wo sie Gemüse erntete, welches sie verkaufte, um das Studium finanzieren zu können (vgl. Bosse 1884). Salzmann schrieb später über seinen Vater: „Da aber der Prediger des Ortes an ihm viel Fähigkeiten bemerkte, so gab er ihm selbst Unterricht im Latein und bat meinen Grossvater, dass er ihn studieren lassen möchte. Dieser lehnte ab, weil er zu arm sei… Nun, sagte meine Grossmutter, so will ich das Geld dazu aufbringen. Sie pachtete darauf ein Stück Land… und ward durch den daraus jährlich gelöseten Gewinn wirklich in den Stand gesetzt, ihren Sohn erst die Schule zu Nordhausen, dann zu Langensalz und endlich die Universität Wittenberg besuchen zu lassen“ (Bosse, 1884, S. 38).

Christian Gotthilfs Mutter entstammte der Apothekerfamilie Braun aus Sömmerda.

Salzmann wurde in der Diakonatswohnung der Bonifaciusgemeinde zu Sömmerda geboren. Drei Jahre später zog die Familie in die Pfarrwohnung neben der Kirche, da der Vater Pfarrer der Gemeinde geworden war. Der Familie wurden später vier weitere Söhne geboren (vgl. Bosse 1884).

Christian Gotthilf wird als ein schwächlicher zarter Knabe beschrieben, der oft kränklich war (vgl. Ackermann 1897). Er besaß schulterlanges blondes Haar, welches sich leicht kräuselte. Die Mutter kämmte es ihm jeden Morgen sorgfältig und schaute ihm stolz nach, wenn er später das Haus verließ, um zur Schule zu gehen (vgl. Bosse 1884).

Es gab einige Verwandte, die frühzeitig Einfluss auf Salzmanns Bildung nahmen. Die Großmutter lebte bei Salzmanns im Haus und wurde hier gepflegt. Salzmann schreibt in seiner Autobiographie: „Diese gute Alte war so entkräftet, dass sie fast den ganzen Tag am Spinnrocken saß und gern sah, wenn ich ihr allerlei kleine Dienste leistete. Dies that ich immer mit Vergnügen, und sie nannte mich deswegen ihren lieben Gotthilf und erzählte mit Märchen, denen ich begierig zuhörte“ (Bosse, 1884, S. 38).

Die Großmutter weckte in Salzmann die Phantasie und es ist vermutlich ihr zu verdanken, dass er sich auch später gern eigene Geschichten ausdachte, die er mit großer Phantasie ausschmückte.

Der Onkel, Apotheker Braun, selbst kinderlos nahm sich gern Christian Gotthilfs an (vgl. Bosse 1884).

Den größten Einfluss hatten verständlicherweise seine Eltern. Die Mutter war eine gebildete Frau, die sich besonders in der Geschichte auskannte. Sie brachte ihm früh das Lesen bei. Bereits mit fünf Jahren konnte er fließend lesen. Sie gab ihm das „Nürnberger Abc-Buch“ und ließ ihn daraus Verse lernen, die bestimmte Sittenregeln enthielten. Hatte er gegen eine Regel verstoßen, musste er sie aufsagen (vgl. Bosse 1884). „Diese Verse lernte ich sehr begierig und noch jetzt … macht mir die Erinnerung an dieselben Vergnügen.“ (Bosse, 1884, S. 39). Kurze Zeit später unterrichtete ihn sein Vater in lateinischer Sprache. Salzmann berichtete über diesen Unterricht: „Erst benannte er die sichtbaren Gegenstände, die in der Nähe waren lateinisch; dann schritt er zu den Deklinationen und von diesen zu den Konjugationen…ich muss ihm nachrühmen, dass er mir alles so angenehm zu machen wusste, dass ich das Latein mit ebendem Vergnügen und der Leichtigkeit lernte, wie die Verschen aus dem Nürnberger Abc-Buche“ (Bosse, 1884, S. 39). Die Mutter nahm an diesem Unterricht regen Anteil und ermunterte ihren Sohn immer wieder aufs Neue. „Denn sie saß immer dabei, wenn ich meine Lektion hersagte. Wann ich dies nun recht fertig konnte, so lächelte sie mir Beifall zu, auf den ich einen so großen Wert setzte, dass ich alle Kräfte anspannte ihn zu verdienen“ (Bosse, 1884, S. 39).

Der Vater wirkte auf seinen Sohn vor allem während der gemeinsamen Spaziergänge ein. Hier erzählte er ihm seine Lebensgeschichte und machte ihn auf die Spuren Gottes in der Natur aufmerksam und sprach oft von der göttlichen Vorsehung, derer er sich ganz sicher war und die auch seine Theologie prägte. Der Vater war ein streng orthodox gläubiger Mann. Er ermahnte den jungen Salzmann stets auf den Wegen Gottes zu gehen. Dazu müsse er sein Vertrauen in Gott setzen und stets mit ihm durch das Gebet in Verbindung bleiben. Diese tiefe Frömmigkeit des Vaters beeindruckte den Jungen stark und verankerte sich auch bei Christian Gotthilf, sodass er sein ganzes Leben davon zehren konnte. Er schrieb später: „Da nun bei diesem Unterricht nichts von Gottes Zorn und Ungnade, ewiger Verdammnis und blutiger Versöhnung vorkam, so hörte ich ihn gerne, er machte tiefen Eindruck auf mich. Ich bekam eine herzliche Liebe zu dem liebevollen himmlischen Vater, und in mein Herz wurde das Samenkorn zu einem Vertrauen auf ihn gelegt, das mit dem Fortgange der Jahre sich entwickelte, emporwuchs und nun zu einem herrlichen Baume geworden ist, in dessen Schatten ich in meinem Alter Ruhe und an dessen Früchten ich mich erquicke und stärke…“ (Bosse, 1884, S. 40). In diesen Sätzen beschreibt Salzmann sehr metaphorisch, wie sein Glauben gewachsen ist. Den Grundstein legte sein Vater mit seiner unbeschreiblichen Gottesliebe und großem Gottvertrauen. Dieses Gottesbild ist durchweg positiv. Ob dies bewusst oder unbewusst geschah, lässt sich nicht nachvollziehen.

Mit dem Beginn der Schule, sollte Christian Gotthilf ein anderes Gottesbild kennenlernen.

2.2 Die Schulzeit

Mit sechs Jahren wurde Salzmann in die Schule in Sömmerda eingeschult. Aus dieser Zeit waren ihm zwei Lehrkräfte im Gedächtnis geblieben. Rektor Dehn und Kantor Reinhard. Rektor Dehn unterrichtete Latein. Salzmann lobte ihn, aufgrund seiner guten Kenntnisse, wirft ihm aber auch Parteilichkeit vor. Sofern es Probleme in der Schule gab und der Vater beim Rektor vorsprechen musste, ließ dieser seinen Ärger dann an Salzmann aus (vgl. Bosse 1884). Kantor Reinhard hingegen erteilte Religionsunterricht und Lesen. Salzmann reflektierte über ihn: „…der Kantor Reinhard, ein alter Mann, der nicht studiert hatte… Er wusste aber seine Schüler so sanft und lieblich zu behandeln, dass ich mit ganzer Seele an ihm hing und alles tat, was ich ihm an den Augen absehen konnte. Überhaupt war er der einzige Schullehrer, zu dem ich eine herzliche Liebe empfand“ (Seidelmann, 1994, S. 316). Gelegentlich musste der Kantor ebenfalls Latein unterrichten. Da er diese Sprache nicht beherrschte, diktierte er den Kindern etwas auf Deutsch und sie mussten es ins Lateinische übersetzen. Salzmann korrigierte die Arbeiten seiner Mitschüler im Auftrag Reinhards (vgl. Bosse 1884).

Neben dem schulischen Religionsunterricht besuchte Salzmann kirchlichen Religionsunterricht bei Predigern in Sömmerda (vgl. Lachmann 2005).

Seine schulischen Aktivitäten zeichneten sich durch „Sittsamkeit, Fleiß und schnelle Fortschritte aus“ (Bosse, 1884, S. 41). Er war jedoch ein schwächlicher Junge, der seinen Klassenkameraden körperlich unterlegen war. Aus diesem Grund wurde er manchmal geneckt. Er ließ sich dadurch vom Spielen in den Pausen nicht abhalten. Er versuchte sich im Schnitzen und Angeln, ebenso wie seine Kameraden. Beim Ballfangen erlangte er große Geschicklichkeit. Auch Schlittenfahren und Ballschlagen konnte er sehr gut. Einmal versuchte Christian Gotthilf in der Unstrut heimlich schwimmen zu lernen und wäre dabei fast ertrunken. Deshalb führte er später in Schnepfenthal Schwimmunterricht ein. Ein weiteres Problem stellte für Salzmann Eis dar. Sein Vater hatte ihm verboten darauf zu gehen. Noch als Erwachsener wagte er sich nur in Begleitung einer anderen Person auf Eis, so eindrücklich war das Verbot des Vaters gewesen (vgl. Bosse 1884).

Wie bereits erwähnt, hatte der junge Salzmann durch die Erzählungen seines Vaters einen liebenden und gütigen Gott kennengelernt. Deshalb fiel es ihm sehr schwer während seiner Schulzeit einen Zugang zum praktizierten Religionsunterricht zu erlangen. In diesem Religionsunterricht wurde die Schuld und Sünde der Menschheit in den Vordergrund gestellt und mit der Bestrafung Gottes gedroht. Die Praxis des Religionsunterrichtes bestand darin, dass die Kinder Bibelverse, Lieder und den kleinen Katechismus auswendig lernen mussten. Salzmann vermisste in dieser Art Unterricht die Liebe Gottes, von der er schon so viel gehört hatte. Trotz dieser Ernüchterung im Religionsunterricht blieb sein großes Gottvertrauen bestehen.

Dieses Gottvertrauen wurde durch die regelmäßige Lektüre der Bibel immer wieder untermauert. Der Vater verlangte, dass Salzmann einmal im Jahr das Alte Testament und zweimal das Neue Testament zu lesen hätte. Dafür wurden die langen Winterabende genutzt. Die Mutter machte Handarbeiten und der Vater half ihr dabei (vgl. Ackermann 1897). Somit lernte Salzmann die Heilige Schrift immer besser kennen, was ihm für seinen weiteren Lebensweg nützlich werden sollte.

Durch Salzmanns Begabung im schulischen Bereich wurde er 1756 auf eine höhere Schule geschickt. Vermutlich hegten die Eltern hier schon die Absicht, ihren Sohn auf eine höhere Laufbahn vorzubereiten (vgl. Seidelmann 1994). Das Lyzeum befand sich in Langensalza und wurde bereits von seinem Vater besucht. Es war ein sechsklassiges Gymnasium, welches sich in dem ehemaligen Augustiner-Eremiten Kloster auf dem Schulberg befand (vgl. Bosse 1884). Salzmann war bei Konrektor Lindner untergebracht. Diesen beschreibt er als „…tüchtigen Philologen, Freund Ernestis und liebenswürdigen Schulmann, voll Gottvertrauen, Milde und heiterer Seelenruhe“ (Bosse, 1884, S. 41). Es war gut für Salzmann, in die Obhut eines so gütigen Mannes zu kommen. Er war gerade 12 Jahre alt und noch nie lang von zu Hause fort gewesen. Er wohnte in Lindners Haus, aß mit der Familie und wurde von ihm unterrichtet. Diese Art der Unterbringung war für diese Zeit durchaus üblich. Salzmann sagte später über Lindner: „Kurz er ist der Mann, dem ich meine Bildung vorzüglich zu verdanken habe“ (Bosse, 1884, S. 41).

Die Mitschüler, die vorwiegend älter als Salzmann waren, neckten ihn oft. Diese Neckereien bezogen sich unter anderem auf sein Interesse an Friedrich dem Großen, welches die Mitschüler nicht teilten (vgl. Ackermann 1897). Während der Schulzeit am Lyzeum herrschte der 7-jährige Krieg im Deutschen Reich. Die Schüler interessierten sich sehr für die Schlachten und dieses Interesse führte soweit, dass gelegentlich die Schlachten nachgestellt wurden. Großen Eindruck auf Salzmann machte das Lager des Prinzen Soubise, welches 1757 in der Nähe von Langensalze aufgestellt wurde. Hier sammelte Salzmann unmittelbar militärische Eindrücke (vgl. Bosse 1884).

Mit seinem Zimmerkameraden Ausfeld schloss Salzmann hingegen eine innige Freundschaft. Er war wenig älter als Salzmann und ähnlich in seiner Gesinnung. Diese Freundschaft bestand bis zum Tod Ausfelds und darüber hinaus zwischen den Familien Salzmann und Ausfeld (vgl. Bosse 1884). Eine Tochter Salzmanns heiratete später einen Sohn Ausfelds.

Vater Salzmann wurde im Jahr 1759 als Diakonus nach Erfurt an die Predigerkirche berufen. Zu dieser Zeit lebten hier etwa 15000 Menschen. In Sömmerda war es nur etwa die Hälfte (ca. 8000 Menschen). Erfurt erschien den Salzmanns dadurch als sehr große Stadt. Es wird vermutet, dass Erfurt um 1760 Wolle aus dem Eichsfeld verarbeitete und Schuhe herstellte. Der Dom und die Festung Petersberg waren damals jedoch in einem schlechten baulichen Zustand (vgl. Burggraf 1966). Diese Tatsache führe ich auf den 7-jährigen Krieg zurück, wo kaum Geld vorhanden war und es nur für das Nötigste der Menschen reichte. Gebäude konnten dabei nicht unterhalten werden.

Aufgrund des Wechsels nach Erfurt musste Salzmann das Lyzeum verlassen. Frau Burggraf ist sich sicher, dass der Vater Salzmann nach Erfurt holte, um ihn in diesen unsicheren Zeiten bei sich zu haben. Er hielt die Familie zwei Jahre im Haus, um sie vor Plünderungen vorbeiziehender Truppen, Epidemien und Straßenkämpfen zu schützen (vgl. Burggraf 1966). Deshalb unterrichtete Christian Gotthilf seine Geschwister, vorwiegend in Latein, da sie keine Schule besuchen konnten. Zur Züchtigung benutzte er einen Stock. Später verabscheute er diese Praxis sehr stark. Hatte er bei seinen Brüdern Erfolg, fand er bei seinem Vater große Anerkennung (vgl. Bosse 1884).

Er selbst besuchte in Erfurt auch keine Schule. Stattdessen wurde Salzmann vorwiegend in den alten Sprachen privat unterrichtet und schrieb sich an der humanistischen Universität in Erfurt ein. Er war gerade 15 Jahre. Seidelmann schreibt, dass nicht bekannt ist, ob und wie viele Kurse Salzmann hier besuchte (vgl. Seidelmann 1994). Richard Bosse hingegen merkt an, dass Salzmann Vorlesungen bei Dr. Vogel in morgenländischen Sprachen besucht haben soll. Die Situation der Erfurter Universität war ebenfalls schlecht und dem Verfall preisgegeben. Es kam oft vor, dass sich nur 50 bis 60 Studenten hier aufhielten. Bis ins 16. Jahrhundert war die Erfurter Universität ein Sammelpunkt der Humanisten gewesen. Im 18. Jahrhundert wurde sie nur noch von den Aktivitäten einzelner Professoren am Leben erhalten, die die Universität wieder zum Leben erwecken wollten (vgl. Bosse 1884). Dieses Vorhaben ging nur schleppend voran.

Im Jahr 1761 verließ Salzmann Erfurt, um nach dem Vorbild seines Vaters, Theologie zu studieren.

2.3 Das Theologiestudium

Am 8. Oktober 1761, mit nur 16 Jahren wurde Christian Gotthilf Salzmann in Jena immatrikuliert. Er wählte die nächstgelegene Universität aus, da in Erfurt zu dieser Zeit nur katholische Theologie studiert werden konnte. Erfurt gehörte seit 1664 zu Kurmainz, welches katholisch war. Aus diesem Grund gab es auch keine evangelische Fakultät in Erfurt (vgl. Seidelmann 1994). Eine evangelisch-theologische Fakultät wurde erst 1767 in Erfurt gegründet.

In Jena folgte er seiner bisherigen Arbeitsmoral und wird als fleißiger, strebsamer Student beschrieben. Er entging den Streichen, die Neuankömmlingen an der Universität gern gespielt wurden, da ihm einige Landsleute wohlgesonnen waren und ihn davor warnten. In deren Kreis verkehrte er dann auch gelegentlich. Vom oft unsittlichen Verhalten anderer Kommilitonen hielt er sich fern und genoss vorzugsweise die Naturspaziergänge zu jeder Jahreszeit (vgl. Bosse 1884). In der Natur entdeckte er die Herrlichkeit Gottes. „Die innige Freude, welche ich bei meinen einsamen Spaziergängen durch das Rauhtal an dem Aufmerken auf die mich umgebenden Naturgegenstände, an der genaueren Betrachtung und Beobachtung derselben finden lernte, war mir bis dahin noch unbekannt gewesen. Ich sah die Schöpfung und ihren Urheber in einem neuen Lichte“ (Bosse, 1884, S. 43). Er spricht später von seiner „Wiedergeburt“ in dieser Natur. Das Rauhtal mit seinen sonnigen Tälern und flachen Hügeln unterschied sich von der Natur, die Salzmann aus Sömmerda und Langensalza kannte. Er besuchte einen versteckten Platz im Gehölz, von dem aus er einen Wasserfall beobachten konnte (vgl. Bosse 1884). In diesen Spaziergängen und Naturbeobachtungen erlebte Salzmann eine tiefe Zufriedenheit. Er fühlte sich erfüllt im Erleben dieser Natur. Andere Vergnügungen brauchte er nicht. Diese ausgedehnten Spaziergänge erinnern mich an Salzmanns Kindheit, als er mit seinem Vater häufig in der Natur unterwegs war und sie Gespräche über die Schöpfung und ihren Schöpfer führten.

Während seiner Ausflüge in die Umgebung sammelte er auch Insekten und Schmetterlinge. Damit legte er den Grundstein für seine Naturaliensammlung, die er später in Schnepfenthal in seiner Erziehungsanstalt nutzte (vgl. Bosse 1884). Heute kann man Teile dieser Sammlung im Museum in Schnepfenthal besichtigen.

Neben diesen ausgedehnten Spaziergängen widmete er sich intensiv seinen Studien. Die theologischen Professoren, deren Vorlesungen er genoss, wie Johann Georg Walch, Tympe und Zickler gehörten der „milderen orthodoxen Richtung“ (Bosse, 1884, S. 43) an. Diese Richtung herrschte zu dieser Zeit in Jena vor. Köcher, ein Dozent der strengen Orthodoxie beeindruckte Salzmann wenig. Stattdessen war der Einfluss des Hofrates Darjes auf ihn wesentlich größer. Darjes war ein Anhänger der Philosophie Wolffs. Die Grundzüge dieser Aufklärungsphilosophie beeindruckten Salzmann und veranlassten ihn, diese Vorlesung zu besuchen. „Als Siebzehnjähriger bezog Salzmann die Universität Jena, von deren Lehrern der Wolffsche Darjes, wie die Zukunft erwies, stärkeren Einfluß auf den Jüngling ausübte, als seine orthodoxeren Kollegen“ (Seidelmann, 1994, S. 317).

Hofrat Darjes leitete eine Schule, die Rosenschule in Camsdorf bei Jena. Diese Schule galt als die erste Industrieschule Deutschlands. Armen Kindern wurde hier Lesen, Schreiben und Rechnen beigebracht. Danach erlernten sie Fertigkeiten, die sie zur Ausübung eines Berufes benötigten. Es wird vermutet, dass Salzmann hier erste Einblicke in die pädagogische Arbeit bekam (vgl. Seidelmann 1994). „… weil der junge Studiosus an der von Darjes in Camburg bei Jena gegründeten Rosenschule… den Kampf, die Wirren und Hindernisse auf Wegen zu einer Etablierung einer neuen Schule als Suche nach einer Neuprofilierung des Schulwesens erlebte“ (Seidelmann, 1995, S. 68).

Des Weiteren vermutet Seidelmann, dass Salzmann in Jena Kontakt zu einem Geheimbund hatte. Diese These macht er an der späteren Unterstützung Ernst ll. fest, der Salzmann viele Freiheiten in der Gestaltung seiner Erziehungsanstalt in Schnepfenthal ließ (vgl. Seidelmann 1994). Es soll sich um den Bund der Illuminaten gehandelt haben. Die Ziele, die dieser Bund verfolgte, gefielen dem Aufklärer Ernst ll. gut und er versuchte den Bund in seinem Herrschaftsgebiet Sachsen-Gotha-Altenburg zu etablieren (vgl. Schaubs 1995).

[...]

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Christian Gotthilf Salzmann - Sein Leben und Wirken bis zum Weggang aus Erfurt im Mai 1781
Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
39
Katalognummer
V170947
ISBN (eBook)
9783640899043
ISBN (Buch)
9783640898909
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Viele Werke geben Auskunft über Salzmanns Leben und Wirken in Schnepfenthal, der Erziehungsanstalt, welche er gründete. Aber wie verlief sein Leben vorher? Dieser Text soll die Grundlagen in Salzmanns Leben aufzeigen, die ihn zu dem Pädagogen gemacht haben, der später Schnepfenthal gründen konnte-seine Herkunft, sein Studium und seine Zeit als Pastor in Erfurt.
Schlagworte
christian, gotthilf, salzmann, sein, leben, wirken, weggang, erfurt
Arbeit zitieren
Anette Müller (Autor), 2010, Christian Gotthilf Salzmann - Sein Leben und Wirken bis zum Weggang aus Erfurt im Mai 1781, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170947

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