Wir eröffnen ein Wertpapierkonto und erfahren die Bedeutung und Auswirkungen von Zinsen und Dividenden. An der Börse gibt es nicht nur Sonnentage, sondern ab und zu gewittert es auch. Dies ist ganz normal und muss auch sein, da die Börse reale Wirtschaftserfolge darstellt. Die Börse ist keine Einbahnstraße. Wappen Sie sich mental und lernen Sie die Signale von Kursbewegungen kennen.
Bestimmte Risiken sind vorhersehbar. Machen Sie sich zunächst mit dem Börsenalltag und damit mit den Basisrisiken vertraut. Dazu dient das Thema „Basisrisiken bei der Vermögensanlage“.
Wählen Sie dann aus dem Anlagekosmos die Wertpapierkategorie aus, in die Sie zunächst investieren möchten, z.B. Aktien. Später können Sie sich um die anderen Anlageinstrumente (Anleihen, Fonds, Zertifikate, ETFs /ETPs, etc.) kümmern. Dadurch vermeiden Sie in der Anfangsphase eine Überfrachtung und erhalten einen klareren Blick für die Planung und Entwicklung einer eigenen Strategie.
Anschließend gehen wir auf die steuerlichen Konsequenzen der jeweiligen Anlageentscheidungen ein. Danach kommen wir zum Thema „Unsere Ratschläge zur Vermögensanlage“. Das sind die mentalen Stützen in Ihrem Korsett, also wichtige Erfahrungswerte und Hinweise für das Anlageverhalten. Es spricht nichts dagegen, diese zuerst zu lesen.
Sie werden viele neue Begriffe und Kennzahlen kennen und schätzen lernen, die mit Beispielen unterlegt sind. Heutzutage braucht man betriebswirtschaftliche Kennzahlen (= KGV / KUV-Verhältnis, etc.), Risikokennzahlen (Volatilität, Beta, Korrelation) und Ertragskennzahlen eines Wertpapieres nicht mehr mühsam zusammenzusuchen, da sie per Mausklick (Smartphone: App Gemini von Google/ Computer: CoPilot von Microsoft) abgerufen werden können. Diese Begriffe werden ihren Schrecken schnell verlieren und sind leicht zu erfassen und zu verstehen. Sie werden sie bei ihrer Anlageentscheidung nicht mehr vermissen wollen.
Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Wertpapieranlage.
Inhalt
I. Depoteröffnung
1.1. Warum brauche ich ein Wertpapierkonto?
1.2. Faktoren beim Vermögensaufbau
1.2.1. Faktor: Zins- und Zinseszins
1.2.2. Faktor: Lebensphase
1.2.3. Festlegung des Risikoprofis beim Vermögensaufbau
II. Einführung
3.1. Vorüberlegungen:
3.2. Sicherheit
3.3. Konjunkturrisiko
3.4. Konjunkturkreislauf und Branchenrotation
3.5. Konjunkturentwicklung: Auswirkungen auf den Aktien- und Anleihenmarkt
3.6. Inflationsrisiko (Kaufkraftrisiko/ Wertbeständigkeit im Sinne von Inflationsschutz)
3.7. Welche Auswirkungen hat der Verbraucherpreisindex auf die Finanzmärkte?
3.8. Geldpolitik, Aktien- und Rentenmarkt – Zusammenspiel von Konjunktur-, Zins- und…
3.9. Wirtschaftsindikatoren und deren kurzfristige Auswirkungen
3.10. Risiken und betriebswirtschaftliche Kennzahlen
Schritte zur Rückerstattung
IV. Vermögensaufbau - Anlageprodukte -
4.1. Festverzinsliche Wertpapiere (Rentenpapiere)
4.2. Rating / Beurteilung der Bonität eines Emittenten und seines Schuldtitels
4.3. Warum notieren Anleihen in Prozent?
4.4. Auswahl der festverzinslichen Wertpapiere
4.5. Aktien
Sektoren und Branchen im DAX 40
Ein Wertpapierdepot sollte wegen einer Risikominderung stark diversifiziert sein und…
4.6. Fundamentalanalyse
Was bedeutet ein hoher oder niedriger Cashflow?
Was ist ein „guter“ Cashflow?
Kurz gesagt
Aber
Beispiele für Schätzungen - ausgehend von KGV 15 und EPS (letzter Gewinn): 5 €-
4.7. Technische Analyse - Chartanalyse -
4.8. Kauf von Aktien
4.9. Orderzusätze
4.10. Neuemissionen zeichnen?
4.11. Seien Sie ein intelligenter Eigentümer!
4.12. Verlustbegrenzung
4.13. Was ist beim Kauf von ausländischen Aktien zu beachten?
4.14. Grundsätze beim Aktienkauf
Auszüge aus dem Buch
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1.1. Warum brauche ich ein Wertpapierkonto?
Es sind zunächst 2 Fragen zu klären:
- Was ist ein Wertpapierdepot und
- brauche ich ein solches,
wenn ich doch schon ein Girokonto bei einer Bank habe?
Ein Wertpapierdepot, auchWertpapierdepotkonto genannt, ist ein Konto, über das Wertpapierorders (Kauf, Verkauf, Übertragung) abgewickelt und Wertpapierbestände verbucht werden. Bei Investmentfonds wird die Bezeichnung Anlagekonto verwendet.
Depotkonten können wie Girokonten als Einzelkonten oder als Gemeinschaftskonten geführt werden. In Deutschland ist das Depotgeschäft, also die Verwahrung und Verwaltung von Wertpapieren für andere, ein Bankgeschäft. Depotkonten dürfen nur von Kreditinstituten oder Finanzdienstleistungsinstituten geführt werden.
Über Depotkonten werden lediglich die wertpapierseitigenBuchungen eines Wertpapiergeschäfts abgewickelt, während die geldmäßigen Gegenbuchungen (Kaufpreis, Verkaufserlös, Zins- und Dividendengutschriften) über ein Verrechnungskonto (z. B. Girokonto) geleitet werden, so z. B. Depotgutschriften auf Wertpapierkäufe oder -übertragungen, sowie Depotlastschriften auf Wertpapierverkäufe.
Depotguthaben weisen den Bestand an genau bezeichneten Wertpapieren aus, den der Kontoinhaber beim kontoführenden Kreditinstitut unterhält.
Für die Bereitstellung eines Wertpapierdepots erhebt die Bank üblicherweise Depotgebühren. Diese sind typischerweise nach Höhe und Art der Bestände gestaffelt.
Wie Sie sehen, brauchen Sie ein Wertpapierdepot und ein Verrechnungskonto, damit Ihre Wertpapiergeschäfte abgewickelt werden können.
Voraussetzungen für die Eröffnung eines Depots sind ein Mindestalter von 18 Jahren und ein Girokonto bei einer Bank. Nun müssen Sie sich entscheiden, ob ein Konto bei einer
- Filialbank,
- Onlinebank oder einem
- Neobroker / Smartphone-Broker
eröffnet werden soll.
- Konto bei einer Filialbank
Filialbanken (Deutsche Bank, Commerzbank, Sparkassen) haben im Gegensatz zu Direktbanken ein Filialnetz / Zweigstellen und zeichnen sich durch eine hohe Beratungsintensität aus. Der Verwaltungsaufwand ist daher relativ hoch und kostenintensiv.
Die Eröffnung eines Depots bei einer Filialbankist eine solide, aber oft ziemlich teure Lösung. Sie zahlen bei vielen Filialbanken hohe Gebühren sowohl für einzelne Transaktionen als auch für die Verwahrung der Wertpapiere.
Bei der Filialbank werden Sie beraten, dagegen bei einer Direkt-/Onlinebank nicht. Was sind die Vor- bzw. Nachteile zwischen Filialbank und Direkt-/Onlinebank?
| Filialbank | Direktbank / Online-Bank |
|
|
- Konto bei einer Onlinebank
Ohne Filialen , aber mit Service per E-Mail oder Telefon arbeiten die Onlinebanken . Sie bieten nicht nur Girokonten und Kreditkarten, sondern auch Online-Depots. Käufe und Verkäufe kosten weniger als bei Filialbanken. Um konkurrenzfähig zu sein, haben deshalb die Filialbanken eigene Online-Banken gegründet (Deutsche Bank – maxblue , Sparkassen – S-Broker , Commerzbank – comdirect , ING-Group – ING-DiBa, etc.).
Ich empfehle, das Depot bei einer Direkt-/Onlinebank zu eröffnen. Der große Vorteil besteht nicht nur in den geringeren Transaktionskosten als vielmehr auch in der kostenlosen Zurverfügungstellung der vielen Werkzeuge (Tools), die die Kaufentscheidung erleichtern können (Fundamentaldaten wie Bilanzen, Daten für die technische Analyse, wie Charts, Analysekennzahlen, Renditeberechnungen, Termine Hauptversammlungen, Börsenkalender, Ad-hoc-Mitteilungen, etc.).
Sie können bei einer Direkt-/Onlinebank (z. B. Comdirect-Bank, ING DiBa, etc.) ebenfalls ein kostenloses „Musterdepot“ einrichten und dann folgende Informationsquellen nutzen:
Sie können das Musterdepot mit den Werten anlegen, die Sie für erfolgreich halten und deren Entwicklung mit diversen Tools beobachten. Sie machen also zunächst Trockenübungen. Verfolgen Sie die Nachrichten mit den „News“. Dann bekommen Sie auch ein besseres Verständnis für Wertpapiere.
Wir haben uns – wie Sie vorstehend erkennen können - für ein Konto bei der „comdirect-Bank“ (Unternehmen der Commerzbank) entschieden und habe deren Übersichten (z.B. von An- und Verkaufsordern, Charts, etc.) übernommen. Ähnliche Darstellungen und Grafiken finden Sie auch bei allen anderen Direkt-/Online-Banken.
Kosten beim Erwerb / Verkauf von Wertpapieren bei einer Onlinebank
Die Kosten für den Erwerb und den Verkauf von Wertpapieren kann für die Wahl Ihrer Depotbank wichtig sein.
Stellvertretend für Online-Banken sollen hier die Entgelte der comdirect dienen:
| Grundentgelt | 4,90 € |
|---|---|
Orderprovision (% vom Ordervolumen)
| 0,25 % 9,90 € 59,90 € |
- Konto bei einem Neobroker / Smartphone-Broker
Bei einem Broker 1 , meist Neobroker genannt, zahlen Sie noch niedrigere Gebühren als bei den Onlinebanken. Sie konzentrieren sich auf die Depotführung. Jeder Neobroker ist zugleich ein Online-Broker.
Etablierte Neobroker sind z.B. finanzen.net Zero , tradegate.direct, Scalable Capital und Trade Republic. Es handelt sich um eine neue Broker-Generation, die durch einen gratis Börsenhandel mit wenigen Klicks verlockende Angebote macht und den Markt der Broker gehörig aufmischt.
Hier ein Überblick über die Kosten beim Erwerb bzw. bei der Veräußerung von Wertpapieren von einigen Neobrokern:
| Neobroker- Vergleich | Kosten | Handels-(Börsen)platz |
|---|---|---|
| Finanzen.net Zero | Depotgebühr: 0 € Orderprovision: >500 € = 0 € < 500 €= 1 € Ausführung von Sparplänen ist kostenfrei. | Handelsplatz: gettex (Börse München) für Aktien, ETFs und Fonds Keine Vollbank. Die für die Bankgeschäfte notwendige Depot- und Kontoführung wird von ihrem Partner (Baader Bank AG) übernommen. |
| Tradegate.direct | Orderprovision 0 € Depotgebühr: 0 € Ausführung von Sparplänen ist kostenfrei | Handelsplatz: Tradegate Exchange. (=liquideste Börse für Privatanleger). Die Tradegate direct wird von der Tradegate AG betrieben und diese besitzt seit 1992 eine Vollbanklizenz von der EZB. |
| Scalable Capital | Orderprovision: 0,99 € Depotgebühr: 0,00 € Ausführung von Sparplänen ist kostenfrei | Handelsplatz: EIX (European Investor Exchange= Börse Hannover) und Xetra. Seit 2025 besitzt sie eine Vollbanklizenz von der EZB. |
| Trade Republic | Orderprovision: 0 € Depotgebühr: 0 € < 500 € = 1 € > 500 € = 0 € Ausführung von Sparplänen ist kostenfrei. | Handelsplatz: LS Exchange (Lang & Schwarz Exchange) der Börse Hamburg für Aktien, ETFs und Anleihen. Seit 2023 besitzt sie eine Vollbanklizenz von der EZB. |
Vorteile der Neobroker:
- Durch günstige Konditionen preiswerter, schlanke Prozesse und einfache Handelsoberflächen,
- Teilnahme am Wertpapier-Handel unabhängig von den Börsenöffnungszeiten,
- Festpreisgarantie beim Aktienkauf durch außerbörslichen Handel,
- Trade Republic und Scalable Capital zahlen auf nicht investiertes Guthaben 2% Zinsen.
Wie sieht es mit der Einlagensicherung hinsichtlich meines Verrechnungskontos im Falle einer Insolvenz meines Neobrokern aus?
Ist mein Guthaben auf dem Verrechnungskonto bei meinem Neobroker bei einer Insolvenz sicher? Um diese Frage zu beantworten, ist zunächst zu klären, was der Unterschied zwischen gesetzlicher und freiwilliger Einlagensicherung ist.
- Gesetzliche Einlagensicherung
Alle Banken in Deutschland, die Einlagen entgegennehmen, müssen gesetzlich einem Einlagensicherungssystem angehören. Damit sind Kundeneinlagen bis 100.000 Euro pro Person und Bank geschützt.
Schutzumfang: Guthaben auf Giro-, Tagesgeld-, Festgeldkonten und Sparbüchern sind abgesichert.
- Der Schutz gilt bis zu 100.000 Euro pro Kunde und Bank.
- In besonderen Fällen (z. B. Immobilienverkauf kurz vor einer Bankenpleite) kann der Schutz vorübergehend bis 500.000 Euro reichen.
- Freiwillige Zusatz-Sicherungsfonds
Neben der gesetzlichen Einlagensicherung gibt es freiwillige Einlagensicherungsfonds der Bankenverbände:
- Privatbanken: Der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) sichert über die 100.000 Euro hinaus – aktuell bis zu 3 Mio. Euro für Privatpersonen und bis zu 30 Mio. Euro für Unternehmen.
- Öffentliche Banken & Genossenschaften: Auch Sparkassen, Volksbanken und öffentliche Banken haben eigene Sicherungssysteme, die über die gesetzliche Mindestabsicherung hinausgehen.
- Die freiwilligen Einlagensicherungsfonds bieten also zusätzlich - je nach Bankenverband - deutlich höhere, aber unterschiedliche Sicherungsgrenzen. Nicht jede Bank ist Mitglied im freiwilligen Einlagensicherungsfonds. Wer höhere Summen für sein Verrechnungskonto absichern möchte, sollte gezielt bei seinem Neobroker nachfragen. Informationen dazu stehen meist auf der Bank-Website oder im Preis-/Leistungsverzeichnis.
Hier einige Beispiele der Einlagensicherung von Neobrokern -
| Finanzen.net.Zero | Gesetzliche Einlagensicherung bis zu 100.000 € = wird über die Baader Bank AG geführt. Freiwilliger Einlagensicherungsfonds: Ja. Die Baader Bank ist zusätzlich Mitglied im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken e.V. |
|---|---|
| Tradegate.direct | Gesetzliche Einlagensicherung bis zu 100.000 €= wird über die Tradegate AG geschützt. Freiwilliger Einlagensicherungsfonds: = Nein, nicht Mitglied in einem freiwilligen Einlagensicherungsfonds |
| Scalable Capital | Gesetzliche Einlagensicherung bis zu 100.000 € Freiwilliger Einlagensicherungsfonds: Ja, über die Baader Bank AG. |
| Trade Republic | Gesetzliche Einlagensicherung bis zu 100.000 € Freiwilliger Einlagensicherungsfonds: Nein, nicht Mitglied in einem freiwilligen Einlagensicherungsfonds. |
Wichtig: Wertpapiere sind kein Fall für die Einlagensicherung. Ihre Wertpapiere (Aktien, ETFs, Fonds) werden als Sondervermögen geführt. Das bedeutet, sie sind Ihr Eigentum und bleiben auch im unwahrscheinlichen Fall einer Insolvenz der Bank in voller Höhe geschützt.
Wie können die Neobroker so günstig sein?
Das Gebührenmodell wird „Payment for Orderflow (PfOF23) genannt. Bei diesem Modell zahlen Börsenanbieter den Neobrokern Geld dafür, dass diese die Wertpapieraufträge ihrer Kunden an einen bestimmten Börsenplatz leiten. Im Gegenzug entfallen für die Kunden die Handelsgebühren.
Beispiel : Ein Online-Broker leitet Ihren Kundenauftrag (= Kauf/Verkauf der X-Aktie) nicht direkt an die Börse, sondern an bestimmte Handelsplätze oder sogenannte Market-Maker weiter. Für diese Orderweiterleitung erhalten die Online-Broker vom jeweiligen Handelsplatz oder Markt-Maker eine Provision.
Wird der Auftrag im Rahmen des PFOF-Systems ausgeführt, dann geschieht das zum Preis des Market-Makers. Dieser Preis kann einen kleinen Aufschlag beinhalten, den der Market-Maker einkalkuliert hat.
Als Anleger zahlen sie dafür keine oder nur sehr geringe Transaktionskosten. Der Broker finanziert sich nicht über die Ordergebühren, sondern über die zuvor genannten Provisionen Die BaFin sieht darin ein Interessenkonflikt.
Was plant die EU hinsichtlich des Gebührenmodells „PfOF?
Die EU hat beschlossen das Gebührenmodell PfOF ab Mitte 2026 zu verbieten. Es müssen allerdings noch das EU-Parlament und die Mitgliedsstaaten zustimmen.
Darauf reagieren schon einige Neobroker. Der Online-Neobroker Scalable führt z.B. in Zukunft die Depots ihrer Kunden selbst. Gemeinsam mit der Börse Hannover wird zusätzlich eine neue Handelsplattform, die European Investor Exchange (EIX) mit rd. 15.000 Werten eingeführt. Scalable stellt EIX bereit und die Börse Hannover übernimmt die Handelsüberwachung
Mit EIX wickelt Scalable künftig die Kundenaufträge selbst ab.
Grundsätzlich sind wir hinsichtlich der Neobroker optimistisch, dass sie in der Lage sind, ihre Brokertätigkeit den neuen Vorschriften anzupassen und somit ihr Überleben – auch - zu Gunsten der Anleger zu sichern.
Es steigen mittlerweile auch die etablierten Banken/Sparkassen auf den Neobroker -Zug auf, so die Sparkassen mit „S-Neo“ und Comdirect mit „Pure Depot“.
Ein Neobroker-Test finden Sie auch bei Stiftung Warentest in der Ausgabe 12/2025.
Fazit:
Wir wissen nun, dass wir einen Broker / Finanzdienstmakler (Filialbank, Online-Broker oder Neobroker) benötigen, um ein Wertpapierdepotkonto eröffnen zu können. Sie sollten, weil die EU an Reformen arbeitet (=PfOF), die Kauf-/Verkaufskonditionen von Zeit zu Zeit überprüfen.
Außerdem sollten Sie einen Blick auf die
- Kostenstruktur (Depotgebühr, An- und Verkaufskosten),
- Verzinsung und Einlagensicherung (= gesetzliche und freiwillige) des Verrechnungskontos werfen. Dies hilft viele - wiederkehrende - Kosten zu sparen und Einnahmen auf dem Verrechnungskonto (=geparkte Gelder) zu generieren.
Aktives Handeln an der Börse erfordert ein hohes Maß an Know-how, das sich Einsteiger erst erarbeiten müssen. Dieses Know-how möchten wir Ihnen mit diesem Buch vermitteln.
Eröffnung eines Wertpapierdepots
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie ein Wertpapierdepotkonto eröffnet werden kann. Von den Brokern / Finanzdienstmaklern werden verschiedene Identifikationsverfahren angeboten.
Identifikationsverfahren
- Bei einer Filialbank
Vereinbaren Sie vor dem Gang in die Filialbank einen Termin mit einem Bankberater. Der Bankberater und Sie füllen gemeinsam das Antragsformular zur Depoteröffnung aus. Sie brauchen lediglich Ihren Personalausweis. Die Identitätsprüfung erfolgt direkt vor Ort durch einen Bankmitarbeiter. Ihr Depotkonto ist eröffnet.
- Bei einer Online-Bank / bei einem Neo-Broker
Haben Sie sich nach reiflicher Überlegung für einen Anbieter entschieden, füllen Sie auf der jeweiligen Homepage der Online-Bank / des Neobrokers den Kontoeröffnungsantrag aus (persönliche Daten, eMail-Adresse etc). Zu guter Letzt muss noch Ihre Identität verifiziert werden. Dies kann auf verschiedene Arten erfolgen:
- Post-Ident- Verfahren,
- Video-Ident-Verfahren
- eID-Verfahren.
Beim Post-Ident-Verfahren gehen Sie mit ausgedruckten Unterlagen und Ihrem Personalausweis zu einer Postfiliale. Ein Mitarbeiter der Post stellt dann anhand Ihres Personalausweises Ihre Identität fest. Dieses Verfahren wird meist bei Direktbanken ohne Filialnetz angewendet.
[...]
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4.7. Technische Analyse - Chartanalyse -
Anleger fühlen sich zeitweise wie an einer stark befahrenen Kreuzung. Es geht nach Norden, Süden, Westen und Osten – doch in welcher Richtung geht es weiter? Hier kann die Charttechnik hilfreich sein.
Die Charttechnik (auch "technische Analyse" genannt) ist eine Technik zur Interpretation von Charts (= Kursbilder der Vergangenheit). Sie verfolgt das Ziel, Kursprognosen und Kurspotenziale abzuleiten, um so geeignete Zeitpunkte für Kauf- und Verkaufsdispositionen zu identifizieren.
Was stellt so ein Chart dar? Das Chart stellt sich als grafische Aufzeichnung von Kursverläufen und Umsatzentwicklungen (z. B.) einer Aktie, eines Aktienindex, aber auch von Branchen und Währungen für einen ausgewählten Zeitraum dar.
Die Technische Analyse ist die Methode, die versucht, die richtige Zeit zum Kauf oder Verkauf einer Aktie vorherzusagen. Außerdem weist sie auf Trends und Formationen hin.
Die erste Aussage der Technischen Analyse ist, dass alle Informationen über Gewinne, Dividenden und die künftige Performance eines Unternehmens automatisch in die vergangenen Kurse der Aktien des Unternehmens eingeflossen sind. Es wird davon ausgegangen, dass ein Chart, der diese Kurse und das Umsatzvolumen zeigt, alle fundamentalen Informationen, die ein Aktienanalyst je erhalten könnte, enthält.
Die zweite Aussage ist, dass die Kurse dazu neigen, sich in Trends (Aufwärts-, Abwärts- und Seitwärtstrends) zu bewegen. Eine Aktie, deren Wert steigt, neigt dazu, weiterhin zu steigen, während eine Aktie, die eine Pause einlegt, auch weiterhin pausiert.
| Kurs | |||||||
| 100 | |||||||
| 90 | |||||||
| 80 | |||||||
| 70 | |||||||
| 60 | |||||||
| 50 | |||||||
| 40 | |||||||
| 30 | |||||||
| 20 | |||||||
| 10 | |||||||
| 0 | |||||||
| Jahr | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 | 2026 |
Die Trends beinhalten auch mittelfristige Korrekturen, die dazu führen, dass Kurse normalerweise zwischen 1/3 und 2/3 der vorhergehenden Trendbewegung zurückkommen können. Der alte Börsenfuchs André Kostolany verglich die Börsentrends in einem schönen Bild, kurz zusammengefasst so: „Es ist wie bei einem Mann, der mit seinem Hund spazieren geht. Beide haben eine Richtung vor Augen und beide legen die Strecke zurück. Da der Hund aber spielend vor- und wieder zurückläuft, legt dieser die Strecke mehrfach zurück“.
Als dritte Aussage ist festzustellen, dass aus Charts immer wiederkehrende Chartformationen abgeleitet werden können. Diese gilt es zu analysieren und deren Indikatoren auf Signale hin zu untersuchen.
Damit Sie die in den Printmedien abgedruckten Charts lesen können, noch folgende Hinweise:
Der Trend hat 3 Richtungen: den Aufwärtstrend, den Abwärtstrend und den Seitwärtstrend. Den Gipfeln und Tälern in den Charts werden Bezeichnungen zugewiesen,
- die Unterstützungslinien und
- die Widerstandslinien.
Unterstützungslinie
| Kurs | |||||||
| 100 | |||||||
| 90 | |||||||
| 80 | |||||||
| 70 | |||||||
| 60 | |||||||
| 50 | |||||||
| 40 | Unterstützungslinie | ||||||
| 30 | |||||||
| 20 | |||||||
| 10 | |||||||
| 0 | |||||||
| Jahr | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 | 2026 |
Eine Unterstützungslinie wird normalerweise im Vorhinein durch ein früheres Reaktionstief festgelegt. So wurde bei einem Kurs von 40 € die Unterstützungslinie in 2023nicht durchbrochen. Der Kurs hat sich gefangen und der Aufwärtstrend wurde nicht gebrochen.
Dagegen wurde bei einem Kurs von 60 € im Jahre 2026 die alte Unterstützungslinie durchbrochen. Dies deutet auf weiter sinkende Kurse hin.
Widerstandslinie
| Kurs | |||||||
| 100 | |||||||
| 90 | |||||||
| 80 | |||||||
| 70 | Widerstandslinie | ||||||
| 60 | |||||||
| 50 | |||||||
| 40 | Unterstützungslinie | ||||||
| 30 | |||||||
| 20 | |||||||
| 10 | |||||||
| 0 | |||||||
| Jahr | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 | 2026 |
Im Jahre 2023 und 2024 ist die Aktie mehrfach an der 70 €- Grenze gescheitert. Sie konnte nicht überwunden werden (z. B. weil ein großer Verkaufsauftrag bei einem Limit von 70 € lag). Die waagerecht eingezeichnete (rote) Linie wird Widerstandslinie genannt. Erst Mitte 2024 konnte die 70 €- Grenze geknackt werden. Dann fiel der Kurs auf die alte Unterstützungslinie von 50 € und überschritt 2026 deutlich die alte Widerstandslinie von 70 €. Nun wird die alte Widerstandslinie zur Unterstützungslinie.
Möglicher Grund: Der große Verkaufsauftrag ist durch viele Verkäufe abgearbeitet worden und der Weg nach oben ist nun frei.
Die Börse ist keine Einbahnstraße
Börsenweisheit
Es gibt sehr viele Muster / Formationen in der technischen Analyse, so z. B. den Trendkanal:
| Kurs | |||||||
| 100 | |||||||
| 90 | |||||||
| 80 | |||||||
| 70 | |||||||
| 60 | |||||||
| 50 | |||||||
| 40 | |||||||
| 30 | |||||||
| 20 | |||||||
| 10 | |||||||
| 0 | |||||||
| Jahr | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 | 2026 |
Es liegt ein Aufwärtstrend vor. Der Trendkanal zeigt an, in welchem Rahmen sich der Aufwärtstrend bewegt. Anfang 2026 liegen Anzeichen vor, dass der Aufwärtstrend gebrochen ist. Das Nichterreichen des oberen Endes eines Trendkanals (siehe Pfeil) ist eine frühzeitige Warnung, dass die untere Linie gebrochen wird.
Charts können recht unterschiedlich dargestellt werden, z. B. als
- Linienchart,
- Balkenchart,
- Kerzenchart (Candlestick Chart) etc.
Dies lässt sich alles mit den kostenlosen Tools, die die Online – Banken zur Verfügung stellen, darstellen. Legen Sie sich bei einer Online- Bank ein Musterdepot an und rufen Sie unter dem Werkzeug (Tool) „Chart“ die jeweils in Betracht kommende Aktie auf und lassen Sie sich den Kursverlauf in den unterschiedlichen Chartdarstellungen anzeigen. Sie können die Kursentwicklung der letzten 5 Jahre, des letzten Jahres bzw. innerhalb des Tages darstellen lassen.
Außerdem können Sie einen Vergleichsindex (Benchmark) einblenden lassen und damit feststellen, ob sich Ihre Aktie besser oder schlechter als der Markt bzw. die Benchmark entwickelt hat.
Viele Börsenteilnehmer schwören auf die technische Analyse, andere wiederum missachten die Charttechnik. Der Autor vieler Börsenbücher, André Kostolany, urteilte einst über die technische Analyse: „Eine Wissenschaft, die vergeblich sucht, was Wissen schafft“. Nur, was Kostolany nicht berücksichtigte, ist, dass nicht jeder die Zeit und Lust hat, sich so wie er intensiv mit den Fundamentaldaten von Aktiengesellschaften zu beschäftigen, da die meisten noch einem Beruf nachgehen müssen.
Meiner Ansicht nach ist die technische Analyse sehr hilfreich, um sich einen Überblick über die Entwicklungen der Aktie oder eines Indexes der letzten Jahre zu machen. Außerdem können Signale für den beabsichtigten Einstieg oder Ausstieg aus einer Aktie oder einem Index der Chartanalyse entnommen werden. Die technische Analyse kann als Ratgeber für das „Timing“ genutzt werden.
4.7.1. Linienchart
Der Linienchart ist in den Printmedien die gebräuchlichste grafische Darstellung von Kursverläufen. Der Aussagegehalt eines Liniencharts ist vergleichsweise gering, da keine weiteren Details wie Eröffnungskurs, Schlusskurs, Hoch- oder Tiefkurs eines Tages zu erkennen sind.
4.7.2. Balkenchart (Bar – Chart)
Bei diesem Chart lässt sich sowohl der Eröffnungs- als auch der Schlusskurs sowie der Hoch- und Tiefkurs jeder Periode erkennen.
Hochkurs
Schlusskurs
Eröffnungskurs
Tiefkurs
Aus der Darstellung ist zu erkennen, ob ein Tag mit Gewinn oder Verlust abgeschlossen hat, oder etwa die Volatilität eines Tages. Schließt beispielsweise der Kurs auf einem Tageshoch, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich die Aufwärtsbewegung am nächsten Tag fortsetzt.
4.7.3. Kerzenchart (Candlestick – Chart)
Bei einem Kerzenchart ist ebenfalls der Eröffnungs- bzw. Schlusskurs sowie der Hoch- und Tiefkurs zu erkennen. Die Kursdifferenz zwischen dem Eröffnungs- und Schlusskurs stellt der Kerzenkörper dar. Je nachdem, ob der Eröffnungskurs unter oder über dem Schlusskurs liegt, ist der Kerzenkörper schwarz bzw. weiß. Die Strecke zwischen Höchstkurs und Schlusskurs bei steigenden – weißen Kerzen - wird als Docht und die Strecke zwischen Tiefkurs und Eröffnungskurs „Lunte“ genannt.
Tageshoch
Eröffnungskurs
Schlusskurs
Schwarzer Kerzenkörper = fallende Kurse
Weißer Kerzenkörper = steigende Kurse
Schlusskurs
Eröffnungskurs
Tagestief
Bei der vorstehenden weißen Kerze rutschte der Kurs nach der Eröffnung und stieg im Laufe des Tages. Das Tageshoch konnte jedoch nicht gehalten werden. Der Schlusskurs liegt unter dem Tageshoch. Die Aktie hatte an diesem Tag eine positive Performance.
Anhand der Allianz-Aktie möchte ich Ihnen die Darstellungsweise der einzelnen Charts anhand eines 3-Monats-Charts verdeutlichen:
- Linien- Chart:
In Liniencharts wird nur der Schlusskurs für jeden aufeinander folgenden Tag eingezeichnet. Viele Chartanalysten glauben, dass der Linienchart eine geeignete Darstellungsmethode der Tagesaktivitäten darstellt, weil der Schlusskurs der wichtigste Kurs eines Handelstages ist.
Er wird Balkenchart genannt, da die Schwankungsbreite eines jeden Tages durch einen senkrechten Balken konstruiert wird. Aus dem Balkenchart lassen sich
- der Eröffnungskurs,
- der Tageshöchstkurs,
- der Tagestiefstkurs, sowie
- der Tagesschlusskurs ablesen (siehe Seite 93).
- Balken- Chart (Bar- Chart)
- Kerzen-Chart (Candlestick-Chart)
Kerzencharts sind die japanische Version des Balkencharts. Sie sind in den letzten Jahren bei westlichen Chartanalysten sehr populär geworden. Die japanische Kerze zeichnet dieselben vier Kurse wie der traditionelle Balkenchart auf – Open, High, Low und Close.
4.7.4. Gleitender Durchschnitt (200 Tage – Linie)
Es gilt Trendwenden zu erkennen. Sie sollen eine Kauf- oder Verkaufsentscheidung erleichtern. Hilfreich bei dem Erkennen einer Trendwende ist der gleitende Durchschnitt (200 Tage- Linie). Die 200-Tage-Linie gibt den Kursverlauf in geglätteter Form wieder und zeigt die größere Trendrichtung an.
Schauen Sie sich die Allianzakte im 200 Tage– Verlauf an (5 Jahres-Chart):
Linienchart
Der geglättete Durchschnitt ( = rote 200-Tage-Linie )
Chart = comdirect entnommen
In dem vorstehenden 5-Jahres-Chart können Sie sehr gut erkennen, dass in 2017 ein starkes Kaufsignal und 2020 ein Verkaufssignal generiert wurde. Sie können auch kürzere Durchschnitte (30 oder 90 Tage) in den Chart einblenden. Die entsprechenden Tools können Sie auf den Internetseiten Ihrer Online-Bank finden (vgl. Darstellung des Inhaltes einer entsprechenden Internetseite auf Seit).
[...]
4.7.3. Kerzenchart (Candlestick – Chart)
- Arbeit zitieren
- A. + M. Hoffmann (Autor:in), 2026, Ich werde Aktionär, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1710233