Normative Barrieren oder der Widerwille zu imitieren - Eine Analyse der Konsequenzen von Nonkonformität


Seminararbeit, 2010

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Kernaussagen der Neoinstitutionalistischen Theorie
2.2 Isomorphismus
2.3 Normative Barrieren und Nonkonformität

3 Quellen und Ursachen nonkonformen Verhaltens

4 Auswirkungen der Nonkonformität

5 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Überleben von Organisationen (Meyer/Rowan 1977, S. 353)

1 Einleitung

Bereits lange Zeit versuchen Wissenschaftler und Ökonomen das Verhalten von Organisationen zu analysieren, in seiner Ganzheit zu erfassen und damit auch vorherzusagen. Warum verhält sich eine Organisation so, eine andere aber wiederum nicht, obwohl die äußere Umwelt scheinbar gleich ist? Wohl einer der populärsten Ansätze in diesem Feld, der versucht, ein Verständnis von Organisationen zu entwickeln ist der Neoinstitutionalistische Ansatz (Greenwood et al. 2008, S. 2). Handlungen und das Verhalten von Organisationen werden nach dieser Theorie vom institutionellen Umfeld bestimmt und geleitet (Walgenbach/Meyer 2008, S. 11). Ist die institutionelle Umwelt für Organisationen innerhalb eines Feldes identisch, so passen sich diese auch gleichermaßen an die bestehenden Normen an und werden einander immer ähnlicher (DiMaggio/Powell 1983, S. 148).

Fraglich ist nun, warum dann in der Realität trotzdem Unternehmen vorkommen, die gezielt von dem Verhalten anderer abzuweichen scheinen, obwohl sie derselben institutionellen Umwelt ausgesetzt sind. Bestes Beispiel ist der Konzern Apple, der trotz des Windows-Standards ein eigenes Betriebssystem entwickelte und gepaart mit neuen und innovativen Designideen enorme Erfolge feierte. Für diese Erscheinungen in der Praxis lieferte der Neoinstitutionalistische Ansatz bislang wenig Erklärungen (Greenwood/Hinings 1996, S. 1023). Auch das Forschungsaufkommen in diesem Gebiet ist bislang bemerkenswert dünn.

Ziel dieser Arbeit ist es nun, die bestehenden Erkenntnisse zu diesem Gebiet zusammenzutragen und damit nonkonformes Verhalten von Unternehmen ein wenig besser zu beleuchten. Zunächst wird dazu die Neoinstitutionalistische Theorie in ihren Kernaussagen und Grundzügen nochmals dargestellt, bevor sich explizit auf das Phänomen der Strukturangleichung (Isomorphismus) und damit zusammenhängend auf normative Barrieren und Nonkonformität bezogen wird. Im Anschluss werden Quellen und Ursachen von nonkonformen Verhalten identifiziert und analysiert. Dazu werden sowohl exogene als auch endogene Erklärungsfaktoren herangezogen. Danach wird auf die Konsequenzen von Nonkonformität näher eingegangen. Es wird der bisherige Forschungsstand dargestellt und positive so wie negative Folgen von abweichendem Verhalten untersucht. Die Ergebnisse werden am Ende der Arbeit nochmals zusammengefasst und es wird auf bislang noch offene Forschungsfragen hingewiesen.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Kernaussagen der Neoinstitutionalistischen Theorie

Der Neoinstitutionalistische Ansatz beschäftigt sich im Kern mit der Betrachtung von Organisationen und deren Umwelt, in die sie eingebettet sind (Kraatz/Zajac 1996, S. 812). Hervorzuheben ist hierbei die Rolle von Institutionen, die das Verhalten der Unternehmen prägen und beeinflussen (Walgenbach/Meyer 2008, S. 11). Im Zuge dieser Institutionalisierung wird davon ausgegangen, dass Organisationen innerhalb eines Feldes sich einander immer mehr angleichen, indem sie ähnliche Praktiken und Strukturen implementieren, ohne dabei aber notwendigerweise effizienter zu werden (DiMaggio/Powell 1983, S. 147). Durch diese Anpassung an soziale Anforderungen und Normen erreichen sie Legitimität und sichern so ihren Bestand und ihr Überleben (Meyer/Rowan 1977, S. 340).

Organisationen können dabei als funktionelle Einheiten verstanden werden, die sich aus heterogenen Gruppen zusammensetzen, welche wiederum jeweils unterschiedliche Ziele und Interessen verfolgen (Greenwood/Hinings 1996, S. 1023f.). Der Begriff der Organisation wird in dieser Arbeit synonym mit dem Begriff Unternehmen verwendet, der aber auch Non-Profit-Organisationen nicht ausschließen soll. Jede Organisation ist in ihre Umgebung eingebettet, die aus ihrem organisationalen Feld und der generellen Umwelt besteht (Deephouse 1999, S. 147). Das organisationale Feld stellt dabei die Gesamtheit aller für ein Unternehmen relevanten Akteure dar und umfasst neben den Konkurrenten auch Lieferanten, Kunden oder Aufsichtsbehörden (DiMaggio/Powell 1983, S. 148).

Innerhalb dieser Umwelten wirken sowohl die Kräfte des Marktes als auch institutioneller Druck auf die Organisationen ein und beeinflussen so sowohl deren Struktur als auch ihr Verhalten (Dacin 1997, S. 47). Kräfte des Marktes werden auch als technische Umwelt bezeichnet und beeinflussen eher die Effizienzüberlegungen und Koordination der Arbeitsaktivitäten der Unternehmen (Meyer/Rowan 1977, S. 353). Der institutionelle Druck entsteht im Gegensatz zu den Anforderungen der technischen Umwelt im weitesten Sinne durch verfestigte soziale Erwartungsstrukturen, die sich aus symbolischen Elementen, sozialen Aktivitäten und materiellen Ressourcen zusammensetzen (Walgenbach/Meyer 2008, S. 55 i.V.m. Scott 2001, S. 49). Diese spiegeln Verpflichtungen wieder, die Organisationen bei ihren Entscheidungen und Handlungen berücksichtigen sollten (Meyer/Rowan 1977, S. 341) und sind in der Regel dauerhaft und beständig (Zucker 1991, S. 102). Institutionalisierte Regeln und Normen bilden sich im Laufe der Zeit heraus und werden dabei mit steigendem Institutionalisierungsgrad als immer selbstverständlicher erachtet (Greenwood/Hinings 1996, S. 1027). Organisationen sind gezwungen, sich an diese institutionellen Zwänge anzupassen, wenn sie Legitimität erreichen wollen (Dacin 1997, S. 73). Inwieweit die technische oder die institutionelle Umwelt eher handlungsweisend ist, ist dabei für jedes Unternehmen unterschiedlich (Meyer/Rowan 1977, S. 354 i.V.m. Scott 2003, S. 140).

Ein bedeutendes Ziel nach der Neoinstitutionalistischen Theorie ist es, Legitimität zu erreichen; das bloße Effizienzstreben steht im Gegensatz zu Weber (1968) nicht mehr derart im Vordergrund (DiMaggio/Powell 1983, S. 147). Suchman (1995, S. 574) definiert Legitimität als „generalized perception or assumption that the actions of an entity are desirable, proper, or appropriate within some socially constructed system of norms, values, beliefs, and definitions“. Legitimität wird durch die Anpassung an institutionelle Regeln erreicht, kann bei Abweichung von diesen allerdings auch wieder verloren werden (Meyer/Rowan 1977, S. 353). Ein Verlust von Legitimität kann das Überleben von Organisationen gefährden, da dadurch der Zugang zu bestimmten Ressourcen verwehrt bleiben und sich das Unternehmen nicht mehr auf die Unterstützung von bestimmten Akteurgruppen verlassen kann (Deephouse 1999, S. 152 i.V.m. Walgenbach/Meyer 2008, S. 66). Legitimität sollte dabei jedoch nicht als eine Art Ressource betrachtet werden, sondern basiert eher auf dem Zuspruch verschiedener Akteure (Suchman 1995, S. 594). Dabei können verschiedene Akteurgruppen bestimmte Praktiken oder Strukturen unterschiedliche stark legitimieren, so dass eine Organisation nicht zwangsläufig allen institutionellen Anforderungen gerecht werden muss, sondern sich auf relevante Gruppen konzentrieren kann (Ruef/Scott 1998, S. 898).

Organisationen können ihre Legitimität vor allem durch Einhalten der institutionellen Normen erhalten und erhöhen (Suchman 1995, S. 587). Da Unternehmen innerhalb eines organisationalen Feldes den gleichen institutionellen Ansprüchen genügen müssen, findet ein Anpassungsprozess statt, in Folge dessen sich diese Unternehmen immer ähnlicher werden (DiMaggio/Powell 1983, S. 148). Dieser Prozess der stetigen Angleichung wird als Isomorphie bezeichnet (DiMaggio/Powell 1983, S. 149). Da Konformität mit bestehenden institutionellen Bedingungen zu Legitimität führt, ist das Konzept des Isomorphismus unausweichlich an den Erfolg und das Überleben von Organisationen geknüpft (Meyer/Rowan 1977, S. 353 i.V.m. Boxenbaum/Jonsson 2008, S. 78).

2.2 Isomorphismus

Nach der Definition von Hawley (1968 zit. nach DiMaggio/Powell 1983 S. 149) wird Isomorphismus als „constraining process that forces one unit in a population to resemble other units that face the same set of environmental conditions“ verstanden. Organisationen, die sich eine gemeinsame Umwelt teilen, müssen sich somit den gleichen technischen und institutionellen Anforderungen beugen und werden dadurch einander immer ähnlicher (Boxenbaum/Jonsson 2008, S. 78). Von der Umwelt als erwünscht erachtete Verhaltensweisen und Strukturen werden dann von den Organisationen gleichermaßen implementiert, um Legitimität zu erreichen (Dacin 1997, S.72f.).

DiMaggio/Powell (1983, S. 150) identifizieren drei unterschiedliche Mechanismen, die eine isomorphe Anpassung von Organisationen bedingen kann: Zwang, Imitation und normativer Druck. Zwang ergibt sich dabei vor allem aus staatlichen Regulationen und Gesetzten, die den Verhaltensspielraum der Unternehmen einschränken (DiMaggio/Powell 1983, S. 150). Allerdings kann sich diese Art der Isomorphie auch aus Abhängigkeiten und Machtkonstellationen ergeben, wie beispielsweise bei der Übernahme von ISO-Standards (Boxenbaum/Jonsson 2008, S. 80). So verbreitete sich in Deutschland die Übernahme des ISO 9000-Standards, obwohl dessen Effizienz für viele der Firmen stark angezweifelt wurde und daher nur auf Gründe der Legitimitätserreichung zurück geführt werden kann (Beck/Walgenbach 2005, S. 861).

Isomorphismus durch Imitation oder auch ‚mimetische Isomorphie‘ entsteht vor allem in sehr unsicheren Umwelten, in denen eine Organisation eine andere imitiert, wenn diese erfolgreicher oder legitimierter erscheint (DiMaggio/Powell 1983, S. 151f.). Organisationen orientieren sich dabei an an anderen Unternehmen in ihrer Umwelt und versuchen so herauszufinden, welche Praktiken als angemessen gelten, um diese dann selbst zu implementieren (Zajac et al. 2000, S. 438 i.V.m. S. 442). So werden sehr profitable Unternehmen von den weniger Erfolgreichen innerhalb einer Branche schlichtweg einfach kopiert (Haveman 1993, S. 622).

Normativer Druck entsteht vornehmlich durch Professionen und wird durch eine gemeinsame kognitive Basis ausgelöst, auf der das formale Bildungssystem von Universitäten beruht sowie ein stetig wachsendes Netzwerk der Professionen (DiMaggio/Powell 1983, S. 152). Durch beide Faktoren werden gemeinsame Denk- und Problemlösungsmuster verbreitet, die einen einheitlichen normativen Orientierungsrahmen definieren, an den sich organisationsübergreifend angeglichen wird (Millonig 2002, S. 57). Dieser Anpassungsprozess wird durch die Personalauswahlverfahren der Unternehmen noch verstärkt: so werden überwiegend Manager mit derselben Ausbildung und ähnlichen Qualifikationen ausgewählt und eingesetzt (DiMaggio/Powell 1983, S. 152).

2.3 Normative Barrieren und Nonkonformität

Normativer Druck muss allerdings nicht immer notwendigerweise zu einer Strukturangleichung der Unternehmen führen, sondern kann Imitationsverhalten ebenso beschränken oder verhindern (Ferlie et al. 2005; Jonsson/Regnér 2009). In diesem Fall kann dann von einer normativen Barriere gesprochen werden. Barrieren werden im Allgemeinen als Hindernisse definiert, die einen Prozess hemmen oder verhindern können, jedoch nicht unüberwindbar sind (Witte 1973, S. 6). Übertragen auf das Konzept der Isomorphie können sie somit als Hemmschuh für den Prozess der Strukturanpassung zwischen den Unternehmen verstanden werden. Eine Norm kann im Sinne dieser Arbeit als soziale Konvention definiert werden und bezeichnet das, was eine soziale Gruppe als angemessen und richtig empfindet (Bierhoff/Herner 2002, S. 182; Brockhaus-Enzyklopädie 1991, S. 693). In Anlehnung an DiMaggio/Powell (1983, S. 152) kann diese soziale Gruppe auch eine Profession sein, die aufgrund gemeinsamer Denk- und Wertevorstellungen die selben Praktiken oder Strukturen ablehnt und somit als normative Barriere fungiert.

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Details

Titel
Normative Barrieren oder der Widerwille zu imitieren - Eine Analyse der Konsequenzen von Nonkonformität
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V170986
ISBN (eBook)
9783640900268
ISBN (Buch)
9783640900176
Dateigröße
677 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neo-Institutionalismus, normen, normative barrieren, imitation, imitationsbarrieren, konsequenzen, nonkonform, nonkonformität, folgen
Arbeit zitieren
Daniela Bache (Autor), 2010, Normative Barrieren oder der Widerwille zu imitieren - Eine Analyse der Konsequenzen von Nonkonformität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170986

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