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Elemente eines erfolgreichen Workshops

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Viele Workshops verlaufen nicht zufriedenstellend und erreichen ihre Zielsetzung nicht. Als zentrale Ursache sieht dieser Essay, dass sich die meisten Workshop-Beteiligten ihrer konkreten Aufgaben in diesem Format nicht bewusst sind. Dadurch verkommt ein Workshop häufig zu einer bloßen Abfolge bestimmter Arbeitsmethoden, deren Sinnhaftigkeit bei der Umsetzung oft nicht hinterfragt wird. Der Essay entwickelt einen wissenschaftlichen Definitionsvorschlag für das Workshop-Format und leitet daraus die verschiedenen Rollen und Aufgabenverteilungen der einzelnen Workshop-Beteiligten ab. Abschließend wird auf den Feedbackprozess zwischen den Workshop-Teilnehmenden eingegangen, der sich aus diesen Rollenverteilungen ergibt.

Excerpt


Einleitung

Trotz steigender Agilität und Flexibilität unterschiedlichster Institutionen, verlaufen Work­shops nicht immer erfolgreich. Oftmals bleibt das Workshop-Ergebnis hinter den Erwartun­gen zurück oder stiftet nicht den erwarteten praktischen Nutzen. In diesem Essay soll der Frage nachgegangen werden, welche Ursachen hierfür verantwortlich sein könnten und wel­che Elemente ein erfolgreicher Workshop beinhalten sollte. Hierbei wird zunächst der Ver­such einer wissenschaftlichen Definition des Begriffs "Workshop" unternommen, bevor dann auf die einzelnen Workshop-Beteiligten (Workshop-Teilnehmende und Workshop-Leitung) und deren Erwartungshaltungen eingegangen wird. Abschließend wird dann der gemeinsame Arbeitsprozess zwischen allen Beteiligten näher untersucht.

Was ist ein Workshop?

Eine konkrete Definition des Begriffs „Workshop“ scheint kaum möglich, da es sich einer­seits nicht um einen wissenschaftlich erarbeiteten Begriff handelt und andererseits der Begriff in unterschiedlichen Kontexten auch sehr unterschiedlich verwendet wird. Interessanterweise hat bereits Myers (1951) diese kaum überschaubare Vielfalt des Workshop-Begriffs ausge­macht. Nach Myers (1951) fand die erste Veranstaltung, die unter dem Begriff „Work­shop“ geplant und durchgeführt wurde, 1936 an der Ohio State University statt. Der Erfolg dieser Veranstaltung soll in den Folgejahren bereits zu hunderten verschiedenen Workshops in den USA geführt haben (Myers 1951: 249). Hieraus leitet er gar die Unmöglichkeit einer wirklich distinkten Workshop-Definition ab:

„Equally obviously, there has not been and there never should be a static, un­changing concept of the meaning, criteria and standards of a workshop. It is a literal truth that no two workshops are alike, nor should they be. The specific purposes for which a workshop is organized, the membership, the physical set­ting and environment, the period of time, the human and the financial resources available, all these and many other conditioning factors inevitably conspire to make each workshop different from all others.“ (Myers 1951: 249)

Einerseits lässt sich Myers (1951) schwer in der Feststellung widersprechen, dass ein Work­shop ein sehr individuell auf bestimmte Teilnehmendengruppen und Lernumgebungen zuge­schnittenes Format darstellt, andererseits mutet es aber doch etwas unbefriedigend an, dass aus dieser Feststellung kein konkreter Definitionsansatz erwächst. Berechtigterweise weist aber Myers (1951) bereits ebenfalls auf eine häufige missverständliche Verwendung des Be­griffs „Workshop“ hin und grenzt damit immerhin den Workshop von anderen Lern- und Ar­beitsformaten ab:

„A workshop is not a course, a conference, an institute, a symposium. If it is in fact one of those things it should be correct labeled and not called a workshop. Sometimes the incorrect label is attached because of ignorance.” (Myers 1951: 250)

Interessanterweise hat sich bis heute nicht viel an der unklaren Begriffsverwendung geändert. In unterschiedlichen Institutionen und Fachrichtungen wird der Workshopbegriff teilweise sehr fließend zu Konferenz-, Meeting- oder Vortragsformaten verwendet, so dass es Teilneh­menden enorm erschwert wird, das sie erwartende Format konkret einzuschätzen. Im Folgen­den sollen daher verschiedene Definitionsansätze des Begriffs „Workshop“ kritisch geprüft und gegen alternative Lern- und Arbeitsformate abgegrenzt werden. Nur so lassen sich die fluiden Übergänge zwischen unterschiedlichen Formaten auch als solche erkennen und nur so lässt sich erkennen, in wie weit Workshop-Elemente auch in anderen Formaten nutzbar sind bzw. Elemente anderer Formate auch in Workshops einfließen können. Beermann et al. (2017) geben hierzu die folgende Definition:

„Ein Workshop ist ein Arbeitstreffen, bei dem sich eine bestimmte Anzahl von Personen mit einem bestimmten Thema auseinandersetzt. Das Ziel dabei: Maßnahmen für die Zukunft zu entwickeln, die dann im Arbeitsalltag umge­setzt werden. Der herausragende Nutzen eines Workshops ist also die Produk­tivität der Teilnehmer und die Umsetzung der Ergebnisse.“ (Beermann et al. 2017: 6)

Beermann et al. (2017) streichen in ihrer Workshop-Definition zwei entscheidende und workshopeigene Elemente heraus. Zum einen geht es darum, im Workshop Ergebnisse zu produzieren, die konkret in der Alltagspraxis umsetzbar sein sollen. Hiermit grenzen sie den Workshop konkret vom Schulunterricht, Vorlesungen oder hochschulischen Seminaren ab, denen man dieses Ziel wohl kaum unterstellen kann. Zum anderen gehen sie auf die hohe Be­deutung der Workshop-Teilnehmenden ein, die sich im Workshop mit einem bestimmten Thema produktiv auseinandersetzen sollen. Es geht also weniger um ein passives konsumie­ren von Informationen oder Wissen, sondern um die aktive Entwicklung zukunftsgerichteter Maßnahmen. Hierdurch wird eine sehr trennscharfe Abgrenzung zu Meeting-Formaten oder Vortragsreihen auf Fachmessen oder -konferenzen geschaffen. Ähnlich mutet die Workshop­Definition von Holt et al. (2026) an:

„... a workshop is a single, short ... educational program designed to teach or introduce participants practical skills, techniques or ideas which they can then use in their work or daily lives.” (Holt et al. 2026)

Die Betonung eines singulären und kurzweiligen Lern-Ereignisses bei Holt et al. (2026) hat in Ergänzung zu der Definition von Beermann et al. (2017) den Vorteil, dass sich hierin ei­ne Abgrenzung zu wissenschaftlichen Kolloquien ausmachen lässt.

Auf Basis dieser weitgehend distinkten Workshop-Definition versuchen Holt et al. (2026) einige workshoptypische Elemente herauszustreichen. An dieser Stelle sollen diese einzelnen Elemente gleichzeitig kritisch auf ihre Abgrenzbarkeit zu anderen Formaten beleuchtet wer­den:

• Workshops sind auf einen überschaubaren Zeitraum begrenzt (max. wenige Tage): Ein klarer Unterschied zum Schulunterricht, hochschulischen Vorlesungen oder auch Kolloquien oder Vortragsreihen. Auf Meetings, Fachkongresse, -messen oder - tagungen trifft diese Abgrenzung jedoch nicht zu.
• Workshops zeichnen sich meist durch eine überschaubare Zahl an Teilnehmenden aus (bis ca. 15): Auch hier lässt sich ein klarer Unterschied zum Schulunterricht, hoch­schulischen Formaten, Konferenzen, Fachtagungen, Messen oder auch zu den meisten E-Learning-Formaten feststellen. Kolloquien oder Meetings finden jedoch meist auch in recht kleinen Gruppen statt.
• Workshops sind in der Regel in sich geschlossene Einheiten, die eine eigenständige Zielsetzung verfolgen: In fast allen anderen Formaten findet sich dieses Charakteristi­kum kaum. Teilweise können Meetings mit einer konkreten Zielsetzung versehen sein, was in der Praxis meistens jedoch eher selten der Fall ist.
• Die Teilnehmenden sind oft in den Prozess des Workshops eingebunden und gestalten die Inhalte aktiv mit: Derartiges findet sich wohl bei keinem anderen Format
• Die Teilnehmenden haben meistens die Möglichkeit, die entsprechenden Inhalte des Workshops auszuprobieren und in Übungsaufgaben zu vertiefen: Teilweise finden sich ähnlich geartete Einheiten im Schulunterricht, allerdings wohl weniger mit der Zielsetzung, den damit verbundenen Übungseffekt konkret in der Alltagspraxis ein­setzen zu können.
• Die Teilnehmenden sollen durch gegenseitiges Feedback eine Rückmeldung zu ihrem Verhalten oder einer erbrachten Leistung erhalten: Auf diesen Aspekt wird später noch gesondert eingegangen.

Zusammenfassend ließe sich ein Workshop als ein Lernformat beschreiben, in dem eine überschaubare Zahl an Teilnehmenden einen sehr überschaubaren Zeitraum zusammen­kommt, um aktiv neue Ideen oder Techniken zu erarbeiten und zu trainieren und durch ge­genseitiges Feedback über die im Workshop gemachten Erfahrungen zu reflektieren. Ziel ist dabei, die gemachten und reflektierten Erfahrungen in die Alltagspraxis transferieren zu kön­nen.

Auch wenn dieser Definitionsversuch etwas umständlich klingen mag, so vermag er doch ei­nen Workshop recht konkret von anderen Lern- und Arbeitsformaten abzugrenzen. Somit werden auch konferenz- oder kolloquiumsähnliche Formate, die z.B. von Lawson (2004) oder Rogers (2009) im akademischen Arbeitskontext beschrieben werden, zurückgewiesen und nicht als Workshops im eigentlichen Sinne erachtet, wie bereits Myers (1951) beschrie­ben hat.

Die Rolle der Workshop-Teilnehmenden

Auch wenn Lawson (2004) keinen Workshop nach oben angegebener Definition beschreibt, so streicht er doch einige gewichtige Punkte heraus, aus denen Workshops scheitern können. Er geht sogar so weit, zu behaupten, dass es erstaunlich sei, dass Workshops überhaupt funk­tionieren. Im Zusammenhang mit rechtswissenschaftlichen Inhalten sieht Lawson (2004) dabei zwei entscheidende Gründe für das häufige Scheitern von Workshops:

1. Die meisten Teilnehmenden treffen nicht die notwendigen Vorbereitungen, um den Workshop zu einer erfolgreichen Veranstaltung werden zu lassen. Er betont im Zu­sammenhang mit rechtswissenschaftlichen Inhalten des Workshops die Notwendig­keit des vorherigen Lesens entsprechender wissenschaftlicher Texte oder Paper. Da dies nur von wenigen Teilnehmenden im Vorfeld praktiziert würde, wären die Rück­meldungen zu neuen Ideen entweder gar nicht vorhanden oder wenig fundiert (Lawson 2004: 302)

2. Diskussionen nehmen in Workshops häufig den Charakter von Verteidigungen der ei­genen Position oder eigener Thesen an. Der Hintergrund sei, dass Teilnehmende oft mit bereits vorgefertigten Meinungen über ein Thema in den Workshop gingen und den Workshop als Forum der Durchsetzung der eigenen Meinung verständen (Lawson 2004: 303).

Es bleibt festzuhalten, dass Lawson (2004) sich ausschließlich auf wissenschaftliche "Work­shops", die bei ihm mehr den Charakter eines Kolloquiums- oder Konferenzformates haben, im juristischen Kontext bezieht. Somit muss auch festgestellt werden, dass diese etwas spezi­elle Ausrichtung vielleicht nicht vollständig auf andere Workshops übertragbar ist, allerdings kann schon geschlussfolgert werden, dass Teilnehmende vor Anmeldung zu einem Workshop sich genau mit den entsprechenden Voraussetzungen vertraut machen sollten, um den Work­shop erfolgreich mitzugestalten. Lawson (2004) macht hierzu den Vorschlag, dass Teilneh­mende vor allem dann Workshops besuchen sollten, wenn sie zu einem bestimmten Thema noch keine konkrete Meinung gefunden haben und sich durch Feedback anderer Teilnehmen­den eine Meinung zu einer Thematik bilden möchten (S. 305). Görts (2012: 100) drückt die­se Offenheit in der Meinungsbildung folgendermaßen aus:

„Mache dir bewusst, welches Konzept (zum Thema) du mitbringst. Versuche jede deiner Rückmeldungen aus dem Konzept heraus zu erklären, das du zum Thema hast, oder aus anderen Konzepten heraus, mit denen du konfrontiert wirst“

Diese Voraussetzung ist wohl in dieser allgemeinen Form durchaus auf die inhaltlich unter­schiedlichsten Workshops übertragbar.

Die Rolle der Workshop-Leitung

Da sich Workshops durch einen sehr begrenzten Zeitraum und eine eigenständige Zielsetzung auszeichnen und von anderen Lernformaten abgrenzen, könnte ein didaktischer Ansatz der Workshop-Leitung in einer „gemäßigt konstruktivistischen Lernumgebung“ nach Huber (2007: 19) bestehen:

„Ein gewisses Maß an instruktionaler Vorgabe sollte (...) auch in konstrukti­vistischen Lernumgebungen nicht fehlen, um das Bedürfnis nach Strukturie­rung einerseits und Offenheit für individuelle Konstruktionsprozesse anderer­seits auszubalancieren.“

Die Gegenüberstellung von "Instruktion" und "individuellen Konstruktionsprozessen" er­scheint dabei wie ein Widerspruch, der sich kaum auflösen lässt. Somit stellt sich die Frage, wie eine Instruktion der Workshop-Leitung aussehen könnte, ohne die individuelle Konstruk­tionsfähigkeit einzuschränken oder sogar erst zu ermöglichen. Choe (2005: 72) bietet hierzu eine denkbare Antwort:

"Wir können nämlich innerhalb eines Begriffssystems Tatsachen beschreiben wie sie sind, und zugleich beschreiben wir sie nur so, wie sie uns erscheinen, und zwar in dem Sinne, dass sie je nach Begriffssystem unterschiedlich be­schrieben werden können"

Demzufolge könnte die Workshop-Leitung in Anbetracht des engen Zeitrahmens und der konkreten Zielorientierung eines Workshops ein konkretes "Begriffssystem" vorgeben (man könnte in diesem Zusammenhang auch etwas konkreter von einem bestimmten "Konzept" sprechen), nach dem ein bestimmter Workshop-Inhalt bearbeitet bzw. beschrieben werden soll. Dieses „Konzept“ sollte sich dabei bereits klar in der Zielsetzung und in der Agenda des Workshops abbilden. Gleichzeitig könnte die Workshop-Leitung zusätzlich Methoden zur kritischen Reflexion dieses „Konzeptes“ vorgeben. Görts (2012: 96) drückt diesen Zusam­menhang folgendermaßen aus:

"Zu diesem Zweck ermutigen wir Studierende in unseren Veranstaltungen zu "widerständigem" Lernen: Sie werden aufgefordert, unsere Konzepte ... nicht zu konsumieren, sondern aktiv zu prüfen"

Ein Ansatz zur Umsetzung dieses gemeinsamen Reflexionsprozesses über das entsprechende „Konzept“ könnte in einer Ideensammlung (z.B. als Kartenabfrage, als Zuruffrage etc.) in Form von Fragestellungen in Gegensatzpaaren liegen. Z.B. "Was sind Vorteile/Was sind Nachteile von etwas?", "Was ist umsetzbar/Was ist nicht umsetzbar?", "Was fiel mir schwer/was fiel mir leicht?", "Was gefällt mir/Was gefällt mir nicht?" „Was erscheint mir in einer bestimmten Situation sinnvoll/Was erscheint mir nicht sinnvoll?“ „Was können wir di­rekt umsetzen/Was benötigt eine längere Vorbereitungszeit?“ ... Auf diese Weise könnten Workshop-Teilnehmende einerseits dazu veranlasst werden, sich kritisch mit den "Konzep­ten" eines Workshops auseinanderzusetzen und andererseits werden so auch die Teilnehmen­den durch die Ansichten anderer Teilnehmender dazu angehalten, eigene Positionen kritisch zu hinterfragen und zu prüfen. Entscheidend könnte für die Workshop-Leitung hierbei das Nachfragen zu einzelnen Bewertungen der Teilnehmenden sein, um so die Gründe für eine bestimmte Beurteilung zu erfahren. So kann im Idealfall durch Instruktion, Reflexion und letztlich individuelle Konstruktion entstehen.

Feedbackprozesse während des Workshops

Da gegenseitiges Feedback in einem Workshop nicht irgendeine Methodik ist, die punktuell angewendet werden könnte, sondern vielmehr einen permanenten und omnipräsenten Prozess zwischen allen Workshop-Beteiligten darstellt (vgl. Zunic 2023), stellt sich die Frage wie dieser dauerhaft stattfindende Prozess konkret für eine bestimmte Zielsetzung nutzbar ge­macht werden kann. Gerade durch Omnipräsenz des Feedbacks wird es besonders wichtig, gegenseitiges Feedback zielgerichtet zu kanalisieren und auf die Zielsetzung des Workshops zu beziehen, um in diesem Zusammenhang konstruktive Feedbackbeiträge von den weniger konstruktiven zu separieren. Görts (2012: 99) stellt in diesem Zusammenhang folgendes fest:

„(Es) ist wichtig, dass das Bezugssystem geklärt wird, von dem aus jemand Stellung bezieht Wenn Rückmeldung in einer Gruppe stattfindet, die sich so

etwas wie ein "Programm" und Programmziele gegeben hat ... dann sind die Referenzen für Rückmeldungen durch diesen Konsens gegeben“

Hiermit streicht Görts (2012) deutlich heraus, dass gegenseitiges Feedback nur auf Grund­lage eines bestimmten „Konzeptes“ möglich ist, was der Feedbackgebende entweder be­wusst und transparent verfolgt oder aber unbewusst internalisiert hat. Wenn ein festes Pro­grammziel besteht, was die gesamte Gruppe der Workshop-Beteiligten gleichermaßen ver­folgt, dann sollten die individuellen “Konzepte“, auf denen das Feedback basiert dem Pro­grammziel förderlich sein.

Besteht jedoch eine solche Homogenität hinsichtlich der Zielsetzung in einem Work­shop nicht, weil unterschiedliche Teilnehmende vielleicht unterschiedliche Kenntnis­stände zum Thema haben oder individuell unterschiedliche Zielsetzungen verfolgen, fehlt ein solches konsensuales Bezugssystem. Nach Görts (2012) sollte sich damit auch die Zielsetzung des Feedbacks anpassen:

„In einer Lehrveranstaltung wiederum, wo über "Aktivitäten" einzelner Teil­nehmer geredet wird oder wo man gemeinsam über Gelerntes, Nicht-Gelerntes, Versäumtes und Nicht-Verstandenes redet, geht es ... um das Aufgreifen von Beiträgen, um Standpunkte zu präzisieren und tiefer in eine Thematik einzu­dringen" (GÖRTS 2012: 99)

„(Die Workshop-Teilnehmenden sollen dadurch) anfangen, aufeinander bezo­gen zu kommunizieren. Die Orientierung lautet: Sie sollen Lernen als einen Vorgang erfahren, der etwas mit ihnen persönlich zu tun hat. Rückmeldung ge­hört fest zu diesem Lernkonzept" (Görts 2012: 97)

Sowohl die Workshop-Leitung als auch die Workshop-Teilnehmenden sollten sich vor Be­such des Workshops bewusst machen, in wie weit die eigenen Vorstellungen und Zielset­zungen, die sich mit diesem Workshop verbinden, konsensual von allen Workshop­Beteiligten getragen werden oder, ob unter Umständen andere Workshop-Beteiligte mit den gleichen Workshop-Inhalten andere Zielsetzungen verfolgen könnten. Sollte dies der Fall sein, verschiebt sich der Lerneffekt innerhalb des Workshops von einer konkreten Bearbei­tung eines bestimmten Themas mit einem vorher mehr oder weniger deutlich formulierten

Ziel auf die gegenseitige Rückmeldung über Verständnisse, Missverständnisse, Interpretati­onen und Nutzbarkeiten eines bestimmten Themas oder „Konzeptes“. Die Reflexion rückt also noch stärker in den Vordergrund als bei eher konkret zieldeterminierten Workshops. Görts (2012: 99) beschreibt diesen Reflexionsprozess folgendermaßen:

"Wir reden über etwas, was für uns alle ein Thema ist, und das stellen wir zwi­schen uns und betrachten es von allen Seiten. In diesem Zwischenraum haben wir Gelegenheit, unsere Vorstellungen zu verdeutlichen anhand der jeweiligen "Konzepte" von denen wir - bewusst oder zunächst unreflektiert - ausgehen. Dann können wir Differenzen klären und Aussagen präzisieren: Konzepte wer­den deutlicher und wirkliches Lernen kann stattfinden."

Allen Workshop-Beteiligten wird damit die Relativität des eigenen „Konzeptes“ deutlich.

Fazit

In diesem Essay konnte gezeigt werden, dass aktuell keine distinkte und konkrete wis­senschaftliche Definition des Begriffs "Workshop" existiert. Die fehlende konkrete Definition führt häufig dazu, dass sowohl den Workshop-Teilnehmenden als auch den Workshop-Leitenden die eigene Rolle und die eigene Aufgabe in diesem Format nicht bewusst ist. Somit können Workshops zu einer reinen Abfolge bestimmter Arbeitsme­thoden verkommen, deren Sinnhaftigkeit von allen Beteiligten weder verstanden noch gutgeheißen wird. Dieser Essay soll einen Beitrag zur kritischen Reflexion der einzel­nen Rollen innerhalb des Workshops leisten, indem ein ganz besonderes Augenmerkt auf das Feedback zwischen den Workshop-Beteiligten gelegt wird. Dieser Feedback­prozess erscheint mir ein ganz entscheidender Erfolgsfaktor bei der Durchführung von Workshops zu sein. Ein solcher konstruktiver Feedbackprozess ist allerdings weder selbsterklärend noch einfach durchführbar, sondern verlangt ein sehr hohes Maß an Reflexionsvermögen und Interesse am Thema von allen Workshop-Beteiligten. Daher erachte ich es als notwendig, dass sich weitergehende Forschungsarbeiten vor allem mit diesem Aspekt des Workshops zukünftig noch intensiver beschäftigen.

Quellen

Beermann, S. et al. (2017): Workshops: Vorbereiten, durchführen, nachbereiten. Freiburg: Haufe.

Choe, H. (2005): Zu einer gemäßigten Perspektive des Konstruktivismus: Mit Kritik am radi­kalen Konstruktivismus. Saarbrücken: VDM Dr. Müller.

GöRTS, W. (2012): Feedback geben anders - Rückmeldung in Seminaren und Trainings nicht als Beurteilung, sondern als Dialogelement. In: CREMER-RENZ, C. ET AL. (2012): Das Hochschulwesen: Forum für Hochschulforschung, -praxis und -politik, 4 2012. Bielefeld: UVW, S. 94-101.

Holt, C. et al. (2026): Conducting a Workshop. In Community Toolbox: University of Kan­sas. Verfügbar unter: https://ctb.ku.edu/en/table-of-contents/structure/training-and-technical- assistance/workshops/main, [20.03.2026].

Huber, A.A. (2007): Wechselseitiges Lehren und Lernen (WELL) als spezielle Form koope­rativen Lernens. Berlin: Logos.

Lawson, G. (2004): Making Workshops Work. In: Journal of Legal Education, Vol. 54, No. 2, S. 302-312.

Myers, A.F. (1951): Workshops. In: The Journal of Educational Sociology, Vol. 24, No. 5, S. 249-250.

Rodgers, A. (2009): The need for practical workshops. In: Area, Vol. 42, No. 1, S. 127-131.

Zunic, R. (2023): Feedbackmöglichkeiten in Workshops. Feedbackprozesse zwischen den Workshop-Beteiligten zur gemeinsamen Erkenntnis- und Ideengenerierung. Grin: München.

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Title: Elemente eines erfolgreichen Workshops

Essay , 2026 , 11 Pages

Autor:in: Rocco Zunic (Author)

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Details

Title
Elemente eines erfolgreichen Workshops
Author
Rocco Zunic (Author)
Publication Year
2026
Pages
11
Catalog Number
V1710268
ISBN (PDF)
9783389184141
Language
German
Tags
Workshop Feedback
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Rocco Zunic (Author), 2026, Elemente eines erfolgreichen Workshops, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1710268
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